Bach, Bälle, Bilder – Leipzig steht ein kulturgeprägtes Wochenende bevor. Während das Bachfest Raum für musikalischen Klimakampf bietet, will das Zirkus-Fest Vertigo zeigen, was ohne Tierquälerei mit Artistik alles möglich ist. Und die Galerie Schwind lädt in den einstigen Garten des berühmten Leipziger Malers Werner Tübke (1929 – 2004) zum Sommerfest ein, bei dem es bisher noch nicht gezeigte Werke zu sehen geben wird.
Bach trifft Protest
Das Bachfest Leipzig beweist heute nicht nur seine internationale Strahlkraft, sondern auch seine Offenheit für aktuelle gesellschaftliche Debatten. Bereits am Nachmittag bewegt sich mit dem ProtestFlügel ein außergewöhnliches Projekt durch die Stadt: Ein Konzertflügel wird von Plagwitz aus bis zum Markt gezogen und dabei von Musikerinnen und Musikern bespielt.
Hinter der Aktion „Bach4Future: Gemeinsam beflügeln wir den Klimaschutz!“ steht ein Bündnis aus Leipziger Klimabewegung und lokalen Kulturschaffenden, das den öffentlichen Raum für einen kreativen Dialog über Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung nutzen möchte. Der Flügel macht sich bereits zum dritten Mal auf den Weg durch Leipzig, startet dieses Mal um 14:30 Uhr an der Kreuzung Merseburger-, Ecke Karl-Heine-Straße. Die Ankunft auf dem Markt ist für 18 Uhr geplant.
Am Abend startet die kostenfreie Konzertreihe „BachStage“ und öffnet das Festival bewusst einem breiten Publikum. Den Auftakt gestaltet um 19:15 Uhr das WVC Jazz Bach Ensemble aus Malaysia mit dem Programm „Malayan Dialogues with Bach“. Die Formation verbindet Bachs musikalisches Erbe mit südostasiatischen Klangwelten und Instrumenten wie Bambusflöte und Tabla und steht damit exemplarisch für das Bachfest-Motto „Im Dialog“, unter dem Leipzig seit gestern erneut zur internationalen Bach-Metropole wird.
Einer der Höhepunkte des Tages folgt ab 21 Uhr mit dem Quartett Landgren/Wollny/Danielsson/Haffner. Mit Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner treffen vier prägende Persönlichkeiten des europäischen Jazz aufeinander, deren gemeinsamer Auftritt zu den publikumsstärksten Veranstaltungen des Tages zählen dürfte.

Zirkus ohne Zwang
Raubtiere, die beim Peitschenknall durch Feuerreifen springen, Elefanten, die Männchen machen und die Zeit zwischen Probe und Auftritt in viel zu kleinen Boxen verbringen müssen – der Ruf des Zirkus ist nicht der beste. Ein mehrtägiges Festival will ab heute mit dem angestaubten Klischee aufräumen. „VERTIGO“ ist Leipzigs erstes Treffen für zeitgenössischen Zirkus.
Bis Sonntag verwandelt sich das Areal vor dem einstigen Westbahnhof Plagwitz in eine Bühne für internationale Ensembles und regionale Akteure. Bei freiem Eintritt soll das Publikum erleben, wie vielfältig sich die Kunstform heute präsentiert – von poetischer Akrobatik bis zu spielerischen und gesellschaftlich relevanten Inszenierungen. Veranstalter ist der Verein Circo Lipsia e. V., der 2025 von Clémentine Harpagès und Friederike Otte gegründet wurde.
„Mit VERTIGO möchten wir einen Ort schaffen, an dem zeitgenössischer Zirkus in Leipzig sichtbar und erlebbar wird – offen, niedrigschwellig und im Austausch mit einem breiten Publikum“, erklären die Gründerinnen Clémentine Harpagès und Friederike Otte ihr Anliegen.
Den Auftakt des Festivals gestaltet heute Abend die französische Compagnie Zalataï mit ihrer Produktion „Bal(les)“. Darin widmen sich die Akrobatin Charlotte de la Brétèque und der Jongleur Alexander Koblikov auf poetische Weise dem Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz. De la Brétèque entwickelte ihr eigenes Requisit an der École Supérieure des Arts du Cirque (ESAC) in Brüssel. Koblikov zählt zu den international renommierten Jongleuren, hält einen Guinness-Weltrekord mit 14 Bällen und wurde bei zahlreichen bedeutenden Zirkusfestivals ausgezeichnet.
Das Programm bietet 12 Veranstaltungen, darunter 2 Konzerte und zum Abschluß eine „Open Stage“ – eine offene Bühne zum Mitmachen. Achtung: Das Festival findet überwiegend im Freien statt. Wenn´s zieht: Jacke zu.

Sommerfest in Tübkes Garten
Die Galerie Schwind lädt Samstag zu einem künstlerischen Miteinander ab 15 Uhr in ihre Räume und den dazugehörigen Garten ein. Besucher können dabei neue bzw. noch nicht gezeigte Arbeiten der von der Galerie vertretenen Künstler entdecken. Angekündigt sind unter anderem Werke von Matthias Ludwig, Rolf Händler, Ana Monteiro, Frank Hauptvogel, Ulrich Hachulla, Gero Künzel, Willi Sitte, Leif Borges, Sten Gutglück und Sven Hoppler. Ergänzt wird das Programm durch eine neue Kabinettausstellung im Atelier des einstigen Hausherren, in der Aquarelle von Werner Tübke und Michael Triegel zu sehen sind.
Auch abseits der Ausstellungsräume setzt die Galerie auf Begegnung und Austausch. Für die Gäste ist ein Rahmenprogramm im Garten vorbereitet. Dort, so kündigt die Galerie an, gibt es „Musik, Speisen und Getränke“.
Das Sommerfest findet in einem kunsthistorisch bedeutenden Gebäude statt. Die Villa in der Springerstraße 5 (Leipzig-Gohlis) war von 1977 bis 2004 Wohn- und Arbeitsort des Malers Werner Tübke. Nach einem Ausbau ab 1988 entstand dort auch das große Dachatelier. Seit 2005 befindet sich der Hauptsitz der Galerie Schwind in der sogenannten Tübke-Villa, die heute als Ausstellungsort und kultureller Treffpunkt genutzt wird.
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