Leipzig hat zwar eine Lärmkartierung, die recht genau zeigt, wo es tatsächlich den meisten Lärm in der Stadt gibt. Und sie hat auch einen Lärmaktionsplan, mit dem der Lärm – der fast ausschließlich aus dem Verkehr stammt – gemindert werden soll. Aber viele der in der Bürgerumfrage 2024 Befragten sahen diese Effekte für sich nicht. Denn Lärm ist nun einmal keine ganz und gar berechenbare Größe.
Oft verursachen ihn einige wenige Zeitgenossen, die erst recht rasen und dröhnen müssen, wenn sie durch die Stadt jagen. Da spielt dann das ganz persönliche Verhalten eine Rolle. Das merken die Autor/-innen des Berichts zur Bürgerumfrage auch an.
„Die Stadt Leipzig stellt sich mit dem Lärmaktionsplan der Lärmverschmutzung entgegen. Im Juni 2025 hat der Stadtrat die dritte Fortschreibung des Plans beschlossen. Eine Grundlage des Lärmaktionsplans sind Lärmkartierungen, in denen die Stadt alle fünf Jahre die Belastung dokumentiert und auch den Anteil der betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner feststellt“, schreiben sie im Bericht.
„Die neueste Lärmkartierung von 2022 zeigt, dass 81.800 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Leipzig durch Kfz-Verkehrslärm von mindestens 55 dB (Tagesmittelwert) betroffen sind (Amt für Umweltschutz Leipzig, Lärmkartierung 2022 der Stadt Leipzig, 2022). Wohnungen in direkter Nähe zu großen Verkehrsachsen sind besonders belastet. Gemäß der Lärmkartierung wären rund 14 Prozent der Gesamteinwohnerzahl Leipzigs durch Kfz-Lärm im Wohnumfeld belastet. Dass der Anteil, der subjektiv eine (sehr) starke Belästigung durch Kfz-Lärm empfindet, in der Kommunalen Bürgerumfrage 2024 um 6 Prozentpunkte höher liegt, kann darauf hinweisen, dass auch schon eine geringere (oder punktuell erhöhte) Lärmbelastung von 55 dB als deutliche Belastung wahrgenommen werden kann.“
Aber so richtig viele Möglichkeiten, den Lärm zu minimieren, hat die Stadt nicht. Vier dieser Möglichkeiten hat die Bürgerumfrage 2024 abgefragt:
„Neue Straßendecken mit lärmarmem Asphalt, Lärmminderung durch Geschwindigkeitsreduzierung, die Verbesserung des Verkehrsflusses und Verkehrsreduzierung sollen beispielsweise die Lärmemission des städtischen Verkehrs verringern (Stadt Leipzig, Maßnahmen zur Lärmminderung aus dem Lärmaktionsplan der Stadt Leipzig). In lärmbelasteten Gebäuden kann außerdem der Einbau von Schallschutzfenstern finanziell gefördert werden, um den Geräuschpegel in den Innenräumen zu senken. Im Rahmen der Kommunalen Bürgerumfrage wurde gefragt, wie sinnvoll die Leipzigerinnen und Leipziger diese Maßnahmen finden.“

Denn es ist wie bei früheren Befragungen zum Lärm: „Die Ergebnisse identifizieren auch für Leipzig deutlich den Verkehr als belastendste Lärmquelle: 20 Prozent empfinden (sehr) starke Lärmbelästigung durch Kfz-Straßenlärm, nur ein Viertel empfindet am Wohnort durch den alltäglichen Kfz-Verkehr überhaupt keine Belastung. Auch durch Straßenbahnverkehr nehmen 14 Prozent eine (sehr) starke Belastung wahr, knapp die Hälfte hört Straßenbahnen am Wohnort nicht in belästigender Weise (46 Prozent überhaupt nicht).“
Dabei spielt es unübersehbar eine Rolle, wie nah die Befragten an den jeweiligen Hauptstraßen wohnen bzw. wohnen müssen.
Extra-Lärmthema Flugverkehr
Ein besonders Lärmthema ist der Flugverkehr, der zwar insgesamt im Stadtgebiet nicht ganz so stark empfunden wird. Dort aber, wo die Leipziger direkt davon betroffen sind, wird Flugverkehr auch heute noch als stärkste Lärmbelastung empfunden.
„Die Belästigung durch Fluglärm fällt zwar im Mittel moderat aus (6 Prozent (sehr) stark), ist aber durch die Nähe zum Flughafen Leipzig/Halle oder die Lage in Flugschneisen in einigen Stadtgebieten deutlich stärker: Im Stadtbezirk Nordwest empfinden 20 Prozent (sehr) starke Lärmbelästigung durch Flugverkehr, nur 26 Prozent empfinden hier gar keine Belastung. Auch im Stadtbezirk Nord (12 Prozent (sehr) stark) ist die Belastung höher als im gesamten Stadtgebiet“, kommentiert das der Bericht.
Die spezielle Abneigung gegen Tempo 30
Aber wie ist das nun mit dem persönlichen Verhalten? Denn ein Großteil des Verkehrslärms müsste gar nicht sein, wenn es nicht einige Zeitgenossen extra drauf angelegt hätten. Oder ihnen einfach egal ist, weil sie nicht dort wohnen, wo sie mit ihrem Fahrzeug unterwegs sind.

So wird das nämlich auch in der Befragung zu Tempo 30 deutlich:
„Ganz deutliche Unterschiede in der Befürwortung der Maßnahme Tempo 30 zeigen sich, je nachdem, mit welchem Verkehrsmittel der Weg zur Arbeit zurückgelegt wird: Unter denjenigen, die mit dem Auto fahren, finden 38 Prozent die Geschwindigkeitsreduzierung (sehr) sinnvoll. Diese Gruppe müsste im Alltag das eigene Verhalten anpassen und gegebenenfalls streckenweise langsamer fahren als bisher. Unter Personen, die für den Weg zur Arbeit kein Auto nutzen, befürworten deutlich mehr (63 Prozent) die Maßnahme Tempo 30.“
Und gerade jüngere Befragte finden Tempo 30 viel sinnvoller, als den immer wieder angepriesenen Flüsterasphalt, von dem vor allem die Befragten über 50 Jahre schwärmen. Und deutlich wird eben auch, dass der Verkehrslärm besonders heftig empfunden wird, wo die meisten Leipziger wohnen – im Inneren der Stadt, wo sich nun einmal auch der Verkehr aus den äußeren Stadtbezirken wiederfindet.
Und wer dann in seinem Auto sitzt, empfindet den Lärm auch nicht so stark wie die Leute draußen. Oder mit den Worten aus dem Bericht zur Bürgerumfrage:
„Personen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, empfinden eine geringere Belastung durch Kfz-Straßenlärm als diejenigen, die andere Verkehrsmittel nutzen (Arbeitsweg ohne Auto: 26 Prozent (sehr) starke Belästigung, Arbeitsweg mit Auto: 10 Prozent). Der Zusammenhang erklärt sich räumlich: Bürgerinnen und Bürger, die am Stadtrand leben, haben in der Regel eine ruhigere Wohnumgebung als die Einwohnerinnen und Einwohner der zentralen Stadtbezirke. Gleichzeitig nutzen am Stadtrand besonders viele Personen ein Auto, um den Weg zur Arbeit zurückzulegen (Innenstadt: 18 Prozent, Stadtrand 2: 70 Prozent mit Auto). Demnach verursachen die Betroffenen den geringsten Teil des Kfz-Lärms in ihrer Wohngegend selbst.“
Was zumindest deutlicher macht, wie stark die eigene Betroffenheit auch davon abhängt, mit welchem Verkehrsmittel man selbst unterwegs ist.
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Keine Kommentare bisher
55dB emittiert ein Kühlschrank. Das soll ein wirkliches Problem für 81800 Einwohner ein? Mich würde auch mal der Median interessieren, und nicht das Mittel, die Verteilung ist ganz sicher sehr schief!
Wärmekraftmaschinen-getriebener MIV mit Tempi oberhalb von 30 Stundenkilometern sei das Übel. Ok. Dumm nur, man kommt mit ubiquitärem Tempo 30 nicht mal 5dB runter, eher nur die Hälfte. Also wird klar, daß es um Vergrämung geht, quasi zur Beförderung der vielzitierten Verkehrsverdunstung (FKA Verkehrsverpuffung).
Wirklich: Lärm ist ein Paradebeispiel eines Nebenproblems. Es ist nicht angezeigt dies aufzubauschen. Man könnte auch noch die sog. Klimaziele unserer Messestadt zitieren, ich weiß. Und wenn man alles zusammengerührt hat, darf man sicher sein, daß die AfD weiter an Attraktivität gewonnen hat.