Unter dem Motto „Der Schlüssel passt immer noch nicht!“ haben ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen (GEW) gemeinsam zur Demonstration „SOS Kitas retten!“ aufgerufen. Die Kundgebung findet am heutigen Freitag, dem 2. Oktober, auf dem Richard-Wagner-Platz in Leipzig statt.

Die Auftaktveranstaltung beginnt um 16:30 Uhr. Um 17:00 Uhr folgt der Demonstrationszug. Denn in Sachsens Kindertageseinrichtungen ist die Situation alarmierend: Trotz sinkender Kinderzahlen hat sich die Qualität der Betreuung nicht verbessert.

Personelle Engpässe, eine zunehmende Arbeitsbelastung und eine unzureichende Finanzierung durch das Land Sachsen gefährden die pädagogische Arbeit und die Gesundheit der Beschäftigten.

Gleichzeitig bangen viele pädagogische Fachkräfte angesichts der niedrigen Geburtenzahlen im Freistaat um ihre berufliche Zukunft. Die Gewerkschaften sehen darin einen Widerspruch: Die sinkenden Kinderzahlen könnten genutzt werden, um die Fachkraft-Kind-Relationen nachhaltig zu verbessern und die Qualität frühkindlicher Bildung zu stärken. Stattdessen drohen weitere Kürzungen und Unsicherheit.

„Kinder brauchen Zeit, Zuwendung und verlässliche Bildungsangebote. Familien brauchen Betreuung, auf die sie sich verlassen können. Und pädagogische Fachkräfte brauchen Arbeitsbedingungen, unter denen gute Pädagogik möglich ist“, erklärt Christoph Mädge, Erzieher und Aktiver der GEW.

Auch der Entwurf für den nächsten sächsischen Doppelhaushalt lässt nach Einschätzung der Gewerkschaften den notwendigen politischen Gestaltungswillen vermissen. Die Landesregierung versäume es, die Chancen sinkender Geburtenzahlen zu nutzen und eine kindgerechte Fachkraft-Kind-Relation auf den Weg zu bringen.

„Ob Personalschlüssel oder Finanzierungsschlüssel – der Schlüssel passt einfach nicht“, kritisiert Juliane Fiebig, ver.di-Aktive und Kita-Erzieherin in Leipzig. „Ich bin enttäuscht, dass die Landesregierung uns seit Jahren im Regen stehen lässt.“

Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften fordern die sächsische Landesregierung deshalb auf, die Qualität in der frühkindlichen Bildung und Ganztagsbetreuung nachhaltig zu verbessern und die Kommunen bei der Finanzierung zu entlasten.

Zu den zentralen Forderungen gehören:

Fachkraft-Kind-Relationen nach wissenschaftlichen Empfehlungen: 1:3 in der Krippe, 1:7,5 in der Kita und 1:10 im Hort.

Eine bedarfsgerechte Finanzierung zusätzlicher pädagogischer Fachkräfte.

Mindestens 25 Prozent Vor- und Nachbereitungszeit für mittelbare pädagogische Arbeit.

Die verbindliche Berücksichtigung von Urlaub und Krankheit bei der Personalberechnung.

Unterstützung erfahren die Gewerkschafter/-innen vom Leipziger Gesamtelternrat KiHoTa: „Wir Eltern wollen aus Liebe das Beste für unsere Kinder. Denn Kinder sind mehr als statistische Zahlen bei der Berechnung von Betreuungs- und Finanzierungsschlüsseln. Sie sind der Schlüssel für unsere Zukunft“, erklärt die KiHoTa-Elternvertreterin Christiane Christelsohn.

Statt Bildungsgerechtigkeit für ihre Kinder erleben Eltern den täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie als zunehmende Belastung. Personalmangel und schließende Kitas kosten jeden Tag mehr Substanz – von den Kindern, den Eltern und den Fachkräften. Juliane Armbrust vom Leipziger Gesamtelternrat KiHoTa betont: „Die Lösung ist ein besserer Schlüssel – in der Betreuung und Finanzierung – von Krippe über KiTa bis Hort. Denn der Schlüssel ist der Schlüssel!“

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