This article is also available in English: Read this article in English.
Wie soll der heutige Wilhelm-Leuschner-Platz weiter bebaut werden? Die Stadt stellt heute die Bauplanung vor. Das Völkerschlachtdenkmal wird zum Open-Air-Kino, ein Film von Birk Poßecker entführt uns in den Leipziger Osten. Im Landtag geht´s um Finanzmittel für die sächsischen Kommunen. Und weil auch mal Ruhe sein muß im Karton, bleiben die Bürgerbüros heute zu.
Bürgerbüros bleiben heute geschlossen
Wer heute vorhatte, einen Behördengang in einem Leipziger Bürgerbüro zu erledigen, muss umplanen: Die Einrichtungen bleiben den gesamten Betriebstag geschlossen. Grund dafür ist nach Angaben der Stadt eine „ganztägige Personalversammlung“. Von der Einschränkung ist auch das Bürgertelefon betroffen.
Auch die Vermittlungs-Rufnummer 0341-115 ist heute nicht besetzt. Die Schließung gilt stadtweit und beschränkt sich damit weder auf einzelne Standorte noch auf bestimmte Öffnungszeiten. Ab Donnerstag, 27. August, sollen sämtliche Services wieder zu den regulären Zeiten zur Verfügung stehen.
Trotz der Einschränkungen vor Ort können Bürgerinnen und Bürger auch heute die bereits angebotenen Online-Dienstleistungen des Amtes Bürgerservice nutzen. Nach Angaben der Stadt lässt sich dadurch bei zahlreichen Anliegen eine persönliche Vorsprache vermeiden. Allerdings kann nicht jede Dienstleistung eines Bürgerbüros vollständig auf diesem Weg ersetzt werden. So weist die Stadt bei der Online-Meldebescheinigung ausdrücklich darauf hin, dass eine Meldebescheinigung keine An- oder Ummeldung ersetzt.
Eine Übersicht über die Standorte und regulären Öffnungszeiten gibt’s HIER ONLINE auf der Website der Stadtverwaltung.

Visionen für Kriegsbrache am Ring
Wie es mit dem Wilhelm-Leuschner-Platz weitergeht, können Leipziger heute direkt vor Ort erfahren. Die Stadt präsentiert bei der Nachbarschaftsveranstaltung „Lasst uns treffen“ ihre Bauplanung. Von 14 bis 18 Uhr können sich Interessierte auf dem südlichen Teil des Wilhelm-Leuschner-Platzes über die vorgesehenen Veränderungen informieren und ins Gespräch kommen.
Mit einem eigenen Stand beteiligt sich zudem die Stiftung Forum Recht. Sie informiert über ihre Arbeit sowie über die Planungen für ihren dortigen künftigen Standort.

Der heutige Leuschner-Platz lässt kaum erahnen, wie dicht dieser Teil der inneren Leipziger Vorstadt einst bebaut war. Bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs befand sich hier ein eigenes Stadtquartier mit Markthalle, Hotels und Gaststätten. Als Platz wurde ursprünglich lediglich eine deutlich kleinere Fläche vor der heutigen Stadtbibliothek bezeichnet. Sie war aus dem ehemaligen Festungsglacis vor dem Peterstor hervorgegangen, wo der Leipziger Architekt Johann Carl Friedrich Dauthe 1778 eine Esplanade anlegte.
Vor allem im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich das Gebiet zu einem großstädtischen Geschäfts-, Markt- und Vergnügungsviertel. Zu den markanten Gebäuden gehörte das 1883/84 am Roßplatz errichtete Panorama. Der Rundbau diente zunächst der Präsentation von Dioramen, während sich im Erdgeschoss eines der größten Restaurants Leipzigs befand. In der Umgebung befanden sich unter anderem das Café Bauer (mit eigener Reithalle, Frühstück von 6 bis 14 Uhr und gut 200 lokalen, nationalen und internationalen Tageszeitungen und Zeitschriften), Lichtspieltheater sowie weitere Geschäfts- und Gesellschaftshäuser.

Ein zentraler Blickfang war die von Stadtbaudirektor Hugo Licht entworfene Markthalle. Der Bau wurde 1891 eröffnet; auf rund 7.500 Quadratmetern bot er Platz für Hunderte Verkaufsstände. Weithin sichtbar war sein 34 Meter hoher Uhrturm. Auch die Randbebauung des Königsplatzes prägte das Stadtbild. Am Peterssteinweg befanden sich unter anderem Hotels und das Warenhaus der jüdischen Kaufleute Moritz und Julius Ury. Es wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet.
Nicht zu vergessen: Café und Rösterei von Richard Poetzsch, einem Pionier der Kaffee-Herstellung und des dazugehörigen Handels. Als Leipziger betrieb er ab 1910 einen Versandhandel mit eigener Großrösterei in Hamburg.
Die Südseite des Königsplatzes wurde vom Alten Grassimuseum bestimmt, das heute die Stadtbibliothek beherbergt. Auch die Platzfläche selbst wurde intensiv genutzt. Dort fanden Wochenmärkte und Messevergnügungen statt, bis 1907 außerdem die Leipziger Kleinmesse. Zwischen 1921 und 1932 nahm eine große provisorische Textilmessehalle zeitweise fast die gesamte Fläche ein.
Der schwere Luftangriff vom 4. Dezember 1943 zerstörte die Bebauung am Königsplatz nahezu vollständig. Auch große Teile des östlich anschließenden Quartiers zwischen Brüderstraße, Markthallenstraße und heutiger Grünewaldstraße gingen verloren. Die beschädigte Markthalle konnte zunächst noch teilweise genutzt werden, wurde in den 1950er Jahren jedoch vollständig abgerissen. Mit der späteren Beräumung verschwanden nicht nur die Ruinen, sondern auch frühere Straßenverläufe und Grundstücksgrenzen.
Der Königsplatz, der nach Kriegsende den Namen Wilhelm-Leuschner-Platz erhielt, und das zerstörte Nachbarquartier gingen damit räumlich in jener großen Freifläche auf, die heute unter diesem Namen bekannt ist und jahrzehntelang eine der größten Kriegsbrachen Leipzigs darstellte.

Umweltgruppen rufen parallel zur Vorstellung der Bebauungspläne um 14 Uhr, ebenfalls auf dem Leuschner-Platz, zu einer Kundgebung auf, um vor einer unökologischen Versiegelung des Areals zu warnen und gegen drohende Rodungen zu demonstrieren.
Freiluftkino am Völkerschlachtdenkmal
Mit seinen 91 Metern Höhe ist es der größte Denkmalsbau Europas: das Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs, direkt an der Prager Straße. Heute wird es dank seiner Wucht auch zum höchsten Freiluftkino. Die Schaubühne Lindenfels und die Stiftung Völkerschlachtdenkmal veranstalten um 21 Uhr am Fuße des Kolosses ein Pop-up-Kino, wobei die Stufen zum Rang werden, von dem man einen perfekten Blick auf die Leinwand haben wird.
Auf dem Programm steht „HÜTTEN SIND FÜR ALLE DA“ von Birk Poßecker. Der Filmemacher hat über einen Zeitraum von drei Jahren ein Leipziger Stadtviertel und dessen Gegensätze, Geschichten und Persönlichkeiten porträtiert. Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms stehen der Leipziger Osten und seine Bewohnerinnen und Bewohner.
Zu sehen sind unter anderem autonome Hausbesetzende, vitale Senioren inmitten einer Waffenverbotszone und ein persischer Teppichladen. Mit einem trashig-romantischen VHS-Vibe und Momentaufnahmen, in denen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, greift der Film zugleich Konflikte auf, die angesagte Stadtviertel prägen: Verdrängung, Ungleichheit und Rassismus.
Der Dokumentarfilm verbindet diese unterschiedlichen Lebenswelten mit dem Wunsch, dass die hier lebenden Menschen auch künftig ihren Platz im Viertel behalten. „HÜTTEN SIND FÜR ALLE DA“ entstand 2023 und dauert 91 Minuten. Er wird in Originalsprache Deutsch aufgeführt und ist englisch untertitelt.
Tickets zu 10 Euro gibt es an der Abendkasse. Nach Informationen der Veranstalter sind auf den Steinstufen Kissen ausgelegt. Wer jedoch gern auf seinem Lieblingskissen vom Balkon sitzen möchte, kann dieses natürlich mitbringen. Morgen, am Donnerstag (ebenfalls 21 Uhr), gibt es eine weitere Aufführung des Films an selber Stelle.
Landtag berät über Geld für die Kommunen
Die Sommerpause ist vorbei – auch für den Sächsischen Landtag. Dort dreht sich heute alles ums liebe, vor allem aber knappe Geld. Die 32. Plenarsitzung startet um 10 Uhr und befasst sich u. a. mit dem Doppelhaushalt 2027/2028. Unter TOP 1 befassen sich die Abgeordneten mit dem Haushaltsgesetz 2027/2028, Drucksache 8/7500, gemeinsam mit dem Haushaltsbegleitgesetz 2027/2028, Drucksache 8/7501. Anschließend sollen die Vorlagen an sämtliche neun Fachausschüsse überwiesen werden, wobei der Haushalts- und Finanzausschuss federführend ist.
Mit Spannung dürften die sächsischen Städte und Gemeinden auch den zweiten Tagesordnungspunkt erwarten. Dann geht es nämlich um das „Sechste Gesetz zu den Finanzbeziehungen zwischen dem Freistaat Sachsen und seinen Kommunen“, Drucksache 8/7502. Während die kommunalen Zuweisungen 2026 bei rund 8,1 Milliarden Euro liegen, sollen sie 2027 und 2028 jeweils auf fast 9 Milliarden Euro steigen.
Die Plenarsitzung ist öffentlich. Interessierte können sie nach Angaben des Landtags ohne vorherige Anmeldung von der Besuchertribüne verfolgen, benötigen für den Zutritt zum Gebäude allerdings ein bebildertes Ausweisdokument. Darüber hinaus werden an Plenartagen zwischen 9:30 und 18:30 Uhr jeweils im Abstand von einer halben Stunde 90-minütige Besucherführungen angeboten, zu denen auch ein Aufenthalt auf der Besuchertribüne gehört. Die Debatte kann zudem HIER ONLINE im Livestream mit Untertitelung verfolgt werden.
Noch während die Haushaltsberatungen im Parlament laufen, wollen Gewerkschaften und gesellschaftliche Organisationen vor dem Landtag Einfluss auf die Debatte nehmen. Von 12 bis 14 Uhr laden DGB Sachsen und Bündnispartner auf der Elbseite des Landtags zum „Dialog zum Doppelhaushalt – Die Weichen richtig stellen“ ein. Die Veranstalter beschreiben die Aktion als „Dialog mit den Abgeordneten zum Doppelhaushalt unter freiem Himmel“.
Vor dem Parlament soll ein langer Tisch aufgebaut werden, an dem Vereine, Verbände und Projekte mit Abgeordneten der demokratischen Parteien über ihre Forderungen und die finanzpolitischen Prioritäten des kommenden Doppelhaushalts sprechen können.
Lizenzhinweis: Die Abbildung des heutigen Wilhelm-Leuschner-Platzes aus dem Jahr 1950 stammt von dem Leipziger Fotografen-Ehepar Renate und Roger Rössing. Das Foto wird unter diesem Link auf Wikimedia Commons von der Deutschen Fotothek zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt. Das Bild wurde zur Nutzung auf diesem Portal geringfügig beschnitten, aber in keiner weiteren Weise verändert.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:














Keine Kommentare bisher