Mit einem feierlichen Festakt ist am Donnerstagabend, 27. August, das neue Zentrum Welterbe am Naumburger Dom eröffnet worden. Ein außergewöhnlicher Ort, an dem die eindrucksvolle, über Jahrhunderte gewachsene Geschichte der ehemaligen Bischofskurie, eine behutsame und zugleich mutige denkmalgerechte Sanierung, moderne, interaktive Ausstellungen und ein herzlicher, zeitgemäßer Besucherservice zu einem faszinierenden Gesamterlebnis verschmelzen.

Gemeinsam mit Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, zahlreichen Gästen aus Politik, Kultur, Denkmalpflege und Tourismus sowie den am Bau beteiligten Planern, Restauratoren und Handwerksbetrieben öffneten die Vereinigten Domstifter die Türen des neuen Hauses.

Das neue Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter
Das neue Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter

Mit der Eröffnung findet ein ebenso anspruchsvolles wie zukunftsweisendes Projekt seinen feierlichen Abschluss, dessen Ausgangspunkt die Aufnahme des Naumburger Doms in die Liste des UNESCO-Welterbes am 1. Juli 2018 bildete.

Der Dom wurde als Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft und als bedeutender Schnittpunkt menschlicher Werte in der Entwicklung von Architektur und Kunst gewürdigt. Im März 2023 begann schließlich die bauliche Herrichtung des gegenüberliegenden historischen Gebäudes zu einem Zentrum, das den Welterbegedanken dauerhaft, verständlich und lebendig vermitteln soll.

Geschichte sichtbar machen

Das Zentrum Welterbe ist in einem der historisch wertvollsten Gebäude des Naumburger Domplatzes entstanden, in der ehemaligen Curia Episcopalis, deren ältester Kern, ein romanischer Wohnturm, bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurückreicht. Nach dem verheerenden Naumburger Stadtbrand von 1532 erwarb Bischof Julius Pflug im Jahr 1557 die Ruine und ließ sie zu einer repräsentativen Residenz im Stil der Renaissance umgestalten.

Später lebten hier Domherren, die das Haus dem Geschmack ihrer jeweiligen Zeit anpassten, bevor es unter anderem als Lazarett, Poliklinik, Gesundheitsamt, Töpferei und Büro genutzt wurde. So blieb ein vielschichtiges Gebäude erhalten, in dem sich bis heute sichtbare Spuren aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock überlagern und gegenseitig ergänzen.

Die Sanierung dieser wertvollen, an zahlreichen Stellen schwer geschädigten Bausubstanz stellte alle Beteiligten vor außerordentliche Herausforderungen, denn nicht die Herstellung eines vermeintlich makellosen historischen Zustandes, sondern das sorgfältige Lesen, Sichern und Bewahren der unterschiedlichen Zeitschichten stand im Mittelpunkt.

Marode Tragstrukturen mussten unter anderem durch neue Stahlfachwerke im Dachgeschoss stabilisiert, stark geschädigte Deckenbalken mit größtmöglichem Erhalt der Originalsubstanz saniert und kostbare Oberflächen, Malereifragmente sowie zahlreiche historische Details behutsam freigelegt und restauriert werden.

Blick in die Ausstellung  im Zentrum Welterbe Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter
Blick in die Ausstellung im Zentrum Welterbe Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter

„Die Domkurie mit romanischem Wohnturm und Nebengebäuden hat uns während der gesamten Bauzeit überrascht, herausgefordert und begeistert“, resümiert Prof. Regine Hartkopf, Dombaumeisterin der Vereinigten Domstifter. „Vieles von dem, was wir heute sehen, war verborgen und vergessen. Hinter fast jeder Wand, unter zahlreichen Farbschichten und in vielen konstruktiven Details kamen immer neue Spuren der langen Geschichte des Hauses zum Vorschein.

Unser Ziel war es deshalb nicht, dem Gebäude ein einheitliches, glattes Erscheinungsbild zu geben. Vielmehr wollten wir seine Brüche, Veränderungen und kostbaren Altersspuren sichtbar lassen, die historische Substanz mit größter Sorgfalt sichern und zugleich Räume schaffen, die offen, einladend und selbstverständlich nutzbar sind. Heute sind Alt und Neu klar erkennbar und bilden doch eine harmonische Einheit.

Ihr Zusammenspiel führt zu Raumqualitäten, welche die inhaltliche Aufgabe als Vermittlungsort für Welterbe unterstreichen und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen. Dies ist für mich eine der großen Qualitäten des Zentrums Welterbe.“

Ein neuer Ausgangspunkt für den Dom und die gesamte Welterberegion

Bereits im Erdgeschoss empfängt das neue Zentrum künftig die Gäste des Naumburger Doms und der Region, hier befinden sich der Ticketverkauf für den Dom (ab kommenden Jahr), Kombiangebote und ein umfassender Informationsservice.

Zugleich öffnet sich der Blick auf die außergewöhnlich reiche Kulturlandschaft an Saale, Unstrut und Elster, in der sich mittelalterlich geprägte Städte, Klöster, Burgen, Dörfer, Weinberge, historische Traditionen und lebendige Überlieferungen auf bemerkenswert engem Raum miteinander verbinden. Ein großformatiger Wandteppich erzählt die Geschichte dieser Landschaft auf anschauliche Weise und macht bereits beim Ankommen deutlich, dass der Naumburger Dom nicht für sich allein steht, sondern Mittelpunkt eines über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Netzes ist.

Wandteppich in der Ausstellung zur  Kulturlandschaft im Zentrum Welterbe. Foto: Vereinigte Domstifter
Wandteppich in der Ausstellung zur Kulturlandschaft im Zentrum Welterbe. Foto: Vereinigte Domstifter

Im Obergeschoss erwartet die Besucherinnen und Besucher eine kostenfrei zugängliche, mehrsprachige Ausstellung, die den weltweiten UNESCO-Gedanken ebenso erläutert wie die herausragenden Welterbestätten Sachsen-Anhalts, den außergewöhnlichen universellen Wert des Naumburger Doms und die unverwechselbare Kulturlandschaft an Saale und Unstrut.

Interaktive Stationen, historische Exponate, überraschende Inszenierungen und vielfältige Vermittlungsangebote führen zu den Stifterfiguren, den mittelalterlichen Glasmalereien, der Bauhütte und dem bis heute namentlich unbekannten Naumburger Meister, dessen einzigartige Verbindung von Architektur, Skulptur und Glasmalerei den Westchor des Doms zu einem Gesamtkunstwerk von Weltrang werden ließ.

„Mit dem Zentrum Welterbe ist ein lang gehegter Wunsch Wirklichkeit geworden, denn die Auszeichnung des Naumburger Doms als UNESCO-Welterbe war für uns von Beginn an nicht nur eine große Ehre, sondern vor allem die Verpflichtung, seinen außergewöhnlichen universellen Wert dauerhaft zu vermitteln, seine Bedeutung in größere Zusammenhänge einzuordnen und Menschen aus der Region ebenso wie Gäste aus aller Welt für dieses einzigartige Erbe zu begeistern“, betont Dr. Holger Kunde, Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter.

„Das Zentrum ist weit mehr als ein neues Besuchergebäude, es ist ein Tor zum Naumburger Dom, ein Schaufenster für die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut und ein lebendiger Ort, an dem Geschichte, Bildung, Forschung und persönliche Begegnung zusammenfinden.“

Die Schreibstube von Julius Pflug im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter
Die Schreibstube von Julius Pflug im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter

Auch jenseits der Ausstellung bietet das Haus zahlreiche neue Möglichkeiten: Das großzügige Dachgeschoss wird künftig für Vorträge, Seminare, Workshops, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt und eröffnet zugleich einen eindrucksvollen Blick auf den unmittelbar gegenüberliegenden Naumburger Dom.

Das Lapidarium bewahrt steinerne Zeugnisse aus vergangenen Jahrhunderten, während der neu gestaltete Kuriengarten mit seinem historischen Baumbestand, seinen stillen Blickachsen und geschützten Aufenthaltsbereichen zu einer grünen Oase inmitten des Domplatzes geworden ist. Gebäude, Garten und Dom treten auf diese Weise in einen neuen, überraschend harmonischen Dialog.

Der Dechant der Vereinigten Domstifter, Prof. Dr. Jörg Ulrich, zeigt sich beeindruckt vom fertiggestellten Zentrum: „Indem das Zentrum Welterbe in die wunderbar sanierte alte Bischofskurie einzieht, wird die Beziehung dieses Gebäudes mit dem Dom unterstrichen und zugleich mit neuem Leben erfüllt. Denn das Haus, das in alter Zeit dem Bischof und seinen Bediensteten und Gästen vorbehalten war, ist nun zu einem Treffpunkt für Menschen aus aller Welt geworden. Sie alle sollen in Naumburg und im Dom willkommen sein! Der große Humanist und Europäer Julius Pflug, der einst als Bischof hier residierte, wäre sicher ebenso begeistert wie ich.“

Blick in die Ausstellung der UNESCO Welterbestätten im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter
Blick in die Ausstellung der UNESCO Welterbestätten im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter

Ein besonders liebenswertes Detail des Hauses wurde während der Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt: die farbenprächtige Renaissance-Malerei eines Eisvogels, der künftig unter dem Namen Henri als Maskottchen des Zentrums Welterbe vor allem die jüngsten Gäste begleiten und ihnen die Geschichte des Hauses, des Doms und der Region auf spielerische Weise näherbringen soll.

Welterbe soll berühren, neugierig machen und verbinden

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte: „Das neue Zentrum Welterbe zeigt auf beeindruckende Weise, wie wir unser kulturelles Erbe bewahren, für die Menschen zugänglich machen, und mit neuem Leben füllen. Hier trifft jahrhundertealte europäische Kulturgeschichte auf herausragende mittelalterliche Kunst und Architektur. Dieses Welterbe ist keine Kulisse der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Auftrag für unsere gemeinsame Zukunft. Mit dem Zentrum Welterbe gewinnt Naumburg einen Ort, der weit über die Region hinausstrahlen wird.“

Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt betont „das Zentrum Welterbe ist ein großer Gewinn für Naumburg, für die Kulturlandschaft Saale-Unstrut und für das gesamte Kulturland Sachsen-Anhalt. Der Naumburger Dom mit seinem einzigartigen Westchor zählt zu den herausragenden Kulturschätzen unseres Landes. Die behutsame Sanierung der historischen Bischofskurie zeigt beispielhaft, wie denkmalgerechte Erneuerung und zeitgemäße Vermittlung miteinander verbunden werden können. Ich bin überzeugt, dass dieses neue Haus sowohl den Gästen aus aller Welt als auch den Menschen in der Region neue Zugänge zu diesem besonderen kulturellen Erbe eröffnet und zu einem Ort der Bildung und Begegnung wird“.

Der Empfang im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom: Foto: Vereinigte Domstifter
Der Empfang im Zentrum Welterbe am Naumburger Dom: Foto: Vereinigte Domstifter

Dank an die Förderer und Unterstützer

Ein Projekt mit einer Größenordnung in Höhe von rund 13 Millionen Euro, das die anspruchsvolle denkmalgerechte Sicherung eines über Jahrhunderte gewachsenen Gebäudes, die Neugestaltung der angrenzenden historischen Gartenanlage und die Entwicklung einer modernen, international ausgerichteten Ausstellung miteinander verbindet, konnte nur durch das vertrauensvolle Zusammenwirken zahlreicher starker Partner verwirklicht werden.

Die Vereinigten Domstifter danken dem Bund und dem Land Sachsen-Anhalt für die weitreichende Unterstützung aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), aus der zu gleichen Anteilen Bundesmittel und Landesmittel für die Herrichtung des Zentrums Welterbe einschließlich der angrenzenden Gartenanlage bereitgestellt wurden.

Ebenso gilt der aufrichtige Dank dem Burgenlandkreis für seine wertvolle Beteiligung sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Burgenlandkreis, dem Land Sachsen-Anhalt und der Friede Springer Stiftung, deren großzügige Unterstützung die anspruchsvolle museale Inszenierung in der Bischofskurie ermöglicht hat. Die GRW wird grundsätzlich gemeinsam von Bund und Ländern getragen; das heute zuständige Bundesressort trägt seit 2025 die Bezeichnung Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. (Bundesministerium für Wirtschaft).

Durchschneiden des roten Bandes vor dem Zentrum Welterbe. Foto: BKM Jeremias Heinig
Durchschneiden des roten Bandes vor dem Zentrum Welterbe. Foto: BKM Jeremias Heinig

Der besondere Dank der Vereinigten Domstifter richtet sich darüber hinaus an die Planer der Ausstellung, Steinert & Bitterling Diplom-Ingenieure Innenarchitektur, die Architekten, Fachplaner, Restauratoren, Ausstellungsgestalter, Wissenschaftler, Handwerker und ausführenden Firmen, die ihre große Erfahrung, ihre Kreativität und ihre handwerkliche Präzision in dieses außergewöhnliche Vorhaben eingebracht haben, ebenso an die geduldigen und verständnisvollen Nachbarn am Domplatz sowie an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den langen Weg von der ersten Idee bis zur heutigen Eröffnung mit unermüdlichem Einsatz begleitet haben.

Großes Eröffnungswochenende: Kunst – Geschichte – Genuss

Nach dem heutigen Festakt sind alle Naumburgerinnen und Naumburger, die Menschen aus der Region und Gäste von nah und fern eingeladen, das neue Zentrum Welterbe am Eröffnungswochenende erstmals selbst zu entdecken. Unter dem Motto „Kunst – Geschichte – Genuss“ verbinden sich kostenfreie Besichtigungen und Führungen durch das Haus mit kreativen Angeboten der KinderDomBauhütte, einem Informationsstand der Welterbestätten Sachsen-Anhalts, einem abwechslungsreichen Kunsthandwerkermarkt mit Arbeiten aus Keramik, Holz und Textil sowie ausgewählten Weinen und kulinarischen Spezialitäten aus der Region Saale-Unstrut.

Freitag, 28. August 2026, 14 bis 18 Uhr
Samstag, 29. August 2026, 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 30. August 2026, 10 bis 18 Uhr

Der Eintritt in das Zentrum Welterbe und die angebotenen Führungen sind am gesamten Eröffnungswochenende kostenfrei. Veranstalterin des Kunsthandwerkermarktes ist die Textilwerkstatt Manuela Fiebig.

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