Seit heute ist die digitale Ausstellung Die Schocken-Kaufhäuser in Sachsen: „Wegen Arisierung geschlossen“ – Eine jüdische Erfolgsgeschichte wird ausradiert online: https://schocken-in-sachsen.de/ Basierend auf einer monatelangen Aktenrecherche gibt die Internetseite einen tiefen Einblick in die Unternehmensstruktur des deutsch-jüdischen Warenhauskonzerns und in sein Schicksal vor, während und nach der NS-Zeit.

Das digitale Format ergänzt die analogen Ausstellungen zur Geschichte des Museumsgebäudes des smac – dem ehemaligen Kaufhaus Schocken in Chemnitz. Das Angebot richtet sich an historisch und regional Interessierte, an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Forschende. Die digitale Ausstellung ist ein Beitrag des smac zu TACHELES, dem Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026.

Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des smac: „Die deutsch-jüdische Geschichte unseres Museumsgebäudes macht einen wichtigen Teil der Identität des smac aus. Mit dem Einzug des Archäologiemuseums in das ehemalige Kaufhaus Schocken ging auch die Verantwortung einher, dessen Erbe zu bewahren, aufzuarbeiten und zu vermitteln.

Die digitale Ausstellung ‚Wegen Arisierung geschlossen‘ taucht tief in diese Materie ein und macht die Quellen transparent, aus denen wir unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Geschichte des Schocken-Konzerns und unseres Hauses ableiten.

Auch vor dem Hintergrund der Geschichtsvermittlung bietet die Internetseite eine ungewöhnliche Perspektive: Die Zeit des Nationalsozialismus wird hier nicht anhand eines persönlichen Schicksals oder aus den politischen und militärischen Ereignissen heraus erzählt, sondern begleitet ein Unternehmen durch die Zeit des Terrors.“

Der Inhalt

Die digitale Ausstellung gliedert sich in zwei Hauptstränge:

  • Der Konzern und seine Häuser in Sachsen
  • Nationalsozialistischer Terror in den Akten des Konzerns

    Einleitende und begleitende Texte sowie Bildunterschriften ordnen die Akten, Fotografien und Objektbilder in den sozioökonomischen und geschichtlichen Kontext ein. Darüber hinaus bietet die Internetseite mit der Familiengeschichte der Brüder Simon und Salman Schocken sowie mit Informationen zur Aktenlage im Staatsarchiv Chemnitz einen Einstieg in das Thema.

    Hauptstrang 1: Der Konzern und seine Häuser in Sachsen

    Dieser Teil gibt Akteneinsicht in die Konzernzentrale in Zwickau sowie die elf sächsischen Warenhäuser des Konzerns: Aue, Auerbach, Chemnitz, Crimmitschau, Frankenberg, Freiberg, Lugau, Meißen, Oelsnitz, Zwickau und Zwickau-Planitz. Von ihnen sind heute noch sieben erhalten. Meißen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Häuser in Auerbach, Freiberg und Frankenberg sind 1999, 2007 bzw. 2015 abgerissen worden.

    Sie alle richteten sich nach dem innovativen Konzept des Schockenkonzerns und dessen zentralisierter, straffer Organisation. Unter anderem steuerte und vereinheitlichte die Zwickauer Konzernzentrale die Werbung, Personalpolitik, Preise und Warenpräsentation.

    Hauptstrang 2: Nationalsozialistischer Terror in den Akten des Konzerns

    In diesem Teil zeichnen die Akten die Auswirkungen des Nationalsozialismus bis 1945 und der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Geschicke des Konzerns nach. Zweimal erfuhr die Schocken AG in dieser Zeit eine Enteignung und lief unter neuen Firmierungen weiter: ab 1939 unter Merkur und Hanse, zu DDR-Zeiten übernahmen die Konsumgenossenschaft (Konsum) oder die Handelsorganisation (HO) die meisten Häuser.

    Die Quellenbasis

    Das digitale Angebot basiert auf zwei Quellen: zum einen ein Teil der Schocken-Akten, die das Staatsarchiv Chemnitz (Grundsignatur: SächsStA 31451 Schocken AG, Zwickau) bewahrt; zum anderen die kleine Objektsammlung, die sich im Depot und in der Dauerausstellung des smac befinden. Zusammen entsteht ein detailliertes Bild eines Konzerns, der durch die Nationalsozialisten zerstört wurde.

    Im Staatsarchiv Chemnitz lagert nur ein kleiner Teil des originalen, sehr umfangreichen Schocken-Archivs. Der weitaus größere Teil befindet sich heute in der Schocken Library Jerusalem. Die Dokumente in Chemnitz reichen von 1841 bis 1951 und umfassen 16 laufende Meter.

    smac+ Das digitale Ausstellungsformat

    Das digitale Format smac+ erweitert die Ausstellungen des smac in den digitalen Raum. Es ergänzt die analogen Ausstellungen mit eigenen Schwerpunkten und ist zugleich Ausstellungsarchiv. Mit Inhalten in Leichter Sprache und Gebärdensprache sowie Kontrastschalter ist das Format zum Teil inklusiv.

    Bisher sind sechs smac+ Ausstellungen online verfügbar:

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