Es ist nicht nur ein Ärgernis, wenn man in Leipzig ein paar Sterne am Nachthimmel sehen will und die Lichtfluten der Stadt die Milchstraße quasi hinter einem diffusen Lichtnebel verschwinden lassen. Die großflächige Beleuchtung der Stadt stört auch die Lebewesen in der Stadt massiv. Seit Jahren wird das Thema Lichtverschmutzung auch im Stadtrat immer wieder thematisiert. Jetzt macht das Dezernat Stadtentwicklung und Bau einen ersten Schritt und knipst ein paar Leuchten aus.

Um Lichtverschmutzung insbesondere in ökologisch sensiblen Gebieten vorzubeugen, werden in der Woche ab dem 5. Oktober mehrere Beleuchtungsanlagen abgeschaltet, teilt das Dezernat mit. Dazu zählen die Straßenleuchten in der Wundtstraße südlich der Brücke über den Schleußiger Weg (Südvorstadt) sowie in der Travniker Straße zwischen Defoestraße und Linkelstraße (Möckern und Wahren). Dies dient auch einer nachhaltigen Haushaltsführung, weil es Strom- und Wartungskosten senkt.

Die Verkehrssicherheit in den genannten Straßenabschnitten bleibt ohne Einschränkungen gewährt, betont das Dezernat. Dass man ausgerechnet dort die ersten Lampen ausschaltet, hat einen stichhaltigen Grund: Die Straßenverkehrsordnung sieht in Bereichen, die ausschließlich von Kraftfahrzeugen genutzt werden, keine Straßenbeleuchtung vor. Mit dem Lichtmasterplan hat sich Leipzig zudem einer intelligenten Lichtgestaltung verpflichtet und lehnt flächendeckende Beleuchtung ab.

Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, sagt dazu: „Licht ist ein wertvolles Gut, das dort eingesetzt werden soll, wo es dem Wohlbefinden und der Sicherheit dient. Als Teil des europäischen Projekts ‚The Art of Darkness‘ will Leipzig Lichtverschmutzung reduzieren.“

Eine Bundesstraße mitten durch den Auwald

Nächtliche Lebensräume für Insekten und andere Tiere werden dadurch geschützt. Besonders die Wundtstraße, die durch den Auwald und damit durch ein ökologisch sensibles Gebiet führt, profitiert unmittelbar von dieser Entlastung.

Die Abschaltung der Straßenleuchten senkt nicht nur den Stromverbrauch, sondern eliminiert auch langfristige Wartungs- und Instandhaltungskosten. Insgesamt werden 278 Lichtpunkte außer Betrieb genommen und damit rund 83.000 Kilowattstunden Energie im Jahr eingespart.

Leipzig setze damit ein sichtbares Zeichen für den Klimaschutz, betont das Baudezernat. Während in belebten Quartieren Licht weiterhin für Atmosphäre und Sicherheit sorgt, erlaubt die Wegnahme entlang reiner Verkehrsverbindungen der Natur, ihren natürlichen Rhythmus zurückzugewinnen. Die Stadt folgt damit der LUCI Declaration for the Future of Urban Lighting, die einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlichem Licht einfordert.

Die Straßenbeleuchtung wird zunächst nur abgeschaltet, nicht demontiert. Nach einem Jahr soll die Verkehrssituation evaluiert und dann über einen möglichen Rückbau entschieden werden.

Das Projekt „The Art of Darkness“

Das Projekt „The Art of Darkness“ wird durch das EU-Programm „Horizon Europe“ gefördert und bringt Städte, Forschungseinrichtungen und Designer zusammen, um die ästhetischen und nachhaltigen Werte von Dunkelheit im urbanen Raum neu zu definieren. Als sogenannte Follower-City des Projekts erforscht Leipzig den Wert bewusster Dunkelheit als kulturelle und ökologische Ressource.

Die LUCI Association ist ein internationales Netzwerk von Kommunen, die sich für nachhaltige Stadtbeleuchtung einsetzen

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