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Es ist ein Trauerspiel um den Ausbau und die Elektrifizierung der Eisenbahn-Direktverbindung von Leipzig nach Chemnitz. Jahrelang haben Bahn, Bund und Freistaat den Ausbau vertrödelt. Jetzt ist er mitten hineingeraten in eine Zeit der radikalen Kürzungen. Und so meldete das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL) am Mittwoch, dem 17. Juni: „Der Ausbau des Nordabschnitts der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig ist im vorhandenen Finanzrahmen machbar. Das ist das zentrale Ergebnis der vom Freistaat Sachsen initiierten und durch die DB InfraGO AG beauftragten Machbarkeitsuntersuchung.“

Diese Machbarkeitsuntersuchung weise einen gleichermaßen leistungsfähigen wie finanzierbaren Weg aus – mit gezielt zweigleisigen Abschnitten dort, wo sie für Takt, Kapazität und Betriebsstabilität erforderlich sei.

Die Untersuchung war erforderlich geworden, nachdem eine Kostenindikation der DB InfraGO AG vom Februar 2026 für einen vollständig zweigleisigen Ausbau mit 1,32 Milliarden Euro deutlich über dem eingeräumten Finanzierungsrahmen lag. Vor diesem Hintergrund hatten sich die Beteiligten darauf verständigt, eine belastbare Prüfung für eine leistungsfähige und finanzierbare Lösung vorzunehmen.

20 Kilometer doch nur eingleisig

Konkret sieht die Untersuchung vor, rund 24 der insgesamt 44 Kilometer des Nordabschnitts zweigleisig auszubauen. Die Kosten dafür beziffert die Studie auf rund 531 Millionen Euro. Dieser Betrag umfasst neben den Bau- und Planungskosten auch die Nominalisierung über die Bauzeit sowie einen Risikopuffer in Höhe von 30 Prozent für unvorhergesehene Kosten, so das SMIL. Für den zweigleisigen Ausbau soll der vorhandene Finanzierungsweg über das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) genutzt werden.

Die Kosten für die Elektrifizierung der Strecke beziffert die Untersuchung auf rund 149 Millionen Euro. Auch dieser Betrag enthält neben Bau- und Planungskosten eine Nominalisierung über die Bauzeit sowie einen Risikopuffer in Höhe von 30 Prozent. Damit liegen die Gesamtkosten für den leistungsfähigen Ausbau einschließlich Elektrifizierung bei rund 680 Millionen Euro. Für die Finanzierung der Elektrifizierung soll eine Förderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) erschlossen werden.

Für die vollständige Finanzierung der Gesamtlösung befinde sich der Freistaat in intensiven Abstimmungsgesprächen mit dem Bund, dessen Mitwirkung hierfür erforderlich ist.

Im Stundentakt nach Chemnitz?

„Für ein Betriebskonzept, das die Akzeptanz der beiden Verkehrsträger ZVMS und ZVNL gefunden hat, und den hierfür mindestens notwendigen zweigleisigen Ausbau zwischen Leipzig und Geithain, liegt jetzt eine belastbare Grundlage auf dem Tisch“, erklärte Staatsministerin Regina Kraushaar am Mittwoch. „Für die Elektrifizierung haben wir ebenso einen Plan: Hier werden wir gezielt den Förderweg über das GVFG suchen.“

Für den Ausbau der Strecke innerhalb des vorhandenen Budgets soll das zweite Gleis gezielt auf den Abschnitten errichtet werden, auf denen sich Züge begegnen müssen und wo zusätzliche Infrastruktur für einen dichteren, stabileren Takt erforderlich ist. Auf den übrigen Abschnitten ist nach der Untersuchung für das zugrunde gelegte Betriebsprogramm ein zweites Gleis nicht zwingend erforderlich.

Auch mit dem angepassten Ausbauumfang werde der in der Studie zugrunde gelegte Halbstundentakt des RE 6 in den Hauptverkehrszeiten zwischen 6 und 8 sowie zwischen 15 und 18 Uhr erreicht. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Stundentakt vorgesehen.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung sollen nun in die weiteren Planungsschritte übernommen werden, so das SMIL. Der Freistaat Sachsen begleitet das Vorhaben über eine eigens dafür eingerichtete Stabsstelle für die technische Projektbegleitung auf der Ebene der Abteilungsleitung, die dem Staatssekretär regelmäßig berichtet. Parallel dazu wird die Planung des Südabschnitts weiter vorangetrieben. Valide Aussagen zu einer Zeitschiene seien aber erst nach Abschluss der Vorplanung möglich.

Grüne: Die Sparvariante ist eine verkehrspolitische Bankrotterklärung

Kritik an der vorgestellten Sparvariante gab es umgehend aus der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Sächsischen Landtag.

„Die vorgestellten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie bleiben deutlich hinter dem zurück, was die Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig braucht. 24 statt 44 Kilometer Zweigleisigkeit zementieren den Engpass“, erklärte am Mittwoch Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag. „Das ist kein Zukunftsausbau, sondern eine verkehrspolitische Bankrotterklärung. Die wichtige Schienenverbindung braucht mehr Kapazität, mehr Stabilität und eine echte Perspektive für Wachstum. Stattdessen wird der zweigleisige Ausbau zusammengestrichen und auf ein Mindestprogramm geplant: Halbstundentakt im Regionalverkehr nur in der Hauptverkehrszeit, ansonsten Stundentakt. Schon heute liegt die Auslastung bei 140 Prozent. Wer jetzt ohne Puffer baut, schreibt den Mangel von heute auf Jahrzehnte fort.“

Besonders bitter sei der Etikettenschwindel beim Fernverkehr, so Meier. „Statt eines verlässlichen Zwei-Stunden-Taktes droht Chemnitz nun mit gerade einmal drei Zügen pro Tag ein Schein-Fernverkehr. Das ist kein echter Anschluss für eine Großstadt und eine Region mit über einer Million Einwohnern, sondern ein Alibi-Angebot, das die berechtigten Erwartungen der Region komplett torpediert.“

Die Grünen fordern Sachsens Ministerpräsidenten deshalb auf, den Ausbau zur Chefsache zu machen und die nun vorgelegte Variante nicht als abschließende Lösung zu akzeptieren. Der Bund müsse sich an den Kostensteigerungen beteiligen. Zudem brauche es eine Verlängerungsmöglichkeit über das Jahr 2038 hinaus, damit wichtige Strukturwandel-Bahnprojekte nicht am Zeitdruck scheitern.

„Chemnitz braucht kein Schönreden, sondern eine leistungsfähige, elektrifizierte und verlässliche Schienenanbindung nach Leipzig“, betont Katja Meier. „Wenn der Bund Strukturwandel ernst meint, darf er Sachsen mit den gestiegenen Kosten nicht alleinlassen. Und die Staatsregierung darf sich nicht damit zufriedengeben, den Mangel möglichst billig zu verwalten. Ziel muss ein Ausbau sein, der den 30-Minuten-Takt stabil trägt, Reserven für zusätzliche Verkehre schafft und Chemnitz endlich eine echte Fernverkehrsperspektive eröffnet.“

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