Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um die eindrucksvolle Kirche in Müglenz der Gemeinde Lossatal bei Wurzen – und um Leipzigs Komponisten Richard Wagner.

Die evangelische Kirche zu Müglenz ist eine barocke Saalkirche im Ortsteil Müglenz der Gemeinde Lossatal bei Wurzen im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie ist mit ihrem hohen Kirchturm ortsbildprägend und gehört zur Kirchengemeinde Thallwitz-Lossatal im Kirchenbezirk Leipzig der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Geschichte und Architektur

Ein Vorgängerbauwerk der Kirche wurde im Jahr 1765 von einem Blitzschlag zerstört. Der Neubau erfolgte nach Plänen von J. G. Nacke aus Dahlen in den Jahren 1766–1774. Bemerkenswert ist das Rippengewölbe in gotischer Art, das zu dieser Zeit ausgeführt wurde.

Restaurierungen wurden im Jahr 1874 von Hugo Altendorff durchgeführt, wobei das Bauwerk neugotisch ausgestaltet wurde; weitere Restaurierungen erfolgten im Jahr 1911 (außen) und 1973–1989.

Kirche Müglenz. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354110
Kirche Müglenz. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354110

Das Bauwerk ist ein verputzter Bruchsteinbau mit konvexem Abschluss, gotisierenden Strebepfeilern und Korbbogenfenstern. An der Nordseite sind die Sakristei und die Herrschaftsloge angeordnet.

Der schlanke Westturm über quadratischem Grundriss und mit oktogonalem Obergeschoss ist ungewöhnlich hoch ausgeführt; er ist mit welscher Haube, Laterne, Kugel und Wetterfahne gekrönt.

Über dem Portal an der Westseite finden sich das Wappen der Familie von Bünau und eine Inschrift H.v.B. 1774.

Ausstattung

Das Innere ist von der neugotischen Ausstattung geprägt. Der Chor endet im Innern mit einem Fünf-Achtel-Schluss, das regelmäßige Gabelrippengewölbe in Saal und Chor ist mit gemaltem Laubwerk versehen und bezeichnet mit „J. G. Nacke Maurermeister in Dahlen/1768“.

Blick zu Empore und Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354116
Blick zu Empore und Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354116

Emporen sind an drei Seiten eingebaut. Die Sakristei schließt mit einem Kreuzgratgewölbe. Die Herrschaftsloge ist mit einem Korbbogen zum Chor geöffnet. Im Chor sind drei Farbglasfenster aus dem Jahr 1874 eingesetzt.

Vom Vorgängerbauwerk erhalten ist der Rest einer Kreuzigungsgruppe aus Holz aus den Anfangsjahren des 16. Jahrhunderts, die Christus und Maria zeigt, und ein vermutlich mittelalterlicher, flacher Taufstein aus Rochlitzer Porphyr.

Ein Grabdenkmal aus Sandstein erinnert an Heinrich von Bünau († 1711) und seine Gattin Rahel († 1729) mit zwei großen Inschriftkartuschen. Darüber und darunter sind Wappen derer von Werther, Bünau und Hessler angebracht.

Orgel

Die Orgel ist ein Werk von Emil Wiegand aus Witznitz bei Borna aus dem Jahr 1864. Wiegand erlernte sein Handwerk beim berühmten Orgelbauer Urban Kreutzbach in Borna. Das Instrument hat 13 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Wiegand-Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354119
Wiegand-Orgel. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354119

Geläut

Das Geläut besteht seit dem Jahr 1919 aus drei Glocken aus Gussstahl mit den Schlagtönen d´, f´ und as´, gefertigt wurden sie vom Bochumer Verein, der weit über Deutschland hinaus bekannt war für seine Stahlglocken.

Die vorherigen Glocken aus Bronze mussten im Ersten Weltkrieg als sogenannte Metallspende für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Seitenansicht. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354112
Seitenansicht. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354112

Samuel Wagner, Gottlob Friedrich Wagner – und eine Großspende

Am einstigen Kantorenhaus direkt vor der Kirche erinnert eine Gedenktafel an Gottlob Friedrich Wagner, den Großvater von Richard Wagner – sie wurde anlässlich der Richard-Wagner-Ehrung in der DDR im Jahr 1963 angebracht und hat folgenden Text: „Hier wurde Gottlob Friedrich Wagner, der Großvater des großen Tondichters Richard Wagner, am 18.2.1736 geboren“.

Im Oktober 2001 erhielt die Kirche Müglenz eine Großspende von Opernregisseur Wolfgang Wagner und den Mitwirkenden eines Benefiz-Konzerts der Bayreuther Festspiele 2001 in Höhe von 200.000 D-Mark, die zur Orgel- und Kirchenfenstersanierung verwendet wurde.

Kanzelaltar und Taufstein. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354115
Kanzelaltar und Taufstein. Ghostwriter123, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195354115

Anlass dafür war, dass das Gotteshaus die Wirkungsstätte des Kantors, Organisten und Schulmeisters Samuel Wagner (1703–1750), des Urgroßvaters von Richard Wagner, war und dass das benachbarte Kantorenhaus das Geburtshaus von Gottlob Friedrich Wagner (* 18. Februar 1736), dem Großvater von Richard Wagner, gewesen ist. Müglenz gilt daher als ein „Wagner-Ort in Mitteldeutschland“.

Jüngere Vergangenheit

Anfang Mai 2024 gab es in der Kirche Müglenz ein Benefizkonzert zugunsten des Kinderhospizes Bärenherz Leipzig. Die Sopranistin der „Staatsoper unter den Linden“ Berlin, Maria Prudenskaya, konzertierte mit dem Pianisten Andrey Diakov in der Veranstaltungsreihe „Klangraum Kirche“. Der Erlös zugunsten des Hospizes betrug 1.620,50 Euro.

Koordinaten: 51° 24′ 9,6″ N, 12° 50′ 4″ O

Die Kirche Müglenz auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_M%C3%BCglenz

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