Noch nie ist ein Konjunkturpaket derart wirkungslos verpufft wie das so genannte „Sondervermögen“, das der alte Bundestag noch im März 2025 genehmigte, bevor die neue schwarz-rote Koalition die Regierung übernehmen konnte – und dann eigentlich ein Feuerwerk an Investitionen hätte auslösen können. 500 Milliarden Euro: Das wäre für einen Start ein richtiger Wumms gewesen.
Doch stattdessen wurde das Geld auf zehn Jahre gestreckt und verschwand dann einfach zum Löcherstopfen im defizitären Bundeshaushalt. Das Ergebnis auch in Sachsen: immer noch Wirtschaftsflaute und trübe Stimmung, melden die sächsischen IHKs.
Sie beschreiben in einer gemeinsamen Pressemitteilung die derzeitige Lage in der sächsischen Wirtschaft so: „Nach einem deutlichen Rückschlag im Frühjahr hat sich die sächsische Wirtschaft im Herbst 2026 etwas stabilisiert. Von einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung ist der Freistaat aber noch weit entfernt.
Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich gegenüber dem Frühjahr verbessert. Dennoch bleibt die Stimmung in den Unternehmen ausgesprochen verhalten. Die wirtschaftliche Dynamik in Sachsen ist weiterhin schwach; ein selbsttragender Aufschwung zeichnet sich derzeit nicht ab.“
Dies ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich vom 31. August bis 28. September 2026 insgesamt 1.582 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe beteiligten.
Die Auslöser des Dilemmas sind vielfältig. Die IHKs fassen es so zusammen: „Die im Frühjahr durch die Eskalation im Nahen Osten ausgelösten Preisspitzen und Lieferkettenprobleme haben sich teilweise abgeschwächt. Dennoch bleiben die Energiepreise hoch und die Risiken für die Weltwirtschaft beträchtlich. Eine erneute Verschärfung des Konflikts könnte Energie- und Rohstoffpreise weiter steigen lassen, internationale Transportwege und Lieferketten noch stärker beeinträchtigen sowie Inflation, Nachfrage und Investitionen zusätzlich belasten.“
Aber es sind eben nicht nur die Kriege völlig verpeilter Autokraten, die die elementaren Preise gerade für Energie – Öl und Gas – durch die Decke gehen lassen.
Das sächsische BIP schrumpft
„Gleichzeitig verhindern weiterhin hohe Arbeits- und Produktionskosten eine spürbare Belebung der sächsischen Wirtschaft“, schreiben die IHKs und gehen dann auf die völlig entgleiste Finanzpolitik in Bund und Land ein: „Auch die finanzpolitischen Impulse des Bundes haben in Sachsen bislang keine nennenswerten Wachstumswirkungen entfaltet. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt des Freistaates sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut um 0,3 Prozent.“
Das Statistische Landesamt hatte am 27. September gemeldet: „Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Sachsen verringerte sich im ersten Halbjahr 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 2025. Damit gab es in Sachsen einen leichten realen Rückgang des BIP, während im gesamtdeutschen Maßstab ein Anstieg um 0,9 Prozent erreicht wurde.
Von den Dienstleistungsbereichen in Sachsen gingen bis Ende Juni 2026 durchaus Wachstumsimpulse für die Bruttowertschöpfung (BWS) im Vergleich zum Vorjahr aus. Diese konnten jedoch die deutlichen Rückgänge der BWS im Produzierenden Gewerbe nicht ausgleichen. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Baugewerbe waren die Verluste in Sachsen überdurchschnittlich.“
Und das Statistikamt wies auch darauf hin, dass Sachsen – neben Saarland und Thüringen – zu den einzigen Bundesländern gehörte, die preisbereinigt einen Rückgang der Wirtschaftsleistung verzeichneten. Alle anderen hatten längst wieder ein Plus zu verbuchen.
Was einmal mehr darauf hindeutet, dass hier auf Landesebene etwas nicht rund läuft.
„Trotz der leichten Stimmungsaufhellung zeichnet die Umfrage weiterhin das Bild einer Wirtschaft ohne nennenswerte Wachstumsdynamik. Die Verbesserung gegenüber dem Frühjahr ist vor allem als Erholung von einem zuvor krisenbedingten Rückgang zu bewerten und noch kein Indikator für einen tragfähigen Aufschwung.
Solange hohe Kosten, schwache Nachfrage und ungünstige Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Entwicklung belasten, bleiben Investitionen, Beschäftigung und Wachstumsperspektiven im Freistaat gedämpft“, beschreiben die IHKs die Stimmung. „Für einen spürbaren Aufschwung sind verlässlichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie eine nachhaltige Entlastung der Unternehmen bei den Standortkosten erforderlich.“
Eine irrlichternde Wirtschaftspolitik auf Bundesebene
Die Formel „verlässlichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“ darf man durchaus als eine deutliche Kritik an der irrlichternden Bundeswirtschaftsministerin lesen, die ihre Amtszeit vor allem darauf verwendet hat, die Ausrichtung auf eine energetische Modernisierung der deutschen Wirtschaft wieder zu revidieren.
Da halten sich sächsische Unternehmen natürlich lieber mit Investitionen zurück. „Von einer Belebung der Investitionstätigkeit kann weiterhin keine Rede sein“, stellen die IHKs fest. „Lediglich 16 Prozent der Betriebe planen höhere Investitionsausgaben, während 27 Prozent ihre Budgets reduzieren wollen. Der Investitionssaldo liegt mit –11 Punkten weiterhin deutlich im negativen Bereich. Insbesondere bei langfristigen Standortinvestitionen halten sich die Unternehmen zurück. Ersatzbeschaffungen dominieren klar die Investitionsmotive, während Kapazitätserweiterungen immer seltener geplant werden.“
Aber welche Wirtschaftsministerin liest schon die Berichte von regionalen IHKs? Die natürlich auch vor Ort registrieren, wenn sinkende Beschäftigung auch zu sinkendem Konsum führt. Denn wenn Unternehmen anfangen, bei der Belegschaft zu sparen, pflanzt sich das natürlich fort – bis in die Supermärkte, Restaurants und Dienstleistungsabfragen.
Das klingt indirekt an, wenn die IHKs schreiben: „Der Erwartungssaldo verbessert sich um fünf auf –13 Punkte. Damit bleibt der Anteil der Unternehmen, die mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte rechnen, jedoch weiterhin höher als der Anteil der Optimisten. Die Prognosesalden liegen dabei in allen Wirtschaftssektoren im negativen Bereich.
Besonders ausgeprägt ist die Skepsis im Handel, im Verkehrs- und Tourismusgewerbe sowie im Baugewerbe, wo die Salden jeweils unter der Marke von –20 Punkten liegen. Die Unternehmen sehen für die kommenden Monate nach wie vor nur begrenzte Wachstumschancen. Belastend wirken weiterhin hohe Standort- und Arbeitskosten, die schwache Konsumnachfrage sowie eine überzogene Bürokratie.“
Und beim Konsum darf man nicht nur an die Konsumenten im Laden an der Ecke denken, sondern sollte auch die Kommunen mitdenken, die landesweit tief in die roten Zahlen gerutscht sind und kaum noch Spielraum für die Vergabe von Aufträgen – besonders an die Baubranche – haben. Die Löcher, die eine verfehlte Steuerpolitik auf Bundesebene aufgerissen hat, kann auch der Freistaat nicht mehr stopfen, auch wenn sich Sachsen inzwischen bemüht, durch eigene Schuldenaufnahme die Krise der Kommunen etwas abzumildern.
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