Klimagerechtigkeit verleiht Flügel. Oder so ähnlich. Die Gruppe ProtestFlügel zog heute ein solches Musikinstrument von Plagwitz bis zum Marktplatz, um anlässlich des Bachfestes für eine lebenswerte, klimagerechte Stadt einzutreten. Die Justizministerkonferenz will dem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes einen Riegel vorschieben. Und: Schwerer Rad-Unfall im Osten. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 12. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Protestflügel rollt durch die Stadt
Der Protestflügel ist angekommen. Auch das regnerische Wetter konnte ihn nicht stoppen. Von der Merseburger Straße aus ist das Musikinstrument mittels Muskelkraft auf einem großen Anhänger quer durch die Stadt bis zum Marktplatz gezogen worden – zur großen Bachfest-Bühne. Bereits zum dritten Mal nutzte damit die „ehrenamtliche Leipziger Bewegung an der Schnittstelle von Musik, Demokratie und Klimaschutz“ – so die Selbstbeschreibung der ProtestFlügel-Gruppe – den Rahmen des Bachfestes, um einerseits Musik in den öffentlichen Raum zu bringen außerdem Klimagerechtigkeit hörbar, sichtbar und spürbar zu machen.
Zudem trägt die Gruppe folgende drei Forderungen für eine lebenswerte Stadt nach außen: (1) Mobilität für alle: sicher, bezahlbar und klimafreundlich, (2) Stadtgrün schützen und ausbauen, (3) Menschen schützen und Gemeinschaft stärken. Und damit diese Forderungen auch an die Ohren der Stadtoberen dringen können, hat ProtestFlügel daraus direkt ein Lied gemacht. Gesungen zur Melodie von „Ich steh an deiner Krippe hier“ – natürlich von Johann Sebastian Bach:
„Kommt’ her, ihr Menschen, fern und nah
wir möchten was verkünden!
Die Klimaziele uns’rer Stadt
könn’n wir genehm verbinden
mit allem, was wir täglich woll’n
von Ruh’ bis Luft zu freiem Raum
d’rum Stadtrat höre her!
Gebt Wege uns für Fuß und Rad
der Autolärm ist grässlich,
für weite Strecken Bus und Bahn
bezahlbar und verlässlich!
In uns’rem schönen Kern der Stadt
sind wir das Tempo 50 satt
d’rum Stadtrat höre her!
Die Luft zum Atmen wird uns knapp,
wir brauchen grüne Räume!
Asphalt drückt uns’re Böden platt,
macht Platz für neue Bäume!
Die Schwammstadt schützt vor Hitz’ und Flut
das Grün steht uns’ren Dächern gut
d’rum Stadtrat höre her!“
Mehr zur heutigen Leipzig-Tour des ProtestFlügels gibt es morgen von LZ-Kollege Thomas Köhler zu lesen.
Justizministerkonferenz lässt Selbstbestimmungsgesetz nachschärfen
Auf der 97. Justizministerkonferenz in Hamburg haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine gesetzliche Nachschärfung des Gesetzes über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG) angestoßen. So wurde beschlossen, dass gesetzlich klarzustellen ist, unter welchen objektiven Voraussetzungen Standesämter bei offensichtlichen Missbrauchsfällen tätig werden können. Die Justizministerinnen und Justizminister der Länder haben mit ihrem Beschluss die Bundesregierung aufgefordert, einen entsprechenden Gesetzgebungsvorschlag zu unterbreiten.
Aktuelle Relevanz erhält diese Initiative der mitteldeutschen Bundesländer durch den Fall der Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich. Diese war 2023 – noch unter dem männlichen Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle (Saale) wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ende 2024 initiierte Liebich dann die Änderungen von Geschlechtseintrag und Vornamen – entsprechend des neuen Selbstbestimmungsgesetzes, was Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) als klaren Missbrauch interpretiert.
„Wir stärken damit die gesellschaftliche Akzeptanz des Selbstbestimmungsgesetzes und schützen die sensiblen Bereiche wie den Strafvollzug oder die Strafverfolgung“, so die sächsische Justizministerin Prof. Constanze Geiert (CDU) zu dem heutigen Beschluss. „Es geht ausdrücklich nicht darum, die geschlechtliche Identität von Menschen staatlich überprüfen zu lassen. Prüfbar sollen allein objektive und dokumentierbare Umstände sein, die auf eine zweckwidrige oder missbräuchliche Nutzung des Verfahrens hindeuten“.
Schwerer Rad-Unfall im Osten
Bei einem Verkehrsunfall im Leipziger Stadtteil Neustadt-Neuschönefeld ist gestern Abend eine 40 Jahre alte Radfahrerin schwer verletzt worden. Nach polizeilichen Angaben zum Unfallhergang war ein 22-jähriger Fahrer eines Opel Astra auf der Hermann-Liebmann-Straße in südlicher Richtung unterwegs gewesen und wollte gegen 19:30 Uhr nach links in die Eisenbahnstraße abbiegen. Dabei erfasste er die entgegenkommende, vorfahrtsberechtigte Radfahrerin, die die Kreuzung gerade queren wollte.
Die verletzte Frau wurde zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Der entstandene Sachschaden wird auf rund 1.500 Euro geschätzt, und der Verkehrsunfalldienst hat die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall aufgenommen.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
WM-Tagebuch (2): Kanada und die USA spielen jetzt auch mit
Vor dem ersten WM-Spiel des DFB-Teams: Leipziger Papageien geben Tipp ab
Hallo Leipzig: So startet Freitag, der 12. Juni 2026
Die AfD im Osten: Was die Wahlen von 2024 und 2025 über die Erfolgsrezepte der AfD verraten
Darf Frieden auch bewaffnet sein? UNO-Korrespondent diskutiert mit Kirchenvertretern
Ab 16. Juni: Wasserpflanzen im Karl-Heine-Kanal werden gemäht
Was heute sonst noch wichtig war:
Das Elon Musk-Unternehmen SpaceX wird seit heute an der Börse gehandelt. Es war der größte Börsengang der Geschichte. 75 Milliarden Dollar nimmt SpaceX durch den Verkauf von Wertpapieren ein und ist damit eines der wertvollsten US-Unternehmen überhaupt.
Das Ebola-Virus hat sich in der Demokratischen Republik Kongo weiter ausgebreitet. Bis Mitte der Woche waren insgesamt 676 Fälle bestätigt worden, 136 der infizierten Personen sind bereits verstorben. Die Epidemie hatte vor etwa einem Monat offiziell festgestellt worden.
Täter können künftig gerichtlich zum Tragen von elektronischen Fußfesseln verpflichtet werden. Einen entsprechenden Beschluss des Bundestages hat nun auch der Bundesrat gebilligt. Damit sollen Opfern häuslicher Gewalt besser geschützt werden.
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