Eine Demonstration gegen das neue sächsische Polizeigesetz hat ein unverhofft jähes Ende gefunden. Die Polizei selbst war daran diesmal aber nicht beteiligt. Leipzig feiert die 17. Jüdische Woche. Im Neuen Rathaus wurde dazu heute der feierliche Startschuss gegeben. Viele weitere Startschüsse hallten auch durch Dessau. Beim 28. Anhalt-Meeting gab es Promis, Rekorde – und auch ein paar Leipziger. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende 20./21. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Eklat bei Polizeigesetz-Demo
Am kommenden Mittwoch, dem 24. Juni, wird im Sächsischen Landtag über die Novellierung des Sächsischen Polizeigesetzes abgestimmt. Mit den (angekündigten) Stimmen von CDU, SPD und BSW würde es die erforderliche Mehrheit erhalten. Im Kern geht es dabei um neue Technik und Befugnisse bei der automatisierten Datenanalyse, Videoüberwachung, verdeckten Ermittlungen sowie der biometrischen Suche. Kritiker befürchten dadurch eine stärkere staatliche Überwachung und den weiteren Abbau des Rechtsstaates.
Unter dem Motto „Neues Sächsisches Polizeigesetz verhindern!“ gingen deshalb am Samstag in Leipzig mehrere hundert Menschen auf die Straße. Initiiert worden war der Protest von mehreren linken Gruppierungen wie beispielsweise dem Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, Copwatch Leipzig, Linxxnet oder dem Rechtshilfekollektiv BSG Chemie.
„Geschichte und Gegenwart zeigen immer wieder: Polizeigesetze werden nie für den Ausnahmefall geschaffen. Sie werden normalisiert. Jede neue Befugnis bleibt. Jeder Überwachungsschritt verschiebt die Grenzen des Sagbaren und Machbaren weiter nach rechts. Parallel zum gesellschaftlichen Rechtsruck entsteht der schlüsselfertige Überwachungsstaat — ausgestattet mit digitalen Werkzeugen, Datensammlungen und Präventivbefugnissen, die jederzeit gegen politische Gegner*innen eingesetzt werden können“, heißt es unter anderem im Demo-Aufruf. Und: „Wir akzeptieren das nicht!“
Nach dem Auftakt am Connewitzer Kreuz war die Demo-Route entlang der Karl-Liebknecht-Straße bis hin zum Wilhelm-Leuschner-Platz vorgesehen – mit einer Zwischenkundgebung am Alexis-Schumann-Platz. Doch bereits während dieser Zwischenkundgebung wurde von den Organisatoren das vorzeitige Ende der Demonstration bekanntgegeben. „Die Demo wird nicht friedlich weiterlaufen“, befürchtete der Orga-Sprecher während dieser Verkündung. „Wir wollen einfach, dass wir hier auseinander gehen, ohne einen Konflikt auszutragen, der nicht zu dem Thema gehört.“

Bereits im Demo-Aufruf war um den Konsens gebeten worden, „die Demo weder mit National-, Organisations-, Gebiets- & Parteiflaggen zu vereinnahmen“. Doch das wurde nicht von allen Teilnehmenden respektiert, wie beispielsweise mehrmalige „Viva, viva Palästina!“-Rufe, samt der entsprechenden Flagge zeigten. „Ich finde es echt zum Kotzen, dass es hier Leute gibt, die durch Verstöße gegen den Demo-Konsens verhindern, das wir eine coole, kraftvolle, widerständige Demo gegen ein Gesetz durchführen können – ein Gesetz, das uns alle betreffen wird“, war Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke) in ihrer Rede stinksauer, während sich der eigentlich angestrebte Effekt der Demonstration allmählich in Luft auflöste.
17. Jüdische Woche im Neuen Rathaus feierlich eröffnet
Mit einem Festakt ist am heutigen Nachmittag im Neuen Rathaus die 17. Jüdische Woche eröffnet worden. In der Oberen Wandelhalle begrüßte Küf Kaufmann, der Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, die rund 150 Anwesenden. Er betonte die hohe Bedeutung des jüdischen Leipzig. Besonders auf die kommende Außenstelle der Gedenkstätte Yad Vashem in der Stadt sei man sehr stolz und sehe das als wichtigen Auftrag.
Grußworte sprachen zudem Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (Die Linke) sowie Katrin Ihkilman von der Israelitischen Religionsgemeinde. Für die festliche musikalische Umrahmung sorgten Künstlerinnen und Künstler aus Israel, Deutschland, Japan und den Niederlanden.
Die Jüdische Woche in Leipzig ist der zentrale Höhepunkt des sächsischen Themenjahres „Tacheles“ und wird vom Kulturamt der Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus e. V. ausgerichtet. Über 130 Veranstaltungen, wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen oder Zeitzeugengespräche stehen bis zum 28. Juni auf dem Programm. Ein Höhepunkt ist dabei das Jüdisches Straßenmusikfestival „Le Chaim“, das bereits am morgigen Montag, dem 22. Juni, zwischen 15 und 18 Uhr vor dem Löwenbrunnen am Naschmarkt die City zum Klingen bringt. Hier geht es zum Programmheft mit allen Veranstaltungen.
Leichtathletik-Spektakel in Dessau
Leipziger Teilnehmer/-innen waren beim 28. Internationalen Anhalt-Meeting im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion dünn gesät. Immerhin: Im Vorprogramm der Junior/-innen sorgten zwei SC DHfK-Sprinter/-innen für Siege. Jeweils über die 100 Meter triumphierten in der U18 Jeremy Weilandt und in der U20 Mia Besser. Ihren großen Moment hatte die 19-Jährige aber bereits am vorhergehenden Wochenende: Bei der 32. Bauhaus Junioren-Gala in Mannheim war sie über die 200 Meter zu einer neuen Bestzeit von 23,78 Sekunden gerannt und knackte direkt die Norm für die U20-Weltmeisterschaften.
Im Hauptprogramm glänzte aus Leipziger Sicht dann Rocco Martin (SG MoGoNo) über die 800 Meter. Auch er durfte sich über eine neue persönliche Bestzeit freuen. Seine 1:47,81 Minuten reichten am Ende für den 7. Platz. Zuvor war Mehrkämpferin Lilly Empl (SC DHfK) über 100 Meter Hürden an den Start gegangen und sammelte in 13,90 Sekunden (PB liegt bei 13,67 Sekunden) wertvolle Wettkampferfahrung gegen starke Konkurrenz.
Die eigentlichen Stars am Freitagabend in der Bauhaus-Stadt waren allerdings andere Athlet/-innen. Weitspringerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) beispielsweise. Trotz Rückenproblemen triumphierte die Olympiasiegerin von 2020 mit einer Weite von 6,62 Meter. Anschließend hatte sie jede Menge Selfie- und Autogrammwünsche zu erfüllen.
Für zwei weitere deutsche Leichtathletik-Stars reichte es immerhin für den jeweils 2. Platz. So sprintete die in den USA trainierende Gina Lückenkemper (SCC Berlin), auch bereits mit Olympia-Bronze dekoriert, über 100 Meter hinter der Schweizerin Salomé Kora ins Ziel. Im Speerwurf reihte sich Thomas Röhler (LC Jena), Olympiasieger von 2016, mit 78,04 Meter hinter dem Südafrikaner Douw Smit ein.
Die Kirsche auf die Sahne eines gelungenen Meetings setzten drei neue Meeting-Rekorde. Diese purzelten allerdings ohne deutsche Beteiligung. Über 100 Meter Hürden setzte Rayniah Jones (USA) mit 12,49 Sekunden eine Bestmarke. Auf den 400 Metern tat es ihr Mthi Mthimkulu (Südafrika) mit 44,75 Sekunden gleich. Und Jordan Terrasse (Frankreich) war über die 800 Meter nach 1:44,41 Minuten ebenfalls in Rekordzeit im Ziel.
Worüber die LZ am Wochenende berichtet hat:
50 Jahre Grünau: Nukleuswohnen bei WG Lipsia, neues Leben für den Plattenbau WBS70
Bedrohtes Capa-Wäldchen: Leipzigs Umweltverbände rufen am 25. Juni zur Demonstration auf
Gastkommentar von Christian Wolff: Frieden? Oder: Wie Verlogenheit sich selbst entlarvt
Eisen: Der bildgewaltige Lebensroman des berühmten Sergej Eisenstein
Old Gangsters never die? Frank Willmanns True-Crime–Roman „Balkanblut“
Was sonst noch wichtig war:
Für einen brisanten Beschluss sorgte Die Linke auf ihrem Bundesparteitag in Potsdam. Mit großer Mehrheit beschlossen die Delegierten einen Antrag, das israelische Vorgehen im Gaza-Krieg offiziell als Völkermord zu bezeichnen. Zudem wurden Luigi Pantisano und Ines Schwerdtner zu den neuen Parteivorsitzenden gewählt.
Deniz Undav, der Joker der Nation, hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstagabend zum Gruppensieg geschossen. Im WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste erzielte der Stürmer vom VfB Stuttgart nach seiner Einwechslung in der 60. Minute gleich zwei Tore (68. und 90.+4) und drehte die Partie zu einem 2:1-Sieg. Bereits vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador ist der DFB-Elf der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen. Im Sechzehntel-Finale wird es dann am 29. Juni gegen einen Drittplatzierten aus Gruppe A, B, C, D oder F gehen.
Wenn es nach Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) geht, sollen künftig deutlich mehr Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden. Im Gespräch sind drei Charterflüge pro Monat plus Einzelrückführungen via Linienflügen. Entsprechende Verhandlungen dazu haben zwischen Vertretern des Innenministeriums und den in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban stattgefunden.
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