Der Druck auf den Wohnungsmarkt in Sachsen wächst: Die Mieten steigen. Bezahlbare Wohnungen sind immer schwerer zu finden. Darunter leiden nicht nur diejenigen, die nach einer solchen Wohnung suchen. Darunter leiden erst recht jene, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können und denen dann die Wohnung gekündigt wird. Auch 2025 wurden in Sachsen wieder 2.115 Wohnungen zwangsgeräumt.

Insgesamt hatte es 2.628 Räumungsaufträge gegeben. Das zeigt die Antwort auf die jährliche Anfrage der wohnungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Juliane Nagel, zu diesem Thema (Drucksache 8/6454). Damit ist die Zahl der Zwangsräumungen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – 2024 hatte es einen negativen Spitzenwert von 2.704 Zwangsräumungen gegeben.

„Der Rückgang ist erfreulich, doch von einer Trendwende können wir noch nicht ausgehen“, stellt Juliane Nagel dazu fest.

„Statistisch gesehen wurden 2025 in Sachsen täglich fast sechs Wohnungen geräumt, mit 618 die meisten im Amtsgerichtsbezirk Leipzig. Jede Wohnungszwangsräumung ist eine zu viel! Meist führen Mietschulden zu dieser letzten Konsequenz, schon ein Mietrückstand von zwei Monaten kann zur Kündigung führen. Die Betroffenen werden dann wohnungslos, viele landen auf der Straße.“

Dazu gehört dann gleich noch eine andere Zahl: Zum Stichtag 31. Januar 2025 hatte das Statistische Bundesamt 6.885 wohnungslose Menschen in Sachsen gezählt, eine massive Steigerung im Vergleich zu 2024 mit 4.535.

„Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, denn viele Betroffene sind verdeckt wohnungslos“, kommentiert das Juliane Nagel. „Sie kommen vorübergehend bei Bekannten unter oder meiden Hilfsangebote. Die Linksfraktion fordert eine Landesstrategie gegen Wohnungslosigkeit (Drucksache 8/5941).

Dazu gehört auch bessere Prävention: Wer die Wohnung verloren hat, findet insbesondere in den Ballungsräumen kaum neuen bezahlbaren Wohnraum – zumal die Betroffenen meist verschuldet sind. Wir fordern einen besseren Mieterschutz, mehr Engagement beim Bau von Sozialwohnungen sowie die konzertierte Unterstützung der Kommunen, um Wohnungsverlust zu verhindern.“

Insbesondere müssten besonders verletzliche Gruppen geschützt werden.

„Dazu gehören auch junge Menschen, die aufgrund ihrer oft noch schlechten finanziellen Lage vermehrt von Wohnungslosigkeit bedroht sind“, geht Nagel auf ein besonderes Problem ein. „In den sächsischen Kommunen gibt es durchaus gute Beispiele wie den Ansatz ,Housing first‘ in Leipzig.

Darüber können Wohnungslose Zugang zu Wohnraum finden, und sich auf dieser Grundlage sozial zu stabilisieren. Mit dem Programm ,Jugendwohnen‘ werden junge Menschen im Übergang zur Volljährigkeit gezielt mit eigenen Wohnraum versorgt. Wir fordern die Staatsregierung auf, wirksam gegen Wohnungslosigkeit und Zwangsräumungen vorzugehen.“

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