Die Debatten im Leipziger Stadtrat, wenn es um Mobilität geht, entzünden sich in der Regel an der Frage, wie der Verkehrsraum aufgeteilt wird. Wer bekommt wie viel Platz auf der Straße? Wer muss etwas abgeben? Oder sind alle mit den teilweise chaotischen Zuständen der Gegenwart zufrieden? Auch das wurde in der Bürgerumfrage 2024 abgefragt. Und manche Antworten überraschten dann auch die Autoren des Berichts zur Bürgerumfrage. Eine ganze Menge Leipziger halten Stau tatsächlich für etwas ganz Normales. (Warum regen sie sich dann aber darüber so auf?)

„Werden schließlich die Leipzigerinnen und Leipziger zu verschiedenen Aspekten der Verkehrsraumgestaltung befragt, fällt es recht unterschiedlich aus, welchen Maßnahmen sie zustimmen“, stellen die Autoren des Berichts fest. „Der Nutzung von Parkgebühren für die Refinanzierung des ÖPNV stimmen die meisten Personen zu (56 Prozent stimmen eher zu oder stimmen voll und ganz zu).

Im Übrigen scheint etwa die Hälfte der Menschen in Leipzig den gegenwärtigen Zustand eher anzunehmen: 55 Prozent stimmen dafür, dass in einer großen Stadt Stau etwas Normales ist; für 45 Prozent ist es in Ordnung, dass Autos den meisten Platz auf der Straße erhalten. Gleichzeitig werden eher radikale Veränderungen, die zugunsten von Parkplätzen ausfallen, mehrheitlich abgelehnt: 91 Prozent sprechen sich eher dagegen aus, dass Bäume für mehr Parkplätze gefällt werden; 85 Prozent finden nicht, dass jeder Platz in der Stadt für Parkplätze genutzt werden sollte (jeweils stimme eher nicht zu oder stimmte überhaupt nicht zu).“

Da bekommt man zumindest eine Ahnung davon, wie sehr das Automobil als dominierendes Fortbewegungsmittel in den Köpfen der Leipziger verankert ist. Und gegen welche Widerstände eine Stadtplanung anarbeitet, die anderen Verkehrsarten mehr Platz verschaffen will.

Noch mehr Platz für Autos? Nein!

Wobei bei der Bürgerumfrage eben auch deutlich wird, dass 55 Prozent der Befragten es überhaupt nicht in Ordnung finden, dass Autos den meisten Platz auf der Straße in Anspruch nehmen.

„Gleichzeitig stimmen nur 19 Prozent der Befragten in irgendeiner Form zu, dass Parkplätze abgeschafft werden sollen, um den Verkehrsfluss zu erhöhen – mehr sind es (29 Prozent), wenn durch die Reduktion von Parkplätzen die Aufenthaltsqualität für Menschen zu Fuß steigt. Änderungen wünschen sich dennoch knapp die Hälfte der Leipzigerinnen und Leipziger (48 Prozent), wenn sie sich in ihrem Wohngebiet für eine neue Aufteilung des Straßenraums (für Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr sowie die öffentlichen Verkehrsmittel) aussprechen – ein Aspekt, der sich unter anderem in der Wahrnehmung von Sicherheitsrisiken für den Fußverkehr und von aggressivem oder sicherheitskritischem Verhalten niederschlägt.“

Aber erstaunlich sind eben auch die 48 Prozent der Befragten, die mehr oder weniger der Aussage zustimmen „Ich will eine neue Aufteilung des Straßenraums in meinem Wohngebiet.“ Denn da, wo man täglich unterwegs ist, werden die Probleme im Straßenraum ja konkret erlebbar.

Und dass 56 Prozent der Befragten für Parkgebühren sind, mit denen der ÖPNV finanziert werden kann, macht deutlich, dass das Problem der kostenlosen Abstellplätze selbst vielen Autofahrern bewusst ist.

Aber die Aussagen zum Verkehrsraum machen eben auch deutlich, dass Leipzigs Verkehrspolitik auch in Zukunft weiter mit starken Widerständen rechnen muss, wenn sie Verkehrsraum vom Kfz-Verkehr hin zum Umweltverbund umwidmen will.

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