Diese Band ist so alt wie die Neubausiedlung Grünau: ein halbes Jahrhundert. Und es geht ihr auch ein bisschen wie dem Leipziger Stadtteil. Denn das Wort „Neubau“ klingt deutlich nach jung bleiben. Was dem Wohnquartier gegeben, erlebt die Rockband Karussell ebenso – sich verjüngen, Generationen überspannen und sich stets neu erfinden.
Gegründet wurde die Gruppe 1976 von Wolf-Rüdiger Raschke, zunächst als Amateurformation. Zur frühen Besetzung gehörten Reinhard „Oschek“ Huth, Claus Winter, Lutz Kirsten und Bernd Schumacher; noch im selben Jahr kamen Peter „Cäsar“ Gläser und Jochen Hohl hinzu. Die beiden hatten zuvor bei der Klaus Renft Combo gespielt, die 1975 verboten worden war. Somit fanden sich nicht nur zwei Legenden der Rockrebellen bei Karussell wieder, sondern auch einige der beliebtesten Songs aus deren Repertoire.
Die Verbindung von melodischem Rock mit poetischen, bisweilen gesellschaftskritischen Texten wurde zum Markenzeichen. Titel wie „Ehrlich will ich bleiben“, „Das einzige Leben“ und „Wie ein Fischlein unterm Eis“ machten die Gruppe in der DDR bekannt. Besonders bei unangepassten Jugendlichen fanden die Lieder Anklang.
1979 erreichte Karussell den Berufsstatus und veröffentlichte mit „Entweder oder“ die erste LP. Auftritte in Rundfunk und Fernsehen sowie Tourneen unter anderem durch die Sowjetunion, Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Finnland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Kuba und Uruguay folgten.

Einen personellen Einschnitt brachte 1983 der Ausstieg von Peter „Cäsar“ Gläser. Mitte der 1980er Jahre stieß Dirk Michaelis zur Band. Mit ihm entstand der Titel, der bis heute am stärksten mit Karussell verbunden wird: „Als ich fortging“. Eine erste Demoaufnahme wurde 1985 im Karussell-Studio in Naunhof eingespielt, 1987 erschien das Lied auf dem Album „Café Anonym“. Die Komposition stammt von Dirk Michaelis, den Text schrieb Gisela Steineckert.
Das ursprünglich nicht als politisches Lied konzipierte Stück erhielt zum Ende der DDR hin eine ganz neue Bedeutung und wurde in den Ohren vieler zu einer Wende-Hymne. Nach dem politischen Umbruch endete zunächst auch die gemeinsame Geschichte der Musiker. 1991 löste sich die Band auf. Wolf-Rüdiger Raschke produzierte 1993 mit einer völlig neuen Besetzung das Album „Sonnenfeuer“, nach dessen Erscheinen es erneut still wurde bei Karussell.

2007 entstand aus der ursprünglichen Laune heraus, dass Vater Wolf-Rüdiger und Sohn Joe Raschke ab und zu im privaten Kreis alte Karussell-Nummern aufführten, die Idee, die Band zu reaktivieren. Und mit Reinhard „Oschek“ Huth und Jan Kirsten kehrten auch zwei einstige Gefährten in das wiederbelebte Projekt zurück. Seit 2011 erschienen drei neue Alben. Im Jubiläumsjahr spielte Karussell mehr als 60 Konzerte.
Für alle, die bisher nicht dabei sein konnten, gibt es am Sonnabend um 18:30 Uhr die Möglichkeit, die Band live zu erleben. Beim Haus- und Hoffest der Wohnungsgenossenschaft LIPSIA (im Bereich Brünner Straße 12). Und das Ganze bei freiem Eintritt! Einen Blick auf das gesamte Programm der großen Grünauer Geburtstagsparty gibt es nach der folgenden Galerie.
Als Einstimmung auf den Konzertabend gewährt die „Gute Seele“ von Karussell, Angela Raschke, den Leserinnen und Lesern der LZ einen exklusiven Blick in den Fotoordner ihres Handys, mit dem sie ihre Jungs das Jahr über begleitete.
Das ist los beim LIPSIA-Fest
Wenn Grünau seinen 50. Geburtstag feiert, darf beim 25. Haus- & Hof-Fest der Wohnungsgenossenschaft LIPSIA ein Blick auf die Geschichte des Stadtteils ebenso wenig fehlen wie Musik, Begegnungen und ungewöhnliche Wettbewerbe. Rund um das große Festzelt dreht sich deshalb vieles um das Viertel zwischen Brünner Straße und Kulkwitzer See. Vereine, Institutionen und Einrichtungen aus der Region stellen sich vor und zeigen, was Grünau seit Jahrzehnten prägt und heute bewegt.
Einen Überblick darüber geben die „50 Meter Grünau“, auf denen sich zahlreiche Angebote und Partner aus dem Stadtteil vorstellen. Etwas handfester geht es bei der „Grünau-Lipsiade“ zu: Beim Gummistiefelweitwurf oder Wettbaggern können Besucher selbst antreten und dabei auf spielerische Weise in die Entstehungszeit Grünaus eintauchen. Eine Zeitreise verspricht auch das Nachbarschaftscafé, das sich für das Fest in einen Jugendklub der 70er Jahre verwandelt.
Dass Grünau, genau wie die Jubiläumsband Karussell, kulturell nicht in der Vergangenheit stehen geblieben ist, soll dort unter anderem das Rapperduo Dk.dando zeigen. Wer lieber selbst kreativ wird, kann sich an einer Graffitiwand ausprobieren. Gelegenheit zum gemeinsamen Feiern bietet außerdem die „25 Meter Kaffeetafel“. Dort lädt die LIPSIA ihre Mitglieder und Gäste zu Kaffee und Geburtstagskuchen ein. Musikalisch spielt sich ein großer Teil des Festes im Festzelt ab. Neben zahlreichen Vereinen werden dort die Macher des bekannten und aktuellen Grünau-Films sowie die „Lipsia-Werbegesichter“ der vergangenen Jahrzehnte erwartet.
Auf der Bühne stehen außerdem Künstler aus Grünau wie Elvis-Double Roman Petermann und das Orchester „Jugendbrass“. Frank Vonthal bringt gemeinsam mit dem Grünauer Frauenchor den Song „50 Jahre Grünau“ zu Gehör. Wer tiefer in die Geschichte Grünaus eintauchen möchte, findet dazu ebenfalls Gelegenheit. Eine Ausstellung widmet sich Geschichte und Geschichten des Stadtteils, während das „Lipsia-Wanderkino“ mit Bildern und Filmen Vergangenheit und Zukunft des Viertels beleuchtet.

Auf verschiedenen Aufstellern erzählen zudem Zeitzeugen von der Entstehung Grünaus. So verbindet das 25. Haus- & Hof-Fest den runden Geburtstag des Stadtteils mit einem Programm, das Erinnerungen an die Anfangsjahre ebenso aufgreift wie das heutige Leben in Grünau – und damit nicht nur langjährige und neu hinzugezogene Bewohner, sondern Leipziger aller Generationen ansprechen soll.
Das gesamte Festprogramm mit allen wichtigen Uhrzeiten gibt es HIER ONLINE zum Ausdrucken und in die Hosentasche stecken.






































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