Wie löst man die Wohnungsnot in Leipzig? Es ist ein Dauerthema. Auch der Bau neuer geförderter Wohnungen genügt nicht, das Thema zu lösen. Einige clevere Unternehmer sind derweil auf die Idee gekommen, neue Wohngebäude mit winzigen Wohnungen hochzuziehen. Was da entsteht, sind sogenannte Mikroapartments, die dann aber zu deutlich höheren Quadratmetermieten an die Bedürftigen gebracht werden sollen. Der Leipziger Protest gegen diese neue Masche entlädt sich jetzt in einer Petition, die am heutigen Mittwoch, dem 2. September, an Leipzigs Baubürgermeister übergeben werden soll.
Denn in gewisser Weise ist der ja bei der Stadt dafür verantwortlich, dass solche Bauprojekte eine Genehmigung von der Stadt bekommen.
Mit der Petition „Keine Scheiße bauen! – Gegen die Mikroapartment-Explosion in Connewitz“ bündelt die Stadtteilinitiative Vernetzung Süd den Protest gegen das Neubau- und Ankaufsvorhaben am S-Bahnhof Connewitz. Rund 2.100 Menschen haben sich bislang der Forderung nach Intervention der Stadt Leipzig gegen die stetig wachsende Zahl privat finanzierter und teuer vermieteter Mikroapartmentbauten angeschlossen.
Anlass und Kern der Petition ist der Stopp der Mikroapartment-Pläne von Aldi-Nord am S-Bahnhof Connewitz. Stattdessen sollen aus Sicht der Initiative auf dem Gelände Sozialwohnungen und Räume für Kultur und Gemeinwesen ermöglicht werden. Der dort sich befindende städtische Güterschuppen soll unbedingt in öffentlicher Hand bleiben. Dies hatte der Stadtrat bereits im Juli beschlossen.
Krachparade in Planung
Am Rande der Stadtratssitzung am heutigen 2. September soll die Petition um 13.45 Uhr an den zuständigen Bürgermeister Thomas Dienberg und den Petitionsausschuss übergeben werden – damit sich der Stadtrat künftig mit der Thematik befasst.
Die Sammlung der Unterschriften wird bis in den Herbst fortgesetzt, kündigt die Initiative Vernetzung Süd an. Außerdem soll im Rahmen der Kampagne zur Petition am 19. September eine Krachparade gegen Mikroapartments, und Gentrifizierung und für solidarische Nachbarschaften durch die Südvorstadt und Connewitz organisiert werden.
Dazu erklärt Robin Weisbach von der Initiative: „Wir freuen uns über den Zuspruch und die vielen passenden Kommentare zur Petition. Das ist ein guter Rückenwind für unsere Forderungen zur gemeinwohlorientierten Entwicklung des S-Bahnhof-Geländes in Connewitz. Wir fordern, dass die Stadt öffentlichen Grund und Boden in öffentlicher oder gemeinwohlorientierter Hand entwickelt und nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholt und städtisches Eigentum an Private verkauft. Zudem fordern wir eine wirksame Regulierung des Geschäfts mit Mikroapartments.
Aus Investorensicht verspricht das Geschäftsfeld ‚Mikroapartment‘ eine besonders hohe Rendite, weshalb es europaweit – in Leipzig verstärkt seit ca. 2019 – zu einem zentralen Element im Portfolio privater Immobilienentwickler geworden ist. Auf möglichst kleinem Raum entstehen viele Wohnungen, deren Vermietung als möblierte Apartments außerdem die Option bietet, Mieten höher anzusetzen, als es sonst üblich und erlaubt ist.“
Keine neuen Sozialwohnungen in Connewitz
In den letzten zehn Jahren sind in Connewitz etwa 1.200 neue Wohnungen neu gebaut worden, jedoch bislang keine einzige neue Sozialwohnung. Über ein Drittel dieser Neubauten werden von privaten Investoren als Mikroapartments vermarktet. Neben dem besagten Aldi-Bau an der Bornaischen Straße/S-Bahnhof Connewitz (75 WE geplant), baut aktuell auch die Lewo-Gruppe noch ein weiteres Mikroapartment-Bauprojekt (81 WE geplant) in der Thierbacher Straße 1/Meusdorfer Straße.
„Wir erwarten, dass Stadtverwaltung und Stadtrat sich gewissenhaft mit unserem breit getragenen Anliegen befassen. Die Petition steht exemplarisch für die Frage, wie unsere Stadt entwickelt werden soll: im Sinne von Profit und Investoren oder im Sinne des Gemeinwohls und der Menschen, die hier leben. Zur Bekräftigung unserer Forderungen veranstalten wir am 19. September eine ‚Krachparade gegen Gentrifizierung und Mikroapartments‘, eine Rave-Demonstration, die vom Alexis-Schumann-Platz nach Connewitz führen wird“, erklärt abschließend Robin Weisbach, einer der Initiatoren der Petition.
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