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Rund 10.900 Mieterhöhungen plant die städtische Wohnungsgesellschaft LWB für 2026 – ein Allzeithoch. Mehr als ein Viertel aller Miethaushalte der LWB sind damit betroffen. 2025 waren es 5.362 Anpassungen, 2024 bereits 9.523. Hausgemeinschaften im Leipziger Süden, in denen jahrelang keine Mieterhöhung anstand, erleben seit Kurzem etwas anderes: regelmäßige Anpassungen, die bis ans gesetzlich festgelegte Limit gehen.
Deshalb haben Betroffene eine Petition gestartet: „Stopp der Mieterhöhungen bei der LWB“, gerichtet an Oberbürgermeister Burkhard Jung als Vertreter der Gesellschafterin Stadt Leipzig.
Worum geht es konkret? Nicht um Modernisierung, nicht um Standardverbesserung. Grundlage der Erhöhungen ist ausschließlich die Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete nach § 558 BGB – innerhalb der Kappungsgrenze. Die liegt in Leipzig bei 15 statt bundesweit 20 Prozent, um die die Miete in drei Jahren erhöht werden darf, weil die Stadt selbst beim Freistaat Sachsen einen entsprechenden Antrag gestellt hatte, um Mieterinnen und Mieter in einem angespannten Markt zu schützen. Wenn die stadteigene Wohnungsgesellschaft genau diesen Schutzrahmen als Regelmaximum abruft, kehrt sich der Zweck der Regelung um. Diese Mietspiegel-Mieterhöhungen vorzunehmen, ist kein Muss. Dass es anders geht, zeigen verschiedene Genossenschaften, die auf diese Form der Mieterhöhungen verzichten.
Die LWB gehört zu 100 Prozent der Stadt Leipzig. Sie ist kein Marktakteur wie jeder private Vermieter, sondern ein Instrument kommunaler Wohnungspolitik. Das Argument, man sei als GmbH dem Gewinn verpflichtet, greift zu kurz: Über die Gesellschafterversammlung kann die Stadt jederzeit andere Vorgaben setzen. Es ist eine politische Entscheidung – keine rechtliche Zwangsläufigkeit.
Die Petition fordert zwei Dinge, bewusst zurückhaltend formuliert:
1. Verzicht auf Mieterhöhungen nach § 558 BGB, soweit sie ausschließlich der Ausschöpfung der Kappungsgrenze dienen und keine Modernisierung erfolgt ist.
2. Jährliche transparente Berichterstattung gegenüber Stadtrat und Öffentlichkeit über Umfang, Verteilung und Kriterien der Mietanpassungen.
Wie Mietanpassungen künftig konkret aussehen sollen, überlässt die Petition bewusst dem Stadtrat. Es geht nicht darum, der LWB jede Erhöhung zu verbieten, sondern darum, die Praxis der pauschalen Ausschöpfung des gesetzlich Möglichen zu beenden und sie überhaupt erst sichtbar zu machen.
Seit dem Start am 30. Juli 2026 haben rund 220 Menschen unterzeichnet, das Quorum für Leipzig liegt bei 3.700. Die Sammlung läuft noch bis Ende Januar 2027. Wer in einer LWB-Wohnung lebt oder wohnungspolitisch nicht zusehen will, wie ein kommunales Unternehmen den so dringend notwendigen Mieterschutz, der auch Zielsetzung der Kappungsgrenze ist, gegen seine Mieter*innen wendet, kann die Petition online unterschreiben openpetition.org/stopplwb.
Der Autor lebt selbst in einer LWB-Wohnung, ist an der Petition beteiligt und schreibt regelmäßig als freier Journalist für die Leipziger Zeitung.
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Es gibt 22 Kommentare
Das „eigene“ Personal ist meisst damit beschäftigt und ausgelastet, leergezogene Wohungen zu sanieren. Daher ist es nicht unüblich, dass ein Heizkörper von einer externen Fachfirma gewechselt wird. Dafür gibt es oft auch Rahmenverträge.
Und gerade bei den Großvermietern zieht so langsam der Erstbezug aus den Platten aus. Da gibt es viel zu tun. Und teuer ist das dann auch noch, wie an anderer Stelle auch auf diesen Seiten vor zwei Jahren schon geschrieben wurde:
„Bezugnehmend auf die Baukosten mussten zum Beispiel für die Wiederherrichtung einer 65 Quadratmeter großen Musterwohnung zum Zwecke der Neuvermietung im Jahr 2019 noch circa 10.000 Euro aufgewendet werden, während es im Jahr 2024 teilweise bereits über 21.000 Euro sind – eine Steigerung auf 210 Prozent.“
Danke Chilloutarea51 nochmal für den Anstoß zur Wirtschaftlichkeitsfrage — dem bin ich weiter nachgegangen, mit gemischtem Ergebnis, das ich auch als Korrektur an mir selbst offenlegen will.
Ich hatte zunächst vermutet, dass sich an der Kapitalausstattung der jeweiligen Sanierungstöchter (LWB vs. Genossenschaften) etwas ablesen ließe. Das trägt nicht: Lipsias Bau- und Sanierungs-GmbH, mit rund 40 eigenen Handwerkern nachweislich eine der leistungsfähigsten der Stadt, hat mit 25.000 € sogar weniger Stammkapital als die LWB-Tochter. Alle sechs Leipziger Genossenschaften und die LWB haben eigene Sanierungs-/Servicetöchter – das ist Branchenstandard, kein LWB-spezifisches Problem, und über Firmenregisterdaten allein lässt sich Wirtschaftlichkeit nicht seriös vergleichen.
Auch die These „die LWB gibt grundsätzlich alles an teure externe Firmen“ hält nicht: Die LWB schreibt aktuell selbst Stellen für Anlagenmechaniker Sanitär-/Heizungs-/Klimatechnik aus (Aufgabe: Instandhaltung, Havarien), und ihre Sanierungstochter ModSan sucht Helfer für Innenausbau in Leerwohnungen. Es gibt also durchaus eigenes Personal für Instandhaltung.
Trotzdem, aus eigener Erfahrung als LWB-Mieter: Bei mir wurde der Tausch eines simplen verrosteten Heizkörpers an eine externe Installateurfirma vergeben – obwohl genau dafür eigenes Fachpersonal existiert. Auch Gartenpflege, Mülltonnenservice und Treppenhausreinigung laufen bei uns über externe Dienstleister. Letzteres ist allerdings branchenüblich, das machen vermutlich auch die Genossenschaften so – insofern kein LWB-spezifischer Beleg, nur der Heizkörperfall ist wirklich auffällig, weil er dem eigenen Stellenprofil widerspricht.
Was an harten Fakten stehen bleibt: der laut LVZ stärkste Betriebskostenanstieg aller Anbietergruppen bei der LWB, und der seit Jahren bekannte Sanierungsstau zB derin Kochstraße und August-Bebel-Straße trotz eines Unternehmens mit ~500 Mitarbeitenden. Die generelle Wirtschaftlichkeitsfrage bleibt berechtigt – nur die einfache Erklärung „sie haben halt nichts Eigenes“ trägt nach dem, was ich finden konnte, nicht.
Die Themen der zu renovierungsbedürftigen Wohnungen in der Südvorstadt sind ein eigenes.
Das sind Wohnungen in die die wenigstens Personen heutzutage freiwillig einziehen würden. Das entspricht keinerlei Standards der letzten vermutlich 20 Jahre. Die Mieten liegen dort zum Teil bei knapp über 2 EUR kalt. Das funktioniert auch nur, weil da Leute seit Jahrzehnten wohnen.
Renovierungskosten von 4.000 EUR sind an der Stelle aber durchaus richtig, wenn man sich anschaut weshalb.
Zum einen ist da der Denkmalschutz, der das ganze verteuert. Die LWB hat keine eigene Baufirmen die theoretisch kostengünstig sanieren (hust Vonovia hust). Hier entstehen dann also Kosten durch externe Baufirmen. Gleichzeitig sind die dortigen Bauprojekte inhaltlich so komplex, dass man neben den eigenen Bauleitern auch auf externe Experten angewiesen ist.
Das sind Objekte mit mehr als 20 Jahren Sanierungsstau – das kann man gar nicht mehr kostengünstig auffangen.
Zu guter Letzt fallen enorm hohe Zinsen in der heutigen Zeit an. Bei einer privaten Baufinanzierung ist man ohne SAB ganz leicht bei 4% und eben nicht mehr 0,8% oder 2,0%. Was das für einen Einfluss für ein Vorhaben hat lässt sich leicht ausrechnen.
Bei einer Mio und 30 Jahren sind die Gesamtkosten bei 4%: ca 1,7 Mio. Bei 2%: 1,33 Mio.
Danke Urs für den Hinweis auf den LVZ-Artikel, und Christian für den kritischen Blick auf die Zahlen darin.
Kurz zur Einordnung: Die LVZ-Zahlen (Ø 2022–2025) zeigen, dass die LWB bei der Kaltmiete zurückhaltender war als Private und Genossenschaften. Das widerspricht der Petition nicht, sondern ergänzt sie zeitlich — der Durchschnitt bildet die Jahre vor der aktuellen Beschleunigung ab: 9.523 Erhöhungen 2024, nur 5.362 2025, jetzt 10.900 für 2026. Genau diese Zuspitzung liegt außerhalb des LVZ-Betrachtungsfensters. Jens Rometsch schätze ich als absoluten Profi auf dem Immobiliengebiet – würde mich freuen, wenn das Thema Petition auch bei der LVZ noch Platz findet. 😉
Zwei Dinge fehlen mir in der bisherigen Debatte, beide zeigen denselben Punkt aus unterschiedlichen Richtungen: Die LWB hat eigene Gestaltungsspielräume, die sie bislang nicht zugunsten günstigerer Mieten nutzt. Erstens die Betriebskosten: Laut LVZ der stärkste Anstieg aller Anbietergruppen, die LWB inzwischen teuerster Anbieter bei Nebenkosten. Kai Tonnes „Spitze des Eisbergs“-Vergleich stimmt in der Sache, lenkt aber von der Kappungsgrenzen-Praxis ab, die anders als Fernwärme- oder Wasserpreise tatsächlich in der eigenen Entscheidungsmacht der LWB liegt. Zweitens die Sanierungspraxis: Bei den Wohnblöcken Kochstraße 59–63 und August-Bebel-Straße 81 kalkuliert die LWB laut Stadtratsdiskussion mit rund 4.000 €/m² Sanierungskosten – was die Wohnungen nach Aussage der Verwaltung selbst ins teure Segment treibt. Die lobenswerten Sozialneubauten sind also nur die eine Seite der LWB-Baupolitik, nicht die ganze.
Wer noch mehr zu den LWB-Zahlen, zur Kappungsgrenzenpraxis oder zu eigenen Erfahrungen mit Erhöhungen beitragen kann – immer her damit. Genau aus solchen Kommentarfäden entstehen die Fakten, die am Ende wirklich tragen.
Aus Statistiken lese ich, dass die meisten Erhöhungen der privaten Vermieter etwa ab 2010/2011 begonnen haben, als Leipzig also anfing, groß zu wachsen.
Vorher war es sogar anders herum.
Der Artikel aus der LVZ ist allerdings ein erhebliches Durcheinander an Zahlen, die allesamt eigentlich nichts kausales belegen.
Was haben denn die Betriebs- und Heizkosten mit einer Erhöhung zu tun? Hier sitzen alle im gleichen Boot. Wobei hier „die Privaten angeblich am wenigsten zugegriffen hätten.“
Hier kann man nicht „treiben“, hier kann man nur reagieren.
Dagegen meint ja der LWB-Mensch, dass die Kaltmiete nur die Spitze wäre, und die warmen Kosten (Fernwärme +77% – Gruß an die SWL!) das eigentliche Problem. Hier schlugen aber die LWB am meisten zu.
Gemäß der Grafik liegen die privaten Grundmieten (Kaltmiete) prozentual genauso höher wie die von den Genossenschaften im Vergleich 2022/2025. Also genauso „zugelangt“.
Interessant wäre ja mal, ob die Qualität der Wohnungen auch so unterschiedlich ist; immerhin orientiert sich der absolute Wert der Kaltmiete ja auch an dem, was vermietet wird.
Jens Rometsch hat sich selbst Teilen des Themas angenommen: https://www.lvz.de/lokales/leipzig/wohnkosten-private-eigentuemer-treiben-leipzigs-mieten-hoch-M7SIAKZNRNDOZCHMQG6BFIHHXM.html
Rufen Sie doch mal Jens Rometsch an, lieber Autor, der könnte noch Notizen haben. Allerdings: ein anderer Redakteur (m/w/d/x) bei unserem geliebten Heimatblättchen schilderte mir vor Jahren, als im Peterssteinweg weithin Großraumbüros von Hannah Suppa verordnet wurden und Einzelbüros aufzugeben waren, daß Unterlagen etwa aus den Neunzigern allesamt in den Aktenmüll zu fliegen hatten. Wie schön, oder?
Um nicht nur in der alten Suppe zu fischen: kurzer Blick nach vorn. Die SAGA Hamburg zeigt unter denselben Regeln wie die LWB (§558 BGB, 15% Kappungsgrenze), dass es anders geht – ihr Aufsichtsrat deckelt Erhöhungen freiwillig auf 5% bzw. 30 Euro im Monat, das Mietniveau liegt seit Jahren 20-25% unter dem Hamburger Mietspiegel. Und wenn OBM Jung Leipzig schon gern als wachsende europäische Großstadt positioniert: Wiener Wohnen, größtes kommunales Wohnungsunternehmen Europas, friert seine Mieten komplett ein, wenn die Stadt Wien das politisch will. Beides zeigt: Mieterhöhung ist eine Entscheidung des Eigentümers.
Ein Aspekt, der in der Debatte um „warum sind Mieterhöhungen nötig“ bislang fehlt, so weit ich das, bislang nur oberflächlich, recherchieren konnte: Die LWB scheint bis heute Nachwirkungen ihrer eigenen Gründungsgeschichte zu tragen. Unter ihrem ersten Geschäftsführer Karl Trabalski (1990–92) sollen laut mehreren Wiki-Quellen (mir liegt der Untersuchungsausschussbericht selbst nicht vor, insofern ohne Gewähr) Sanierungsaufträge über mehr als 800 Mio. DM vergeben worden sein, rund die Hälfte davon für Gebäude mit ungeklärten Besitzverhältnissen — wo die LWB als Treuhänderin eigentlich nur Notreparaturen hätte durchführen dürfen. Der 1992 vom Stadtrat eingesetzte Untersuchungsausschuss soll 1994 einen Schaden von über 400 Mio. DM festgestellt haben, 1993 wies die LWB wohl einen Verlust von 791 Mio. DM aus. Zur Einordnung: OB Lehmann-Grube erklärte zwei Wochen nach Trabalskis Abberufung, man könne ihm kein unrechtmäßiges Verhalten vorwerfen — es ging offenbar um Fehleinschätzungen, nicht um nachgewiesene persönliche Bereicherung. Das lass ich mal so stehen.
Wie viel davon konkret noch in den heutigen Büchern steht, lässt sich seriös vermutlich nicht mehr beziffern — die LWB hat ihren Schuldenstand seit den 2000ern kontinuierlich abgebaut, u. a. durch große Wohnungsverkäufe 2011, und dabei dürften sich DDR-Altschulden, Trabalski-Fehlinvestitionen und ganz normale laufende Sanierungskredite längst vermischt haben. Trotzdem finde ich: Wenn heute mit „wirtschaftlichem Gleichgewicht“ und Eigentümerzielen argumentiert wird, gehört diese Vorgeschichte in die Debatte — als Erinnerung daran, dass ein Teil der heutigen Finanzlogik eben nicht nur Ausdruck aktueller, demokratisch beschlossener Investitionspolitik ist, sondern auch Erbe von Fehlentscheidungen, die die heutigen Mieter:innen nicht verursacht haben. Weiß jemand, ob es dazu eine belastbarere, öffentlich zugängliche Aufarbeitung gibt als das, was ich bisher finden konnte?
Hmm, Schulden aus den Jahren vor 1990 waren quasi der Joker für die damaligen Umgestalter des hiesigen Gemeinwesens. Horst Köhler (nicht „Guildo Horn“, der andere), war ja als mitverantwortlicher Bundesbank-Onkel damals mittendrin, statt nur dabei. Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel hatte 2005 einen denkwürdigen Text „Schulden ohne Sühne – 15 Jahre Währungsunion: Wie sich westdeutsche Banken auf unsere Kosten an fiktiven DDR-Krediten bereicherten“ verfaßt. Immer noch lesenswert. Die vielen Betriebsschließungen wurden genau damit vorangetrieben, würde man heute sagen. Dadurch wurde die Massenarbeitslodigkeit erst richtig angefacht. Und die Abwanderung, und der Leerstand, die in den Neunzigern irre traurige Karl-Heine-Straße, Fabrikruinen überall, und so weiter, bis hin zur jetzigen AfD, wenn man es genau nehmen möchte.
Hallo Urs,
daß die Genossenschaften & LWB vor 30 Jahren Schulden hatten, lag vor allem daran, daß das hauptsächlich DDR-Schulden waren, die unter komplett anderen Verhältnissen aufgenommen worden waren und die dann wahrscheinlich auch noch 1:1 umgerechnet wurden.
So etwas sollte der Immobilien-Marktwirtschaft natürlich nicht als Konkurrent im Wege stehen…
Vielen Dank für den Artikel & die Petition!
Ich bin auch von dieser Mieterhöhung betroffen; das Empörende daran ist übrigens, daß die letzte Erhöhung nicht mal drei Jahre her ist (Ende Januar 2024 berichtete die LVZ darüber) und daß diese Mieterhöhung natürlich auch den Mietspiegel wieder erhöht…
Nebenbei könnte die LWB ihre Schulden auch dadurch abbauen, daß sie in unsanierten Häusern wie dem unsrigen keine Wohnungen leerstehen läßt.
Seit 2011 darf bei Auszug bzw Todesfall bei uns niemand mehr in die freie Wohnung einziehen – mittlerweile steht bei unserer Anlage aus drei Häusern von insg. ca. 50 WE etwa die Hälfte leer.
Das ergibt über diesen Zeitraum (also 15 Jahre!) sicher einen hohen sechsstelligen Betrag an Mindereinnahmen. Das ließe sich doch sicher über befristete Mietverträge regeln – jedenfalls solange, wie in dieser Stadt noch Leute auf der Straße leben müssen!
Nahezu jegliches Abreißen seinerzeit war Frevel. Jeder Dornröschenschlaf von Gebäuden wäre besser gewesen als Abriß. Und der Terminus „Marktstabilisierung“ bedeutet eben auch nichts anderes als Erhalt eines Preisniveaus der Wahl. Ich erinnere mich noch gut an die 15-Geschosser in Schönau, der Gewandhausorganist Matthias Eisenberg wohnte dort bis 1986 (dann machte er sich hier dünne) in einer Maisonette-Wohnung – mit eingebauter Orgel mit Pedal. Wäggärubbd, dä Buhdn!
Nun, die Situation war damals eine andere.
Das primäre Ziel war Marktstabilisierung, da die kommunalen Vermieter sonst reihenweise pleite gegangen wären, aufgrund des massiven Leerstandes (Kosten) und der notwendigen Sanierungskosten.
Es ging nicht darum, eine künstliche Knappheit für Mietpreissteigerungen wie im heutigen Ausmaß zu erreichen.
Kritik heute ist jedoch berechtigt, da ein kommunlaes Unternehmen eine soziale Lenkungsfunktion innehat, und den gesetzlichen Rahmen nicht zwingend ausschöpfen müsste.
War es nicht auch so, daß sowohl die Genossenschaften als auch die LWB vor 20, 30 Jahren gezwungen worden waren, beträchtlich abzureißen? Um kurz-, mittel- und langfristig die Mieten nach oben zu bringen – gesamthaft.
Und auch wenn es oft gut ist, einen Perspektivwechsel zu tun: die Sorgen eines Großvermieters interessieren mich jedenfalls nicht, darben wird die LWB nicht.
Hallo Herr Brás dos Santos (ich hoffe, das ist Ihr korrekter Nachname),
danke für die Rückmeldung zur Förderung. Dann hab ich falsch vermutet, und dann fällt leider das Argument weg, dass mit Steuergeld gebaut und damit lokal hohe Einnahmen erwirtschaftet werden. Aber gut, dann bleiben noch die anderen Argumente kontra jährliche maximal mögliche Mieterhöhung.
–
Kleine Randbemerkung, natürlich rein subjektiv: „Ihr“ macht das ein bißchen zu sehr auf der Gefühlsschiene. Schon vor zwei oder drei Jahren gingen Flugblätter rum, gab es eine Initiative, um auf die Probleme der Mietpreiserhöhung hinzuweisen und Protest zu organisieren. Ich nehme nicht wahr, dass meine Nachbarn sich „emotional verbunden“ fühlen mit der LWB, jedoch meinten beide direkten Nachbarinnen (nicht generisch gemeint) hier im Haus, dass sie das Flugblatt weggeworfen hätten, weil die Leute dort so komisch reden und die „damit“ (gemeint war Gendern mit Sonderzeichen) nichts zu tun haben wollen. Ihr verliert mit dieser Art sich auszudrücken tatsächlich Schlagkraft / Unterstützer. Wie gesagt, nur eine Randbemerkung zu dieser sehr lobenswerten Aktion, wenn auch mit nicht so günstigen Link. Denn „stoppen“ will ich die LWB keinesfalls.
@Sebastian: Abseits der Forderung nach einem Stopp der Mieterhöhungen und vereinzelter Kritik auf relativ hohem Niveau sind wohl die meisten Mieter:innen emotional mit der LWB verbunden – weil es ein kommunales, unser Unternehmen ist.
Der Bund gibt Millionen nach Sachsen, und Sachsen kofinanziert Mittel für sozialen Wohnungsbau. Genau genommen Neubau und Sanierung – ansonsten gibt es meines Erachtens keine nennenswerten Förderprogramme. Die LWB nutzt diese Bund-Länder-Mittel und sorgt damit als nennenswerte Größe für sozialen Wohnungsbau in Leipzig. BTW: Sozialwohnungen gehen leider nicht in die Mietspiegelberechnung ein.
Hallo André,
> „Warum sollten Menschen bevorzugt werden, die das Glück hatten eine LWB-Wohnung zu ergattern?“
Falls hier das Fairness-Argument greifen soll: Ich würde nicht von Glück sprechen. Sehr viele Menschen wollen partout nicht in einem Plattenbau wohnen, oder in kleingeschnittenen Wohnungen wie Rundling und Co. Es ist nicht so, dass alle in LWB-Wohnungen wollen, und der Zutritt einem Hauptgewinn gleicht. Und es gibt auch keine übergeordnete Macht, die einer bestimmten Bevölkerungsgruppe eine „Bevorzugung“ des Mietpreises zubilligt.
Es ist vielmehr so:
Die Stadt als Eigentümerin hat kein Interesse daran, dass die Mieten explodieren. Die Sozialkosten wie Kosten der Unterkunft für Bedürftige steigen damit nämlich auch. Und die Mehrheit der Leute mietet ihre Unterkunft, statt sie zu besitzen. Also haben auch sie, egal ob LWB-Mieter oder woanders, kein Interesse daran, dass so ein großer Eigentümer wie die LWB im gesetzlich maximalen Umfang ihre Mieten erhöhen und sich der gesamte Spiegel für alle Mieter damit erhöht.
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Es ist aus meiner Sicht so, dass die LWB schon wirtschaftlich sein soll, aber der aktuelle Mieterhöhungspegel allein dadurch zustande kommt, dass der ganze Rest des Mietmarktes davongaloppiert ist. Aus Gründen und so, Energie und Personal, keine Spekulationen, ganz klar. Nur dadurch gibt es Spielraum im Rahmen des „ortsüblichen Niveaus“ nachzuziehen, und nicht weil wir hier seit Jahren auf „Dumpingniveau“ mieten würden.
Warum sollten Menschen bevorzugt werden, die das Glück hatten eine LWB-Wohnung zu ergattern? Die sollen ruhig auch eine angemessene Miete bezahlen. Wohin die Dumping-Mieten führen, sieht man ja im Sanierungstau bei der LWB (ich denke da z. Bsp. mal an die Blöcke im Zentrum).
Die LWB ist nunmal keine eierlegende Wollmilchsau, die bei gleichbleibenden Mieten, deutlich steigenden Baukosten dann noch Substanzerhalt und Modernisierung in wesentlichem Ausmaß bewerkstelligen kann. Und verschuldet sind sie ja auch nicht gerade wenig.
Und gegen Modernisierung wird ja auch immer groß und breit gewettert und demonstriert, weil würde ja zu steigenden Mieten führen.
Klar, niemand zahlt gerne mehr. Aber wenn man jahr(zehnt)elang deutlich weniger als der Durchschnitt bezahlt hat, dann ist die Anpassung auf Normalniveau halt schmerzhaft, aber durch die Kappungsgrenze auch aushaltbar. Bis die Wohnungen Mieten auf Marktniveau haben, dauert dann ja trotzdem noch viele Jahre.
Man muss dann halt nur -und bei so einer Petition würde ich mitgehen- sicherstellen, dass die Mehreinnahmen in die Ertüchtigung der Gebäude investiert wird. Denn hier hat die LWB wirklich noch viel vor der Brust.
Gibt es denn ausschließlich die Förderung von Sozialwohnungen, für die dann eine Höchstgrenze gilt? Oder wird in Sachsen auch mit Mitteln der EU, des Bundes oder Landes für allgemeinen Wohnungsbau gefördert? Letzteres war meine Vermutung.
Unabhängig vom Inhalt des Artikels und des wichtigen Themas:
Bei der LWB wird keine (!) Wohnung die gefördert wird, oberhalb der Grenzen der Stadt vermietet.
Die Forderung gibt es nämlich nur, wenn man sich an die Höchstgrenze des jeweiligen Fördergebers hält. An der Stelle sind Stadt und lwb auch Null Komma hat nicht mit einander verhandelt. Es wird unabhängig geprüft und auch später bei Wohnbezug nachgeprüft.
Per se ist es aber richtig, dass man die Mieterhöhungen kritisiert, denn so bleiben eigentlich nur die Wohnungsgenossenschaften oder Glücksgriffe die einen mit einer bezahlbaren Miete belohnen.
Die LWB ist an sich ein guter Vermieter, insofern finde ich den Doppel-bepehten Titel / Link der Petition sehr unschön.
Das Ansinnen und der Artikel sind aber völlig richtig. Exakt so erlebte ich es auch in den vergangenen Jahren, wie beschrieben: Erhöhung im kompletten Rahmen, der gesetzlich möglich ist, dazu Klageandrohung, falls man nicht zustimmt. Ich finde es gut, dass ein Versuch unternommen wird das zu ändern.
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Was mich auch stört: Neuvermietungen sind bei der LWB sehr teuer geworden. Auch so trägt sie ihren Anteil zum Steigen des Mietspiegels bei und das bei Wohnungen, die vermutlich mindestens vom Freistaat gefördert wurden, also mit Steuergeld.