Deutschlandweit gingen heute in dutzenden Städten zahlreiche, vor allem junge Menschen auf die Straße, um für eine lebenswerte Zukunft und mehr Gehör seitens der Politik zu demonstrieren. In Leipzig beteiligten sich nach Polizeiangaben geschätzt 6.500 bis 7.000 Personen an einem weitgehend friedlichen Aufzug. Am Ende kam es jedoch zu einzelnen Auseinandersetzungen und Vandalismus auf der Karl-Liebknecht-Straße im Süden.

Bildungschancen, soziale Gerechtigkeit, keine Aufrüstung und Wehrpflicht, mehr Umwelt- und Klimaschutz, ehrliches Gehör seitens der Politik: Die Liste an Themen, mit denen die junge Generation heute bundesweit ihren Protest auf die Straßen der Republik trug, ist lang.

In Leipzig versammelten sich ab 14:00 Uhr zahlreiche Menschen für ihren Protestzug auf dem Augustusplatz. Nach Polizeiangaben beteiligten sich geschätzt 6.500 bis 7.000 Personen an der Versammlung.

Sprecher kritisiert Politik: „Entscheidungen an unseren Köpfen vorbei gemacht“

Luca ist Berufsschüler, Pressesprecher und Mitorganisator der Initiative „Gen Z regelt“ für Leipzig. Den Zweck des Protestes erklärt der 23-Jährige so: „Unsere Forderungen reihen sich ein in eine Vernachlässigung der Politik gegenüber der Jugend: Dass wir sehen, dass die Politik nicht viel auf unsere Zukunft gibt, sondern Entscheidungen an unseren Köpfen vorbei gemacht werden.“

Luca (23) ist Mitorganisator und Pressesprecher des Protestes in Leipzig. Tausende vor allem junge Menschen demonstrierten Samstag in Leipzig. © Lucas Böhme
Luca (23) ist Mitorganisator und Pressesprecher des Protestes in Leipzig. Tausende, vor allem junge Menschen, demonstrierten Samstag in Leipzig. © Lucas Böhme

Als Beispiele nennt Luca Aufrüstung, Militarisierung, die Gespräche über die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die zwangsweisen Musterungen, die 2027 starten sollen. Demgegenüber stünden massiver Sozialabbau, die Schließung von Jugendklubs, Schulbibliotheken, die sich keine Angestellten leisten können, Lehrkräftemangel und dergleichen mehr.

Protest weitgehend friedlich, Pyrotechnik und Böller eingesetzt

Der Demonstrationszug setzte sich am frühen Nachmittag vom Augustusplatz aus in Bewegung und bewegte sich über den Innenstadtring im Uhrzeigersinn zum Ausgangsort zurück. Eine ursprünglich geplante Route über den Brühl war wegen der hohen Teilnehmerzahl der Demonstration kurzfristig abgeändert worden. So führte sie nicht, wie ursprünglich geplant, über die Straße Am Hallischen Tor.

In Redebeiträgen und auf Transparenten wurden unter anderem der Rückzug von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gefordert sowie Aufrüstung und eine rassistische Asylpolitik kritisiert. Auch propalästinensische Rufe waren zu hören. Während des Marsches kam es zum vereinzelten Einsatz von Böllern sowie zur Benutzung von Pyrotechnik. Mehrfach gab es polizeiliche Durchsagen, dies zu unterlassen.

Am Schluss: Auseinandersetzungen mit der Polizei und Randale im Süden

Mit Abschluss des Aufzugs brachen einige Teilnehmer am Augustusplatz aus der Demonstration aus, setzten sich Richtung Süden ab. Es gab Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen auch Pfefferspray eingesetzt wurde. Vorwürfe von Polizeigewalt wurden in sozialen Medien geäußert. Mindestens zwei Personen sollen laut unbestätigten Informationen festgenommen worden sein.

Während die Polizeidirektion in der nahen Dimitroffstraße durch ein größeres Aufgebot an Einsatzkräften abgesichert wurde, bewegten sich größere Gruppen über die Karl-Liebknecht-Straße Richtung Connewitz.

Beobachten konnten wir Mülltonnen auf der Straße und eine entglaste Haltestelle. Nach Aussage der Polizei hätten sich die Störer auf dem Weg nach Süden rasch zerstreut, die Situation sei unter Kontrolle. Ein Reporter berichtete von einer laufenden polizeilichen Maßnahme im Bereich Karl-Liebknecht-Ecke Steinstraße. Für Pkw und ÖPNV war die Durchfahrt ab Riemannstraße südwärts durch die Polizei abgesperrt worden. Am Connewitzer Kreuz war die Situation gegen 18:00 Uhr nach unserer Einschätzung beruhigt.

Die LZ wird die Lage weiter im Auge behalten.

Update 20:20 Uhr: Wie die Polizeidirektion inzwischen mitteilt, seien besonders die Innenstadt und das Demogeschehen durch etwa 500 Einsatzkräfte abgesichert worden. Gezählt wurden nach Angaben der Behörde über 80 Straftaten in Form von Vermummungen und dem Abbrennen von Pyrotechnik.

Nach Ende des Demonstrationsgeschehens sei es aus einer Gruppe von etwa 250 Personen heraus zu Vandalismus und Sachbeschädigungen im Süden Leipzigs gekommen.

Derzeit seien strafprozessuale Maßnahmen im Gange. Dazu und zu Tatverdächtigen, Ingewahrsamnahmen und mehr Details werde nachberichtet, so Polizeisprecher Olaf Hoppe.

 

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