Die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem wird ihre erste Außenstelle außerhalb Israels in Deutschland errichten. Wie Yad Vashem bekannt gab, wird München der Hauptstandort eines neuen Bildungszentrums von Yad Vashem in Deutschland werden. Zusätzlich soll in Leipzig eine Außenstelle aufgebaut werden. Diese kleinere Einrichtung wird interaktive Lernräume bereitstellen und richtet ihre Angebote insbesondere an Pädagogen und junge Menschen in der gesamten Region sowie in deren Nachbarländern.

Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Teil des neuen Holocaust-Bildungszentrums in Deutschland zu sein ist für Sachsen eine große Ehre und zugleich Verpflichtung. Dass auch Leipzig künftig eine wichtige Rolle spielen wird, hat viel mit Vertrauen und den Akteuren vor Ort zu tun. So gibt es hier eine wieder stark gewachsene jüdische Gemeinde, ein lebendiges Netzwerk und renommierte Institutionen, darunter das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus.

Leipzig kann zudem eine Brücke nach Osteuropa sein – auch bei der Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien in der Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Tatsächlich sind Bildung und Begegnung ganz entscheidend, um das Gedenken wachzuhalten und Geschichte begreifbar zu machen. Bildung und die neuen Bildungsorte sind notwendig und wichtig, um Antisemitismus, Vorurteilen, Desinformation und jeder Form der Relativierung des Holocaust ganz entschieden und klar entgegenzutreten.“

Michael Kretschmer (CDU, Ministerpräsident Sachsen). Foto: Jan Kaefer

Kultusminister Conrad Clemens: „Für Sachsen und Leipzig ist das eine nicht hoch genug zu schätzende Anerkennung und Verantwortung zugleich. Das Ariowitsch-Haus in Leipzig ist ein Ort, an dem jüdische Geschichte unmittelbar erfahrbar ist – ein Ort der Bildung, der Kultur und der Begegnung. Mit ihrer auf die Geschichte, Gegenwart und Zukunft bezogenen Bildungsarbeit werden sich das Yad Vashem Educational Center und das Ariowitsch-Haus wechselseitig ergänzen und einander stärken. In Kooperation mit dem Freistaat Bayern werden wir die Arbeit des Yad Vashem Educational Center in Deutschland mit aller Kraft, Hingabe und Demut unterstützen.“

Conrad Clemens (CDU; Sächsischer Kultusminister). Foto: Jan Kaefer

Oberbürgermeister Burkhard Jung: „Die Entscheidung für das Yad Vashem Educational Center in Leipzig ist für uns gleichzeitig Anerkennung und Auftrag. Mit der Geschichte jüdischen Lebens in Ostdeutschland, unserer lebendigen Erinnerungskultur und dem starken Netzwerk der zivilgesellschaftlichen Akteure haben wir in der Bewerbung wichtige Akzente gesetzt und freuen uns jetzt darauf, gemeinsam mit Yad Vashem den Aufbau und die inhaltliche Ausrichtung des Educational Center zu gestalten.“

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) im Leipziger Stadtrat am 27.05.2026. Foto: Jan Kaefer

Küf Kaufmann, Direktor Ariowitsch-Haus: „Die Ernennung des Ariowitsch-Hauses zum Partner des geplanten Yad-Vashem-Bildungszentrums in München ist ein herausragendes Zeichen von tiefem Vertrauen. Wir, die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig, sehen darin eine Anerkennung unserer langjährigen Arbeit zur Bewahrung der Erinnerung, der historischen Verantwortung und der jüdischen Kultur.

Heute ist es wichtiger denn je, die Erinnerungskultur durch Bildung, Dialog und lebendiges historisches Zeugnis zu vertiefen und zu erweitern. Gerade in unserer unruhigen Zeit erhält diese Partnerschaft eine besondere Bedeutung. Wir sind stolz auf das Engagement der Sächsischen Staatsregierung und stellen uns mit Freude der Verantwortung, die auf uns zukommt.“

Küf Kaufmann. © Antonia Weber

Das Ziel

Das Yad Vashem Bildungszentrum in Deutschland wird der jüdischen Erfahrung während des Holocaust eine Stimme geben und Geschichte durch persönliche Geschichten vor, während und nach der Verfolgung erzählen. Durch Bildungsangebote und offenen Dialog wird das Zentrum die Gedenkkultur Deutschlands bereichern, das Bewusstsein für Holocaust Education und Gedenken sowie für zeitgenössischen Antisemitismus schärfen und das Engagement für Menschenwürde und moralische Verantwortung fördern.

Es wird auch als Drehscheibe für die Fortbildung von Pädagogen, Bildung von insbesondere jungen Menschen und als Plattform für einen lebendigen Dialog über das Gedenken mit einer Vielzahl von Partnern und Institutionen dienen.

Der Weg zur Entscheidung

Die Idee, ein Zentrum für Holocaust-Bildung in Deutschland zu eröffnen, wurde erstmals 2023 bei einem Treffen zwischen dem Vorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan, und dem damaligen deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz vorgebracht. Seitdem wurde sie von Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesbildungsministerin Karin Prien sowie von Führungskräften auf Bundes- und Landesebene unterstützt.

Im September 2025 hatte Yad Vashem das Vorhaben angekündigt, eine Außenstelle in Deutschland zu errichten. Aufgrund einer Machbarkeitsstudie wurden Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen als potenzielle Standorte ausgewählt.

Unter Federführung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus wurde ein Bewerbungsdossier erstellt. Darin wird skizziert, welchen Beitrag Yad Vashem für das etablierte Netzwerk der politisch-historischen Bildung in Sachsen darstellen kann, welches Potential sich aus einer Zusammenarbeit auch mit den Partnern in Polen und Tschechien ergeben und wie eine solche Einrichtung finanziell und personell zu unterlegen ist.

Bei zwei Delegationsreisen von Yad Vashem im Dezember 2025 und April 2026 fanden mehrere Arbeitsgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Landes- und Kommunalpolitik, der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung und der Wissenschaft sowie mit jüdischen und nichtjüdischen zivilen Akteuren und Netzwerkpartnern aus Sachsen, Polen und Tschechien statt.

Die sächsische Staatsregierung hatte im Namen von Ministerpräsident Michael Kretschmer die Unterstützung für das Vorhaben zugesagt und sich bei den Kabinettssitzungen am 2. Dezember 2025 und 21. April 2026 mit dem Bewerbungsverfahren befasst. Bei einer Debatte im Sächsischen Landtag am 4. Februar 2026 sprachen sich alle Fraktionen für die Bewerbung Sachsens aus.

Bereits bei der Vorauswahl Sachsens durch Yad Vashem spielte die Arbeit des Ariowitsch-Haus in Leipzig eine besondere Rolle. Das Ariowitsch-Haus soll entsprechend der nun vorliegenden Entscheidung auch der sächsische Standort der neuen Außenstelle sein. Mit dem Fokus auf Erinnerungskultur ergänzt Yad Vashem die bisherige Arbeit im Ariowitsch-Haus, die sich insbesondere dem jüdischen Leben heute und der Prävention von Antisemitismus widmet.

Die nächsten Schritte

Gemeinsam mit Yad Vashem werden nun die nächsten Schritte besprochen. Neben finanziellen und personellen Fragen geht es auch um bauliche Maßnahmen sowie die inhaltliche Abstimmung mit dem Hauptstandort in München.

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