Ein ins Wasser geworfener Geschäftsführer, ein Ministerpräsident mit glühender Leipzig-Liebe und Kritik von Umweltschützern – der neue Stadthafen ist seit heute offiziell eröffnet. Flitzen für strahlende Kinderaugen! In der kommenden Woche findet der 10. Beneflitz statt, bei dem durch Spendengelder Projekte für junge Menschen ermöglicht werden sollen. Ein paar Kita-Kids testeten heute schon mal die Strecke im Clara-Park. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 5. Juni 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Leipzig ist jetzt Hafenstadt
Den Umgang mit Wasser ist Jan Benzien ja durchaus gewohnt. Als ehemaliger Welt- und Europameister im Kanu-Slalom weiß er im kühlen Nass mit heiklen Situationen umzugehen. Das dürfte dem 43-jährigen Stadthafen-Geschäftsführer heute zugute gekommen sein, als er zur Feier des Eröffnungstages kurzerhand und rustikal ins Hafenbecken geschleudert wurde. Auf gutes Gelingen, sozusagen.
Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des nagelneuen Stadthafens war ein mittelschweres Promi-Beben aus Politik, Sport und Stadtgesellschaft. Darunter auch die Kandidat/-innen für den demnächst neu zu besetzenden Oberbürgermeister-Posten: Dirk Panter (SPD), Skadi Jennicke (Die Linke), Michael Weickert (CDU) – und Dirk Thärichen ja sowieso. „Star-Gast“ des Tages war jedoch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der in seiner Ansprache fast den Eindruck hinterließ, er würde selbst gern Leipzig-OBM werden wollen.

Sein Satz: „Leipzig ist die größte, coolste und wichtigste Stadt in ganz Ostdeutschland!“, ließ aufhorchen und sorgte für überraschtes Gemurmel im Auditorium. Leipzigs Hang zu einem gewissen „Größenwahn“ hat es ihm sichtlich angetan. Zum Stadthafen sagte Kretschmer: „Er stärkt die touristische Entwicklung, schafft Impulse für die Wirtschaft und macht Leipzig als lebenswerte und moderne Stadt am Wasser weiter bekannt. Von diesem Projekt profitieren die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die gesamte Region und der Freistaat Sachsen. So geht Sächsisch!“
Fast 16 Millionen Euro hat die Stadt Leipzig in dieses Vorzeigeprojekt auf 13.800 Quadratmetern investiert – ursprünglich sollte es eigentlich nur die Hälfte kosten. Das 4.000 Quadratmeter große Hafenbecken bietet 49 Liegeplätze: neun für Mehrpersonenschiffe und 40 für kleinere Sport- und Familienboote. Anlegeplätze für Paddelboote sind zudem ebenso vorhanden wie auch 90 Fahrradabstellplätze. Gastronomie ist vorhanden, ein Kanu-Haus und zwei kleinere Bootshäuser. Zahlreiche Bepflanzungen und Sitzmöglichkeiten sollen den Aufenthalt angenehm machen.
Kritische Stimmen zum neuen Stadthafen kommen jedoch vom Ökolöwe Leipzig. „Die Gewässer Pleiße und Elster im Auwald sind an Sommertagen bereits ohne zusätzlichen Bootsbetrieb überfüllt. Motorboote, hohe Besucherzahlen und intensive Ufernutzung schaden Brut- und Rückzugsgebieten von Vögeln, wie dem Eisvogel, und zerstören Lebensräume sensibler Tierarten wie dem Biber. Trittschäden und Müll verschlechtern Wasserqualität und Ufervegetation zusätzlich“, sorgt sich der Umweltbund. Er fordert die Stadt dazu auf, „der Auwaldrettung Vorrang zu geben und touristische Pläne daran anzupassen“.
Vorfreude auf Beneflitz und strahlende Kinderaugen
Am Start waren sie kaum zu bremsen. Voller Elan flitzten heute einige Kinder der Johanniter-Kita „Tillj“ schon einmal eine Proberunde durch den Clara-Zetkin-Park. Zum 10. Jubiläum des Leipziger Beneflitz am 13. Juni sind sie dann mit ihren selbst gestalteten Lauf-Shirts wieder mit dabei. Bei dem traditionellen Spendenlauf wollen sie für ihre Kita einige zusätzliche Euro zusammenbringen. Damit, so erklären die Leiterinnen Kathrin Langnäse und Steffi Eiche, sollen die Lern- und Erlebniswelten in ihren Räumlichkeiten – zum Beispiel der Experimentierraum – noch besser ausgestattet werden.
Damit das gelingt, sind – wie bei allen Teilnehmenden des Laufes – im Vorfeld Unterstützer/-innen zu finden, die für jede der absolvierten 500-Meter-Runden einen kleinen finanziellen Obulus beisteuern. Damit werden dann die großen und kleinen Kinderträume erfüllt. Bei den „Tillj“-Kids klingelten im vergangenen Jahr immerhin 960 Euro in der Spendenkasse. Davon wurden mehrere thematische Bücher-Beutel für eine Rucksackbibliothek angeschafft.

Als langjähriger Unterstützer und jetziger Schirmherr des Beneflitz hat sich der ehemalige Kanu-Weltmeister Stefan Holz gleich einmal 50 Runden auf die To-Do-Liste geschrieben. Mit den Spenden-Einnahmen möchte er Drachenboot-Camps finanziell ermöglichen, die er zweimal im Jahr für Jugendliche zusammen mit Streetworkern initiiert. „Wir können die Welt im Großen nicht verändern, aber für die Kinder bei uns in Leipzig, die es wirklich brauchen, können wir etwas bewegen“, beschreibt er die Motivation für sein Engagement.
Ähnlich sieht das die MDR-Moderatorin Kamilla Senjo, ebenfalls Schirmherrin und langjährige Unterstützerin dieses Projekts. „Es geht um die Zukunft, es geht um die Kleinsten. Jedes Kind dieser Welt verdient jede Chance dieser Welt. Deshalb versuchen wir bei den Kindern, die nicht auf der Sonnenseite geboren wurden, etwas nachzuhelfen. Wenn ich das Strahlen in den Gesichtern der Kinder sehe, die zum Beispiel aus einem Feriencamp zurückkommen, dann ist das für mich das größte Glück.“
Der Beneflitz wird gemeinsam von der Leipziger Kinderstiftung und der Johanniter-Unfall-Hilfe veranstaltet. Der Startschuss fällt am Samstag, dem 13. Juni um 10 Uhr am BSV AOK im Clara-Zetkin-Park. Lars Biederbeck aus dem Johanniter-Regionalvorstand bittet potenziell Teilnehmende darum, die Möglichkeit zu nutzen, sich vorab über www.leipziger-beneflitz.de anzumelden. Rund 100 Menschen haben das bisher schon gemacht. Im vergangenen Jahr waren es am Ende 350 Läuferinnen und Läufer. „Wir freuen uns, wenn es diesmal vielleicht noch mehr werden“, so Biederbeck.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
Heimsieg in Leipzig: Rasenballerin Landenberger trifft für die deutsche U23 gegen Dänemark
MACHN2026 in Leipzig: Robert Habeck on Stage
Hallo Leipzig: So startet Freitag, der 5. Juni 2026
Andere nennen es Urlaub: Eine Italien-Fahrt mit völlig unerwartetem Ende
Was heute sonst noch wichtig war:
Der sächsische Kultusminister Conrad Clemens (CDU) vor dem Amtsgericht Weißwasser als Temposünder verantworten. Er war vor drei Jahren in Krauschwitz in einer 30er-Zone mit 81 Stundenkilometern geblitzt worden. Zudem geht es um den Vorwurf des Kennzeichenmissbrauchs. Clemens muss persönlich vor Gericht erscheinen.
Im ersten Quartal 2026 ist die Wirtschaft im Euroraum überraschend geschrumpft. Das teilte das Statistikamt Eurostat mit. Demnach verlor das Bruttoinlandsprodukt 0,2 Prozent. Vor allem die Wirtschafts-Zahlen aus Irland machten sich dabei bemerkbar.
Einer der Männer, die im Januar 2021 das Kapitol in Washington gestürmt haben, und dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, ist unter US-Präsident Trump inzwischen in sensibler Position beim US-Verteidigungsministerium angestellt.
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