Die Stadtverordnetenversammlung befasst sich ab 14 Uhr mit dem Kummer rund um die Altkeidercontainer, deren Umgebung in den meisten Fällen zum Müllplatz verkommen ist. Zudem gehts u.a. noch einmal um die beliebten “Spätis” und der Oberbürgermeister lehnt sich gegen eine neue Städtepartnerschaft auf. Das Völkerschlachtdenkmal lädt heute zum Bürgersingen für Laien ein, die Gewerkschaft ver.di zum gemeinsamen Gestalten von Transparenten für eine Kundgebung am Samstag.
Jetzt wird aufgeräumt: der Stadtrat tagt
Sie sind ein Segen, wenn man die abgetragenen Klamotten los-, aber dennoch nicht einfach wegwerfen will: die Altkleidercontainer. Doch inzwischen sind sie zum absoluten Ärgernis geworden. Statt Schuh und Shirt sind mittlerweile Schrankwand und Schreibtisch dominierend an den Sammelstellen. Ein Unding, wie nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch entsprechende Anträge aus den Fraktionen des Stadtrats finden, der heute ab 14 Uhr zu seiner aktuellen Sitzung zusammenkommt.
Aus der letzten Ratsversammlung blieb das Thema „Spätverkäufe“ liegen. Eine entsprechende Initiative zu deren Erhalt und der Stabilisierung ihrer Arbeitsmöglichkeiten steht heute also erneut auf der Tagesordnung.
Ebenso ein Antrag des Oberbürgermeisters, dessen Ziel die Abwendung einer Städtepartnerschaft mit der Grönländischen Hauptstadt Nuuk ist. Burkhard Jung begründet seine Ablehnung mit den Worten, tagespolitische Entwicklungen könnten keine tragfähige Basis für eine langfristig erfolgreiche Städtepartnerschaft sein. Irritierend dabei ist, dass er soeben Ehrenbürger von Travnik wurde. Den Krieg um Bosnien-Herzegowina im zerfallenden Jugoslawien kann man durchaus als „tagespolitisch“ bezeichnen. Seit 1997 gab es privat organisierte Hilfstransporte in das zerstörte Städtchen, 2003 wurde Travnik offiziell Partnerstadt. Die grönländische Hauptstadt hatte die Linke ins Spiel gebracht. Sie verwies in ihrem Antrag Anfang des Jahres zwar tatsächlich auf die angespannte aktuelle politische Lage um das Land im Eis, beschrieb aber auch eine durchaus von vielen übersehene Verbindung zwischen Nuuk und der Messestadt. Das historische Gebäude „Zum Grönländer“ in der Petersstraße legt bis heute darüber Zeugnis ab.
Sing mal im Denkmal
Ob unter der Dusche, im Auto oder im Kirchenchor – Sie singen einfach gern. Doch erhöben Sie plötzlich in der großen „Ruhmeshalle“ des Völkerschlachtdenkmals die Stimme, würde Sie mancher Besucher vermutlich irritiert beäugen. Wird doch im Regelfall aufgrund des ernsthaften Hintergrundes des Bauwerks um würdevolle Stille gebeten.
Heute jedoch besteht die Möglichkeit, das Gesangsbedürfnis mit einer einzigartigen Akustik in Leipzigs weltweit wohl bekanntestem Wahrzeichen zu verbinden. Unter Leitung von Musikpädagogin Johanna Rost ist um 18 Uhr jeder eingeladen, der Freude am Intonieren hat. Das Stadtgeschichtliche Museum, Träger des riesigen Völkerschlachtdenkmals (91 Meter), lädt zum Projekt „Monumental vokal“ ein und verspricht in seiner Einladung: „Gesungen werden einfache Lieder in verschiedenen Sprachen – ungezwungen und ohne Leistungsanspruch. Aus Worten, Motiven und Melodien entstehen spontan Loops, die von der Gruppe aufgegriffen, weiterentwickelt und neu kombiniert werden. Jede Stimme ist willkommen und trägt zur lebendigen Gestaltung des musikalischen Prozesses bei.“
Auch wenn in der professionellen Gesangsausbildung vermittelt wird, die Stimme würde im Stehen am besten klingen, hält der Veranstalter auf Wunsch Stühle bereit. Da es im Denkmal bekannter Maßen relativ kalt ist, empfiehlt es sich, ein kleines Kissen mitzubringen.
Wem der eigene Gesang letztlich doch zu heikel ist, hat übers Jahr die Möglichkeit, den im Mahnmal angesiedelten „Denkmalchor“ zu erleben. Sieben Konzerte werden zwischen April und Dezember aufgeführt. Gegründet wurde das Ensemble bereits 1913 und firmierte unter verschiedenen Namen. Seit 1957 ist es der „Chor des Völkerschlachtdenkmals“. Mit Philipp Goldmann leitet ihn seit 2015 ein ehemaliger Thomaner. Die Teilnahme am heutigen Bürgersingen ist ohne Anmeldung möglich und kostet keinen Eintritt.

Es muss nicht immer ein Streik sein
Was klingt, wie eine Stellprobe für den 1. Mai, ist eine ernstgemeinte Kundgebung, zu der 26 Verbände und Organisationen aus Leipzig aufrufen. Am Samstag, 28. März 2026 um 14 Uhr demonstrieren sie gemeinsam auf dem Augustusplatz für einen starken Sozialstaat, gerechte Verteilung von Reichtum, gesellschaftlichen Zusammenhalt, kurzum für eine lebenswerte Zukunft.
Um Themen wie Sozialstaat, Klimagerechtigkeit, Umverteilung von Reichtum und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar zu machen, lädt die Dienstleistungsgewerkschaft VER.DI heute ab 17 Uhr zum gemeinsamen Banner-, Schilder- und Transparentemalen ins Volkshaus (Karl-Liebknecht-Straße 30-32) ein. Stoff, Farben und Pinsel sind vorhanden, wer noch eigene Pappen beschriften möchte, möge die bitte mitbringen, wie ein Gewerkschaftssprecher auf LZ-Anfrage informiert.
Im Aufruf für die Kundgebung am Sonnabend heisst es: „Ob in den Kitas, im Krankenhaus, im ÖPNV oder im Amt: die Beschäftigten sollen immer mehr leisten, während Tarifabschlüsse hinter den Erwartungen zurückbleiben, weil die öffentlichen Kassen leer sind. Unter einer Sparpolitik an der öffentlichen Daseinsvorsorge leiden am Ende alle. Die Angriffe auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, den 8-Stunden-Tag und andere Arbeitsschutzrechte sind unerträglich.“ Die bevorstehende Kundgebung soll die laufenden Arbeitskämpfe unterstreichen und neben den Möglichkeiten von Streikmaßnahmen für öffentlichen Druck auf die Politik sorgen.
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