Alle reden vom befürchteten Wahlsieg der AfD. Aber kaum jemand thematisiert die Tatsache, dass dieser wachsende Zuspruch für die Populisten handfeste Ursachen haben könnte. Und zwar in einer Politik auf Bundes- und Landesebene, die an den Interessen der Bürger völlig vorbeigeht. Das wird jetzt sogar in einer Umfrage der Körber-Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt deutlich, die auch den wachsenden Unmut der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister einfängt, die die verkorkste Bundespolitik in ihren Kommunen ausbaden müssen.
„Wie ist die Stimmung in den Rathäusern vor den Landtagswahlen?“, wollte die Körber-Stiftung wissen, und forsa fragte und bekam Antworten: In Mecklenburg-Vorpommern (MV) erwarten 44 Prozent, in Sachsen-Anhalt (LSA) 52 Prozent der leitenden Verwaltungsmitarbeitenden größere Auswirkungen auf Strukturen und Abläufe der Kommunalverwaltung, falls die AfD die künftige Landesregierung anführen sollte.
Aber es ist nicht einmal die AfD, die die Stimmung in den Rathäusern vermiest.
In den Städten und Gemeinden hat sich die Stimmung laut Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern (MV: 47 Prozent, LSA: 62 Prozent) sowie Ratsmitgliedern (MV: 50 Prozent, LSA: 61 Prozent) in den letzten Monaten verschlechtert. Begründet wird dies vor allem mit einer wachsenden, grundsätzlichen Unzufriedenheit mit der Bundes- und Landespolitik, insbesondere von Ratsmitgliedern aus Sachsen-Anhalt mit 28 Prozent (vgl. MV: 22 Prozent).
Selten hat eine Umfrage so deutlich gemacht, wie stark eine dysfunktionale Politik vor allem auf Bundesebene bis in die Lokalpolitik hineinwirkt. Gerade die Finanzpolitik sorgt aktuell dafür, dass immer mehr Kommunen in Schulden versinken. Das sehen natürlich auch die Bürger, wenn ihre Kommune immer heftigere Einschnitte in ihren Angeboten vornehmen muss.
„Kurz vor den Landtagswahlen zeigt sich, dass bundes- und landespolitische Konflikte bis in die Kommunen hineinwirken. Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Ratsmitglieder und Verwaltungsverantwortliche erleben ein raueres Klima, Desinformation und wachsenden politischen Druck“, kommentiert Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Demokratie und Zusammenhalt der Körber-Stiftung, die Ergebnisse.
Desinformation im Arbeitsalltag und im Wahlkampf
Und die nie wirklich erklärte und schon gar nicht transparente Finanzpolitik im Bund bietet natürlich den besten Humus für Gerüchte und Fake News. Die dann durch die „social media“ auch noch verstärkt werden.
Alle drei befragten Gruppen sehen sich regelmäßig mit bewussten und gezielten Falschmeldungen über ihre Arbeit konfrontiert, ergab die Umfrage.
So berichten 74 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Sachsen-Anhalt, dass sie mindestens schon einmal, zumeist aber auch mehrfach Erfahrung mit Desinformation gemacht haben. In Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Anteil mit 56 Prozent etwas geringer. Entsprechend sorgen sich mit einer Zweidrittelmehrheit (66 Prozent) auch mehr Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Sachsen-Anhalt um eine Zunahme von Desinformation im Zuge des Landtagswahlkampfes (vgl. MV: 42 Prozent).
Beleidigungen und Bedrohungen
Auch mit Anfeindungen müssen sich Amts- und Mandatstragende sowie leitende Verwaltungsmitarbeitende auf kommunaler Ebene auseinandersetzen. Vier von zehn Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus Mecklenburg-Vorpommern (40 Prozent) geben beispielsweise an, dass sie schon einmal im Rahmen ihrer Tätigkeiten beleidigt oder bedroht wurden.
In Sachsen-Anhalt bejahen dies sogar knapp sechs von zehn Amtsträgerinnen und -trägern (59 Prozent). Dennoch ist der Anteil der Betroffenen, die aufgrund der Anfeindungen schon einmal einen Rückzug aus der Kommunalpolitik in Betracht gezogen haben, in Mecklenburg-Vorpommern mit 42 Prozent deutlich größer als in Sachsen-Anhalt mit 17 Prozent.
Die Umfrage wurde als Begleituntersuchung zum Aktionsprogramm Starkes Mandat von der Körber-Stiftung in Auftrag gegeben und vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt. Vom 3. Juli bis 17. August 2026 haben 232 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister (MV: 171, LSA: 61), 434 Ratsmitglieder (MV: 271, LSA: 163) und 123 leitende Mitarbeitende von Kommunalverwaltungen (MV: 79, LSA: 44) an der Online-Befragung teilgenommen.
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