Mexiko und Südafrika eröffnen am Donnerstagabend die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Normalerweise redet man in den Tagen vor Turnierbeginn über all jene Mannschaften, Fans und sonstigen Beteiligten, die nach und nach vor Ort eintreffen. Diesmal ist das anders: Vieles dreht sich um diejenigen, die eigentlich dabei sein sollten, aber nicht dabei sein dürfen.
Das prominenteste Opfer der US-amerikanischen Einreisebeschränkungen ist der somalische Schiedsrichter Omar Artan. Er soll angeblich Verbindungen zu Terrororganisationen haben, hieß es am Mittwoch seitens des Trump-Regimes. Beweise dafür wurden nicht präsentiert. Artan zeigte sich von der Entscheidung enttäuscht, wurde aber immerhin bei seiner Rückkehr in Somalia jubelnd empfangen.
All jenen, die derzeit in Nordamerika am Fifa-Zirkus teilnehmen, scheint die Angelegenheit nicht besonders wichtig. Von Spielern sind keine Solidaritätsbekundungen bekannt, das MagentaTV-Team, das die WM live nach Deutschland überträgt, beschäftigt sich in den sozialen Medien nur mit Schland und sich selbst, und die Fifa teilte kurz und knapp mit, man sei nicht an den Einwanderungsverfahren der Gastgeber beteiligt.
In vielen Kommentarspalten fanden sich empörte Nutzer*innen, die von den übrigen Schiedsrichtern einen WM-Boykott oder zumindest ein deutliches Zeichen forderten. Momentan gibt es allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass dieser Wunsch Realität werden könnte. Business as usual.
USA vs. Iran
Besonders von den US-Schikanen ist auch Iran betroffen. Rund ein dutzend Mitglieder der Delegation durften gar nicht erst einreisen, das Team musste kurzfristig in ein Trainingslager nach Mexiko ausweichen und darf nur an den Spieltagen die USA betreten – und das Ticketkontingent für die iranischen Fans wurde offenbar komplett gestrichen. Ein klares Statement der Fifa sucht man auch hier vergebens.
Allzu viel Mitleid mit dem iranischen Team muss man aber wohl nicht haben. Top-Stürmer Sardar Azmound hat sich mehrmals mit den Protesten im Land solidarisiert und darf deshalb nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen. Diese wiederum wurde als „Säule der Autorität und des Widerstands“ nach Nordamerika verabschiedet und soll dort „das Volk, die Kämpfer des Landes, den Führer und das Land vertreten“.
Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft legte der iranische Sportminister Ahmed Donjamali nach: Sollte es in den Stadien Protest gegen das mörderische Regime in Iran geben, werde man das Spiel abbrechen. Iran trägt zwei Vorrundenspiele in Los Angeles aus. Dort gibt es besonders viele Exil-Iraner*innen. Ganz unwahrscheinlich ist es also nicht, dass es während der WM im Zusammenhang mit Iran in irgendeiner Form zu einem Eklat kommt.
In einer bestimmten Konstellation könnte es übrigens zu einem direkten Duell zwischen Iran und den USA in der ersten K.o.-Runde kommen: Wenn beide in ihren Gruppen auf dem zweiten Platz landen, was durchaus möglich ist. Die USA dürften sich in ihrer Gruppe mit der Türkei um die ersten beiden Plätze streiten. In der Iran-Gruppe gilt Belgien als Favorit, gefolgt von Ägypten. Iran dürfte aber nicht chancenlos sein, Ägypten den zweiten Platz streitig zu machen.
Auftakt mit Mexiko, Südafrika, Tschechien und Südkorea
Bis es möglicherweise so weit ist, werden noch einige Wochen vergehen. Donnerstagabend startet die WM um 21 Uhr mit dem Spiel zwischen Mexiko und Südafrika. Austragungsort ist das legendäre Aztekenstadion in Mexico City. 1970 konnte dort Pelé mit Brasilien den WM-Titel feiern und 16 Jahre später Argentinien mit Diego Maradona. Auch das „Jahrhundertspiel“ zwischen Deutschland und Italien fand 1970 vor mehr als 100.000 Zuschauer*innen im Aztekenstadion statt.
Während Mexiko seit 1994 an allen Weltmeisterschaften teilgenommen hat – und abgesehen vom Vorrundenaus vor vier Jahren immer exakt bis ins Achtelfinale kam –, ist Südafrika erst zum vierten Mal insgesamt und zum ersten Mal seit der Heim-WM 2010 dabei. Damals hieß das Eröffnungsspiel kurioserweise auch Südafrika gegen Mexiko. Es endete mit einem 1:1-Unentschieden. Diesmal gilt Mexiko als klarer Favorit.
Vollkommen offen scheint hingegen das zweite Duell in Gruppe A, das nachts um 4 Uhr angepfiffen wird. Ähnlich wie Mexiko ist Südkorea ein Dauergast bei Weltmeisterschaften, während sich Tschechien zum ersten Mal seit 2006 qualifizieren konnte.
Bei den Asiaten steht mit Son Heung-min beziehungsweise Heung-min Son der wohl größte Star dieser Gruppe im Aufgebot. Bis 2015 spielte er in Leverkusen, danach viele Jahre bei Tottenham und seit 2025 in Los Angeles. In der nordamerikanischen MLS zählte Heung-min in der vergangenen Saison zu den besten Spielern – natürlich hinter Lionel Messi. Die laufende Saison gehört aber nicht zu den Highlights in seiner Karriere.
Spiele am Donnerstagabend und in der Nacht zu Freitag:
21 Uhr: Mexiko gegen Südafrika (ZDF)
Prognose: deutlicher Sieg für Mexiko
4 Uhr: Südkorea gegen Tschechien (nur MagentaTV)
Prognose: kein Favorit
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