Vom 1. bis 20. September lädt das Leipziger Kollektiv krudebude mit der künstlerischen Intervention „Gemischte Gefühle in kriegerischen Zeiten“ an das Völkerschlachtdenkmal ein. Ein Banner, ein Audiowalk und ein künstlerisches Veranstaltungsprogramm eröffnen persönliche Perspektiven aus Leipzig auf eine von Krieg und Krisen geprägte Gegenwart. Das Projekt findet in Kooperation mit der Stiftung Völkerschlachtdenkmal statt.
Im Bundestag ist von einer „Zeitenwende“ die Rede: Aufrüstung, die Debatte über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht und die wachsende Sorge vor Krieg prägen die öffentliche Diskussion. Doch was bedeuten diese Entwicklungen für uns persönlich?
Mit ihrer Intervention geht die krudebude dieser Frage nach und setzt Lethargie und Mutlosigkeit etwas entgegen: Ein Banner bricht mit dem gewohnten Blick aufs Denkmal und setzt ein Zeichen gegen Stillstand. Im Zentrum des Projekts steht ein ortsbezogener Audiowalk, der die ambivalenten Gefühle in kriegerischen Zeiten aufzeigt.
Zu hören sind Leipzigerinnen und Leipziger, die auf unterschiedliche Weise von Krieg und Krise betroffen sind. Was macht Angst? Was macht Mut? Und was verbindet uns in unsicheren Zeiten?
Gerahmt wird die Intervention von einem künstlerischen Veranstaltungsprogramm: Zur Eröffnung am Dienstag, 1. September, um 18 Uhr und am 19. September um 16 Uhr findet die Performance „Executing Dance“ der Tanzkünstlerin und Choreografin Clara Sjölin statt.
Am 6. September inspirieren die Radikalen Töchter in ihrem Mut-Muskel-Workshop mit Mitteln der Aktionskunst dazu, wieder ins Handeln zu kommen. Den Abschluss bildet am 20. September um 17 Uhr der Leipziger Chor „Wirsing“, der unter der Losung „I’m still standing“ zum gemeinsamen Singen in die Krypta des Denkmals einlädt.
Executing Dance
Ein choreografischer Score, der Körper in Handlung setzt. Am 1. September im Rahmen der Eröffnung und am 19. September, 16 Uhr, Dauer: ca. 20 Minuten
Die von Clara Sjölin eigens für das Projekt entwickelte Tanzperformance erforscht die Dynamik von Kontrolle, Disziplin und kollektivem Handeln. Fünf Tänzer/-innen folgen einer Abfolge vorgegebener Anweisungen und testen dabei kontinuierlich ihre Aufmerksamkeit, ihr räumliches Bewusstsein und ihre Präzision.
Ohne vorherige Probe realisieren sie den choreografischen Score in Echtzeit: Über Kopfhörer empfangen sie Anweisungen, die sie, jeweils individuell interpretiert, in Bewegung übersetzen – jedoch immer in Verhandlung mit der Gruppe. Die Performance spielt mit Intention und Interpretation und versucht, das Potenzial für Komplexität in Informationen zu entdecken, die zunächst eindeutig erscheinen.
Choreographie: Clara Sjölin
Tänzer/-innen: ildikó Tóth, David Kummer, Friederike Zinn, Niko Jacobi, Clara Sjölin
Clara Sjölin ist eine Tanzkünstlerin aus Schweden, die in verschiedenen lokalen Kontexten in Leipzig im Bereich der Choreografie und Pädagogik arbeitet. U.a. wirkt sie aktuell als Tanzpädagogin, Choreografin und künstlerische Leiterin der Juniorcompany der Älteren im Leipziger Tanztheater.
I’m still standing! Mitsing-Konzert mit dem Chor „Wirsing“
20. September, 17:00 bis 18:00 Uhr
Die Intervention wird mit guter Stimmung und einer gemeinschaftlichen Aktion verabschiedet: Zur Finissage lädt der Leipziger Chor „Wirsing“ unter der Leitung von Magdalene Gööck zum Zuhören und gemeinsamen Singen ein. Auf dem Programm stehen Lieder, die Mut machen und verbinden.
„Wirsing“ versammelt Menschen zum Erfahren der eigenen Stimme und der musikalischen Begegnung. Die Chorarbeit zeichnet sich durch den sensiblen Umgang und bewegungsorientierten Ansatz der Chorleiterin aus. Körper und Wahrnehmung bilden die Grundlage für das gemeinsame Singen. Das Repertoire ist vielfältig und offen für unterschiedliche musikalische Formen.
Der Chor besteht seit August 2021 in wechselhafter, willkommen heißender Besetzung und ist in Leipzig zu Hause. Wirsing war und wird gern in künstlerische Kontexte wie Ausstellungseröffnungen oder Performances im öffentlichen Raum involviert, wie zuletzt in „Raum – eine performative Intervention am Hauptbahnhof Leipzig“ von Studio Urbanistan.
Zur krudebude
Die krudebude ist ein Kollektiv aus Leipzig mit kunst- und kulturwissenschaftlichem Hintergrund. In seiner künstlerischen Arbeit widmet sich das Kollektiv (stadt-)gesellschaftlichen Themen über den Blick auf persönliche Biografien und Alltagsgeschichte(n).
Das Projekt wird realisiert mit Unterstützung der Stiftung Völkerschlachtdenkmal, des Kulturamts Leipzig, der Leipzigstiftung, durch Mittel aus dem Stadtbezirksbudget Südost der Stadt Leipzig sowie durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Feierliche Eröffnung: Dienstag, 1. September, 18:00 Uhr auf dem Vorplatz des Völkerschlachtdenkmals.
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