Die Frage trieb die Linksfraktion schon länger um. Wie wirkt sich eigentlich das immer höhere Preisniveau im Wohnungsbau auf die künftigen Mieten auch im sozialen Wohnungsbau aus? Von den ursprünglichen 5 Euro je Quadratmeter musste sich Leipzig schon lange verabschieden. Als die Stadt ankündigte, dass selbst die geförderten Wohnungen nicht unter 6,50 Euro je Quadratmeter vermietet werden können, war der Schreck groß. Aber selbst das ist inzwischen überholt, wie das Baudezernat jetzt der Linksfraktion vorrechnet.

„Es wurde bereits mehrfach seitens der Stadtverwaltung geäußert, dass die Fachförderrichtlinie (FFR) ‚Anfangsmiete‘ im kommenden Doppelhaushalt nicht mehr eingeplant werden könne, da es sich nicht um eine Pflichtaufgabe handelt. Mit dieser FFR wurde bisher durch die Stadt Leipzig ermöglicht, dass Sozialwohnungen mit einer ‚Anfangsmiete‘ von 6,50€ vergeben werden können. In 2025 konnten die Mittel aufgrund des noch nicht genehmigten Haushaltes ebenfalls nicht genutzt werden“, stellte die Linksfraktion in ihrer Anfrage fest.

Und diese Mittel-Stornierung hat jetzt schon drastische Folgen, wie das Planungsdezernat in seiner Antwort vorrechnet.

„Ab Programmjahr 2025 standen keine kommunalen Ergänzungsförderungen für die FRL gMW mehr zur Verfügung. Wohnungen, für die im Programmjahr 2025 Förderverträge geschlossen worden sind bzw. noch werden, haben im Neubau im 1. Förderweg – abhängig vom Jahr der Fertigstellung – eine Anfangsmiete zwischen 7,48 €/m² und 7,71 €/m² Wohnfläche“, so das Planungsdezernat.

Haushalte im KdU-Segment sind die Gelackmeierten

Zahlen, die verständlicher werden, wenn man weiß, dass die Angebotsmieten in Leipzig seit 2022 um etwa 25 Prozent stiegen, von etwa acht auf zehn Euro / Quadratmeter. Die Bestandsmieten lagen 2025 bei einem Median von 7,32 Euro / Quadratmeter, während neu inserierte Wohnungen im Mittel zehn Euro / Quadratmeter kosteten. Bei Mieten im jüngeren Neubau (ab 2015) muss man mittlerweile mit Angebotsmieten zwische 10 und 16 Euro je Quadratmeter rechnen.

Und genau dieses Bausegment betrifft eben auch den geförderten Wohnungsbau. Je höher die Baukosten und damit die kalkulierten Mieten sind, umso weniger dämpft die staatliche Förderung den künftigen Mietpreis.

Und das Planungsdezernat sagt deutlich, was das für Folgen hat: „Die Schaffung von Wohnraum im KdU-Segment im Neubau ist ohne Ergänzungsförderung nahezu nicht mehr möglich. Die künftig höheren Anfangsmieten geförderter Wohnungen richten sich daher zunehmend an Schwellenhaushalte und andere Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen, während Haushalte im KdU-Segment von diesen Angeboten nur noch eingeschränkt profitieren können.

Entwicklung der Angebotsmieten in Leipzig. Grafik:; Stadt Leipzig / Amt für Statistik und Wahlen
Entwicklung der Angebotsmieten in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig / Amt für Statistik und Wahlen

Allerdings wird es auch noch Wohnungen mit einer Anfangsmiete von 6,50 €/m² Wohnfläche geben, die mit Mitteln aus ‚alten‘ Programmjahren gefördert worden sind und sich derzeit noch im Bau befinden.

Die kommunale Ergänzungsförderung war nur für Wohnungen im 1. Förderweg vorgesehen, nicht für eine Förderung im 2. Förderweg, sodass der Wegfall hier keine Auswirkungen hat. Die Anfangsmieten liegen für die Wohnungen, für die im Programmjahr 2025 Förderverträge geschlossen worden sind, zwischen 8,58 €/m² und 9,11 €/m² Wohnfläche.

In der Sanierung beträgt die zukünftige Anfangsmiete zwischen 6,50 €/m² und 6,90 €/m² Wohnfläche. Hier kann Wohnraum im KdU-Segment geschaffen werden. Die Anzahl der geförderten Wohnungen ist in dem Segment aber deutlich geringer.“

Für KdU-Werte braucht es mehr Förderung

Eine leichte Anpassung in den Fördersätzen, die auf die gestiegenen Baukosten reagierte, gab es schon, teilt das Planungsdezernat mit:

„Im Rahmen von Anpassungen der Förderrichtlinie gebundener Mietwohnraum (FRL gMW) des Freistaats Sachsen wurde in dem Jahr 2024 der Anteil des geförderten Zuschusses der Anfangsmiete von ursprünglich 35 % auf 45 % pro m² erhöht. Dieser Schritt war eine Reaktion auf die in den Städten Leipzig und Dresden stark angestiegenen Angebotsmieten, die als Referenzrahmen für die Förderhöhe dienen. Ohne diese Anpassung wäre die Differenz zwischen den angemessenen Mieten der Kosten der Unterkunft (KdU) und den Anfangsmieten des Förderprogramms bereits viel größer.“

Aber wenn die verfügbaren Fördergelder nicht mehr werden, hat das eine klare Konsequenz, so das Planungsdezernat: „Bei einer weiteren Erhöhung der Fördersätze pro m² Wohnfläche könnte eine Anfangsmiete innerhalb der KdU-Angemessenheitsgrenzen erreicht werden. Allerdings würde dadurch bei gleichbleibender Bewilligungssumme immer weniger Wohnraum gefördert werden können.“

Eigene Förderung trotz engem Haushalt

Das heißt: Mieten im Bereich von 6,50 Euro je Quadratmeter sind praktisch nur noch im Bereich der Sanierungen im Wohnungsbestand zu erreichen. Und dafür gibt Leipzig – zusätzlich zu den von Bund und Land zur Verfügung gestellten Fördermitteln – selbst noch zusätzlich Geld aus:

„Für die Aktivierung leer stehender Bestandswohnungen stattet die Stadt Leipzig trotz der schwierigen Haushaltslage das kommunale Förderprogramm mit Mitteln aus, um weiterhin KdU-Wohnungen anbieten zu können. Die Mieten der so gefördert reaktivierten Wohnungen liegen während der gesamten Bindungsdauer von 15 Jahren im Bereich der Kosten der Unterkunft. Hierfür wurden für das Jahr 2026 Mittel in Höhe von rund 1,3 Mio. € bereitgestellt. Damit werden 57 Wohnungen im KdU-Bereich dem Wohnungsmarkt wieder zugeführt.“

Für Betroffene, die dringend eine – noch bezahlbare – Wohnung suchen, wird es also noch enger auf dem Leipziger Wohnungsmarkt. Es entstehen zwar einige hundert Neubauwohnungen mit der Förderung von Bund und Land. Aber die dann rechnerisch anfallenden prognostizierten Mietkosten von 7,34 €/m² bis 7,78 €/m² sprengen den Rahmen für die Kosten der Unterkunft in Leipzig völlig. Und damit wohl erst recht auch das karge Budget der Menschen, die eine geförderte Wohnung suchen.

Das Thema wird noch für heftige Diskussionen sorgen, denn ein geförderter Wohnungsbau, der trotzdem für die betroffenen Haushalte zu teuer ist, hilft am Ende gar nicht mehr, die Wohnungsmarktlage in Leipzig irgendwie zu entspannen.

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