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Gedenken an eine Leipziger Demokratie-Aktivistin, ein Preis für einen amerikanischen Historiker und zwei spannende Filmpremieren zu durchaus bewegenden Themen unserer Zeit. Zudem gibt es den letzten Abendmarkt für dieses Jahr in der City. Und die Leipziger Verkehrsbetriebe veröffentlichen heute neue Erkenntnisse zum Reisen ohne Fahrpersonal.

Nur Fliegen ist schöner

Der Traum von der fahrerlosen Personenbeförderung – die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) kommen seiner Erfüllung Schritt für Schritt oder besser gesagt Raddrehung um Raddrehung näher. Heute Mittag stellen sie die Ergebnisse des Projekts ABSOLUT II vor, in dem gemeinsam mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung weitere Voraussetzungen für fahrerlose Shuttle-Verkehre im öffentlichen Nahverkehr geschaffen wurden.

Im Mittelpunkt steht der Schritt vom automatisierten zum fahrerlosen Betrieb: ABSOLUT II sollte insbesondere die technischen, organisatorischen und rechtlichen Bedingungen dafür schaffen, autonome Fahrzeuge künftig ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug einsetzen zu können. Vorgesehen ist stattdessen, die Fahrzeuge  durch eine sogenannte Technische Aufsicht aus einer Leitstelle zu überwachen. Dies gilt als wesentliche Voraussetzung dafür, autonome Shuttle-Verkehre wirtschaftlich und in größerem Umfang betreiben zu können.

„Autonomes Fahren bietet große Chancen für den öffentlichen Nahverkehr. Gerade in Stadtrandlagen und weniger dicht besiedelten Gebieten können flexible On-Demand-Angebote künftig dazu beitragen, Mobilität noch bedarfsgerechter und wirtschaftlicher zu gestalten. Mit ABSOLUT II haben wir dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen“, so Sandy Brachmann, Bereichsleiterin Marketing der Leipziger Verkehrsbetriebe, in einer öffentlichen Mitteilung.

Das ABSOLUT-Projekt setzt auf digitale Sicherheit. Quelle: Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

Die Ergebnisse von ABSOLUT II sollen unmittelbar in die weitere Entwicklung autonomer Mobilitätsangebote einfließen. Geplant ist, die Technologie mit dem Leipziger On-Demand-Angebot FLEXA zu verbinden. Autonome Shuttle-Verkehre sollen dabei den bestehenden ÖPNV-Regelbetrieb ergänzen und insbesondere die Anbindung von städtischen Randgebieten verbessern.

Bereits heute arbeiten die LVB zusammen mit zahlreichen sächsischen Partnern im Folgeprojekt „Sächsische Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV – SIAS-ÖV“ daran, autonome Fahrzeuge der Automatisierungsstufe Level 4 schrittweise auf einen späteren Einsatz im Regelbetrieb vorzubereiten. Die beteiligten Partner verfolgen das Ziel, autonome Shuttle-Verkehre bis zum Jahr 2030 in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren.

ABSOLUT II wurde durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Für das gesamte Forschungsprojekt steht ein Budget von 12 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere Informationen zum Projekt ABSOLUT und zu den beteiligten Projektpartnern sind unter absolut-projekt.de verfügbar.

Für das Projekt des automatisierten Fahrens war bisher die Anwesenheit eines Sicherheitsfahrers im Bus nötig. Foto: Ralf Julke

Letzte Runde zu später Stunde

Heute lädt der Leipziger Abendmarkt zum letzten Mal in diesem Jahr vor das Alte Rathaus ein. Von 16 bis 21 Uhr gibt’s Handel, Gastronomie, Genuss und Unterhaltung. Besucherinnen und Besucher können den Abend zum Einkaufen ebenso nutzen wie für ein Treffen mit Freunden und Familie oder für einen Tagesausklang bei Speis und Trank.

Zum Familienprogramm gehören das Spielmobil und die Fahrbibliothek. Auch die Branddirektion ist wieder mit Infoständen und Angeboten für Kinder vertreten. Für die musikalische Begleitung sorgt Singer-Songwriter Max Schrut. Mit dabei ist zudem die Initiative Zukunftsmarkt, die unter dem Motto „Gute Wahl Regional“ die heimische Land- und Ernährungswirtschaft vorstellt. Die Initiative hat die Akquise von Händlern unterstützt und bietet selbst mehrere Aktionen rund um regionale Lebensmittel an: ein großes Gemüse-Quiz, ein Glücksrad und die eigene Herstellung von Butter nach traditioneller Methode verlangen Geist und Geschick.

Die Stadt zieht eine positive Bilanz der Märkte zu später Stunde. Marktamtsleiter Dr. Walter Ebert kündigt deshalb bereits eine Fortsetzung an: „Die Umsätze stimmen und so mancher Teilnehmer war schon vor Feierabend ausverkauft. Im nächsten Jahr werden wir wieder mit fünf Terminen von April bis August an den Start gehen, jeweils am vierten Donnerstag im Monat.“ Damit soll der Leipziger Abendmarkt auch 2027 fünfmal stattfinden. Auswirkungen auf den regulären Wochenmarkt am Freitag hat die heutige Veranstaltung nicht. Dieser öffnet wie gewohnt von 9 bis 17 Uhr auf dem Markt vor dem Alten Rathaus.

Der Abendmarkt richtet sich vor allem an Familien nach Feierabend. Illustration: Stadt Leipzig

Filmpremieren mit Sondervorstellungen

Zwei neue deutsche Filme feiern heute mit Sondervorstellungen in Leipzig ihren Kinostart. Um 17:30 Uhr präsentiert die Kinobar Prager Frühling (Haus der Demokratie) Susanne Kims Dokumentarfilm „Becoming Kim“. Um 19 Uhr öffnet sich in den Passage Kinos (Hainstraße 19a) der Vorhang für das „Special Screening“ von Faraz Shariats „Staatsschutz“.

Die deutsch-südkoreanische Produktion „Becoming Kim“ von 2026 erzählt ausgehend von Kims eigener Familie von unterschiedlichen kulturellen Prägungen und Erwartungen an eine gemeinsame Zukunft. Die Regisseurin lebt mit ihrer Tochter in Leipzig, ihr koreanischer Mann Jeong Rae pendelt seit Jahren zwischen Deutschland und Südkorea und eröffnet dort mit seiner Mutter einen Hähnchengrill. Nach dem Film gibt es ein Gespräch mit Susanne Kim und der auf interkulturelle Beziehungen spezialisierten systemischen Beraterin und Therapeutin Sandra Schnabel-Perales.

Susanne und Jeong Rae Kim sind die Protagonisten des Films „Becoming Kim“. Copyright © 2026 eksystent Filmverleih

„Staatsschutz“, ein deutscher Drama-Thriller von 2026, handelt von der jungen Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan), die einen rassistischen Brandanschlag überlebt und bei eigenen Ermittlungen innerhalb der Justiz auf Widerstände und Strukturen stößt, die eine Aufklärung behindern. Neben Yan spielen Julia Jentsch und Alev Irmak.

Das 114 Minuten lange und ab 12 Jahren freigegebene Werk entstand nach mehrjähriger Recherche nach einem Drehbuch von Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim und startet heute im Verleih von Plaion Pictures. Nach der Vorführung in den Passage Kinos diskutieren Regisseur Faraz Shariat, Aktivistin Newroz Duman und Strafverteidigerin Dr. Kati Lang. Alexander Schwarz, Jurist beim European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), spricht ein Grußwort.

Reservierte Karten müssen spätestens eine halbe Stunde vor Beginn abgeholt werden.

Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) wird selbst Opfer eines Anschlags. Foto: Plaion Pictures

Ehre für Historiker aus Missouri

Erstmals wird heute in Leipzig der mit 2.000 Euro dotierte Zeev-Sternhell-Preis verliehen. Die Auszeichnung geht an den Historiker Micah Alpaugh für sein 2021 bei Cambridge University Press erschienenes Buch „Friends of Freedom: The Rise of Social Movements in the Age of Atlantic Revolutions“. Die Übergabe soll im Rahmen des Jubiläumskongresses des International Committee of Historical Sciences (CISH) stattfinden.

Der anlässlich des 100-jährigen Bestehens des CISH geschaffene Preis soll künftig alle fünf Jahre ein Werk auszeichnen, das die internationale, transnationale oder globale Erforschung der Revolutionen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts in besonderer Weise erneuert. Für die Premiere prüfte eine 16-köpfige internationale Jury zunächst 17 Bücher und bestimmte daraus zehn Finalisten. Alpaughs Werk wurde schließlich als bestes Buch der vergangenen fünf Jahre in diesem Forschungsgebiet ausgewählt.

Eine „Accessit“, eine lobende Zweitplatzierung, erhält Sujit Sivasundaram für „Waves Across the South“. Cambridge University Press weist Alpaughs Buch inzwischen ebenfalls als Gewinner des „2026 Zeev Sternhell Prize, International Committee of Historical Sciences“ aus. Der CISH Centennial Congress findet überwiegend im Educational Science Center der Universität Leipzig auf dem Campus Jahnallee statt.

Der Historiker Micah Alpaugh wird heute in Leipzig für sein Buch ausgezeichnet. Cover: Cambridge University Press

Gedenken an Leipziger Demokratie-Aktivistin

Der Frauenkultur e. V. würdigt heute die im Mai 2026 gestorbene Leipziger Literatin und Philosophin Dr. phil. Eva Lehmann-Lilienthal. Die Veranstaltung unter dem Titel „Weggefährtinnen erinnern“ beginnt um 17 Uhr in der Windscheidstraße 51. Ausgerichtet wird das Gedenken in Kooperation von GEDOK Mitteldeutschland (einstmals „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“) und Frauenkultur Leipzig.

Mitwirkende sind Christine Rietzke, Brigitte Blattmann, Sibylle Kuhne und Jelena Radosavljevic. Der Abend widmet sich einer Leipzigerin, deren Biografie jüdische Stadtgeschichte, Erfahrungen in der DDR sowie gesellschaftliches Engagement während der Friedlichen Revolution und in der Nachwendezeit miteinander verbindet.

Lehmann-Lilienthal wurde 1931 in Leipzig als Tochter einer jüdischen Mutter geboren und gehörte zu den wenigen jüdischen Holocaust-Überlebenden Leipzigs. Von 1950 bis 1955 studierte sie Philosophie, Psychologie und Politische Ökonomie, Philosophie unter anderem bei Ernst Bloch. Später lehrte sie an den Universitäten Jena und Leipzig. 1983 promovierte sie und war anschließend auch kultursoziologisch und kulturorganisatorisch tätig.

Nach ihrem vorzeitigen Ruhestand 1990 beteiligte sich Lehmann-Lilienthal an den Bemühungen um eine neue demokratische gesamtdeutsche Verfassung. In einem Zeitzeugenprojekt der Frauenkultur Leipzig berichtete sie über ihre Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Menschenrechte innerhalb der von Wolfgang Ullmann mitgetragenen Verfassungsbewegung.

1992 gehörte Lehmann-Lilienthal zu den Mitgründerinnen der Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig. Neben ihrem gesellschaftlichen und kulturpolitischen Wirken arbeitete sie auch als Autorin. Am 28. August 2018 wurde ihr der 11. Isolde-Hamm-Preis verliehen. In diesem Monat wäre Eva Lehmann-Lilienthal 95 Jahre alt geworden.

 

Eva Lehmann-Lilienthal wurde 1931 in Leipzig geboren. Foto: Christine Rietzke

 

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Der „Traum von der fahrerlosen Personenbeförderung “ ist wohl eher bei Technik + ÖPNV Anbietern zu suchen (Beförderungspersonalkostenoptimierung). Für das Beförderungssubjekt ist die fahrerlose Personenbeförderung kaum traumhaft. Kein Fahrer / Service vor Ort, dafür teure Techniker / Technik / Leitstellen (Beförderungspersonalkostenoptimierungsausgleich ) in naher und weiter Ferne. Ist aber auch „kein Drama“, dann doch lieber „Flugtaxis“ (gern mit unbehirnten CSU Hüllen), meint Hearst.

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