Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde von einem Boom der Büroflächen in Leipzig geredet, wurden überall neue riesige Bürokomplexe hochgezogen. Doch seit drei Jahren ist dieser Boom stillschweigend verklungen und zehntausende Quadratmeter Bürofläche stehen in Leipzig leer. Ehrgeizige neue Büroprojekte wurden stillschweigend auf Eis gelegt. Dafür ist das Problem fehlender Wohnungen in Leipzig immer schärfer geworden. Warum also nicht die leer stehenden Büroflächen zu Wohnraum umnutzen, fragte sich die BSW-Fraktion im Stadtrat.
Und Leipzig ist dabei nicht die einzige deutsche Großstadt, die mit dieser Unwucht zu kämpfen hat. Auch in anderen Großstädten stehen riesige Bürokomplexe leer.
Selbst der Bund hat das Thema inzwischen aufgegriffen, wie die BSW-Fraktion in ihrem Antrag feststellte: „Ab Juli 2026 startet das Bundesförderprogramm ‚Gewerbe zu Wohnen (GzW)‘, mit dem der Umbau gewerblichen Leerstands zu Wohnraum mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss von bis zu 30.000 € je Wohneinheit gefördert wird (bei Standard EH 85 EE). In Leipzig besteht eine anhaltende Nachfrage nach modernen und zentralen Büroflächen. Unsanierte oder normalsanierte Flächen, die in Randlagen liegen, sind dagegen tendenziell unattraktiv.
Durch die Umstrukturierung der Arbeitsformen (Homeoffice, veränderte Bürokonzepte) nimmt der Leerstand zu. Es bedarf daher gezielter Maßnahmen, um diesen Leerstand aktiv zu reduzieren. Je nach Marktanalyse besteht nach Abzug ungeeigneter Flächen ein Potenzial von bis zu 2.000 Wohneinheiten in Leipzig.“
Am 30. September kam der Antrag zur Behandlung in den Stadtrat und BSW-Stadtrat Sascha Jecht warb innigst dafür, das Thema in Leipzig auch endlich anzugehen, auch wenn er auf den kleinteiligen Antrag der BSW‑Fraktion zugunsten des Verwaltungsvorschlags verzichtete.
(Mindestens) 73.000 Quadratmeter Büroleerstand
Das Amt für Wohnungsbau und Stadtsanierung brachte darin auch Zahlen, die zumindest eine erste Einschätzung über den Leerstand an Büroflächen in Leipzig zeigen: „Die Stadtverwaltung selber führt keine offizielle Statistik zum Leerstand von Bürogebäuden und hat auch keine Kenntnis über die Details einzelner leer stehender Objekte, die für die Aktivierung erforderlich sind. Deshalb können an dieser Stelle nur auf die Aussagen von Immobilienunternehmen zurückgegriffen werden. Die DIP (Deutsche Immobilienpartner) verweist auf rund 73.000 m² nicht mehr marktwirksame strukturelle Leerstände. Diese entsprechen offenbar nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Büromarktes.
Im Vergleich zu anderen Großstädten in Deutschland ist der Leipziger Büromarkt mit Leerstandsquoten unter 5 % jedoch robust. Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass sich die Standorte der Immobilien teilweise nicht für eine Umnutzung zu Wohnraum eignen dürften (bei randstädtischen, verkehrsorientierten Standorten im gewerblichen Umfeld). Eine Durchmischung von gewerblich geprägten Standorten mit Wohnnutzungen widerspricht aufgrund der damit potenziell einhergehenden Emissionskonflikte und potenziellen Verdrängungseffekten den Zielstellungen der Stadtentwicklung (gemäß STEP Wirtschaftsflächen 2040).“
Auf die letzten Sätze ging dann CDU-Stadträtin Sabine Heymann ein. Letztlich sind es die Immobilieneigentümer selbst, die einschätzen können müssen, ob sich der Umbau der Büros zu Wohnungen lohnt. Nicht nur finanziell, sondern auch von der Lage im Stadtgebiet her.
Es ist also eher ein Signal, wenn die Stadt jetzt den Immobilieneigentümern das Förderprogramm des Bundes ans Herz legt, wie Sascha Jecht betonte. Und es ist eher auch „kein Gamechanger“, wie SPD-Stadtrat Marius Wittwer erklärte. Nur eben eins der vielen kleinen Mittel, mit denen Leipzig das über Jahre gewachsene Wohnungsproblem zumindest ein wenig lindern kann.
Keine Extra-Anlaufstelle
Und da er den Verwaltungsstandpunkt durchaus als Zustimmung las, stellte Jecht auch diesen zur Abstimmung. Anfangs mit Einschluss eines Änderungsantrags der Grünen. Doch der enthielt einen Wunsch, den Leipzig in seiner derzeitigen Finanzsituation partout nicht erfüllen kann: die Einrichtung einer eigenen Stabsstelle als Anlaufpunkt für interessierte Bauherren. Das könne auch das Bauordnungsamt selbst leisten – ohne zusätzliche Stelle, wie FDP-Stadtrat Sven Morlok anmerkte.
Die Umbau-Willigen müssten sich sowieso dorthin wenden, denn – so der Verwaltungsstandpunkt: „Die jeweilige Nutzungsänderung ist baugenehmigungspflichtig und auf bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Zulässigkeit zu prüfen. Ebenso sind eventuelle denkmalschutzrechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Die aktuellen Regelungen des sogenannten Bau-Turbo eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für die Zulassung von Nutzungsänderungen. Diese stehen jedoch unter dem Vorbehalt der städtebaulichen Vertretbarkeit und der Nachbarverträglichkeit. In jedem Fall bedarf es einer detaillierten Einzelfallprüfung. Es wird auf die Möglichkeiten der Bauberatung im Amt für Bauordnung und Denkmalpflege hingewiesen.“
Dieser entsprechende Passus aus dem Grünen-Antrag wurde also von der Stadtratsmehrheit abgelehnt, während die Ratsversammlung dem dritten Punkt der Grünen einstimmig zustimmte: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, im Rahmen des Monitoringberichts Wohnen auf der Grundlage bestehender Daten die Leerstände von Gewerbeflächen und sich daraus ergebende Umwandlungspotenziale von Gewerbe zu Wohnraum fortlaufend zu erheben und darzustellen.“
Denn eigene Zahlen zum Büroleerstand hat die Stadt ja noch nicht. Diesen Leerstand als mögliche Reserve für den Wohnungsmarkt zu ermitteln, liegt also nahe. Und weil auch die Ratsfraktionen gern wissen wollen, wie viel potenzieller Raum das wäre, bat SPD-Stadtrat Marius Wittwer um die Protokollnotiz, dass die Monitoringzahlen bis zum zweiten Quartal 2027 vorliegen mögen.
Den gesamten Verwaltungsstandpunkt, in dem die Stadt ihre Unterstützung bei der Umwidmung von Büros in Wohnraum zusagte, bekam dann ebenfalls das einstimmige Votum der Ratsversammlung. Jetzt kann man gespannt sein, ob tatsächlich bald Bauschilder auftauchen mit dem Versprechen: Hier werden Büros zu neuem Wohnraum.
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