Auch solche Effekte haben die geplanten Fernwärmeleitungen und Wasserstoffleitungen, die derzeit von Leuna nach Leipzig projektiert werden: Sie schneiden Gelände, auf dem wichtige archäologische Fundstätten entdeckt werden. Eine solche Fundstätte wurde bei Döhlen nahe Markranstädt entdeckt. Und sie führt zurück in die Kupfersteinzeit, in eine Zeit, weit vor der berühmten Himmelsscheibe von Nebra, die erst rund 2.000 Jahre später entstand. Das Gräberfeld erzählt von einer über 5.000 Jahre alten Kultur, der Baalberger Kultur.
Bei den archäologischen Ausgrabungen, die im Vorfeld der Verlegung der Fernwärme– und Wasserstoffleitung von Leuna nach Kulkwitz nötig geworden sind, ist bei Döhlen, Landkreis Leipzig eine jungsteinzeitliche Trapezgrabenanlage entdeckt und untersucht worden. Die monumentale Grabanlage maß 20 × 25 Meter und datiert in den Zeitraum von etwa 3.800 bis 3.400 vor unserer Zeitrechnung. Umrissen wurde das nordost-/südwestlich ausgerichtete Trapez von einem umlaufenden Graben, der sich deutlich im anstehenden Boden absetzte. Die Langseiten lagen in östlicher, die Schmalseiten in westlicher Richtung, so das Landesamt für Archäologie Sachsen.
Die Trapezgrabenanlage gehört zum Kreis der Baalberger Kultur, einem vor allem in Mitteldeutschland verbreiteten Kulturkreis der Jungsteinzeit, für den bestimmte Gefäßformen, aber auch monumentale Grabanlagen typisch sind. Manchem wird die Zurechnung zur Trichterbecherkultur mehr sagen, die diese Fundstätten nach den typischen Trichterbechern datiert. Eine Kultur, zu der es inzwischen zahlreiche Fundstellen in Mitteldeutschland und Böhmen gibt.
Das gar nicht weit entfernte Baalberge, Ortsteil von Bernburg, gab diesem markanten Teil der Trichterbecherkultur seinen Namen. Die Hauptfundstellen der Baalberger Kultur befinden sich im mittleren Elbe-Saale-Gebiet, teilweise auch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Böhmen und Niederösterreich. Zahlreiche Hügelgräber konnten dieser Kultur zugeordnet werden.
Und eine ähnliche viereckige Grabanlage wurde auch schon 1983 bei Großbrembach bei Sömmerda gefunden.

Die Grabanlage
Im Inneren des nun bei Döhlen gefundenen Trapezes befanden sich sieben kreisrunde Gruben. In der westlichen Grube entdeckte man eine Bestattung in seitlicher Hockerposition, wie sie typisch ist für die Trichterbecherkultur. Der Kopf lag im Süden und der Blick war nach Westen gerichtet. Sowohl das Hockergrab als auch die größeren, tiefer angelegten Gruben waren ohne weitere Funde. Nur in zwei kleineren Gruben stießen die Ausgräber auf Keramikscherben, berichtet das Landesamt für Archäologie.
Die Trapezgrabenanlage ergänzt die Reihe von Entdeckungen vergleichbarer Bauwerke der letzten Jahre, die allein im Landkreis Leipzig gemacht wurden, wie z.B. in Altranstädt, Zwenkau oder Kieritzsch. In den meisten Fällen befand sich innerhalb der trapezartigen und vermutlich überhügelten Grabanlagen eine, sehr selten eine zweite Bestattung.
Die Forschung ist sich einig, dass diese monumentalen Grabmale für Personen mit besonderer Stellung innerhalb der Gemeinschaft errichtet wurden.
Einladung zum Tag des offenen Denkmals
Die Ausgrabungen entlang der zukünftigen Trasse schreiten voran und zum Tag des offenen Denkmals, am 13. September, können die anschließenden Untersuchungsflächen zwischen 11 und 15 Uhr besucht werden, lädt das Landesamt für Archäologie ein. Die wissenschaftlichen Grabungsleiter Stefan Tessenow und Frank Schell vom Landesamt für Archäologie Sachsen führen über die Grabung und stehen für Fragen zur Verfügung.
Treffpunkt: Ortsausgang Quesitz, Döhlener Straße 2, 04420 Markranstädt OT Quesitz.
Festes Schuhwerk ist zu empfehlen.
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