Am dritten Tag des Turniers startet der WM-Marathon: In den kommenden knapp zwei Wochen finden abends und nachts täglich vier Spiele statt. Brasilien ist das erste Team aus dem erweiterten Favoritenkreis, das ins Turnier einsteigt, könnte gegen WM-Halbfinalist Marokko aber eine böse Überraschung erleben. Gastgeber USA hat derweil ein klares Statement gesetzt.

Für die besonders Verrückten, die trotz anspruchsvoller Anstoßzeiten möglichst viele Spiele gucken möchten – der Autor spricht möglicherweise über sich selbst –, waren die ersten beiden Tage herausfordernd. Anstoß um 21 Uhr? Kein Problem. Doch zwei Stunden später nach dem Abpfiff der „frühen“ Partien wanderte der Blick sorgenvoll auf die Uhr: Um das zweite Spiel des Tages zu gucken, musste man nun vier beziehungsweise fünf Stunden warten.

Das ist ab sofort anders. Zwischen Abpfiff und Anpfiff vergeht in der Regel nur noch eine Stunde. Wenn also in der kommenden Nacht gegen 2 Uhr die Partie zwischen Brasilien und Marokko endet, bleibt nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken, ob dieser Schlafrhythmus wirklich eine gute Idee ist, weil es um 3 schon mit Haiti gegen Schottland weitergeht.

Brasilien gegen Marokko dürfte auch das erste Spiel dieser WM sein, das Fußball-Fans mit gesellschaftlich akzeptiertem Schlafrhythmus ins Grübeln bringt, ob man nicht ein bisschen länger aufbleiben sollte. Der WM-Rekordmeister aus Südamerika gehört zwar nicht zu den absoluten Top-Favoriten des Turniers, würde mit einem möglichen sechsten Erfolg aber auch niemanden so richtig schockieren.

Brasilien in fragwürdigem Zustand

Gründe, mit Sorgen auf die brasilianische Mannschaft bei diesem Turnier zu blicken, gibt es viele. Die Qualifikation war ein Albtraum; Brasilien landete hinter Argentinien, Ecuador, Kolumbien und Uruguay nur auf dem fünften Platz und hat dabei zum ersten(!) Mal in seiner Geschichte ein Heimspiel in der WM-Qualifikation verloren. Würde die Weltmeisterschaft noch im alten Modus mit 32 Mannschaften stattfinden, wäre Brasilien nicht direkt qualifiziert gewesen.

Für Skepsis sorgt aber nicht nur die jüngere Vergangenheit, sondern auch der aktuelle Kader. Superstars der Kategorie Ronaldo, Ronaldinho oder gar Pelé sucht man vergebens. Der einstige Weltklassespieler Neymar war in den vergangenen Jahren dauerverletzt und reist möglicherweise nur als Maskottchen mit nach Nordamerika. Wie mittlerweile bekannt wurde, fällt er gegen Marokko aus.

Spieler wie Raphinha vom FC Barcelona und Vinicius Junior von Real Madrid gehören zwar zu den Besten der Welt, wenn sie mit ihren Vereinen unterwegs sind – in der Nationalmannschaft zeigen sie diese Leistungen aber eher selten. Die größte Hoffnung für Brasilien ist wohl Trainer Carlo Ancelotti, der mit seinen Teams fünfmal die Champions League gewinnen konnte und in allen(!) fünf europäischen Top-Ligen mindestens einmal Meister wurde.

Marokko vor vier Jahren einen Favoritenschreck

Unter diesen Umständen halten es einige Expert*innen für denkbar, dass Brasilien in seiner Gruppe nur Zweiter wird – hinter Marokko. Dort ist die Lage ziemlich klar. Vor vier Jahren landete das Team in seiner Gruppe vor dem amtierenden WM-Finalisten Kroatien und Geheimfavorit Belgien auf Platz 1; auf dem weiteren Weg ins Halbfinale besiegte man Spanien und Portugal. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass Marokko seitdem schlechter geworden ist.

Vom Halbfinale träumen sicherlich auch einige, die dem US-Team die Daumen drücken. Im ersten Spiel gegen Paraguay setzte der Gastgeber zumindest schon mal ein deutliches Zeichen. Er war über 90 Minuten das dominante Team und führte schon zur Halbzeit mit drei Toren. Nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Spielweise sorgte dafür, dass die USA von den acht Teams, die bislang im Einsatz waren, den besten Eindruck hinterlassen haben.

Zuvor war auch Kanada ins Turnier gestartet. Im Gegensatz zu Mexiko und den USA gab es für den dritten WM-Gastgeber zwar nur ein Unentschieden und keinen Sieg zum Auftakt, doch dafür konnte Kanada mit seiner Eröffnungsshow punkten. Diese setzte weniger auf Bombast und mehr auf Atmosphäre.

Spiele am Samstagabend und in der Nacht zu Sonntag:

21 Uhr: Katar gegen Schweiz (ZDF)

Prognose: deutlicher Sieg für die Schweiz

0 Uhr: Brasilien gegen Marokko (ZDF)

Prognose: knapper Sieg für Brasilien

3 Uhr: Haiti gegen Schottland (ARD)

Prognose: knapper Sieg für Schottland

6 Uhr: Australien gegen Türkei (nur MagentaTV)

Prognose: knapper Sieg für die Türkei

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