Aktuell steigt die Zahl der Wolfsübergriffe auf Weidetiere in Sachsen wieder deutlich an. Die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) empfiehlt Tierhaltern, ihre Schutzmaßnahmen zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.
Das Rissgeschehen in Sachsen folgt einer ausgeprägten Saisonalität. Mit dem Spätsommer beginnt die Jahreszeit, in der erfahrungsgemäß vermehrt mit Wolfsübergriffen auf Weidetiere gerechnet werden muss. Das zeigt sich auch an den aktuellen Rissmeldungen. Waren es im Juli noch 18 gemeldete Schadensereignisse, stieg die Anzahl im August auf 27 (Stichtag 26.8.). Damit wurden zehn Meldungen mehr registriert als im gesamten August des Vorjahres.
Von diesen insgesamt 45 Schadensfällen konnte der Wolf bislang in 31 Fällen als Verursacher bestätigt werden. Auffällig ist, dass drei Viertel der Herden nicht ausreichend geschützt waren. Die Fachstelle Wolf rät Tierhaltern, insbesondere jetzt, vor Beginn der Hauptphase des saisonalen Rissgeschehens, die vorhandenen Herdenschutzmaßnahmen zu überprüfen und zu ertüchtigen.
Ein Schwerpunkt des aktuellen Rissgeschehens liegt im Bereich des Schönfelder Hochlands bei Dresden. Dort kam es zuletzt zu sechs Wolfsübergriffen, in fünf Fällen waren die Mindestschutzkriterien nicht erfüllt. Der Bereich liegt im Einzugsgebiet des Rudels Dresdner Heide. Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Region zwischen Bischofswerda, Wilthen und Bautzen. Hier war nur in fünf der 18 bestätigten Wolfsübergriffe der Mindestschutz erfüllt. In diesem Bereich befindet sich das Wolfsterritorium Tautewalde.
Durch geeignete und an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Herdenschutzmaßnahmen lassen sich Schäden deutlich reduzieren. Weidetierhalter sollten deshalb auf einen Herdenschutz nach der guten fachlichen Praxis achten. Regelmäßig kontrollierte Elektrozäune oder Gatter mit einem sicheren Bodenabschluss beziehungsweise geeignetem Untergrabschutz können einen wirksamen Schutz bieten. Wo es die Haltungsbedingungen zulassen, kann die nächtliche Einstallung der Tiere dazu beitragen, das Risiko von Wolfsübergriffen zu verringern.
Präventive Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe werden in Sachsen zu 100 Prozent gefördert. Den rechtlichen Rahmen gibt die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ vor. Zudem können Tierhalterinnen und Tierhalter, ob gewerblich tätig oder im „Hobbybereich“, eine individuelle und kostenfreie Herdenschutzberatung in Anspruch nehmen.
Fachlicher Hintergrund
Das Rissgeschehen bei Weidetieren weist im Freistaat Sachsen eine deutliche saisonale Ausprägung auf. Die Daten der vergangenen Jahre zeigen, dass im ersten Halbjahr deutlich weniger Nutztierrisse auftreten als im zweiten Halbjahr. Auf das erste Halbjahr entfällt etwa ein Drittel des gesamten Rissaufkommens. Die meisten Übergriffe auf Weidetiere werden in den Spätsommer- und Herbstmonaten registriert.
Eine Ursache dafür liegt in der Biologie des Wolfes. Im Frühjahr und Frühsommer sind die Wölfe mit der Aufzucht ihrer Welpen beschäftigt. Gleichzeitig ist für Wölfe die Jagd auf ihre natürlichen Beutetiere in dieser Zeit vergleichsweise günstig, da auch Rehe sowie Rot- und Schwarzwild Nachwuchs aufziehen. Im Spätsommer und Herbst verändert sich die Situation: Die heranwachsenden Wolfswelpen haben einen steigenden Nahrungsbedarf.
Gleichzeitig sind die natürlichen Beutetiere am Ende des Sommers körperlich gut entwickelt und entsprechend schwerer zu erbeuten. Unzureichend geschützte Weidetiere, insbesondere Schafe und Ziegen, können daher für Wölfe eine vergleichsweise leicht zugängliche Nahrungsquelle sein.
Zur Einordnung: Zur Hauptbeute des Wolfs gehören wildlebende, mittelgroße bis große Huftiere, untergeordnet auch Klein- und hasenartige Tiere. Mit etwa ein bis zwei Prozent machen Nutztiere einen sehr geringen Anteil am Nahrungsspektrum des Wolfs aus.


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