This article is also available in English: Read this article in English.

Immer wieder Ärger ums Geld. Gemeinsam mit allen anderen bundesdeutschen Kommunen macht auch Leipzig nun der Bunderegierung Feuer unterm Hintern. Und auch beim Ausbau der Bahnstrecke zwischen Leipzig und Chemnitz reichen die Taler nur für ein Sparprogramm, was für Empörung bei den Grünen sorgt. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Auf diese Frage fanden auch zwei Räuber in Grünau keine Antwort. Nun werden sie mit Personenbeschreibung polizeilich gesucht. Die LZ fasst zusammen, was am Mittwoch, dem 17. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.

Stadt Leipzig hat die Faxen dicke

Die Kommunen gehen finanziell am Stock. Das ist auch in Leipzig nicht anders. Aus diesem Grund soll eine bundesweiten Kampagne der Städte und Gemeinden die Bundesregierung endlich wachrütteln. Allein in Leipzig habe sich der Zuschussbedarf für soziale Leistungen seit 2020 um 256 auf insgesamt 634 Millionen Euro erhöht, teilte die Stadtverwaltung mit. Während die Leipziger im Jahr 2020 immerhin noch einen Haushaltsüberschuss von 50 Millionen Euro netto erzielen konnten, weist die Stadt für das Jahr 2025 inzwischen ein Defizit von 279 Millionen Euro aus.

„Die Kommunen in Deutschland stehen mit mehr als 30 Milliarden Euro in der Kreide“, wird Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zitiert. „Wir sind zuständig für ein Viertel der öffentlichen Ausgaben in Deutschland, bekommen aber nur ein Siebtel der Steuereinnahmen – das kann nicht funktionieren. Aber ich befürchte, dass die desaströse Lage der Städte in Berlin immer noch nicht angekommen ist. Deshalb braucht es diesen Aktionstag – deutschlandweit: Die Gefahr ist real, die Städte stehen vor der Pleite!“

„Diese Situation kann nicht so bleiben! Wer bestellt, muss bezahlen – oder abbestellen!“, fasst es Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) zusammen. Gefordert wird eine deutlich breitere Finanzierungsbasis, was beispielsweise über eine höhere Beteiligung an der Umsatzsteuer realisiert werden könnte. Zudem werden Bürokratieabbau und Entlastungen bei Vorschriften ebenso angemahnt wie mehr Handlungsspielraum vor Ort.

Am kommenden Aktions-Montag wird daher in zahlreichen Leipziger Behörden mit Plakaten und Flyern darauf hingewiesen, dass die Stadt angesichts der aus dem Ruder laufenden Sozialkosten auf der einen und einbrechenden Steuereinnahmen auf der anderen Seite finanziell mit dem Rücken zur Wand steht.

Gemischte Gefühle zur Ausbaustrecke Chemnitz-Leipzig

Der Freistaat Sachsen hat es prüfen lassen: Es geht. Mit Abstrichen natürlich. Gemeint ist der Ausbau des Nordabschnitts der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig. Dieser sollte eigentlich über seine kompletten 44 Kilometer zweigleisig ausgebaut werden. Das allerdings hätte schlanke 1,32 Milliarden Euro gekostet. Soviel Geld liegt dafür aber nicht im Sachsen-Säckel. Daher wurde eine Machbarkeitsuntersuchung in Auftrag gegeben, um herauszufinden, was mit dem vorhandenen Zaster tatsächlich realisiert werden könnte.

Die überraschende Antwort: weitaus weniger! Für den Preis von machbaren 531 Million Euro sind nun nur noch 24 zweigleisige Kilometer drin. Hinzu kommen weitere rund 149 Millionen Euro für die gesamte Elektrifizierung der Strecke. „Der Freistaat Sachsen hat seine Hausaufgaben gemacht: Wir haben mit unseren Partnern intensiv erörtert, wie eine Lösung aussehen könnte, wir haben diese Lösung prüfen lassen, und wir haben einen tragfähigen Weg gefunden, auch im Hinblick auf die Finanzierung“, jubiliert Infrastruktur-Staatsministerin Regina Kraushaar (CDU).

Auch Chemnitz-OBM Sven Schulze (SPD) zeigt sich erleichtert: „Wir sind endlich auf dem Weg. Mit der Machbarkeitsstudie haben wir eine belastbare Grundlage, um die Bahnanbindung zwischen Chemnitz und Leipzig nachhaltig zu verbessern. Auch wenn nicht alle Träume und Wünsche erfüllt werden können, sind der zweigleisige Ausbau an den sinnvollen Stellen, die Elektrifizierung und die Erhöhung des Taktes zentrale Bausteine. Mir war wichtig, dass wir Lösungen finden, die in absehbarer Zeit für die Bahnnutzer spürbare Verbesserungen schaffen.“

So gar nicht happy sind hingegen die sächsischen Bündnisgrünen. „Das ist kein Zukunftsausbau, sondern eine verkehrspolitische Bankrotterklärung“, kritisiert deren verkehrspolitische Sprecherin Katja Meier. Die wichtige Schienenverbindung braucht mehr Kapazität, mehr Stabilität und eine echte Perspektive für Wachstum. Stattdessen wird der zweigleisige Ausbau zusammengestrichen und auf ein Mindestprogramm geplant: Halbstundentakt im Regionalverkehr nur in der Hauptverkehrszeit, ansonsten Stundentakt. Schon heute liegt die Auslastung bei 140 Prozent. Wer jetzt ohne Puffer baut, schreibt den Mangel von heute auf Jahrzehnte fort“, ist Meier bedient. Sie fordert Ministerpräsident Kretschmer (CDU) auf, den Ausbau zur Chefsache zu machen.

Täterbeschreibung vom Grünau-Raub

Haben Sie kürzlich einen jungen Mann mit abstehenden Ohren gesehen, der pfeifend zu Fuß ging? Vorsicht, dabei könnte es sich um einen der beiden Täter handeln, die am 6. Juni in Leipzig-Grünau eine Frau beraubten. Die Polizeidirektion Leipzig hat heute eine detaillierte Beschreibung der Täter veröffentlicht und bittet erneut um Hinweise aus der Bevölkerung.

Damals hatte eine 34-Jährige kurz vor Mitternacht auf einer Parkbank in der Straße An der Kotsche – gegenüber der Hausnummer 53 – gesessen. Zwei Männer waren dann auf sie zugekommen. Einer versuchte, ihr die Handtasche zu entreißen, während sie der andere anschließend so stark am Unterarm verletzte, dass die Frau in einem Krankenhaus behandelt werden musste.

Beide seien schätzungsweise um die 30 Jahre alt gewesen und von gepflegter Erscheinung. Der große Dürre von ihnen habe sogar nach Parfüm gerochen. Welche Merkmale darüber hinaus an den beiden Räubern beobachtet worden waren, hat gibt die Polizei unter diesem Link bekannt.

Worüber die LZ heute berichtet hat:

Leipziger Ökofete 2026: Beliebte Umweltmesse mit kritischen Tönen

Verkauf des Capa-Wäldchens: Linksfraktion könnte zustimmen – unter zwei Bedingungen

Prozess um betrügerisches Cybertrading: Anklage geht von 40 Millionen Euro Schaden aus

Es ist der reinste Kindergarten: Zoo freut sich über seltenen Nachwuchs

Wenn das Telefon schweigt: Kann KI bei Einsamkeit im Alter helfen? Gespräch mit Colin Grahm von CareVoice

Hallo Leipzig: So startet Mittwoch, der 17. Juni 2026

Berlin–Linda–Berlin: Wie Franziska Mascheck aus dem Landkreis Leipzig in den Bundestag kam

Dschingis Khan: Wie ein gefürchteter Mongolenfürst auch Europas Geschichte veränderte

Sächsische Landesverfassung jetzt auch in Leichter Sprache

Was heute sonst noch wichtig war:

Im Rahmen des Deutsch-Polnischen Forums hat die Bundesregierung mehrere während der NS-Besatzung geraubte Kulturgüter an Polen zurückgegeben. Darunter befinden sich beispielsweise ein Goldring mit Diamant aus dem 16. Jahrhundert oder auch eine mittelalterliche Handschrift auf Pergament, die aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Das EU-Parlament hat lockerere Regelungen für den Einsatz von Gentechnik beschlossen. Damit dürfen Produkte aus bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen nun ohne besondere Kennzeichnung verkauft werden.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat heute entschieden, dass die AfD in Bayern weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet werden darf. Die Partei wollte das gerichtlich untersagen lassen. Das Gericht sieht jedoch tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der AfD.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Jan Kaefer über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar