Die Stadt Leipzig hat als Trägerin des Thomanerchores gemeinsam mit einem unabhängigen Expertenteam ein wissenschaftliches Forschungsprojekt zur Aufarbeitung von Unrechtserfahrungen im Thomanerchor seit 1945 gestartet, teilen das Dezernat Kultur und das Dezernat Jugend, Schule und Demokratie in einefg gemeinsamemn Pressemitteiliung mit. Ziel sei es dabei, Erfahrungen mit Grenzverletzungen in Bezug auf körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt sichtbar zu machen, das Leid Betroffener anzuerkennen und die Ereignisse und Strukturen wissenschaftlich zu untersuchen. Und dafür geht’s tie i die Geschichte hinein.

Hierfür wurde an der Universität Leipzig ein Online-Zeitzeugenportal eingerichtet, in dem ehemalige Thomaner über ihre Erlebnisse berichten und Fragen zu ihrer Zeit im Thomanerchor beantworten können.

„Der Thomanerchor und die Stadt Leipzig als seine Trägerin übernehmen mit der Studie Verantwortung dafür, auch diesen Teil seiner Geschichte in den Blick zu nehmen. Ziel ist ein möglichst umfassendes Bild von Leid- und Unrechtserfahrungen zu bekommen, die ehemalige Thomaner in ihrer Zeit im Chor und im damaligen Alumnat gemacht haben“, sagt Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke.

Für Generationen ehemaliger Thomaner ist die Zeit im Chor mit prägenden Erinnerungen an Musik, Ausbildung, Freundschaften und Gemeinschaft verbunden, in der die Institution über Jahrzehnte eine herausragende künstlerische Entwicklung genommen und internationale Ausstrahlung erlangt hat. Doch es ist auch bekannt, dass nicht alle Erlebnisse positiv waren.

Der Thomanerchor und die Stadt Leipzig als seine Trägerin übernehmen mit der Studie Verantwortung dafür, auch diesen Teil seiner Geschichte in den Blick zu nehmen. Ziel ist ein möglichst umfassendes Bild von Leid- und Unrechtserfahrungen zu bekommen, die ehemalige Thomaner in ihrer Zeit im Chor und im damaligen Alumnat gemacht haben.

Strukturen und Kinderschutz

Untersucht wird dabei auch, unter welchen institutionellen, pädagogischen und sozialen Bedingungen Grenzverletzungen möglich waren und welche Strukturen Übergriffe begünstigt haben. Ebenso soll betrachtet werden, wie innerhalb der damaligen Strukturen mit entsprechenden Erfahrungen und Hinweisen umgegangen wurde.

Im Mittelpunkt der Studie stehen die Betroffenen und ihre Erfahrungen. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, das Erlebte in einem geschützten Rahmen zu schildern. Ihre Perspektiven sind eine wesentliche Grundlage, um Geschehenes sichtbar zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und die institutionellen Bedingungen zu untersuchen.

Damit sollen auch die heute im Choralltag gelebten Strukturen der Prävention, des Hinschauens und der Achtsamkeit der Thomaner im Umgang miteinander und mit den Lehrkräften sowie das Schutzkonzept des Chores abgeglichen und weiter verbessert werden.

„Die Aufarbeitung der Geschichte des Thomanerchores zeigt, wie wichtig es ist, aus vergangenen Erfahrungen Konsequenzen für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Kinderschutz bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, genau hinzuschauen und Strukturen zu schaffen, die Grenzverletzungen verhindern. Ein wirksames Kinderschutzkonzept ist dafür unverzichtbar und muss im Alltag gelebt und kontinuierlich weiterentwickelt werden“, betont Schulbürgermeisterin Vicki Felthaus.

Die wissenschaftliche Untersuchung wird von Prof. Dr. Heide Glaesmer, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, geleitet. Zum Forschungsteam gehören der Musikwissenschaftler und Pädagoge Andreas Lueken sowie die Psychologin Doreen Hoffmann.

Das Forschungsprojekt ist an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, angesiedelt und wird von einer Aufarbeitungskommission begleitet. Diese setzt sich aus ehemaligen Thomanern, einem Vertreter des Leipziger Jugendamts, einer Vertreterin des Leipziger Stadtrates, einem Justiziar des Leipziger Rechtsamts und den Mitarbeitenden des Forschungsprojekts zusammen.

Finanziert wird die Aufarbeitungsstudie von der Stadt Leipzig und der Stiftung Thomanerchor. Die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Untersuchung sowie die Vertraulichkeit gegenüber den ehemaligen Thomanern und allen weiteren Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sich beteiligen, bilden wesentliche Grundlagen des Projektes.

Detaillierte Informationen zur Studie und Verlinkungen zum Zeitzeugenportal findet man unter www.leipzig.de/studie-thomanerchor.

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