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Ein Koffer in Paris wäre freilich schöner. Hier gibts aber nur einen für die Leipziger Ortsteile, in denen keine Bürgerbüros mehr existieren. Zudem suchen Zweiräder ihre einstigen Besitzer. Das Passage-Kino lädt ein, unser Zusammenleben aus den Augen eines Huhns zu betrachten, das gerade noch dem Tod entkam. Und auf den Tag 300 Jahre nach ihrer Erstaufführung können Sie heute eine Bachkantate erleben.
Kein Bus wird kommen
Vor einem halben Jahr feierte er seinen ersten großen Auftritt: der Bürgerbus der Stadt. Dort, wo Stadtteilbüros eingespart wurden, sollte er an ausgewählten Tagen trotz des Wegfalls allen Service bieten. Zwar trägt die Sonderanfertigung des Fahrzeugs das Wort „Daily“ im Namen – aber die Mühlsteine der Verwaltung waren dem blauköpfigen Iveco dann wohl doch erst mal zu schwer.
Seit über einer Woche befindet er sich in Reparatur. Eigentlich sollte er heute in Böhlitz-Ehrenberg Halt machen, doch das örtliche Gemeinde-Blatt spricht von einem „weiterhin andauernden Werkstattaufenthalt“. Eine Erklärung zur Ursache des Defekts – etwa ob Motor, Elektrik, IT oder andere Fahrzeugtechnik betroffen sind – hat die Stadt bislang nicht veröffentlicht.

Und weil das kleine Rathaus auf Rädern ausfällt, wird’s jetzt ein bisschen wie früher. Denn der Bürgerservice ist heute im Soziokulturellen Zentrum „Große Eiche“ an der Leipziger Straße 81 im Ortsvorsteherbüro erreichbar. Die Sprechzeiten sind von 10 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 17 Uhr.
Mit dem sogenannten „Bürgerkoffer“ spielt die Stadtverwaltung einen Joker, deutlich kleiner als der Bus, aber voller behördlicher Fähigkeiten. Der nämlich ist tragbarer, ein technisch ausgestatteter Verwaltungsarbeitsplatz, der innerhalb von Gebäuden eingerichtet werden kann und damit den sonst vor Ort eingesetzten Bus vertritt. Ersatz also für den Ersatz der Bürgerbüros – angestöpselt in einem Büro…
Nach Auskunft der Kommune umfasst die Leistungsfähigkeit des geheimnisvollen Koffers das gesamte Dienstleistungsportfolio eines Bürgerbüros, mit Ausnahme von amtlichen Beglaubigungen und der An- und Ummeldung mit ausländischen Dokumenten.
Und wer weiß, vielleicht macht diese Art des Services Schule und ein innovativer Geist kommt auf die Idee, künftige Leistungen dieser Art in stationären Räumen mit geregelten Öffnungszeiten anzubieten. Ein Staunen ginge durch die Ortsteile.
Kommt Zeit, kommt Rad
Allerdings wird eben jene Zeit knapp. Die Leipziger Polizei hat eine Liste mit 12 Zweirädern zusammengestellt, die von ihren rechtmäßigen Besitzern vermutlich schmerzlich vermisst werden. Wer eines dieser gestohlenen oder verloren gegangenen Räder wiederhaben möchte, hat heute letztmals Gelegenheit, einen entsprechenden Eigentumsanspruch einzureichen.
Auf der Internetseite der Polizei Sachsen sind die betroffenen Zweiräder mit den jeweiligen Vorgangsnummern sowie Fotos veröffentlicht. Wer eines der Räder erkennt, kann seinen Anspruch noch heute per E-Mail an die Zentrale Asservatenstelle der Polizeidirektion Leipzig unter zast.izd.pd-l@polizei.sachsen.de oder über die zuständige Polizeidienststelle anmelden.
Wichtig ist, geeignete Eigentumsnachweise beizufügen. Dazu zählen beispielsweise ein Kaufbeleg oder eine Rechnung, die Rahmen- beziehungsweise Fahrzeug-Identnummer, ein Fahrradpass oder Registrierungsnachweis, Versicherungsunterlagen bei Kleinkrafträdern, Fotos mit individuellen Merkmalen oder andere Unterlagen, die das Eigentum glaubhaft belegen. Zudem sollte die in der Bekanntmachung angegebene Vorgangsnummer des jeweiligen Zweirads angegeben werden.
Geht bis zum Fristende kein nachgewiesener Anspruch ein, kann die Polizeidirektion Leipzig das Verwertungsverfahren nach § 33 des Sächsischen Polizeivollzugsdienstgesetzes (SächsPVDG) fortsetzen. Die sichergestellten Gegenstände dürften dann beispielsweise verkauft werden.
Um künftig ein verlorengegangenes Fahrrad einfacher wiederzubekommen, empfiehlt die Polizei eine individuelle Codierung. Die ist heute beispielsweise am Umweltinformationszentrum, Prager Straße 119, von 12:15 Uhr bis 16:45 Uhr möglich. Alle Termine für den kostenlosen Service der Stadt gibt’s HIER auf der Website.
Unerlässlich für die Codierung sind ein gültiges Personaldokument sowie ein Besitznachweis. Und natürlich das dazugehörige Fahrrad selbst. Davon werden in Deutschland übrigens jährlich rund 300.000 gestohlen. Ein eingestanzter Code verhindert zwar noch keinen Diebstahl, macht ihn jedoch unattraktiver, da Räder mit herausgefräster Nummer schwerlich auf legale Weise in die Hände ihrer späteren Nutzer geraten sein dürften.
Here’s looking at you – Huhn
Heute feiert der Film „Lebensansichten eines Huhns“ seine Leipzig-Premiere. Er mischt eine Schmugglergeschichte mit der Perspektive eines Huhns, das der Massentierhaltung entkam. Aus diesem ungewöhnlichen Blickwinkel setzt sich der Film mit Themen wie industrieller Tierhaltung, menschlicher Ausbeutung, Freiheit, Konsumgesellschaft und dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier auseinander.
Die Produktion versteht sich dabei nicht als Kinderfilm, sondern als satirische und teils absurde Gesellschaftsparabel. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr in den Passage-Kinos (Hainstraße 19). Als besonderer Gast wird Regisseur György Pálfi erwartet, der sein Werk persönlich vorstellt.
Pálfis Arbeiten sind regelmäßig auf renommierten Filmfestivals vertreten und gehören mit ihrer ungewöhnlichen Bildsprache sowie ihrem schwarzen Humor zu den international profilierten Autorenfilmen aus Ungarn. Der Regisseur gewann mehrere Auszeichnungen, darunter den Preis als „Bester Nachwuchsregisseur“ beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián und den Fassbinder-Preis im Rahmen des Europäischen Filmpreises. Sein Film „Hukkle – Das Dorf“ war 2008 der ungarische Kandidat für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.
„Lebensansichten eines Huhns“ wird heute Abend in der Originalsprache mit Untertiteln gezeigt. Weil Pálfi lange keine passende Filmmusik fand, suchte er nach eigener Aussage irgendwann nicht mehr nach der richtigen Musik, sondern nach dem richtigen Menschen. Das berichtet das britische Kino-Portal „Eye for Film“.
Der Regisseur veranstaltete gewissermaßen ein Casting für den Komponisten und entschied sich für Szabolcs Szőke, obwohl dieser ihm bis zur Studioaufnahme nichts vorgespielt hatte. Als die Produzenten wissen wollten, welche Musik sie für viel Geld bekommen würden, antwortete Pálfi: „I don’t know but I trust this guy. He will do good music.“ Auf Deutsch: „Ich weiß es nicht, aber ich vertraue diesem Mann. Er wird gute Musik machen.“ Und die wurde schließlich tatsächlich verwendet.

300 Jahre nach der Uraufführung – Bachs „Seelenlust“ in der Thomaskirche
Anlässlich des 276. Todestages von Johann Sebastian Bachs verbindet am Abend ein sogenanntes Wandelkonzert die Nikolai- mit der Thomaskirche. Der erste Konzertteil beginnt um 18:00 Uhr in St. Nikolai. Nach etwa 50 bis 60 Minuten wechselt das Publikum zu Fuß durch die Innenstadt zum Thomaskirchhof und wird dort um 19:00 Uhr von Bläsern auf dem Turm der Thomaskirche empfangen.
Der zweite Konzertteil startet um 20:00 Uhr im Inneren der Kirche. Wegen möglichen Andrangs empfiehlt sich eine Ankunft am Thomaskirchhof bis etwa halb Acht. Für beide Kirchenkonzerte gilt ein gemeinsames Ticket. Der reguläre Eintritt kostet 25 Euro (ermäßigt 15 Euro). Karten sind heute noch im Thomasshop, am Büchertisch der Nikolaikirche, in der Musikalienhandlung Oelsner und an Reservix-Vorverkaufsstellen erhältlich.
Getränke beim Empfang auf dem Thomaskirchhof sind nicht im Eintrittspreis enthalten. Für Rollstuhlfahrer und eine Begleitperson verweist die Verkaufsinformation auf eine direkte Buchung beim Veranstalter unter 0341 22224200.
In der Nikolaikirche stehen unter anderem die Missa in G-Dur, BWV 236, Teile beziehungsweise Auszüge aus Die Kunst der Fuge, BWV 1080, sowie weitere Werke Bachs auf dem Programm. In der Thomaskirche rückt die Kantate „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“, BWV 170, in den Mittelpunkt. Sie wurde am 28. Juli 1726 in Leipzig von Bachs Vetter Johann Ludwig uraufgeführt.
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