Es gibt ihn noch. Und am 25. September wird man ihn im Anker live erleben können: Vicki Vomit, Satiriker, Komiker, Musiker, Liedermacher, Parodist. Noch in den Nullerjahren konnte man ihn überall dort erleben, wo es auf der Bühne turbulent zuging. Dann wurde es stiller um ihn. Wer rechtzeitig zugriffen hatte, besaß eine CD aus seinem eigenen Label Wollmonster Records. Jetzt hat er sich wieder zu Wort gemeldet. Denn inzwischen ist er Rentner, was immer das für einen Bühnenkünstler heißen mag. Und er hat zwei Bücher geschrieben und in seinem eigenen Verlag – Wollmonster Books – veröffentlicht. Aber warum hat man so lange nichts von ihm gehört?

„Ich habe in den Neunzigern und in den Nullerjahren einmal ziemlich erfolgreich als Skandalnudel die Clubs unsicher gemacht, mein Künstlername ist Vicki Vomit, wir hatten eine klamaukige Rockshow, wir hatten viel Spaß und wir haben viel Geld verdient. Als der Markt für CDs eingebrochen ist, moderierte ich viele Jahre lang die Leipziger Comedylounge. Dann zog ich mich von der Bühne zurück und widmete mich der Sozialarbeit“, erzählt er von seinem letztlich vorübergehenden Abschied von der Bühne. Selbst im beschaulichen Erfurt, wo er lebt, hält das einer wie er nicht lange aus.

„Mittlerweile bin ich Rentner und musste feststellen, dass die Rente zwar für die Hundesteuer reicht, aber nicht für die Miete. Herr Merz will mich bösartigerweise wieder auf die Bühne treiben. Deshalb schreibe ich Bücher, die sich wie verrückt verkaufen, obwohl ich sie in meinem kleinen selbstgegründeten Verlag herausbringe. (Westverlage wollen keinen alten Männer aus der ‚Zone‘, sondern junge, schöne Menschen, möglichst aus Westdeutschland oder gleich aus den USA)“, geht Vicki Vomit mit vertrautem Biss auf die Malaise einer Gegenwart ein, die auch einen wie ihn wieder aus dem Sessel treibt und auf die Bühne.

Und auch wieder mal nach Leipzig. Das Datum kann man sich in den Kalender schreiben: Am Freitag, dem 25. September, wird er eine musikalische Lesung im „Anker“ geben.

Zwei Bücher

Was er genau vorliest, hat er noch nicht verraten. Zwei Bücher hat er inzwischen vorgelegt. 2024 veröffentlichte er „Mein Klampf“, einen „ehrlichen und offenen Einblick in einen Teil der Thüringer Musikszene der Siebziger, Achtziger bis heute. Stellenweise habe ich Tränen gelacht! Hier und da aber auch nichts für zarte Gemüter“, wie Musiker-Kollege Ritchie Barton von Silly meinte. Und auch Liedermacher Götz Widmann fand das Buch anregend: „Das Rock’n-Roll-Leben in der DDR, brillant erzählt von einem absolut unzähmbaren Freigeist. Authentisch, voller Wahrheit und stellenweise einfach zum Totlachen.“

Irgendwie ist es dann auch noch so etwas wie Vicki Vomits Autobiografie geworden.

Und weil das Buch beim Publikum so gut ankam, hat er 2026 nachgelegt mit „Fotze Fotze Hitler“. Vom Titel sollte man sich dabei nicht irritieren lassen, meint der Sänger Dirk Zöllner: „Vicki Vomit taucht mit dem Mut zur Hoffnungslosigkeit dort ein, wo andere der Zuversicht willen nicht hinsehen wollen. In brutaler Irrwitzigkeit überschlagen sich Sequenzen, die einem Albtraum zu entspringen scheinen, aber auf wahrhaftigen Erlebnissen beruhen.

Man sollte sich keinesfalls vom Titel irritieren lassen, es handelt sich um anspruchsvolle Lektüre. Die ungeschminkten und sarkastischen Drauf- und Rückblicke sind Zeugnis großen herzvollen Mitgefühls. Ein aufrüttelndes Manifest, welches Renitenz zur kollabierenden kapitalistischen Gesellschaft hervorruft.“

Wer den auf die Bühne zurückgekehrten Rentner selbst erleben will, kann sich den September-Termin im Anker vormerken.

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