Leipzig hat zwar eine Lärmkartierung, die recht genau zeigt, wo es tatsächlich den meisten Lärm in der Stadt gibt. Und sie hat auch einen Lärmaktionsplan, mit dem der Lärm – der fast ausschließlich aus dem Verkehr stammt – gemindert werden soll. Aber viele der in der Bürgerumfrage 2024 Befragten sahen diese Effekte für sich nicht. Denn Lärm ist nun einmal keine ganz und gar berechenbare Größe.

Oft verursachen ihn einige wenige Zeitgenossen, die erst recht rasen und dröhnen müssen, wenn sie durch die Stadt jagen. Da spielt dann das ganz persönliche Verhalten eine Rolle. Das merken die Autor/-innen des Berichts zur Bürgerumfrage auch an.

„Die Stadt Leipzig stellt sich mit dem Lärmaktionsplan der Lärmverschmutzung entgegen. Im Juni 2025 hat der Stadtrat die dritte Fortschreibung des Plans beschlossen. Eine Grundlage des Lärmaktionsplans sind Lärmkartierungen, in denen die Stadt alle fünf Jahre die Belastung dokumentiert und auch den Anteil der betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner feststellt“, schreiben sie im Bericht.

Die neueste Lärmkartierung von 2022 zeigt, dass 81.800 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Leipzig durch Kfz-Verkehrslärm von mindestens 55 dB (Tagesmittelwert) betroffen sind (Amt für Umweltschutz Leipzig, Lärmkartierung 2022 der Stadt Leipzig, 2022). Wohnungen in direkter Nähe zu großen Verkehrsachsen sind besonders belastet. Gemäß der Lärmkartierung wären rund 14 Prozent der Gesamteinwohnerzahl Leipzigs durch Kfz-Lärm im Wohnumfeld belastet. Dass der Anteil, der subjektiv eine (sehr) starke Belästigung durch Kfz-Lärm empfindet, in der Kommunalen Bürgerumfrage 2024 um 6 Prozentpunkte höher liegt, kann darauf hinweisen, dass auch schon eine geringere (oder punktuell erhöhte) Lärmbelastung von 55 dB als deutliche Belastung wahrgenommen werden kann.“

Aber so richtig viele Möglichkeiten, den Lärm zu minimieren, hat die Stadt nicht. Vier dieser Möglichkeiten hat die Bürgerumfrage 2024 abgefragt:

„Neue Straßendecken mit lärmarmem Asphalt, Lärmminderung durch Geschwindigkeitsreduzierung, die Verbesserung des Verkehrsflusses und Verkehrsreduzierung sollen beispielsweise die Lärmemission des städtischen Verkehrs verringern (Stadt Leipzig, Maßnahmen zur Lärmminderung aus dem Lärmaktionsplan der Stadt Leipzig). In lärmbelasteten Gebäuden kann außerdem der Einbau von Schallschutzfenstern finanziell gefördert werden, um den Geräuschpegel in den Innenräumen zu senken. Im Rahmen der Kommunalen Bürgerumfrage wurde gefragt, wie sinnvoll die Leipzigerinnen und Leipziger diese Maßnahmen finden.“

Bewertung der Maßnahmen zur MInderung des Kfz-Lärms. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2024
Bewertung der Maßnahmen zur Minderung des Kfz-Lärms. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2024

Denn es ist wie bei früheren Befragungen zum Lärm: „Die Ergebnisse identifizieren auch für Leipzig deutlich den Verkehr als belastendste Lärmquelle: 20 Prozent empfinden (sehr) starke Lärmbelästigung durch Kfz-Straßenlärm, nur ein Viertel empfindet am Wohnort durch den alltäglichen Kfz-Verkehr überhaupt keine Belastung. Auch durch Straßenbahnverkehr nehmen 14 Prozent eine (sehr) starke Belastung wahr, knapp die Hälfte hört Straßenbahnen am Wohnort nicht in belästigender Weise (46 Prozent überhaupt nicht).“

Dabei spielt es unübersehbar eine Rolle, wie nah die Befragten an den jeweiligen Hauptstraßen wohnen bzw. wohnen müssen.

Extra-Lärmthema Flugverkehr

Ein besonders Lärmthema ist der Flugverkehr, der zwar insgesamt im Stadtgebiet nicht ganz so stark empfunden wird. Dort aber, wo die Leipziger direkt davon betroffen sind, wird Flugverkehr auch heute noch als stärkste Lärmbelastung empfunden.

„Die Belästigung durch Fluglärm fällt zwar im Mittel moderat aus (6 Prozent (sehr) stark), ist aber durch die Nähe zum Flughafen Leipzig/Halle oder die Lage in Flugschneisen in einigen Stadtgebieten deutlich stärker: Im Stadtbezirk Nordwest empfinden 20 Prozent (sehr) starke Lärmbelästigung durch Flugverkehr, nur 26 Prozent empfinden hier gar keine Belastung. Auch im Stadtbezirk Nord (12 Prozent (sehr) stark) ist die Belastung höher als im gesamten Stadtgebiet“, kommentiert das der Bericht.

Die spezielle Abneigung gegen Tempo 30

Aber wie ist das nun mit dem persönlichen Verhalten? Denn ein Großteil des Verkehrslärms müsste gar nicht sein, wenn es nicht einige Zeitgenossen extra drauf angelegt hätten. Oder ihnen einfach egal ist, weil sie nicht dort wohnen, wo sie mit ihrem Fahrzeug unterwegs sind.

Befürwortung der Maßnahmen gegen Kfz-Lärm nach Alter. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2024
Befürwortung der Maßnahmen gegen Kfz-Lärm nach Alter. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2024

So wird das nämlich auch in der Befragung zu Tempo 30 deutlich:

„Ganz deutliche Unterschiede in der Befürwortung der Maßnahme Tempo 30 zeigen sich, je nachdem, mit welchem Verkehrsmittel der Weg zur Arbeit zurückgelegt wird: Unter denjenigen, die mit dem Auto fahren, finden 38 Prozent die Geschwindigkeitsreduzierung (sehr) sinnvoll. Diese Gruppe müsste im Alltag das eigene Verhalten anpassen und gegebenenfalls streckenweise langsamer fahren als bisher. Unter Personen, die für den Weg zur Arbeit kein Auto nutzen, befürworten deutlich mehr (63 Prozent) die Maßnahme Tempo 30.“

Und gerade jüngere Befragte finden Tempo 30 viel sinnvoller, als den immer wieder angepriesenen Flüsterasphalt, von dem vor allem die Befragten über 50 Jahre schwärmen. Und deutlich wird eben auch, dass der Verkehrslärm besonders heftig empfunden wird, wo die meisten Leipziger wohnen – im Inneren der Stadt, wo sich nun einmal auch der Verkehr aus den äußeren Stadtbezirken wiederfindet.

Und wer dann in seinem Auto sitzt, empfindet den Lärm auch nicht so stark wie die Leute draußen. Oder mit den Worten aus dem Bericht zur Bürgerumfrage:

„Personen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, empfinden eine geringere Belastung durch Kfz-Straßenlärm als diejenigen, die andere Verkehrsmittel nutzen (Arbeitsweg ohne Auto: 26 Prozent (sehr) starke Belästigung, Arbeitsweg mit Auto: 10 Prozent). Der Zusammenhang erklärt sich räumlich: Bürgerinnen und Bürger, die am Stadtrand leben, haben in der Regel eine ruhigere Wohnumgebung als die Einwohnerinnen und Einwohner der zentralen Stadtbezirke. Gleichzeitig nutzen am Stadtrand besonders viele Personen ein Auto, um den Weg zur Arbeit zurückzulegen (Innenstadt: 18 Prozent, Stadtrand 2: 70 Prozent mit Auto). Demnach verursachen die Betroffenen den geringsten Teil des Kfz-Lärms in ihrer Wohngegend selbst.“

Was zumindest deutlicher macht, wie stark die eigene Betroffenheit auch davon abhängt, mit welchem Verkehrsmittel man selbst unterwegs ist.

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Es gibt 56 Kommentare

Danke für den Hinweis auf “A randomized, double-blind, crossover study of acute low-level night-time road traffic noise: effects on vascular function, sleep, and proteomic signatures in healthy adults”, lieber “radograph”, ich werde den Artikel mit Interesse lesen. Mein erster Scan, ob denn die Aussage der Pressefrau der Universität Mainz, nämlich “Die Studienautoren plädieren für konsequente Lärmschutzmaßnahmen, wie beispielsweise Tempo 30 innerorts…” irgendwo im Artikel wiederzufinden ist, blieb ergebnislos. Mal sehen, was die wirklich schreiben. Bisher stieß ich auf “Acute exposure to night-time road traffic noise leads to measurable changes in cardiovascular health parameters in healthy adults.” Das halte ich für plausibel.

Gerade heute fand ich in jW eine grobe Zusammenfassung des Artikels: https://www.jungewelt.de/artikel/518521.lärmverschmutzung-schlaf-bitte.html (Bezahlschranke). Der Autor schreibt “Auf das gerade in Großstädten allzu bekannte Getöse vorbeifahrender Autos reagiert der Körper demnach auch im Schlaf mit Stress.” Das glaube ich sofort.

Aber in unserem Thread ging es nicht um Getöse, dachte ich jedenfalls.

Urs,
In der Heinestr.ist schon 30 und in der Kollwitz kannst du gar nicht schneller fahren. Sonst machst du dein Auto kaputt. Von zuviel Verkehr ganz zu schweigen.

Gerade passend erschienen – eine Doppelblindstudie zur Wirkung nächtlichen Lärms auf das Herz-Kreislauf-System: https://idw-online.de/de/news866575, sozusagen die Detailsicht auf die Wirkung im Detail. Im Literaturteil findet man einschlägige Referenzen mit anderen Studienansätzen.

Die Käthe-Kollwitz-Straße und größere Teile der Karl-Heine-Straße sind nunmehr seit Jahr und Tag aus Gründen überlastet, so daß Lärm dort jedenfalls großgeschrieben wird. Wäre dem mit 30km/h Höchstgeschwindigkeit beizukommen? Bestimmt nicht.

Und mir ist eingefallen, daß ich schon früher mal erläutert hatte, so ich “Distinktionsgewinn” als Phänomen in einem zweifellos satirischen Text beschrieben gefunden den hatte: https://www.l-iz.de/politik/leipzig/2023/07/gefahrdete-fussganger-grune-beantragen-konzept-freie-gehwege-543005#comment-35351

Morrigan, schalten Sie doch bitte einen Gang zurück.
Weder Sebastian noch Urs erlebe ich als „rechts“, und solche Zuschreibungen helfen der Sache nicht weiter.
In dieser Form zerstört der Ton eher die Diskussion, als dass er sie voranbringt, und verschärft unnötig die ohnehin differenzierte Kommentarlage.
Ja, die Diskussion ist herausfordernd und erweckt mitunter den Eindruck, dass man hier endlos weiterschreiben könnte. An diesem Punkt war ich bereits und habe mich deshalb etwas zurückgezogen; dann muss es halt hier zunächst so stehen bleiben.
Kritik an Argumenten: immer gern. Angriffe auf Personen: bitte nicht.

Boah Morrigan, was für ein Unsinn! Hoffentlich sind Sie nicht der “Distinktionsgewinn”, von dem der Urser immer faselt…😂

Sebastian und Urs mögen vieles sein, rechts oder bösartig sind Sie sicher nicht. Sich mit den beiden argumentativ zu messen ist aber eine echte Herausforderung, Und wie Urs ganz richtig angemerkt hat: WIR BRAUCHEN VERBÜNDETE.
Gegen die wirklich Autoritären und Faschisten.

Stürzen Sie sich doch einfach auf Gerd & Jörg & Co, die freuen sich über jede Aufmerksamkeit die sie kriegen können.

Vielen Dank Christian für Ihre ruhige, sachliche und unemotionale Argumentation. 🙏

> “abwertend, beleidigend und exklusionistisch zu geifern und zu stänkern.”
Es tut mir leid, dass Sie die Gegenargumente /-Meinungen so triggern. Aber Jeder, der sich durch den langen, furchtbaren Textwust der Beiträge einiger hier gewühlt hat kann sehen, dass dieser Teil Ihres Fazits Quatsch ist. Auch das darf als Richtigstellung gern hier stehen bleiben 🙂

Dass sich “Sebastian” und “urs” bei der abstrusen Hyperbolisierung und den ständigen anekdotischen Märchen und Beleidigungen selbst als Rechte geoutet haben, das sollte mit dem erstne Satz hoffentlich klar sein.

Wieso bietet man solchen asozial “arguzmentierenden” und KFZ-fetischisierenden Wesen wie denen hier überhaupt noch eine Bühne?

Dann schreibe ich mal kurz ein Fazit, dann müssen hier nicht so viele Überflüssigkeiten geschrieben werden von den Rechten:
Wir alle haben inzwischen begriffen, dass es hier um stressinduzierenden Lärm und dessen Vermeidung geht, was am einfachsten und mit wenig Aufwand mit einer konsequenten Einschränkung des ressourcen- und energiefressenden KFZ-Verkehrs geht.
Wir als sachlich diskutierende Gemeinschaft haben bereits alles geschrieben, was es an Empirik und an objektiver Datenlage gibt, und sogar das Märchen mit den Mietspiegeln betrifft.

Aber egal was wir für Argumente und Fakten anbringen, es gibt immer noch die beiden Spezialkandidaten namens “Sebastian” und “urs”, die sich mit den seltstamsten und krudesten Anekdoten versuchen, immer und immer wieder ihre KFZ-Lärm- und Stinkerwelt zurechtzubiegen.
Wenn dann die Argumente und Fakten nicht in deren Sinne ist, dann fangen sie an, die Anekdoten und Beispiele so lange auszuschmücken, bis deren Ausführungen Romanlänge erreichen, zu unser aller Schaden, weil wir dann diese Beiträge hier überfliegen und eventuell gar lesend erfassen müssen, trotz null informellen Mehrgewinns.

Also bleibt nur zu sagen: KFZ- und Lärmreduktion wirken, sind bei Anordnung von regulär Tempo 30 extrem günstig und effizient, und die Spezialgeschichten von “Sebastian” und “urs” wirken abstrus.
Noch schlimmer, wenn es nicht in deren Richtung geht, dann fangen sie wieder an, abwertend, beleidigend und exklusionistisch zu geifern und zu stänkern.

> “was wollen Sie Ihrem Mieter da als Grund erzählen?”
Ich hab kürzlich einen mehrseitigen Brief bekommen mit Details zum Mietspiegel. Die Bewertungsaspekte gehen extrem ins Detail. Und wenn es keinen objektiven Aspekt gibt, dann wird sich doch irgendwas mit” gefragte Lage”und “gehobener Standard” finden, so wie das unsere LWB macht, wenn sie für hohe Miete neu vermietet, oder?
Ansonsten wurde mir vor 13 Jahren nichts “erzählt”, als ich diese Wohnung fand. Es gab einfach einen Markt, der sah niedrigere Preise hier und höhere dort vor. Das waren nicht nur ein paar Cent.
Sie werden weiter Tempo 30 wollen und alle Studien dazu kennen, und ich möchte das nur punktuell, wo es nachvollziehbar ist.
Ansonsten sind Bäume eine tolle Sache, klar.

Sebastian, bei Wegfall eines Minderungsgrundes wird man sicher ein paar Cent mehr verlangen können.
Aber bei Tempo 30 statt 50 vorm Haus: was wollen Sie Ihrem Mieter da als Grund erzählen?
Und nur darum ging es ja.

Übrigens bin ich sehr dankbar, dass in meiner Straße ein paar Bäume stehen und stehen bleiben werden. Es muss ja nicht gleich mediterranisiert werden.
Bei großer Hitze merkte man auch etwas den Unterschied zu solch tristen “Arbeiterviertelstraßen”, in denen sich hunderte Meter lang MFH an MFH reihen und NULL Grün zu finden ist, vielleicht noch ein Stück Rasen im Hinterhof.

Also wenn ich die Wahl hätte, ob vor meinem Haus die Straße bleibt, die jeder irgendwie benutzt, oder ein begrünter Aufenthaltsplatz hinkommt, wo man im Sommer unter meinem Fenster mediterranisieren kann, finde ich die Straße deutlich sympathischer und breiter nutzbar.

Was man aus Mietgründen darf oder sein lassen sollte sei mal dahin gestellt, aber dass beim Wegfall eines Minderungsgrundes die Mieten sich nicht nach oben entwickeln werden, halte ich für nicht erklärbar.

Hallo Urs, u.a. zu Ihrem ‘MIV-Bogus’:

bundesweite Studie MiD des BMV.
Haushalte mit geringem Einkommen: In der untersten Einkommensgruppe verfügen viele Haushalte über gar kein eigenes Auto (oft über 40 % der Haushalte im untersten Quartil, besonders in Städten). Hier fährt man eher ÖPNV, Fahrrad oder läuft.
Haushalte mit hohem Einkommen: In den oberen Einkommensgruppen liegt die Pkw-Verfügbarkeit oft bei nahezu 100 %; häufig sogar als Zweit- oder Drittwagen.
Es gibt auch die pendelnde Reinigungskraft mit dem Opel Corsa; sie ist statistisch aber eher die Ausnahme.

Ebenso legen “wohlhabendere” Personen deutlich längere Strecken mit dem Auto zurück.

Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft:
Dienstwagen werden überwiegend an Personen in höheren Gehaltsklassen ausgegeben.
In der unteren Einkommenshälfte haben weniger als 5% einen Dienstwagen.
Ab 80.000 Jahreseinkommen verfügen zwischen 30…..60% über einen Dienstwagen.
Der progressive Vorteil der pauschalen Versteuerung ist bei teuren Modellen und hohen persönlichen Steuersätzen am größten.

“Inzwischen gesunkener Lärm”
Er ist dort gesunken, wo die Stadt interveniert hat. Ansonsten ist er nach wie vor hoch, aufgrund Bevölkerungswachstum und steigendem Kfz-Besatz (privat + dienstlich).

“Entweder / Oder”
Primäre Preistreiber der Mieten sind Wohnungsmangel und hohe Baukosten, nicht eine um ca. 3db leisere Straße vorm Haus.
Wenn man Ihrer Logik folgt, dürfte man in einkommensschwachen Vierteln niemals Parks einrichten, Straßen oder Schulen sanieren, oder den Lärm wie auch immer senken, da ja alles die Attraktivität steigert und die Mieten erhöhen könnte.
“Arme Menschen” sollen also per Definition in einer schlechten Umwelt leben, damit die Mieten stabil bleiben?
Interessantes Totschlagargument.

Hallo Christian,
> “Das war absichtlich überspitzt, da des Menschen Wohl offenbar von Tempo 30 elementar gefährdet wird.”
Tja, warum die Gegnerseite eigentlich die ganze Zeit überspitzt (“Massenunfallhäufungsstelle”, “Untergang des Abendlandes”, Dieseldieter,…), ist eine der Fragen, die ich noch nicht beantworten konnte.
Man kommt mit langsamerem Tempo langsamer voran, und wenn man das vor Ort nicht unmittelbar einsehen kann, suchen sich Verkehrsteilnehmer jeglicher Art Um- und Auswege.
Und Lärm, Schmutz, und andere negative Effekte in Euro umzurechnen, ist ein netter Versuch, aber nicht mehr als das.

> “(Weiterhin bauen wir weiter neue Straßen und Infrastruktur, während wir die Bestandsbauten gar nicht mehr instand halten können – wie verrückt ist denn das?)”
Das ist sehr, sehr verrückt, da bin ich völlig bei Ihnen.

Ja, lieber “Christian”, entweder eine Tempolimitabsenkung von 50 auf 30 Stundenkilometer schlägt sich in der in diesem Thread überwiegend angenommenen beträchtlichen Weise auch als Lärmminderung nieder, so daß eine wirklich merkliche Ruhe einkehrt (wodurch überdies keine Schädigungen mehr auftreten, wie in den Raum gestellt), so daß damit eine wesentliche Verbesserung der Lebensbedingungen im Wohnumfeld zustande kommt, was dann halt bald, vielleicht nicht sofort, aber in the medium term die Mieten steigen läßt, mit Verzögerung auch die der Bestandsmieter am Ort. Oder aber die Annahme, daß die Lärmminderung in der Weise durchschlägt, trifft nicht zu. Die Messung und die Darstellung der Meßergebnisse sind das eine, die Wahrnehmung der Anwohner ist das andere. Und nun könnte es zwar sein, daß es auch – durch Gewöhnung – Lärm gibt, den man gar nicht mehr so störend wahrnimmt und der doch schädigt. Aber gerade nachts ist es praktisch in ganz Leipzig leiser geworden, als noch vor 20Jahren (nein, das ist kein Beleg von Altersschwerhörigkeit bei mir), es fahren sehr viel weniger und sehr viel weniger lärmende Autos herum.

Man muß also zuvörderst die Mietpreistreiberei und die Armut bekämpfen. Den inwischen längst gesunkenen Lärm weiter zu bekämpfen bleibt einem dann immer noch, und man kann wegen mir auch jetzt damit in vernünftiger Weise fortfahren, aber nicht in der Huckepack-Weise, gerade damit gesellschaftliche Ungleichheit und dergleichen mehr angehen zu können, da man ja durch die Beeinträchtigung des MIV-Flusses besonders die Vermögenden träfe. Solcherart Sicht ist Bogus.

Hallo Sebastian,
da Sie so ausführlich antworteten, doch noch ein paar Anmerkungen.

“offenbar wird dieses Thema als deutlich existenzieller empfunden”
Das war absichtlich überspitzt, da des Menschen Wohl offenbar von Tempo 30 elementar gefährdet wird.

“Das sind doch Fehlanreize, oder nicht?” “Nein, weil die Zielrichtung fehlt.”
Ich sprach mich vor allem gegen die Förderung des MIV aus, evtl. übersahen sie den Kontext.
Die Förderung des MIV ungeachtet der Nachteile finde ich fehl am Platz; ‘Fehlanreize’ deswegen.

“Nur dieses Argument, dass der Autoverkehr nicht kostendeckend betrieben würde, und beim ÖPNV wäre das anders, gilt dann halt nicht mehr. Unser Staat als Gebilde investiert riesige Summen in den Nah- und Fernverkehr (und bekommt davon Vorteile), und das ist beim Straßenverkehr nicht anders.”
Das lässt sich meiner Meinung nach nicht einfach 1:1 vergleichen:
Laut VCD ist der gesellschaftliche Nutzen des ÖPNV 3mal so hoch wie seine Kosten (Stau, Emissionen, Mobilität für alle).
Der ÖPNV ist deutlich flächen- und energieeffizienter.
Der ÖPNV sichert soziale Teilhabe an der Mobilität, während bspw. MIV-Subventionen (z.B. Dienstwagenprivileg) oft höhere Einkommensgruppen entlasten.
Die gesamte BRD-Inlandsfahrleistung beinhaltet 84% für PkW – privat, Pendler, Dienstwagen (Kraftfahrtbundesamt)
Investitionen in die Straße subventionieren vorwiegend den Transportfluss für Unternehmen und die Mobilität einkommensstarker Pkw-Nutzer.

“Das Argument war, dass ein Lärmaktionsplan den Lärm dort senkt, wo die Unterprivilegierten wohnen: an der Hauptstraße.”
Denken Sie wirklich, wenn an einer Hauptstraße statt Tempo 50 nun ein Verkehrsschild mit 30 steht, erhöhen sich die Mieten? Eine kühne Prophezeiung. Es geht darum, den Grundpegel etwas zu senken. Die “Attraktivität” (ironisch) einer Hauptstraße wird dadurch nicht wirklich verbessert.
Und ja: auch bei Straßenbahnen sollte den Lärmemissionen konsequent nachgegangen werden. Da bin ich bei Ihnen.
Dummerweise wird das aber wahrscheinlich in den LAP nicht berücksichtigt.

“Die Pendlerpauschale […] kann auch nicht die Ursache für Fachkräftemangel sein.”
Hier habe ich mich tatsächlich verschrieben!
Ich meinte wirklich: Die Pendlerpauschale kann nicht die Lösung für Fachkräftemangel sein. Und hier geht es mir auch nicht nur “gegen das Auto”, sondern generell um die “erzwungene” oder forcierte Mobilität von Menschen in einem Land, das unter dem vielen Verkehr und den Defiziten des ÖPNV schon leidet.
Pendeln Fachkräfte 50km woanders hin, fehlen sie am Ort, wo sie wohnen.
Es ist genauso sinnfrei, wie der Joghurt, der von Bayern nach Brandenburg gefahren wird, weil die Wegekosten zum Teil subventioniert, bzw. die tatsächlichen Kosten solidarisiert werden. Sonst wäre das unwirtschaftlich.
(Weiterhin bauen wir weiter neue Straßen und Infrastruktur, während wir die Bestandsbauten gar nicht mehr instand halten können – wie verrückt ist denn das?)

Rund 95% der externen Kosten des Verkehrs (Klima, Verschmutzung, Unfälle, Lärm, Flächenverbrauch, ca. 150 Mrd. € jährlich!) entfallen auf die Straße (gemäß VCD).
Müsste man da nicht umsteuern und sinnvoller priorisieren?

> “Lärmaktionspläne erzeugen keine Wohnraumknappheit; die Ursache sind Angebotsprobleme.”
Das Argument war, dass ein Lärmaktionsplan den Lärm dort senkt, wo die Unterprivilegierten wohnen: an der Hauptstraße.
Dort, wo offenbar keine Angebote in Größenordnungen vorhanden sind, erzeugen die dann höheren Mieten aber eben nicht den Effekt für die Unterprivilegierten, sondern sie finden dort schlicht gar keinen bezahlbaren Wohnraum mehr. Wie schon gesagt: Für mich war das vor 13 Jahren ein Grund dahin zu ziehen. Und an das Rauschen der Straße gewöhnt man sich binnen Wochen. Nicht an die Störer und Lärmer, die gehören sanktioniert.

> “Die Pendlerpauschale […] kann auch nicht die Ursache für Fachkräftemangel sein.”
Auf jedes Ihrer Argumente wurde eingegangen. Und jetzt fangen Sie an die Sachen zu verdrehen, denn die Pendlerpauschale wurde nicht als Ursache für Fachkräftemangel dargestellt. Sondern als Teil der Lösung. Und ja, sie erhöht irgendwo die Verkehrsmenge, aber eben nicht zielgerichtet den Autoverkehr. Sie bekommen notfalls auch fürs Gehen diese Pauschale.

Hallo Christian,
> “Allerdings entfernen wir uns zunehmend vom eigentlichen Thema des Artikels”
Ja, den Gedanken hatte ich auch, aber ich wollte halt auch reagieren…

> “Das sind doch Fehlanreize, oder nicht?”
Nein, weil die Zielrichtung fehlt. Die Pendlerpauschale ist für konkrete Anreize in den MIV zu stumpf; ich zum Beispiel bekomme sie größtenteils fürs Radfahren auf Arbeit. Bei Baugrundstücken entscheidet heute eher die Anbindung an einen Bahnanschluss in der Nähe, weil man nicht mit den anderen am Morgen auf der B2 anstehen möchte, wenn ich meinen Kollegen so zuhöre. Auch die bekommen Pendlerpauschale.

> “offenbar wird dieses Thema als deutlich existenzieller empfunden als die viel größeren strukturellen Fragen.”
Ich würde nicht “existenzielle Gefühle” als Anlass für die Teilnahme an einer Kommentarfunktion verwenden, aber was mich angeht: Wenn man merkt, dass die Argumente dünn sind (über wie viele Lebensjahre reden wir? fünf? zehn?), dass sie ganz zufällig von Leuten kommen, die eh schon gegen die Autos sind (“Gehzeug”, “sie stapeln sich”, “Blechlawinen!”) und am Ende noch die Wirkung an sich verharmlost wird (“Studien sagen, dass das richtig gut läuft für euch!”), dann kann man eigentlich nur die Verhältnisse mal wieder versuchen ins richtige Licht zu rücken.

> “Ja, der ÖPNV ist nicht kostendeckend.”
Na also. Sag ich doch. Dass es aus heutiger Sicht moralisch sehr hochwertige Vorteile beim ÖPNV gibt ist unbestritten, und ich will ihn ja auch nicht abschaffen. Nur dieses Argument, dass der Autoverkehr nicht kostendeckend betrieben würde, und beim ÖPNV wäre das anders, gilt dann halt nicht mehr. Unser Staat als Gebilde investiert riesige Summen in den Nah- und Fernverkehr (und bekommt davon Vorteile), und das ist beim Straßenverkehr nicht anders.

> “Meine Texte verfasse ich dennoch selbst im Editor, wenn Sie es genau wissen wollen.”
Danke für die Klarstellung!

> “Ach Christian, es bringt nichts.”
Was genau bringt denn nichts? Hatten Sie etwa das Ziel, jemanden zu überzeugen? Mit “Stimmvieh”, “F0tzenfritz” und “lasst sie abtreten”? Keine Sorge, Sie sind in guter Gesellschaft mit Leuten, die sich für ihre Argumentationsgegner wünschen, sie mögen irgendwie umkommen, damit sie endlich verstummen. Ich finds weiterhin befremdlich, so aufzutreten.

> “Um es anschaulich zu machen: angenommen, ein Wohnquartier würde von bestehenden Lärmquellen befreit, z.B. durch Sperrungen oder Tempolimits oder dergleichen. Eins ist sicher: die Mieten würden im Nu ansteigen. Es wäre ein Strohfeuereffekt. Um was für Arme zu machen, taugt Lärmminderung nicht, wenn die Erschwinglichkeit zugleich flöten geht.”
Tja, darauf wird irgendwie gar nicht eingegangen, hatte ich ja weiter unten auch so ähnlich geschrieben… So ähnlich wie auf die Rumpelbahn. Die wird als Lärmquelle unter mehrere Häuser hinweg auch ignoriert. Dabei kann man auch da günstig etwas tun. Aber es geht eben einfach gegen Autos, da passen technische Verbesserungen an der hoch subventionierten Bahn nicht ins Bild.

EarlGrey, Sie haben recht: Man kommt nur weiter, wenn man akzeptiert, dass hier unterschiedliche Dinge verhandelt und durcheinandergebracht werden, analytisch einfach unsauber, und zum diskutieren sinnfrei.

Der Vorwurf des Distinktionsgewinns ersetzt hier die Auseinandersetzung mit den Argumenten.
Dass mehrere Probleme gleichzeitig existieren ist kein Argument, eines davon zu ignorieren.

Lärmaktionspläne erzeugen keine Wohnraumknappheit; die Ursache sind Angebotsprobleme.
(wenig Neubau, Bodenknappheit, Genehmigungen, Spekulation, etc.)

Die Pendlerpauschale senkt Entfernungskosten, generiert mehr Verkehr und setzt damit Fehlanreize.
Sie kann auch nicht die Ursache für Fachkräftemangel sein.

Ich glaube, das war’s zu diesem Artikel von mir.

Eifriger Kampf gegen Straßenlärm ist ein einziger falsch gesetzter Anreiz. Der ordentlich Ressourcen absorbieren kann. Und die diesbezüglichen Gesetzlichkeiten ignorieren alle die Schiefe der Verteilungen? Was für ein lobbyistischer Erfolg!

Gegen welche Gesundheitsrisiken soll jetzt ebenso vorgegangen werden? Folgen der Einsamkeit? Kurzsichtigkeit durch Abusus mobiler Endgeräte?

Marcel Fratzscher hatte das Seniorenpflichtjahr propagiert. Und es ist sehr sehr einfach, gegen mangelnde sog. Zielgenauigkeit einer Pauschale aufzutreten, das ist ja gerade der Witz bei einer Pauschale. Ich kenne niemanden, der sich durch diese Begünstigung für eine möglichst lange Fahrzeit zum Arbeitsplatz verleiten läßt.

Es mag verlockend sein, sich jeglichem Argument oder Argument-Phantom gegen Autos als solche anzuschließen, wie ich schon mehrfach ausgedrückt hatte, winkt Distinktionsgewinn. Für diese Gesellschaft wären aber andere Themen vielfach bedeutender. Das mag schmerzlich sein zu begreifen.

Um es anschaulich zu machen: angenommen, ein Wohnquartier würde von bestehenden Lärmquellen befreit, z.B. durch Sperrungen oder Tempolimits oder dergleichen. Eins ist sicher: die Mieten würden im Nu ansteigen. Es wäre ein Strohfeuereffekt. Um was für Arme zu machen, taugt Lärmminderung nicht, wenn die Erschwinglichkeit zugleich flöten geht. Daher sind Mietpreisniveau-Themen klar relevanter. Und das wissen die Meisten, die noch selbst denken und fühlen. Für Randthemen hypersensibilisiert gemacht wordene hingegen fallen rein.

Ach Christian, es bringt nichts. Sebastian und Urs sind einfach dagegen. Daran ändern wir hier auch nichts mehr, weil dort der Wille zum Erkenntnisgewinn fehlt, gepaart mit einer gehörigen Portion Ahnungslosigkeit. Sie wollen dich nur beschäftigen. Genau so arbeiten ja auch AfDCDU hier in Leipzig.
Sie sind dagegen. Das akzeptieren wir und machen weiter.

Sebastian, danke für die Rückmeldung.
Allerdings entfernen wir uns zunehmend vom eigentlichen Thema des Artikels. Daher nur kurz dazu:

Einerseits werden hier immer wieder die „großen Bretter“ beschworen, die man doch bohren müsste.
Andererseits wird ein erstaunliches Tamtam veranstaltet, sobald es um kostengünstige, sofort wirksame und einfache Maßnahmen zur Senkung des städtischen Grundlärms geht. Also Maßnahmen, zu denen Kommunen im Rahmen der Lärmaktionsplanung verpflichtet sind.
Und viele Kommentare (nicht ich) entzünden sich ausgerechnet an Tempo 30; offenbar wird dieses Thema als deutlich existenzieller empfunden als die viel größeren strukturellen Fragen. Das finde ich durchaus bedenklich. Und absurd.

Ja, der ÖPNV ist nicht kostendeckend. Er ist jedoch Daseinsvorsorge mit sozialer und ökologischer Zielsetzung.
Der motorisierte Individualverkehr dagegen verursacht erhebliche Kosten, die an der Zapfsäule, Steuern u.ä. bis heute nicht vollständig eingepreist sind. Insofern lebt der Staat hier tatsächlich über seine Verhältnisse, indem er ineffizienter Mobilität dauerhaft Mittel zuführt, und zugleich zusätzliche Belastungen durch Klima-, Lärm- und Verkehrsemissionen generiert. Das sind doch Fehlanreize, oder nicht?
Im Artikel geht es auch nicht um Wohnraummangel, sondern um die Folgen der hohen Bevölkerungsdichte und fehlgeleiteter Mobilität. Autos stapeln sich mittlerweile in den Städten (vehement werden für jeden kostenlose Parkplätze gefordert), und die Konsequenz sind hohe Lärmemissionen, um die sich der Artikel ja dreht.
“Früher” gab es auch schon Städte mit vielen Eiwohnern, nur hatte da nicht jeder ein Gefährt.
Auf dem Land dürften die Lärmemissionen keine so große Rolle spielen wie in der Stadt.

Dass Unternehmen heute weite Pendlerfahrten einkalkulieren, liegt daran, dass individuelle Pkw-Mobilität politisch über Jahrzehnte massiv begünstigt und dem Pkw der rote Teppich ausgerollt wurde. Bis hin zur steuerlichen Absetzbarkeit erheblicher Kosten.
Der Fachkräftemangel wird doch nicht durch die Pendlerpauschale gelöst; offene Stellen werden lediglich verschoben.
Firmen setzen nur noch Niederlassungsschwerpunkte, und lassen die Fachkräfte zu sich kommen, das spart schon. Vom tollen Homeoffice mal abgesehen…

15–45% stammen aus verschiedenen Berechnungen mit unterschiedlichen Bewertungsansätzen, die ich recherchiert habe, teils über Metasuchen, teils auch mit Unterstützung moderner Werkzeuge, wie Sie vermutet haben. Meine Texte verfasse ich dennoch selbst im Editor, wenn Sie es genau wissen wollen. Dafür habe ich manchmal mehr, mal weniger Zeit. Dass strukturierte Argumentationen heute schnell als KI-ähnlich markiert werden, sagt meiner Meinung nach mehr über die eingesetzten Tools als über den Inhalt. Mein Sohn wurde bei seiner Masterarbeit auf eine zweistellige Prozentzahl angeblicher Plagiate hingewiesen; das waren, wie sich dann herausstellte, übliche Floskeln und Formulierungen, die keinerlei Inhalt besaßen.

Unabhängig davon, ob man von 15 % oder 45 % ausgeht; das MIV-System wird in erheblichem Umfang von der Allgemeinheit getragen.
In einer Zeit, in der wir nicht wissen, woher das Geld für viele wichtige Aufgaben herkommen soll.
Wenn Haushaltsprobleme angeführt werden, lägen hier zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge, die man optimieren und deren Einsparpotentiale heben könnte.

Hallo Christian,
Sie bleiben an Ihrer Sache dran und investieren Zeit, da sind wir wohl ähnlich unterwegs.

> “…absurd, wenn sich die Debatte ausgerechnet an Maßnahmen wie Tempo 30 entzündet…”
Erstens erscheint es mir seltsam, entzündete Debatten an logischen Gesichtspunkten zu betrachten, und Zweitens gibts doch noch so viele andere Themen der “Eingriffe in den Status Quo”, wie es radograph wahrscheinlich recht zielgenau formulierte. Es ist nicht nur “ausgerechnet Tempo 30”, was diskutiert wird und kritisiert. Ihr Wundern wundert mich an der Stelle.

> “…der Autoverkehr, unter Einbeziehung aller kommunalen und gesellschaftlichen Kosten, nur zu etwa 15–45 % durch direkte Einnahmen gegenfinanziert ist.”
Abgesehen von der enormen Spannbreite der Prozentangabe um den Faktor 3, was ihre Aussagekraft nicht unbedingt untermauert:
Wie ist die Lage beim ÖPNV und beim Regionalverkehr? Wenn man zum Beispiel (!) beim Deutschlandticket nachschlägt, findet man bei Wikipedia: “Bund und Länder beteiligen sich an der Finanzierung aus ihren Haushalten mit 3 Milliarden Euro pro Jahr als Verlustausgleich für die Verkehrsunternehmen. Denen aber fehlen Einnahmen von rund 5 Milliarden Euro.”
Das klingt nicht unbedingt nach Deckung durch Einnahmen. Und dort sind nur die VerlustAUSGLEICHE benannt, nicht die tatsächlichen Kosten der Verkehre, die wir für einen zu errechnenden Deckungsgrad bräuchten.

> “Instrumente wie die Pendlerpauschale setzen dabei zusätzliche Fehlanreize: Sie begünstigen und fördern lange Arbeitswege, externalisieren Kosten (Firmen sparen dadurch) und fördern genau jenen Pendelverkehr, der einen Großteil des Verkehrsaufkommens und des Grundlärms in den Städten verursacht.”
Interessant, dass dieser Text in einem Schnelltest als zu 80 % KI-generiert bezeichnet wird. Benutzen Sie KI für Ihre Kommentare, Christian?

Dass Sie von Fehlanreizen sprechen, das kann ich nicht nachvollziehen. Die Leute können nicht alle in den Städten wohnen, schon heute gibt es dort Wohnraummangel. Oder gehen Sie von einem Fehlanreiz der Arbeitgeber aus, die sich lieber an den Rand der Stadt oder aufs Land begeben sollten?
Die Pendlerpauschale muss von mir aus nicht exorbitant hoch sein, aber die Leute in Zeiten des Fachkräftemangels zu motivieren, auch aufs Land zur Arbeit zu fahren, oder umgekehrt in die Stadt, erscheint mir begründbar. Ist ja für die Berechnung der Pauschale auch egal, womit sich die Leute konkret auf Arbeit bewegen.

Gut, Stichwort Haushaltsprobleme.

Studien kommen in Deutschland zu dem Ergebnis, dass der Autoverkehr, unter Einbeziehung aller kommunalen und gesellschaftlichen Kosten, nur zu etwa 15–45 % durch direkte Einnahmen gegenfinanziert ist.
Instrumente wie die Pendlerpauschale setzen dabei zusätzliche Fehlanreize: Sie begünstigen und fördern lange Arbeitswege, externalisieren Kosten (Firmen sparen dadurch) und fördern genau jenen Pendelverkehr, der einen Großteil des Verkehrsaufkommens und des Grundlärms in den Städten verursacht.

(Mit den dafür aufgewendeten Mitteln ließe sich vielerorts ein weitgehend kostenloser ÖPNV finanzieren.)

Das sind in der Tat “wichtige Probleme.”
Vor diesem Hintergrund wirkt es absurd, wenn sich die Debatte ausgerechnet an Maßnahmen wie Tempo 30 entzündet, während die Ursachen des Verkehrsaufkommens weitgehend unangetastet bleiben.

Danke für die ergänzenden Informationen, Christian. Da ist allerdings kein Widerspruch; es hilft lediglich leicht auf das nicht perfekt passende konkrete Beispiel zu reagieren. Es bleibt eine der Maßnahmen, die Geld kosten.
Ich betone noch mal die wichtigen Wörter “Wenn als Beispiel” in meinem Beitrag. Und die große Varianz der Möglichkeiten, die aus dem Wort “Pflicht wegen EU/BUND” resultieren.

“Ein Ring für alle” ist eine öffentlichkeitswirksame Aktion für die Mobilitätswende, im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche.
Der Lärmaktionsplan ist eine gesetzliche Pflicht für die Stadt, gemäß EU-Richtlinie und BImSchG.

Die beiden Dinge haben lediglich thematisch miteinander zu tun.

PS:
Nachdem die Aktion “Ein Ring für alle” bereits in den Jahren 2022 und 2023 pausierte und erst im September 2024 wieder stattfand, fällt sie 2025 erneut aus.

> “Politik funktioniert nicht sequentiell, sondern parallel.”
Wenn als Beispiel ein Spektakulum wie der autofreie “Ring für Alle” allein schon 100.000 Euro kostet, als Ergebnis irgendeines Aktionsplanes, dann würde ich diese Aussage definitiv infrage stellen wollen.
Wir haben enorme Haushaltsprobleme. Bevor eine angeblich politisch neutrale Verwaltung mit solchen politisch aufgeladenen Mottos um die Ecke kommt und “Aktionspläne” umsetzt, werden bitte vorher deutlich wichtigere Aufgaben umgesetzt! Genau sowas ist ein Fall von “wir haben wichtigere Probleme”, neben den enormen “Geburtsschmerzen” der Aktionsplanumsetzung und ihrem geringen Nutzen.

Niemand bestreitet die Bedeutung von Segregation, Mietpreisdruck oder Vermögenskonzentration. Aber daraus folgt nicht, dass Gesundheitsrisiken ignoriert werden sollten oder diesbezügliche Gesetze durch die Kommunen ignoriert werden können, bis die großen Verteilungsfragen gelöst sind, die zweifelsohne und endlich angegangen werden müssen.
Politik funktioniert nicht sequentiell, sondern parallel.

Lärmaktionspläne beanspruchen keinen gesellschaftlichen Ausgleich.
Sie adressieren konkrete, vermeidbare Belastungen im kommunalen Zuständigkeitsbereich.
Dass frühere industrielle Emissionen oder Smog objektiv schädlicher waren, relativiert heutige, teils anders gelagerte, Gesundheitsrisiken nicht.

Marcel Fratzscher kritisierte kürzlich klimaschädliche und ineffiziente Quersubventionen wie die Pendlerpauschale ausdrücklich, gerade weil sie sozial nicht zielgenau wirken und falsche Anreize setzen.
Verbündete nun ausgerechnet hier zu verorten (um den Status quo zu erhalten), dürfte unterhaltsam werden.

> “Dieses ablenkende “Und was ist mit …” sowohl von Sebastian als auch von Urs…”
Leider nicht verstanden worden, schade. Es ist nicht ablenkend, sondern ablehnend. Auch nicht in der Gesamtheit und absolut, deswegen die konkreten Beispiele für tatsächliche Störfaktoren. Leider ignoriert oder negiert, was den Vorwurf der Substanzlosigkeit leicht auf Sie zurückwirft.
Und wenn die Genervten dann weiter zur afd strömen, dann könnt ihr die tollen Aktionspläne einrahmen. Ihr, die ihr bei riesigen Einflußfaktoren wie Ernährung, sportlicher Aktivität, Rauchen und Drogenkonsum oder was noch an wirksamen Hebeln an der Lebensuhr der Leute am Tempolimit hängen bleibt, weil der Lärm die Leute so früh sterben ließe. Es ist nicht glaubwürdig, dass das die Motivation ist, denn der Effekt ist klein. Der Nutzen von Mobilität dagegen sehr groß. Und das Bedürfnis nach der Schnelligkeit und Leichtigkeit des Verkehrs ist zwischen Rad- und Autofahrern gar nicht so unterschiedlich, wie es gern dargestellt wird. Es ist nicht so, dass das völlig egal wäre.

Und genau dieses Beharren, lieber “radograph”, sozialen Ausgleich mittels Radwegen und 30km/h-Zonen erreichen zu wollen, oder mit Pseudokategorien wie ‘Flächengerechtigkeit’, ist gesamtgesellschaftlich nicht erfolgversprechend. Und war es nie, leider. Die Einkommensspreizung gerät immer eklatanter, die Besitzverhältnisse klumpen immer mehr, und dann soll es das Fortbewegungsmittel Velo richten?!

Um diese Gesellschaft sich nicht atomisieren zu lassen, brauchen die, die den Kopf für die, sagen wir, Egalität oben behalten wollen, Verbündete. Und die liegen, man mag es nicht glauben, bei den nicht wenigen Gebrauchtwagenfahrern (m/w/d), denen in dieser Gesellschaft ebenso das Fell über die Ohren gezogen wird oder werden soll. Die Klimakleber agierten aussichtsreich? Nie im Leben. Und Zeichensetzer wird nie ein Lehrberuf mit Zukunft. Man braucht Verbündete, und nicht allgegenwärtiges Reinreichen, was für Sünder doch die ewiggestrigen Autolenker sind.

Die Autos sind kein Hauptproblem dieser Stadt, auch nicht die am Straßenrand. Sondern Segregation, Gentrifizierung, Mietpreistreiberei, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftstalfahrt, und sowas alles, Superreichtum, Absahner aller Art, und dann demgegenüber die Obdachlosen, denen auch noch die Würde genommen werden soll, ich sage nur Vergrämen durch Musik am Hbf.

Gesellschaftlicher Ausgleich: ja unbedingt! Aber nicht durch Lärmaktionspläne. (Was, wenn es mal eine Lärmaktion vor den Zentralen der Großvermieter gäbe?)

Als Leipzig noch Großindustrie hatte, etwa in der Nonnenstraße, da wummerten die Garnwickelmaschinen die ganze Nacht durchs Quartier. Ist vorbei. Nun immer weitere Immissionsminimierung betreiben zu wollen, ist Verabsolutierung. Und derlei ist eine Untugend, leider. Man muß Dinge ins Verhältnis setzen. Sonst wird man verrückt.

Urs, die Antwort auf Ihre Frage zu nicht betrachteten Lärmquellen ist schlicht: Dies ist ein kommunaler Lärmaktionsplan. Die kommunalen Lärmaktionsplanung entwickelt nur Maßnahmen im Kompetenzbereich der Kommune. Sofern überhaupt datenbasiert quantifizierbar und verortbar, sind Lärmkartierungen von Quellen außerhalb dieser Kompetenz nur nachrichtlich enthalten.

Dieses ablenkende “Und was ist mit …” sowohl von Sebastian als auch von Urs in Verbindung mit dem Verneinen der gesundheitlichen Relevanz des durch KFZ-Verkehr verursachten Lärms z.B. in Form von “Ich kann es nicht ernst nehmen, sorry” oder “Nebenproblem” sowie die substanzlose Kritik an der Methodik des Lärmaktionsplans zeigen deutlich, dass nicht im LAP, sondern in ihren aufgebauschten Argumenten ein höchst politischer Ansatz steckt, der jeglichem Eingriff in den Status Quo des KFZ-Verkehrs die Legitimität abzusprechen sucht.

Die Systematik der EU-Gesetzgebung, umgesetzt in nationales Recht, zielt mit der evidenzbasierten Ableitung und Priorisierung leistbarer Maßnahmen auf gesellschaftlichen Ausgleich durch die Verbesserung der schlechtesten Wohnbedingungen. Es ist der Abbau der sozialen Unterschiede, der Demokratien stärkt, nicht schwächt.

Weiß hier im Kommentarbereich eigentlich jmd., warum Urs seine Fragen (und Vergrämungsverschwörungen) immer hier stellt, statt sich damit an die entsprechenden Stellen zu wenden?

Weiß hier jmd., warum Urs immer an lokaler Politprominenz mit dem Rad vorbeifährt, nicht anhält und seine Fragen dort stellt, sondern von der Vorbeifahrt hier im Kommentarbereich berichtet, die Frage (und Vergrämungsverschwörungen) nachschiebt, damit das Netz vollspamt und uns langweilt?

Ihm ist doch nicht an einem (oder mehreren) Erkenntnisgewinn(en) gelegen.

Dass Städte früher lauter und dreckiger waren, ist historisch korrekt, aber kein Argument gegen heutige Prävention. Fortschritt bedeutet nicht, Belastung auszuhalten, sondern sie zu vermeiden, wo es möglich ist.

Es geht nicht um einzelne Motorräder, Drohnen oder Raser, die ich genauso unschön finde, sondern um Maßnahmen zur Senkung des Grundlärms. Diese lösen nicht das Problem der Poser und Rabauken, reduzieren aber die chronische Belastung vieler Anwohner. Messbar.

Auch wenn schiefe Verteilungen und problematische Mittelwerte sicher statistisch richtig sind, folgt aber nicht daraus, dass Verkehrslärm ein aufgebauschtes Problem wäre.
Da dauerhafte Grundpegel gesundheitlich relevant sind (gut belegt), liegen die WHO-Schwellenwerte deutlich unter den Grenzwerten der kommunalen LAP.

Urbanität rechtfertigt Geräusche, aber keine chronischen Belastungen oberhalb medizinisch belegter Schwellen.
Ab dort ist Regulierung kein Aufbauschen oder eine “Vergrämung”, sondern Daseinsvorsorge.

Ja, früher war wirklich alles besser! Da hatte man den Dreck, den man einatmet (bevor man früh ablebt), wenigstens noch gesehen. Aber was Urs nicht sieht, gibt es nicht und sich damit zu beschäftigen ist Quatsch, da Vergrämung.
Als hätten wir das hier nicht schon seit Jahren gewusst.
Die Platte hat den Sprung. Nicht nur die.

Schon länger wollte ich mal einen O-Ton vom 3.2.1987 aus RIAS2 zum Besten geben, auf den ich zufällig gestoßen bin: https://rias1.de/sound4/rias_/jugendwelle/19860000_rocknachrichten_popcorn_boutique_.mp3#t=1082 Es handelt sich um die Nachrichtensendung von 11.30Uhr, ich empfehle die fünf Minuten bis zuende zu hören, auch die Verkehrsmeldungen hatten es in sich (im Anschluß kommen die Bangles und Chaka Khan, aber das ist noch was anderes). Damals war am 1.2.1987 in Westberlin ein Smogalarm der Stufe I mit Fahrverbot ausgerufen worden. Smog ist zwar nicht Lärm. Aber machen wir uns nichts vor: die damalige Inversionswetterlage, die auch schon in den Jahren zuvor in Leipzig nicht selten auftrat, und bei der man ein Stechen in den Bronchien hatte, kann sich heute niemand mehr vorstellen, und die hatte eine unvergleich höhere Schadenswirkung, als alles, dessen wir heute ausgesetzt sind.

Das bedeutet nicht, daß ich mir mehr Straßenlärm wünsche, nur um sicherzugehen. Es ist aber albern, wenn ich lese, daß etwa Motorradlärm in den Betrachtungen ausgeblendet wird. Und übrigens: die Rettungs-Helis sind und bleiben bitteschön sakrosankt! Stadt ist lärmig, wenigstens dann und wann und immer wieder. Hufgeklapper war auch nicht leise. Und die alten Einzylinder-Dieseltraktoren waren ein akustisches Schauspiel. Die quietschenden Starrachs-Straßenbahnen desgleichen. Gibts alles nicht mehr. Lärm ist wirklich ein sehr schwaches Problem-Sujet unserer Stadtgesellschaft, da beißt die Maus kein’ Faden ab.

> “…eben auch eine soziale Frage, wer sich eine gesunde Wohnumgebung leisten kann.”
Was es ab dem Moment nicht mehr ist, ab dem die Miete für die Wohnung an der Hauptstraße genauso hoch ist, wie im Viertel drinnen. Wo es keine Minderungsfaktoren mehr gibt, gibts auch keine Minderung mehr. Für mich war es damals ein ziemlich guter Kompromiss.

> “…die Notwendigkeit von Minderungsmaßnahmen komplett abzusprechen”
Naja, das war jetzt aber auch überspitzt formuliert. Ich hatte weiter unten Maßnahmen angesprochen, um störenden Lärm zu mindern. Auch in anderen Kommentaren.

Urs, Ihr Verweis auf schiefe Verteilungen und Mittelwerte ist natürlich insofern richtig, dass die Mittelwerte die tatsächliche Lärmbelastung nicht komplett abbilden. Allerdings ziehen Sie mit Ihrer Aufbauschungsthese daraus die falschen Schlüsse: Ein dauerhaft hoher mittlerer Lärmpegel ist hinreichend für ein deutlich erhöhtes Riskio für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daneben können aber auch z.B. mehrere hohe Spitzenpegel in der Nacht, bei geringem Mittelwert, erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dagegen führen selbst drei Patienten oder Organlieferungen am Herzzentrum in der Nacht, verbunden mit sechs Hubschrauberfügen, die eine Siedlung mit sehr hohen Pegeln bei geringem Mittelwert versorgen, zu akut gestörtem Schlaf und damit verminderter Konzentration, zuzüglich zur langfristigen Risikoerhöhung.

Der Leipziger Lärmaktionsplan betrachtet entsprechend der Bundes-Immissionsschutzgesetz und BImSchV hauptsächlich die Mittelwertindizes, und bleibt dadurch gerade bei Straßenbahn-, Flug- und Eisenbahnlärm lückenhaft. Das ändert aber nichts daran, dass die Mittelwerteindizes insbesondere für den Straßenverkehr eine für die Betroffenen langfristig gesundheitsschädliche Belastung identifizieren. Die Problematik wird sehr genau und verständlich in der “position // juli 2019, WHO-Leitlinien für Umgebungslärm für die Europäische Region” des Umweltbundesamtes diskutiert. Durch die Separation der Schallquellen wird im Übrigen die unterschiedliche “Schiefe” der Verteilungen einzelner Lärmquellen teilweise kompensiert. Die Festlegung der Schwellen erfolgt bei der WHO evidenzbasiert, d.h. bei einer beobachtbaren Erhöhung der Erkrankungsraten im Vergleich zu nicht lärmexponierten Vergleichsgruppen. Diese liegen beim Tagesindex der WHO bei 53 dB(A), bei Nachtindex bei 45 db(A). Hier wird im Leipziger LAP mit Tagesauslösewert von 65 dB(A) und Nachtauslösewert von 55 db(A) für Maßnahmen, also bei 10 dB(A) mehr als den WHO-Grenzwerten (bei leicht veränderter Berechnung), definitiv nichts aufgebauscht. So wie Sebasitan (“Krank bin ich nach 13 Jahren Wohnen an einer Bundesstraße nicht geworden, wie auch.”, “Ach bitte…”) und Urs (“Nebenproblem”) sogar die Notwendigkeit von Minderungsmaßnahmen komplett abzusprechen, halte ich für moralisch verwerflich. Wie EarlGrey überspitzt formulierte, ist es eben auch eine soziale Frage, wer sich eine gesunde Wohnumgebung leisten kann. Hier ist staatliche Regulierung (EU-Richtlinie/Bundesimmisionsschutzgesetz/Lärmaktionsplan) unbedingt geboten. Natürlich kann man über die effektivsten leistbaren Maßnahmen streiten (vgl. LAP 3. Forschreibung Abschnitt 8. Kosten-Nutzen-Analyse), die Notwendigkeit besteht in jedem Fall.

Hallo Christian,

> “Natürlich haben Sie deswegen keine Erkältung bekommen.”
Um die ging es eigentlich auch nicht. Mir ist schon klar, welche Erkrankungen gemeint sind.

” “Aber permanenter Straßenlärm ist weit mehr als nur ein Ärgernis; er fungiert als chronischer Stressfaktor, der biologische und psychische Kettenreaktionen im Körper auslöst. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Schlafprobleme, u.v.m.”
Asthma haben Sie eventuell noch vergessen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich genieße das, was von der Straße kommt, nicht als akustischen Veilchenduft. Aber wenn ich sehe, wie die Schadstoffwerte immer, immer niedriger werden. Wie die Autos, Busse und LKW immer leiser werden, teils durch Elektrifizierung, dann kann ich über aufgebauschte Effekte nur den Kopf schütteln. 35 Jahre nach der Wende werden wir ganz schlimm krank vom Autoverkehr. Ich kann es nicht ernst nehmen, sorry.
Ich hatte die Wahl, wohin ich ziehe. Diese Lage ist für mich sehr gut, die Miete ist machbar, und im Gegensatz zu brüllenden Zweitaktern oder rußenden Vorkammerdieseln leben wir heute in einer Zeit, wo allein durch neue Forderungen ein Problem eher herbeikonstruiert wird, als das es tatsächlich besteht. Wenn ich empfindlich gegen Lärm bin, ziehe ich entweder nicht an eine große Straße, oder überhaupt nicht in eine Stadt. Es ist schon immer klar, dass eine Stadt mehr Trubel und Reize hat, als das Land. Deswegen wurden Wochenendgrundstücke erfunden. Kleingärten. Datschen. In Tschechien, in Russland, in Sausalito. Wer die großartige Infrastruktur der Stadt nutzen möchte, aber deren Funktionalität für Andere einschränken, damit es gefühlt wohliger ist im Schanigarten am Superblock, der verfolgt halt eine andere Lebenseinstellung. Das kann und soll es von mir aus geben, aber ich kann es nicht ernst nehmen.

> “(damals gab es sogar Rücksicht auf das Umfeld)”
Auf welches Früher Sie hinweisen, kann ich gerade nicht herauslesen. Aber wenn Sie an die 80er denken: Auch da gab es die ganzen Brüllfrösche á la GTI, GSE usw. an Tankstellen, Ampelrennen etc.

> “…aktiv Maßnahmen zur Lärmminderung zu ergreifen. Insofern ist das Thema kein aufgebauschtes, sondern ein reales.”
Naja, wenn sie als Verwaltung (auf welcher Ebene auch immer) so Sachen wie “Klimanotstand auf kommunaler Ebene” mitmachen, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn nächstes Jahr die DUW vor der Tür steht und ein Verfahren anhängig macht, weil keine Umweltzone erlassen wurde. Um dann zehn Jahre später festzustellen, dass sich die Schadstoffe genau wie in der Nachbarmetropole ohne Umweltzone nach unten bewegt haben. Natürlich werden all diese Papiertiger irgendwann zwingende Realität. Trotzdem gibt es einen Rahmen, in dem man sich als Verwaltung bewegen kann.

> “…da die Möglichkeiten eben nur begrenzt sind, und bei Lärmerzeugern wie Pkw-Fahrern Unmut erzeugen.”
Wenn Sie an der Lützner, Karl-Heine oder Eisenbahnstraße wohnen, dann entsteht der Unmut ganz von allein. Vor allem, wenn er sich ab dem frühen Morgen im Zehnminutentakt in Ihre Wohnung dröhnt und vibriert. Der Wille der Verwaltung, sich diesem Lärm zu widmen, und dort Geld auszugeben, scheint mir geringer, als ein paar Schilder aufzubauen, deren Effekte gering und abhängig von Umständen wie Wetter, Fahrzeuggewicht und Motorart sind.

“Krank bin ich nach 13 Jahren Wohnen an einer Bundesstraße nicht geworden, wie auch.”
Natürlich haben Sie deswegen keine Erkältung bekommen.
Aber permanenter Straßenlärm ist weit mehr als nur ein Ärgernis; er fungiert als chronischer Stressfaktor, der biologische und psychische Kettenreaktionen im Körper auslöst.
Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Schlafprobleme, u.v.m.
Man hat sogar nachgewiesen, dass Kinder, die an stark befahrenen Straßen aufwachsen, negative Auswirkungen auf die Lern- und Gedächtnisleistung hatten.
Ich möchte das nicht überstrapazieren, aber so einfach, wie obige Aussage, ist es sicher nicht.

“braucht es eben Gesetzte, die das regeln.”
Da haben Sie recht, ja, die Regeln gibt es.
Ich würde mal die These aufstellen, dass “damals” solcherlei Lärmer und Protzer mangels Material und dank erhaltener Erziehung (damals gab es sogar Rücksicht auf das Umfeld) gar nicht so häufig am Start waren, und man sich nun schärfere oder diesbezügliche Regeln wünscht, um diesem Unverhalten Einhalt zu gebieten.
Das wird man aber nur mit Kontrollen vor Ort lösen können.
Sehr gern auch bei Rotfahrern!

Städte sind in Deutschland und der EU gesetzlich dazu verpflichtet, auf Lärm zu achten und aktiv Maßnahmen zur Lärmminderung zu ergreifen. Insofern ist das Thema kein aufgebauschtes, sondern ein reales.
Lärmkarten und Lärmschutzpläne sind keine Erfindung der Städte “zur Vergrämung”, sondern Verpflichtungen aus Gesetzen.
Ehrlich gesagt möchte ich da auch nicht in der Haut der Stadt stecken, da die Möglichkeiten eben nur begrenzt sind, und bei Lärmerzeugern wie Pkw-Fahrern Unmut erzeugen.
Allerdings dürfen sich diese auch mal bewusst machen, dass es ohne MIV erheblich ruhiger wäre und die Lärmkarten dadurch ganz anders ausfallen würden.

Eine Lärmgegenmaßnahme sind übrigens auch “grüne Finger” und Parks und generell “Grün”.
Eine stetige Bebauung von grünen Brachflächen oder das chronische Nichtersetzen von Bäumen tragen also auch zur Verlärmung bei.

Es ist einigermaßen unterhaltsam, sich von jemandem, der sich so wenig im Griff hat, die Leviten lesen zu lassen, und als “im Kopf stehengeblieben” bezeichnet zu werden. Das war doch schon mal ein guter Start in den feuilletonistischen Tag.
> “Ja, wem nutzen denn die ganzen Autos? Doch zu allererst nur denen, die drin sitzen.”
Genau das war, was ich meinte. Es ist also eine Stadt für Menschen, statt für Menschen, und schon ist die tolle Forderung als totaler Quatsch “entlarvt”.

> “Wenn die ganzen Ichlinge in ihren Dosen nun krankmachenden Lärm erzeugen, braucht es eben Gesetzte, die das regeln.”
Auf jedem Schiff, ob es dampft oder segelt, gibt es einen, der die Sache regelt. Und das sind….Sie! Hände hoch, wir sind bei Social Media! 😀
Die Regeln gibt es bereits, wie Sie wissen. Und war einige.
Und auch ich habe nichts davon, dass Klappenauspuffe, Fehlzündungen und fragwürdige Drehzahlorgien in dieser durchnormierten, geTÜVten Welt überhaupt möglich sind. Man kann solchen Scheiss konstruieren, bewerben, verkaufen und aus Gründen auf diesen Straßen betreiben. Krank bin ich nach 13 Jahren Wohnen an einer Bundesstraße nicht geworden, wie auch. Aber natürlich nerven mich solche “Ichlinge” mit “Einzelschallereignissen” auch, zum Beispiel beim Schlafen. Gäbe es das Personal, dann wünschte ich mir sehr gern mehr Kontrollen. Gottschedstraße, da könnte man die Klientel zum Beispiel mal kontrollieren. An Samstagabenden auf der Karli, und zwischendurch gleich die ganzen (!) Rotfahrer abfetten.

> “Fahr doch ÖPNV, wenn du ihn dir leisten kannst, wir bezahlen den nicht.”
Allein unsere klamme Stadt wendet jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge auf, letzte Zahl waren 96 Millionen, um den ÖPNV zu bezahlen. Das Land fördert mit großem Aufwand die Beschaffung von Bussen und Bahnen. Sie werfen mit Dreck um sich, der exakt die gleiche populistische Farbe hat wie das, was Sie anderen vulgär vorwerfen.

> “Du wohnst an einer lauten Straße, wirst krank und hast ein frühes Ableben?”
Ach bitte…

> “…und werden keine Auswirkung auf die Protzer und Lärmer haben.”
Exakt so ist es leider. Trotzdem gibt es Leute, die nach Unfällen wie besoffen bei Rot über die Kreuzung, oder handyspielend ins Kiesbett der Straßenbahn, nach flächendeckend Tempo 30 rufen. Weil ja dieses Schild genau das verhindert…oh man. AfD-wählen hilft da sicher nicht, aber den besorgt guckenden Dienbergs vor ihren “Massenunfallhäufungsstellen” kann man schon mal den Spiegel vorhalten.

Mal zurück zum Thema. Das Empfinden von Lärm ist bei jeden Menschen unterschiedlich. Kleiner Zwischensatz, ich bezweifle nicht im geringsten das Lärm krank macht. Ich habe früher jahrelang bei der Montage der DR (Deutsche Reichsbahn für die die sich nicht mehr daran erinnern) gearbeitet. Wir haben mit unseren Bauzugwagen direkt auf dem Bahnhof geschlafen und ja man gewöhnt sich daran. Während die Bewohner in Markkleeberg sich jedes Jahr über den Lärm des THINK Festival am Nordstrand beschweren (Aussage der Stadt ist im Bereich des erlaubten, obwohl man an der Koburgerstraße noch bequem der Vorstellung folgen kann). Was ich eigentlich sagen will, viele Menschen nehmen ein Veränderung von nur 3dB zum Grundpegel schon als Lärm war. Heute tragen wir bei der Arbeit immer wieder Ohrenschützer (was auch gut so ist). Alle die erwähnten Maßnahmen wirken sich nur auf den Grundpegel aus und werden keine Auswirkung auf die Protzer und Lärmer haben. Die gibt es in allen Geschmacksrichtungen. ob bei 30 km/h im 1 Gang mit 6000 U/min oder beim Laufen oder Fahrradfahren mit seiner eigenen Geschräuchkulisse von der eigenen Playliste. Sogar im angeregten Gespräch am Telefon (Wo man am liebsten erklären möchte wie ein Telefon funktioniert und er nicht schreien muss) Diese Probleme wird man durch die genannten Maßnahmen wahrscheinlich nicht los.

Ach, ich wusste es: Wissenschaftliche Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Handlungen sind für Urs (Experte für alles), aufgebauscht und sollen nur den vermeintlichen (selbsternannten, zugeschriebenen, etc.) Gewinnern weil Vorderen der Nahrungskette irgendwas vergrämen.
Ja, manche Einstellungen von Menschen werden sich nicht mehr ändern. Sie werden mit ihnen aussterben. Das müssen wir akzeptieren.

Was für ein geklempnertes Weltbild, mein Herr! Das Draufschlagen auf die Habe- und Kriegenichtse, was sich Herr Bundeskanzler uns eine Riege ausdenkt, hat jetzt was mit Straßenlärm zu tun? Gesellschaftlichen Ausgleich durch, sagen wir, Kampf gegen Straßenlärm? Ich bitte Sie! Ich betreibe 7 Fahrräder. Falls Sie mich irgendwie in den Kampf gegen gesellschaftliche Zersplitterung, man könnte das als ein im weitesten Sinne linkes Ansinnen ansehen, einbezogen sehen wollen, dann vergessen Sie Straßenlärm als Sujet! Es ist und bleibt aufgebauscht.

Damit ich noch besser verstanden werde: Ich habe nichts dagegen, dass du ein Auto hast. Du kannst wegen mir einhundert Autos haben (was ich völlig krank fände, weil du ja immer nur in einem sitzen kannst), aber Du kümmerst dich um einen Stellplatz für jede dieser Karren (und forderst das nicht von der Gesellschaft) und auch sonst hälst du dich an die gängigen Regeln, inkl Lärm. Was du darüber an Verschwörungsmythen von dir gibts, interessiert nur dein Stammtisch.

Zurück zur AfDCDU: Statt dessen feiert man dort die Klassengesellschaft. Wie? Du kannst dir kein Auto leisten? Freiheit! Fahr doch ÖPNV, wenn du ihn dir leisten kannst, wir bezahlen den nicht. Du wohnst an einer lauten Straße, wirst krank und hast ein frühes Ableben? Pech gehabt. Dann arbeite doch Vollzeit, kannste ins Grüne ziehen, du faules Stück Lifestyle-Teilzeitler. Freiheit! Zum Zahnarzt musst du eh nicht. Und 48% Rente reicht doch völlig. Und welche Sau nicht die letzten Wochen durchs Dorf getrieben wurde gegen “die da unten”.
Warum machen die das? Sie testen aus, wie weit sie gehen können. Und bei Urs und Sebastian hats schon verfangen.

Damit ich noch besser verstanden werde: ich habe mit CDU und AfD nichts zu tun! Das Argumente-Drechseln gegen die vorhandenen Autos erzeugt leider aber einen beträchtlichen Kollateralschaden. Ein nicht geringer Anteil der Einwohnerschaft ist des Insistierens, sie seien die Verkörperung eines Grundübels, überdrüssig. Kraftwagen mit Poser-Abgasanlagen sollen bedenkenlos sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Aber wenn der Feinstaub als herausgestelltes Übel an Überzeugungskraft einbüßt, nun erneut mit Lärm um die Ecke zu kommen, ist, ich schreibe das sehr ungern, unerträglich. Und arithmetische Mittelwerte sind als Beschreibung untauglich, sofern die Verteilung ordentlich schief ist, übrigens, leider aber nützlich beim Aufbauschen.

Verdammt. Ich wollte eigentlich F0tzenfritz schreiben. Aber heben wir das alles nochmal eine Ebene höher..

Wir sind mit vielfältigen Krisen konfrontiert: Einer Klimakrise, einer Feinstaubkrise, einer Lärmkrise, einer Mikroplastikkrise und in den Städten mit einer Flächenverteilungskrise. Im Zentrum all dieser Krisen finden wir – das Auto.
Das kann man alles so belassen, wir können es aber auch ändern – im Sinne des Gemeinwohls. Aber auf Gemeinwohl hat eine AfDCDU gar keine Lust.

Ja, wem nutzen denn die ganzen Autos? Doch zu allererst nur denen, die drin sitzen. Steht ja auch im Text.
Das mit der Nutzung dieser Maschinen aber auch eine gewisse Verantwortung einher geht, wird oft vergessen. Wieder von denen, die drin sitzen.
Wenn die ganzen Ichlinge in ihren Dosen nun krankmachenden Lärm erzeugen, braucht es eben Gesetzte, die das regeln. Frauen schlagen und vergewaltigen war ja auch mal erlaubt (da nicht verboten). Für die CDU und Powerfite war das 1997 auch noch ganz normal. Das kann man blöd finden (und nach der Alternative schreien), zeigt aber doch nur, wo man im Kopf stehengeblieben ist.

Dumm, ja dumm sind alle meine Wähler…singen wir bald Ihr Lied, EarlGrey?

Abseits krawalliger Begrifflichkeiten kann man einfach mal wieder in Erinnerung rufen, dass Leute wie der Gehzeug-Populist Knoflacher seit Jahrzehnten (!) für Tempolimits als Mittel des “unattraktiver-machens” des Autoverkehrs werben. Unter anderem mit eher esoterischen Argumenten, dass die Menschheit dem Geschwindigkeitszuwachs der letzten 200 Jahren gar nicht geistig gewachsen wäre. Auf Leute wie ihn beruft sich die “Stadt für Menschen statt für Autos” Bewegung, die in ihrem knalligen Slogan allzu gern unterschlägt, wem die Autos nützen, wer sie gekauft hat und lenkt: Menschen. Und findet dann natürlich jede Menge unentkräftbare Argumente, die für niedrige Tempolimits sprechen. Dabei geht es einfach nur um Politik.

Wenn die CDU es irgendwie schafft, die nötigen Regelungen anzuschieben, dass nicht aus jeder Straße eine Tempo-30-Zone wird, finde ich das sehr gut. Wenn es mit dieser Partei nicht mehr möglich ist, dass aus einer über viele Jahre bestehenden, 2+2-spurigen Tempo-60-Ausfallstraße wegen ein paar Zentimetern zum Schild nun plötzlich Tempo 50 wird, flankiert von häufigen Blitzern an der Stelle, dann finde ich das sehr gut. Es gibt auch keinen zwingenden Grund für die sehr kurze Ampelschaltung für Autos auf der Karli, Kreuzung Eisner und Lehmannstraße. Es ist schade, bietet aber gleichzeitig eine Chance, dass für solche Dinge die zuständigen Bürgermeister und dann ausgesuchten Personale eine Wirkung haben.

Na ja, mind. 55db TAGESMITTELWERT, da hätte man auch noch mal drüber nachdenken können, bevor man sich wieder mit vielen Worten auskotzt. Aber bei Urs brummts halt. Wen überrascht das? Hände hoch! Ahh, niemand.

Somit zeigt sich im Kommentarbereich auch hier wieder mal wie wichtig es ist, das Stimmvieh dumm zu halten. So kann man ihm nämlich schön Angst machen. Es plappert dann die Kulturkampfparolen nach und wählt dementsprechend (oder meint, dass damit gewisse Attraktivität gewonnen wird). Schließlich: Lärmaktionspläne = EU-Gesetzgebung = Bürokratie = ganz schlimm = Vergrämung = Mussweg. Das Dummhalten hat gerade die sächsische CDU perfektioniert und wird nach 30 Jahren auch noch rechts überholt. Na sowas. Ich traue mich gar nicht zu fragen, wen das überrascht.

Ein Kühlschrank mit 55dB? Na Prost Mahlzeit!
39dB sind state-of-the-art. Und nur weil die Alten alle schon schwerhörig sind, heißt es nicht, dass es nicht zu laut ist.
Sieht man mal wieder, wo Sie leben, Urs. Hinterm Mond…

> “Vergleich: Ein Auto mit 50 km/h ist für die akustische Umwelt so belastend wie zwei Autos mit 30 km/h”
Oder auch gar nicht belastend. Denn so wie es hier im Artikel steht: herausstechen tun die einzelnen, wenigen Protzer und Lärmer. Ich halte so eine sehr allgemeine Aussage wie im Zitat nicht für sehr belastbar.

Und zusätzlich müssten die bereits schon beschlossenen Tempo 30 Zonen durch die Stadt nur noch umgesetzt werden. Daran scheitert die Lärmreduktion leider oft (z.B. Kurt-Eisner-Str). Die Alternative – Einbau von Schallschutzfenstern -blockiert die Denkmalpflege…

Ein aktueller, moderner Kühlschrank emittiert typischerweise einen Geräuschpegel zwischen 35 und 42 Dezibel (dB). Besonders leise Modelle können sogar Werte unter 30 dB erreichen. >42 dB gelten als laut. Was für eine Höllenmaschine nutzen Sie zum Vergleich, Urs?

3 bis 5 dB werden durch die Reduzierung auf Tempo 30 erreicht.
Somit emittieren Verbrennerautos nur noch ca. die Hälfte der Schallenergie, was sich als deutliche Reduzierung der Lautstärke auswirkt, aber nicht als Halbierung.
Vergleich: Ein Auto mit 50 km/h ist für die akustische Umwelt so belastend wie zwei Autos mit 30 km/h.

Man muss das Lärmthema sicher nicht aufbauschen; zu einem Vergrämungszweck oder AfD-Keim muss man es aber auch nicht erklären.

55dB emittiert ein Kühlschrank. Das soll ein wirkliches Problem für 81800 Einwohner ein? Mich würde auch mal der Median interessieren, und nicht das Mittel, die Verteilung ist ganz sicher sehr schief!

Wärmekraftmaschinen-getriebener MIV mit Tempi oberhalb von 30 Stundenkilometern sei das Übel. Ok. Dumm nur, man kommt mit ubiquitärem Tempo 30 nicht mal 5dB runter, eher nur die Hälfte. Also wird klar, daß es um Vergrämung geht, quasi zur Beförderung der vielzitierten Verkehrsverdunstung (FKA Verkehrsverpuffung).

Wirklich: Lärm ist ein Paradebeispiel eines Nebenproblems. Es ist nicht angezeigt dies aufzubauschen. Man könnte auch noch die sog. Klimaziele unserer Messestadt zitieren, ich weiß. Und wenn man alles zusammengerührt hat, darf man sicher sein, daß die AfD weiter an Attraktivität gewonnen hat.

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