Die Zimmermanns-Brigade Balla war schon legendär, als ihren Auftritt kaum jemand gesehen hatte. Denn der Film, in dem sie die Hauptrolle spielt, wurde 1966 verboten, doch der Mythos hielt sich bis zur Wiederveröffentlichung 1989. Heute nun rücken die Jungs im UT Connewitz an. Zwei Veranstaltungen befassen sich mit Antisemitismus im Fußball und der Zukunft unserer Ökosysteme. Nächtliche Pendler und Party-Eulen müssen im Süden die Umfahrung einer Baustelle einplanen.
Nachtbus nach Süden fährt Umleitung
Seit den frühen Morgenstunden müssen sich Nachtschwärmer im Süden der Stadt auf eine geänderte Route einstellen. Wegen Bauarbeiten auf der Karl-Liebknecht-Straße verkehrt der „Nightliner“ N9 in Richtung Markkleeberg über eine Umleitungsstrecke. Die aktuelle Verkehrsmeldung der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) gilt seit heute 1:00 Uhr und trägt den Hinweis „bis auf Weiteres“. Die Umleitung beginnt für den N9 ab der Haltestelle Hohe Straße und führt über Körnerstraße, August-Bebel-Straße und Kurt-Eisner-Straße zur Haltestelle Karl-Liebknecht-/Kurt-Eisner-Straße.
Die „Nightliner“ N1 bis N9 starten täglich um 1:11 Uhr, 2:22 Uhr und 3:33 Uhr am Hauptbahnhof. Anlass der Umleitung ist der nächste Bauabschnitt auf der Karl-Liebknecht-Straße, der nach Angaben der Leipziger Wasserwerke nun zwischen Alfred-Kästner-Straße und Kurt-Eisner-Straße begonnen hat. Die Straßenbahnen auf der Karl-Liebknecht-Straße verkehren einer Mitteilung zufolge trotz der Bauarbeiten regulär. Auch die Gehwege bleiben nutzbar. Radfahrer sollen während der Arbeiten der ausgeschilderten Umleitung für den Kraftfahrzeugverkehr folgen.
Wer den N9 in Richtung Markkleeberg nutzt, muss zudem beachten, dass dort bereits eine weitere längerfristige Einschränkung besteht. Wegen Straßenbauarbeiten in der Rathausstraße wird die Linie seit März umgeleitet. Der N9 fährt von Markkleeberg in Richtung Hauptbahnhof ab der Haltestelle Markkleeberg, S-Bahnhof über Friedrich-Ebert-Straße und Breitscheidstraße. Dadurch werden die Haltestellen Markkleeberg, Ring, Markkleeberg-West, Gautzscher Platz und Sonnesiedlung nicht bedient. Nach der aktuellen LVB-Information soll diese Verkehrsführung voraussichtlich bis Dezember 2026 bestehen.
Einen besonderen Nachtbuszuschlag gibt es für den N9 nicht. In den „Nightlinern“ gelten nach Angaben der LVB die regulären Fahrausweise für die Tarifzone 110 beziehungsweise für die auf der jeweiligen Fahrt durchquerten Tarifzonen. Seit 1. August 2026 kostet eine Einzelfahrkarte für die Leipziger Tarifzone 110 3,80 Euro, eine Kurzstrecke 2,50 Euro. Für Fahrten mit dem N9 über die Leipziger Stadtgrenze hinaus nach Markkleeberg richtet sich der erforderliche Fahrschein nach den tatsächlich durchfahrenen Tarifzonen.
Eine Übersicht über alle Ticket-Varianten, Tarifzonen und Preise gibt es HIER ONLINE bei den Verkehrsbetrieben.
Steinspuren und Pflastersteine
Weil Frank Beyers Darstellung von Pfusch und Planerfüllung sowie eines moralisch fragwürdigen Parteisekretärs der DDR-Führung übel aufstießen, verschwand sein Film „Spur der Steine“ unmittelbar nach der Uraufführung im Giftschrank. Mit einer Sonderaufführung des Streifens setzt das Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK) seine Reihe „Architektur im Film“ heute Abend im UT Connewitz fort.
Im Mittelpunkt des 1966 veröffentlichten Films stehen nicht Bauwerke selbst, sondern jene Menschen, die sie im Sozialismus errichteten: Bauarbeiter und insbesondere Zimmermänner. „Spur der Steine“ erzählt von Brigadier Hans Balla, gespielt von Manfred Krug, der auf der Großbaustelle in Schkona arbeitet und seine Zimmermannstruppe mit unkonventionellen Methoden zu Höchstleistungen antreibt. Dabei gerät er mit dem neuen Parteisekretär, gespielt von Eberhard Esche, aneinander. Zugleich konkurrieren beide um eine Frau, die von Krystyna Stypułkowska dargestellt wird.
Erst 1989 wurde Frank Beyers Werk rehabilitiert. Heute gilt die DEFA-Produktion als bedeutendes Stück der Filmgeschichte und wird die für das einstige Verbot verantwortlichen Betonköpfe um Generationen überdauern.
Bevor der Film gegen 19 Uhr beginnt, liegt der Leipziger Stadtraum im Blickfeld des Abends. Zum Auftakt um 18 Uhr begrüßt Nora Gitter, Koordinatorin für Baukultur, die Besucher. Anschließend stellt Dr. Stephanie Weismann vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas (GWZO) die Idee der „Leipziger Pflastergeschichte/n“ vor. Das Projekt möchte Menschen dazu bewegen, persönliche Erlebnisse und Anekdoten zu Bodenbelägen im Stadtgebiet beizutragen und damit gemeinsam Stadtgeschichte festzuhalten. Als Beispiele dienen die noch vorhandenen Reste des Holzpflasters am Alten Rathaus ebenso wie Kupferschlackesteine unter dem Asphalt der Thomasiusstraße.
Das ZfBK veranstaltet die Reihe „Architektur im Film“ in Kooperation mit der Stadt Leipzig. Einmal im Monat präsentiert sie Kino- und Fernsehproduktionen, in denen Architektur auf herausragende Weise dargestellt oder thematisch aufgearbeitet wird. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist jeweils frei. Der nächste Termin folgt am 22. September um 18 Uhr im Grassimuseum. Dann steht Duki Drors Film „Erich Mendelssohn – Visionen für die Ewigkeit“ auf dem Programm. Weitere Informationen und das Programm für das zweite Halbjahr sind online unter www.leipzig.de/netzwerk-baukultur zu finden.

Fussball und Antisemitismus
Monty Ott und Ruben Gerczikow stellen heute im Leipziger Erich-Zeigner-Haus ihr Buch „Juden auf dem Platz, Juden auf den Rängen“ vor und diskutieren über Antisemitismus im Fußball. Im Mittelpunkt des Abends stehen die Erscheinungsformen von Antisemitismus im Fußball, die Erfahrungen Betroffener im Alltag sowie die Verantwortung von Vereinen, Fans und Verbänden.
Ott und Gerczikow wollen dabei Einblicke in ihre Recherchen geben und die gegenwärtige Situation einordnen. Das Buch beschäftigt sich mit jüdischen Lebenswirklichkeiten im Fußball und versammelt Geschichten jüdischer Menschen sowie von Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Dabei geht es unter anderem um Solidarität, Ausgrenzung und jüdische Perspektiven auf den Fußball.
Das Erich-Zeigner-Haus verbindet die Buchvorstellung mit einer gesellschaftspolitischen Gesprächsrunde: Die Veranstaltung soll für Antisemitismus sensibilisieren, unterschiedliche Perspektiven eröffnen und zur Reflexion des eigenen Verhaltens anregen. Zugleich soll der Frage nachgegangen werden, wie Antisemitismus im Fußball sichtbar gemacht werden kann und welche Möglichkeiten bestehen, ihm entgegenzutreten.
Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr im Erich-Zeigner-Haus, Zschochersche Straße 21, 04229 Leipzig. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Zukunft im Wandel des Klimas
Welche Ökosysteme werden künftig in Mitteleuropa bestehen, wenn sich Klima und Landnutzung weiter verändern? Dieser Frage widmet sich Dr. Stefan Klotz heute bei einem Vortrag der Geographischen Gesellschaft zu Leipzig im GRASSI-Museum.
Unter dem Titel „Biogeographische Forschungen in Zeiten des Klima- und Landnutzungswandels: Flora, Fauna und ihre Ökosysteme“ spricht der Wissenschaftler um 18 Uhr im Filmsaal des Museums am Johannisplatz 5–11. Der Eintritt beträgt 5 Euro, für Mitglieder der Geographischen Gesellschaft ist er kostenlos.
Klotz beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Vorkommen und die räumliche Verbreitung von Organismen im Laufe der Zeit verändern. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf Entwicklungen während der Erdgeschichte und heutige Biodiversitätsmuster als auch auf mögliche Veränderungen von Flora, Fauna und ganzen Ökosystemen unter den Bedingungen des Klima- und Landnutzungswandels. Für Mitteleuropa geht es dabei insbesondere um die „Ökosysteme unserer Zukunft“.
Der Vortrag soll zugleich zeigen, mit welchen wissenschaftlichen Verfahren sich solche Entwicklungen untersuchen und mögliche künftige Veränderungen abschätzen lassen. Der Referent ist eng mit der Umwelt- und Biodiversitätsforschung in Mitteldeutschland verbunden.
Klotz war langjähriger Wissenschaftler und Forschungsleiter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Von 1996 bis 2022 leitete er dort das Department Biozönoseforschung, von 2017 bis 2022 zudem den Themenbereich „Ökosysteme der Zukunft“. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören Pflanzenökologie, Biogeographie und biologische Invasionen sowie die Folgen von Landnutzungs- und Klimawandel für Biodiversität und Ökosystemdynamik.
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