2035 soll eigentlich Schluss sein: Es sollen im Kohlekraftwerk Lippendorf im Leipziger Südraum die Lichter ausgehen. Dann ist offiziell das Ende der Kohleverbrennung im Leipziger Süden erreicht. Aber bei der EPH, der das Kohlekraftwerk seit Beginn des Jahres komplett gehört, hat man schon Pläne für danach. Dann soll ein neues Gaskraftwerk am Standort Lippendorf den Betrieb aufnehmen.

Für Klimaaktivisten ein Unding: Was bringt der Kohleausstieg, wenn hier nur ein fossiler Brennstoff durch einen anderen ersetzt wird? Mit einem Banner protestierten sie gegen diese Pläne.

Am Kraftwerk Lippendorf fand im Zuge der Anti-EPH-Aktionstagen vom 27. bis 29. April eine Protestaktion gegen den geplanten Bau des Gaskraftwerkes statt. Eine Gruppe von Aktivist/-innen der Klimagerechtigkeitsgruppe Ende Gelände brachte kurzfristig ein Banner mit der Aufschrift „STOP EPH! Kein Gaskraftwerk in Lippendorf“ vor dem Gelände des Kraftwerkes an.

„Wenn das Kohlekraftwerk Lippendorf vom Netz geht, soll an dessen Stelle schon ein neues Gaskraftwerk stehen. So zumindest stellt es sich die EPH vor, die sich erhofft, durch den vom Wirtschaftsministerium ausgeschriebenen Gaskraftwerksausbau zu profitieren“, kommentiert Tomke Jannsen, Pressesprecherin von Ende Gelände, den Protest.

„Die EPH ist die Mutterfirma der LEAG, welche das Kohlekraftwerk Lippendorf betreibt. Besitzer der Firma ist Daniel Křetínský, laut Forbes einer der vermögendsten Männer der Welt. Die EPH ist der größte Braunkohleförderer in Europa, jetzt baut sie in Ländern in ganz Europa Gaskraftwerke. Um sich aus der Verantwortung zu ziehen, versteckt sich die EPH hinter einem komplexen und intransparenten Geflecht aus Eigentumsstrukturen, doch das werden wir ihnen nicht durchgehen lassen.“

Drei Tage Protest

Ein Netzwerk aus internationalen Aktivist/-innen hat die Pläne der EPH zu Beginn dieser Woche ins Rampenlicht gesetzt – mit unterschiedlichsten Aktionen, von Demos über Büroblockaden bis zu künstlerischen Protestformen. Das Netzwerk fordert den Stopp der fossilen Expansion der EPH, das Einstellen von öffentlicher und privater Förderung des Konzerns durch Staaten, Investoren und Banken sowie die Einstellung jeder Unterstützung der Zusammenarbeit der EPH und TotalEnergies.

Franz Leitner von Ende Gelände ergänzt: „Inmitten der voranschreitenden Klimakatastrophe noch Gaskraftwerke zu bauen, ist verantwortungslos und inakzeptabel. Mit unserer Aktion sind wir Teil des Anti-EPH Netzwerkes und machen deutlich, dass wir es nicht mehr akzeptieren wollen, dass Ultrareiche wie Daniel Křetínský von der Ausbeutung der Erde profitieren, während weltweit Millionen von Menschen an der zerstörerischen Förderung von fossilem Gas und dessen Verbrennung leiden.“

Und: „Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge! Anstatt des Ausbaus von fossiler Energie brauchen wir eine wirklich zukunftsfähige, ökologische Energiewirtschaft, die an den Bedürfnissen aller Menschen ausgerichtet ist und von allen mitbestimmt wird, anstatt von einigen wenigen Reichen wie Daniel Křetínský.“

Neue Gaskraftwerke sollen nicht nur in Leipzig entstehen, sondern in ganz Deutschland, so auch in Nordrhein-Westfalen. Vom 28. bis zum 30. Mai mobilisiert Ende Gelände zu einer Massenaktion zivilen Ungehorsams gegen den Gasausbau. Vom 27. bis 31. Mai soll außerdem in Hamm das „Hammer Klimacamp“, ein Bildungs- und Protestcamp gegen den Gasausbau, stattfinden.

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