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Am Dienstag, dem 16. Juni, wurde im Chemnitzer Rathaus die Machbarkeitsstudie des Freistaates Sachsen und der DB InfraGO zum Ausbau des Nordabschnitts (Geithain – Bad Lausick – Leipzig) der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig vorgestellt. Der geplante leistungsfähige Ausbau bleibt deutlich hinter den Bedürfnissen der Regionen Südwestsachsen und Leipzig zurück, stellen nun auch die Bahninitiative Chemnitz, der Fahrgastverband PRO Bahn und der Industrieverein Sachsen 1828 e.V. fest. Nicht einmal der Wirtschaft gefällt die „abgespeckte“ Lösung.
Die vorgestellte Machbarkeitsstudie zeigt nicht nur erhebliche Defizite beim Infrastrukturausbau, sondern stellt selbst die Umsetzbarkeit des vorgesehenen Betriebskonzepts infrage, formulieren die drei Initiativen das zentrale Problem. Aus Sicht der Bahninitiative Chemnitz droht damit eine Entwicklungsblockade für die gesamte Region Südwestsachsen.
Dabei werden nach Einschätzung der Bahninitiative zentrale Versprechen der vergangenen Jahre gebrochen. Weder der angekündigte fernverkehrstaugliche Ausbau noch das zugesagte Betriebskonzept mit einem durchgehenden Halbstundentakt des Regionalexpress zwischen Chemnitz und Leipzig werden umgesetzt.
Die jetzt bekannt gewordenen Ausbaupläne sehen trotz vollständiger Elektrifizierung weiterhin lange eingleisige Streckenabschnitte vor. Von den rund 44 Kilometern im Nordabschnitt zwischen Leipzig und Geithain sollen lediglich 24 Kilometer zweigleisig ausgebaut werden. Fast die Hälfte der Strecke bleibt dauerhaft eingleisig.
Nur ein Stundentakt zwischen Leipzig und Chemnitz
„Trotz vollständiger Elektrifizierung bleiben die Ausbaupläne weit hinter den ursprünglich zugesagten Erwartungen und dem tatsächlichen Bedarf der Region zurück“, fasst Sebastian Drechsler, Sprecher der Bahninitiative Chemnitz, zusammen. Dabei kritisiert er auch das zugrunde liegende Betriebskonzept: „Statt des mehrfach versprochenen Halbstundentakts ist weiterhin lediglich ein Stundentakt mit einzelnen Verstärkerzügen in den Hauptverkehrszeiten vorgesehen. Ein Halbstundentakt entsteht damit lediglich in den frühen Morgenstunden sowie am späten Nachmittag.“
Für eine Verbindung zwischen Sachsens größter und drittgrößter Stadt, die bereits heute zu rund 140 Prozent ausgelastet ist, wird damit der tatsächliche Bedarf der Fahrgäste klar verfehlt.
„Die Öffentlichkeit und insbesondere die Fahrgäste wurden sowohl beim Infrastrukturausbau als auch beim versprochenen Halbstundentakt mit überlagerndem Fernverkehr im Zweistundentakt in die Irre geführt. Die angekündigten Verbesserungen werden in dieser Form nicht eintreten“, so Markus Haubold, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN Mitteldeutschland.
Noch schlimmer, so stellt er fest: Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung seien eine wesentliche Voraussetzung für eine potenzielle Anbindung an den Fernverkehr.
„Mit den vorgestellten, reduzierten Ausbauplänen hängt man Chemnitz auf Jahrzehnte bewusst vom Fernverkehr ab und bricht ein weiteres Versprechen. Denn bisher hieß es stets, dass die einzige realistische Chance auf eine Fernverkehrsanbindung im Ausbau dieser Strecke liege. Das ist der eigentliche Skandal. Vorgesehene einzelne Züge haben nichts mit einem attraktiven Fernverkehr zu tun und passt keinesfalls in das Konzept des Deutschlandtaktes.“
Ein anfälliges Betriebssystem
Besonders schwer wiegt jedoch ein weiterer Punkt: Nach Informationen, die der Bahninitiative Chemnitz vorliegen, kommt die Machbarkeitsstudie selbst zu dem Ergebnis, dass bereits das vorgesehene reduzierte Betriebskonzept mit Stundentakt und einzelnen Verstärkerzügen die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur im Nordabschnitt nahezu vollständig ausschöpft. Eine hohe Betriebsqualität sowie ein wirksamer Abbau von Verspätungen seien laut Machbarkeitsstudie nicht zu erwarten.
„Mit den in der Machbarkeitsstudie vorgesehenen Ausbauplänen wird selbst dieses reduzierte Betriebskonzept nicht dauerhaft zuverlässig umsetzbar sein“, ergänzt Sebastian Drechsler. „Damit bleibt die Störanfälligkeit der Infrastruktur bestehen.“
Katrin Hoffman, Geschäftsführerin des Industrieverein Sachsen 1828 e. V., macht daher deutlich: „Besonders enttäuschend ist, dass von einem ursprünglich angestrebten durchgehend zweigleisigen Ausbau Abstand genommen wird. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig Resilienz und Redundanz in kritischen Infrastrukturen sind. Ein weitgehend eingleisiger Betrieb begrenzt nicht nur zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten, sondern erhöht auch die Anfälligkeit gegenüber Störungen, Baustellen und steigenden Verkehrsströmen.“
In den positiven offiziellen Äußerungen würden diese Hinweise aus der Machbarkeitsstudie nicht erwähnt. Aus Sicht der Bahninitiative entsteht dadurch der Eindruck, dass kritische Erkenntnisse der Machbarkeitsstudie sowie die erheblichen Zweifel an einem stabilen Betrieb des Betriebskonzepts in der öffentlichen Kommunikation bewusst ausgelassen werden. Jetzt käme es darauf an, dass die Stadt Chemnitz, der Freistaat Sachsen und der Bund für Transparenz sorgen und die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie ernst nehmen und die Ausbauplanung entsprechend nachbessern.
An der falschen Stelle gespart
„Wir dürfen die Fehler vergangener Sparlösungen bei der Schieneninfrastruktur nicht wiederholen. Wer heute zu knapp baut, verbaut die Entwicklungsmöglichkeiten der nächsten Jahrzehnte. Gerade deshalb brauchen wir eine leistungsfähige und resiliente Infrastruktur“, erklärt Markus Haubold.
Abschließend macht Sebastian Drechsler deutlich: „Wer mit einer Sparvariante einen leistungsfähigen Bahnverkehr schaffen will, setzt auf Wunschdenken statt auf eine zukunftsfähige Verkehrspolitik.“
Anders als noch beim Bahngipfel im April zugesichert, wurden die Ergebnisse der Studie und die daraus abgeleiteten Ausbaupläne ausschließlich einem ausgewählten Teilnehmerkreis präsentiert. Interessenverbände wie der Industrieverein Sachsen 1828 e.V., die Bahninitiative Chemnitz und deren Mitglieder, die den Streckenausbau seit Jahren konstruktiv begleiten, wurden trotz entsprechender Zusagen bewusst außen vorgelassen.
„Es ist höchst kritisch zu betrachten, wenn bewusst Vertreter der Region ausgeschlossen und gegebene Zusagen nicht eingehalten werden. Ein solches Vorgehen kann durchaus als intransparent und zweifelhaft empfunden werden“, erklärt Sebastian Drechsler, Sprecher der Bahninitiative Chemnitz
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