Zwei Menschen, 695 Kilometer und eine politische Frage: Was passiert, wenn Menschen, die sich einzeln machtlos fühlen, merken, dass sie gemeinsam ziemlich viele sind? Seit dem 28. Juli laufen Oliver Möller und Simon Kieke mit der Bürgerbewegung Unfuck Germany von Trier nach Berlin. Rund einen Monat sind sie zu Fuß unterwegs. Sie sprechen mit Menschen, diskutieren über extreme Vermögen und politische Macht und laden dazu ein, sich für einen Kilometer oder einen längeren Streckenabschnitt anzuschließen. Am Dienstag, dem 25. August, passieren die beiden Leipzig.

„Dass so eine kleine Aktion etwas Großes bewegt, ist sehr unwahrscheinlich. Aber es ist möglich“, sagt Oliver Möller. Der Satz ist zugleich der Grundgedanke der Kampagne „Es ist möglich“. Sie verspricht nicht, dass ein einzelner Lauf die Politik verändert. Sie will ausprobieren, was entstehen kann, wenn Menschen nicht nur zustimmen oder schimpfen, sondern gemeinsam einen ersten Schritt machen.

Am Samstag, dem 22. August, befand sich Unfuck Germany in Jena. In den kommenden Tagen führt die Route durch den Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt nach Leipzig. Ab dem 25. August ist die Bürgerbewegung in Leipzig. Anschließend geht es über Nordsachsen und den Landkreis Wittenberg erneut durch Sachsen-Anhalt weiter Richtung Berlin.

Ade Ohnmacht: Ein Kilometer als Anfang

Unfuck Germany bezeichnet die Aktion als „Mitmach-Revolution“. Der Einstieg soll bewusst einfach sein: einen Kilometer mitlaufen, in einem Satz sagen, was sich verändern muss, und einen weiteren Menschen ansprechen. Das Prinzip lautet: „1 Kilometer · 1 Satz · 1 Mitmensch“.

Wer nicht an der Strecke wohnt, kann den Kilometer auch am eigenen Wohnort laufen. Nicht alle Menschen können einen Monat lang bis Berlin gehen. Aber fast alle können einen überschaubaren ersten Schritt machen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die sportliche Leistung.

Die Kampagne richtet sich gegen das Gefühl, als einzelner Mensch politisch ohnehin nichts bewirken zu können. Sie will Menschen miteinander verbinden, die Veränderungen für notwendig halten, bisher aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Überreichtum ist eine Machtfrage

Der erste politische Schwerpunkt der Bewegung ist die gerechtere Besteuerung extrem großer Vermögen und Erbschaften. Für Unfuck Germany ist extreme Vermögenskonzentration nicht nur eine Frage des Geldes. Wer über Hunderte Millionen oder Milliarden verfügt, hat Möglichkeiten, Unternehmen, Medien, Lobbyarbeit und politische Debatten zu beeinflussen, die normale Menschen nicht haben.

Riesengroße Vermögen und Erbschaften stärker zu besteuern, ist für die Bewegung deshalb mehr als eine steuerpolitische Einzelfrage. Es geht darum, wie wirtschaftliche und politische Macht in einer Demokratie verteilt sein soll.

Da die gesamte Strecke zu Fuß zurückgelegt wird, können sich genaue Treffpunkte und Uhrzeiten kurzfristig verschieben. Aktuelle Informationen veröffentlicht Unfuck Germany über die eigene Website und die Social-Media-Kanäle.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Nach den Strategien für das Leben im Clusterfuck nun die Wegfickung der Ohnmacht. Es ist nicht so, dass Fachleute vor Jahren schon gewarnt hätten vor den Folgen frühzeitigen Pornokonsums auf dem Schulhof….Holy fuck

Schreiben Sie einen Kommentar