Wenn man so die Diskussionen aus der sächsischen Provinz verfolgt, bekommt man das Gefühl, als wären die meisten Sachsen gegen die Energiewende und gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien. Und der Ministerpräsident wäre ihr Sprachrohr, wenn er von Kohle, Erdgas und Kernkraft schwärmt. Aber der Eindruck trügt. Es sind die Lautstarken, die die Debatte bestimmen. Aber die Mehrheitsmeinung ist eine völlig andere, wie jetzt eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Umfrage belegt.

Denn so ganz unbekannt ist den meisten Sachsen die Rolle der Energiewende für die Versorgungssicherheit, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und die Unabhängigkeit von fossilen Importen in geopolitisch unsicheren Zeiten eben nicht

„Kriege, Krisen und Großmachtkonflikte zeigen, dass wir uns von fossilen Energieimporten unabhängiger machen müssen“, betont Wirtschaftsminister Dirk Panter. „Eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für den Wirtschaftsstandort Sachsen.“

Und der Handlungsdruck beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei hoch, unterstreicht der Minister. Sachsen erzeuge weiterhin zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien – auch im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sei daher ebenso notwendig wie der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur. Dazu zählen Speichertechnologien, moderne Stromnetze und perspektivisch wasserstofffähige Gaskraftwerke an ehemaligen Kohlestandorten, um Versorgungssicherheit auch in Übergangsphasen zu gewährleisten.

Die Befragungsergebnisse

Die repräsentative Befragung im Auftrag des sächsischen Wirtschaftsministeriums bestätigt nun einmal mehr, dass die Energiewende in Sachsen überwiegend auf Zustimmung trifft. Eine Mehrheit von 56 Prozent steht erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber, 14 Prozent lehnen sie ab. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Bevölkerung (28 Prozent) unentschieden.

Einstellung der Befragten zu verschiedenen Technologien bei der erneuerbaren Energie. Grafik: Freistaat Sachsen, SMWA
Einstellung der Befragten zu verschiedenen Technologien bei der erneuerbaren Energie. Grafik: Freistaat Sachsen, SMWA

Damit wird deutlich, so das Ministerium: „Die grundsätzliche Zustimmung ist vorhanden, sie ist aber nicht belastbar, solange konkrete Auswirkungen unklar bleiben oder als nachteilig empfunden werden. Akzeptanz entsteht vor allem dort, wo Nutzen unmittelbar erkennbar ist – etwa durch finanzielle Beteiligung von Kommunen, wirtschaftliche Impulse oder spürbar geringere Energiekosten.

Besonders deutlich wird die Ambivalenz im unmittelbaren Wohnumfeld: Keine Energieform wird dort vorbehaltlos akzeptiert. Erneuerbare Energien schneiden zwar besser ab als konventionelle Technologien, stehen aber aufgrund konkreter Ausbauvorhaben stärker im Fokus von Konflikten.“

Das heißt: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss begründet werden. Die Betroffene vor Ort müssen mitgenommen werden.

Vergleich der Zustimmung zu erneuerbaren und zu fossilen Energie-Technologien. Grafik: Freistaat Sachsen, SMWA
Vergleich der Zustimmung zu erneuerbaren und zu fossilen Energie-Technologien. Grafik: Freistaat Sachsen, SMWA

„Die Energiewende kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll, regional verankert und für die Menschen nachvollziehbar gestaltet wird“, sagt Dirk Panter. „Die Ergebnisse zeigen klar, dass wir besser erklären, früher einbinden und konkrete Vorteile sichtbarer machen müssen.“

Mit dem Erneuerbare-Energien-Ertragsbeteiligungsgesetz seien auch verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen worden, damit Kommunen finanziell von Wind- und Solarprojekten profitieren. Ziel sei es, Wertschöpfung sichtbar vor Ort zu verankern und Akzeptanz zu stärken. Ergänzend unterstütze die Dialog- und Servicestelle erneuerbare Energien der Sächsischen Energieagentur Bürger, Kommunen und Unternehmen mit Beratung und Konfliktmoderation.

Die Ergebnisse der Befragung findet man hier.

Die Online-Befragung

Zur Erhebung der Einstellung der sächsischen Bevölkerung zu erneuerbaren Energien im Freistaat Sachsen wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz im Oktober und November 2025 eine Online-Befragung durchgeführt.

Auftragnehmerin war die Innofact AG aus Düsseldorf. Insgesamt wurden 1.500 Nettointerviews realisiert. Die Stichprobe setzte sich aus der Wohnbevölkerung Sachsens im Alter von 18 bis 79 Jahren zusammen und wurde repräsentativ nach Alter, Geschlecht sowie Wohnort in Stadt und Land ausgewählt.

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