Eine Stadtverwaltung sieht gern ganz mütterlich auf die Bewohner der Stadt: Sind sie zufrieden mit der städtischen Fürsorge? Fühlen sie sich wohl? Und so stellte das Amt für Statistik und Wahlen am Montag, dem 20. April, auch die Sache mit dem Wohlfühlen in den Vordergrund, als es den Kurzbericht zur „Kommunalen Bürgerumfrage 2025“ vorstellte. Rund drei Viertel der Leipzigerinnen und Leipziger sind demnach mit ihrem Leben zufrieden und emotional mit ihrer Stadt verbunden.

Dies geht aus der Kommunalen Bürgerumfrage „Leben in Leipzig 2025“ hervor, die in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters vorgestellt wurde. Themen waren auch die Einkommensverteilung, das Wohnen in Leipzig sowie der soziale Zusammenhalt.

72 Prozent sind mit ihrem Leben (sehr) zufrieden, 56 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft, stellt das Amt für Statistik und Wahlen fest. Aber das hat eine Vorgeschichte. Denn 2019 lagen diese Werte noch bei 80 und 66 Prozent. Das war in gewisser Weise der Gipfel der Zufriedenheit, den die Leipziger nach langen Jahren des Aufschwungs endlich erreicht hatten. Alles schien in Ordnung, die Zukunft sah gut gepolstert aus. Alle Krisen schienen weit weg.

Und dann kam bekanntlich die Corona-Pandemie, die nicht nur die Wirtschaft erschütterte, sondern auch die Zuversicht vieler Leipziger. Nicht aller. Das ist eigentlich das Bemerkenswerte dabei. Denn 2022 erreichte die abgefragte Lebenszufriedenheit ihren Tiefpunkt bei 70 Prozent. Da steckte schon der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mit drin. Dafür hatte sich das Leben nach Corona wieder weitgehend normalisiert.

Wie das Wohnen zur Sorge Nr. 1 wurde

Nur eins trübte jetzt die Stimmung weiter – so richtig positive Signale aus der Wirtschaft gab es nicht. Aber obwohl die Arbeitslosigkeit anstieg, wurde ein völlig anderes Thema zur größten Herausforderung, nicht nur für die jungen Leipziger, sondern auch für Eltern: das Wohnen. Dieses Problemfeld hat längst alle anderen in der Stadt weit hinter sich gelassen.

Wer sich erinnert: In den 2010er Jahren dominierte das Thema Sicherheit, angefeuert von diversen Medien, die Leipzig geradezu zum bundesdeutschen Kriminalitäts-Hotspot hochschrieben. Was damals schon nicht stimmte und auch heute nicht zutrifft. Aber es hängt nun einmal mit der Leserklientel dieser Medien zusammen: der überalterten Leserschaft jenseits der 65, die auch im Jahr 2025 immernoch der Meinung ist, Sicherheit sei das größte Problem in Leipzig. Das äußerten nämlich 2025 weiterhin 63 Prozent der über 65-Jährigen.

Die größten Herausaforderungen aus Sicht der Leipziger Senioren. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025
Die größten Herausforderungen aus Sicht der Leipziger Senioren. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025

Der Durchschnitt in der Befragung lag aber nur bei 40 Prozent. Und das hat nicht nur mit dem Sicherheitsempfinden der Alten zu tun, sondern eben auch mit den Medien, die sie konsumieren. Wer verschreckt daheim auf dem Sofa sitzt, sieht die Welt natürlich in dunkleren Farben.

Die jüngeren Leipziger sehen hingegen nur zu 26 Prozent in Kriminalität und Sicherheit die größte Herausforderung der Stadt. Hier wird besonders deutlich, dass die Sicht auf die Stadtprobleme aufs Engste mit der eigenen Lebenssituation verflochten ist. Die 18- bis 25-Jährigen fanden jedenfalls zu 69 Prozent, dass Wohnen das größte Problem in der Stadt darstellt. Sie sind es nämlich, die auf einmal mit einem eng gewordenen und viel zu teuren Wohnungsmarkt konfrontiert sind.

Die Herausforderungen in Leipzig aus Sicht der 18- bis 25jährigen. Grafik:; Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025
Die Herausforderungen in Leipzig aus Sicht der 18- bis 25-Jährigen. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025

Und auch bei den befragten Eltern rangiert das Problemfeld Wohnen mit 60 Prozent an der Spitze aller Herausforderungen. Logischerweise gleich gefolgt von Kitas und Schulen mit 43 Prozent. Und wer die Befragungsergebnisse der jungen Erwachsenen genauer anschaut, sieht auch, dass sie das Thema Armut und Einkommen mit 42 Prozent etwas höher einordnen als die Älteren.

Sie sind ja oft mit niedrigen Einstiegsgehältern konfrontiert, während sie gleichzeitig keine bezahlbare Wohnung finden und damit das Gründen einer Familie regelrecht schwer gemacht wird.

Die Sicht der befragten Eltern auf die Probleme der Stadt. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025
Die Sicht der befragten Eltern auf die Probleme der Stadt. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025

Aber die jungen Leute sehen auch deutlicher als die Älteren das Thema Umwelt als Problem, auch wenn es in der Tabelle nur mit 15 Prozent auftaucht, was aber deutlich höher ist als der Befragungsdurchschnitt von 9 Prozent.

Dass das so ist, hat natürlich mit der Befragungsmethode zu tun, denn die Befragten konnten aus einer vorgegebenen Liste nur drei Themen ankreuzen. Da ist natürlich aus Sicht der Jungen das Thema Wohnen noch viel drängender, gefolgt von Armut und Einkommen und dem Verkehr in der Stadt. Der ja bekanntlich ein vielschichtiges Thema ist. Aber das wird dann erst die Komplettauswertung der „Bürgerumfrage 2025“ genauer zeigen.

Das Thema Einkommen hat die Kurzauswertung auch schon beleuchtet. Dazu kommen wir im nächsten Beitrag.

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