This article is also available in English: Read this article in English.

Das ist ´ne kluge Sache: Die Stadt weiht heute einen neuen Bildungs-Campus im Leipziger Osten ein. Von der Kita bis zum Gymnasium ist alles an einem Ort angesiedelt. Auf der Georg-Schumann-Straße gehts wieder ohne Schienenersatzverkehr voran. Dafür wird nun am Waldplatz gebuddelt. An den Autor Wolfgang Hilbig erinnern heute Abend u.a. Schauspielerin Corinna Harfouch und Schriftsteller Clemens Meyer.

Schleunigst nach Schkeuditz

Heute wollten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nach umfangreichen Gleisbauarbeiten den regulären Betrieb der Straßenbahnlinie 11 Richtung Schkeuditz wieder aufnehmen. Daraus wird nichts. Allerdings aus höchst erfreulichem Grund: Die Arbeiten waren schneller fertig als geplant – zur Freude der Fahrgäste ist die Strecke schon ein paar Tage wieder ohne Schienenersatzverkehr nutzbar!

Um den Betrieb der Linie 4 heute starten zu können, haben die Bautrupps im Auftrag der LVB Nachtschichten im Gleisbett verbracht. Noch nicht beendet sind die Arbeiten direkt auf der Lindenthaler Straße zwischen Georg-Schumann-Straße und Coppiplatz. Dort bleibt der Bereich bis zum 18. September für den Autoverkehr vollständig gesperrt. Die Buslinien 85 und 90 werden weiterhin örtlich umgeleitet.

Auch in der Lindenthaler Straße wurde das Gleisbett erneuert. Foto: Ralf Julke

Gleichzeitig beginnen heute Gleisarbeiten am Waldplatz, die Auswirkungen auf die Straßenbahnlinie 8 und den Autoverkehr haben. Wegen der Arbeiten zwischen Waldplatz und Friedrich-Ebert-Straße wird die Linie 8 ab Waldplatz über die Leibnizstraße und Thomaskirche geführt. Die Haltestelle Westplatz kann bis 18. September nicht bedient werden.

Für Autofahrer bleibt die Jahnallee stadtauswärts ohne Einschränkungen befahrbar. In Richtung Innenstadt ist sie dagegen in Höhe Friedrich-Ebert-Straße gesperrt. Auch die Friedrich-Ebert-Straße kann zwischen Jahnallee und Carl-Maria-von-Weber-Straße nicht befahren werden. Für den stadteinwärts fahrenden Verkehr ist südlich eine Umleitung über Marschner- und Käthe-Kollwitz-Straße eingerichtet. Die nördliche Umleitungsstrecke führt über Am Sportforum, Leutzscher Allee und Waldstraße.

Zwischen Wilmar-Schwabe-Straße und Marschnerstraße werden die normalerweise stadteinwärts führenden Fahrspuren der Jahnallee zur Sackgasse und können mit dieser Einschränkung dort in beide Richtungen genutzt werden. Informationen zu den Bauarbeiten stellen die Leipziger Verkehrsbetriebe unter www.L.de/baustellen bereit. Die jeweils gültigen Fahrpläne und Verbindungen sind unter www.L.de/fahrplan sowie über die App LeipzigMOVE abrufbar.

Ein Ende der Arbeiten im Bereich Lindenthaler- und Georg-Schumann-Straße ist in Sicht. Foto: Benjamin Weinkauf

Gut fürs Rübchen von Mädchen und Bübchen

Ein bisschen „angelernt“ wurden sie schon: die zwei neuen bzw. grundsanierten Schulen am Lene-Voigt-Park. Schließlich begann das neue Schuljahr schon am 17. August. Feierlich eingeweiht werden sie allerdings heute.

Sie bilden zusammen einen neuen Bildungscampus im Leipziger Osten: die Wilhelm-Busch-Schule als Grundschule, die 125. Schule als Oberschule und die Schule Schraderhaus als Gymnasium. Ergänzt werden die unmittelbar benachbarten Bildungseinrichtungen durch Hort- beziehungsweise Ganztagsflächen, eine integrative Kindertagesstätte und eine gemeinsam genutzte, hochmoderne Dreifeld-Sporthalle.

Für die Wilhelm-Busch-Schule entstand an der Reichpietschstraße 2 ein fünfzügiger Neubau, der für bis zu 616 Schülerinnen und Schüler ausgelegt ist. Mit der Fertigstellung des Campus sind erhebliche Investitionen in die Bildungsinfrastruktur verbunden. Für den Komplex rund um Wilhelm-Busch-Grundschule, Sporthalle und weitere Einrichtungen nannte die Stadt zum Baustart 2023 Kosten von 69,8 Millionen Euro. Davon entfielen 16,9 Millionen Euro auf Fördermittel.

Für Umbau und Sanierung des Schraderhauses waren nach einer Kostensteigerung im Jahr 2023 knapp 38 Millionen Euro vorgesehen, darunter 17 Millionen Euro Fördermittel. Hinzu kamen 10,3 Millionen Euro für den Ankauf im Jahr 2018. Bereits von 1992 bis 1997 war die 125. Schule historisch rekonstruiert und grundlegend saniert worden. Dafür wurden rund 6,5 Millionen Euro aufgewendet. Die zum Campus gehörende Kita war ursprünglich mit Kosten von 8,6 Millionen Euro veranschlagt.

Für das vierzügige Gymnasium entstand, anders als bei der Grundschule, kein neues Gebäude, vielmehr wurde ein denkmalgeschützter ehemaliger Industrie- beziehungsweise Druckereibau umfassend saniert und für die schulische Nutzung umgestaltet. Errichtet wurde das Haus 1912 im Auftrag des Unternehmers Wilhelm Schrader. Während der DDR-Zeit beherbergte es Teile der grafischen Betriebe Interdruck und Druckhaus Einheit. Um dort eine Schule einzurichten, erwarb die Stadt Leipzig 2018 Grundstück und Immobilie für 10,3 Millionen Euro.

Zu den Einweihungsgratulanten gehören heute u.a. Oberbürgermeister Burkhard Jung, Bildungsbürgermeisterin Vicki Felthaus, Baubürgermeister Thomas Dienberg und Schulamtseiter Peter Hirschmann.

Corinna Harfouch und Clemens Meyer bei Hilbig-Abend

Mit einem literarischen Geburtstagsabend erinnert das Literaturhaus Leipzig heute an den mitteldeutschen Schriftsteller und Dichter Wolfgang Hilbig, der am 31. August 2026 85 Jahre alt geworden wäre. Corinna Harfouch, Clemens Meyer, Volker Hanisch und Jürgen Hosemann, allesamt Mitglieder der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft, widmen sich dabei der besonderen Bedeutung Leipzigs für Leben und Werk des Schriftstellers.

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft (vor 15 Jahren in Leipzig gegründet) hält das Andenken an den Autor und die Auseinandersetzung mit seinem außergewöhnlichen Werk lebendig. Für den einst schreibenden Arbeiter war Leipzig jener Ort, an dem er erstmals literarische Anerkennung fand. Wie sich die Stadt als wichtiger biografischer Schauplatz in seinen Texten niederschlägt, steht im Mittelpunkt des Abends.

Berücksichtigt werden bekannte Werke wie „Leipzig-Plagwitz“ und „Das Provisorium“, aber auch weniger bekannte Texte wie „Versuch über Katzen“. Volker Hanisch, der die Texte zusammengetragen hat, spricht darüber mit Clemens Meyer, der selbst auch über Hilbig in Leipzig schreibt, und Jürgen Hosemann, Hilbigs Lektor beim Verlag S. Fischer und bekennender Leipzig-Fan. Corinna Harfouch übernimmt die Lesung der Leipzig-Texte.

Corinna Harfouch liest heute Abend Texte von Wolfgang Hilbig. Foto: Pascal Bünning

Zugleich eröffnet die Veranstaltung das Programm „Hilbig 85“ im Literaturhaus Leipzig. Dazu gehören außerdem eine Grafik-Ausstellung, eine ab 1.9. im Literaturhaus und an der TU Braunschweig stattfindende Tagung mit Jan Röhnert, die Premiere des neuen Hörbuches „Alte Abdeckerei“ von Buchfunk Leipzig, gesprochen von Thomas Dehler, sowie ein neuer Filmessay über Wolfgang Hilbig.

Der Eintritt kostet 10,- / 8,- EUR. Karten sind seit 24.8. an der Abendkasse oder ONLINE unter rausgegangen.de erhältlich. Eine telefonische Kartenreservierung ist nicht möglich.

Wolfgang Hilbig wurde 1941 in Meuselwitz geboren und war zunächst als Werkzeugmacher in der Braunkohle tätig. Als literarischer Autodidakt erlebte er zunehmend Repressalien durch das DDR-Regime. Er lebte in Dresden, Leipzig und Ost-Berlin. Hilbig wurde 1978 kurzzeitig verhaftet und reiste schließlich 1985 in die Bundesrepublik aus. 1990 übersiedelte er nach Berlin, wo er am 2. Juni 2007 einem Krebsleiden erlag.

Wolfgang Hilbig wäre heute 85 Jahre alt geworden. Foto: Jürgen Bauer / S. Fischer Verlage

 

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar