Wir leben im Zeitalter der Drohnen. Nicht nur im Krieg werden sie inzwischen systematisch eingesetzt. Auch zur Spionage kommen sie zum Einsatz, überfliegen systematisch sensible Infrastrukturen, selbst Kasernen und Flugplätze. Die sächsischen Behörden haben 2025 insgesamt 21 sicherheitsrelevante Drohnenüberflüge über Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) registriert. Das zeigt die neueste Landtagsanfrage des Linken-Innenpolitikers Rico Gebhardt zu diesem Thema.

Demnach kam es nach Auskunft des Innenministeriums (Drucksache 8/5301) zu 13 Vorfällen im Energie-Bereich, jeweils viermal waren militärische Einrichtungen sowie der Sektor Transport und Verkehr betroffen. Die meisten Sachverhalte ereigneten sich im Landkreis Leipzig. Hier offensichtlich im Umkreis des Kraftwerks Lippendorf und von  DOW Böhlen.

„Die begehrte Detailaufschlüsselung legte der Innenminister nicht vor – offensichtlich tappt die Polizei im Dunkeln“, kommentiert Rico Gebhardt und erklärt die doch sehr oberflächlichen Zahlen.

„Drohnenführer wurden nicht festgestellt bzw. ermittelt“, heißt es. „In keinem Fall sei bislang ein ‚Nachweis für eine Involvierung nachrichtendienstlicher bzw. ausländischer Stellen erbracht‘ worden. Unklar bleibt, ob es dahingehende Indizien gibt. Damit setzt sich eine Serie möglicher Ausspähflüge fort: Frühere Linke-Anfragen hatten aufgedeckt, dass schon im ersten Halbjahr 2025 insbesondere das Kraftwerk Böhlen-Lippendorf im Fokus stand (Drucksache 8/3364). 2024 war es zu Sichtungen über Bundeswehr-Liegenschaften und sogar zu einem Absturz gekommen. Ermittlungserfolge blieben aus.“

Wo blieb die Drohnenabwehr?

Und dann die nüchterne Erkenntnis: Die eigene Drohnenabwehr der sächsischen Polizei hatte bei all diesen Vorfällen offensichtlich keinen Nutzen. Sie kam dafür 2025 insgesamt 25 Mal vor allem bei Großveranstaltungen zum Einsatz, teils tagelang, auch in anderen Bundesländern.

„Dabei gelang es wiederholt, Drohnen zu detektieren sowie deren Pilotinnen und Piloten zu finden – so mehrfach Anfang November bei Lampertswalde“, so Gebhardt.

„Zuvor war es der sächsischen Drohnenabwehr Anfang August bei einem Einsatz anlässlich einer Werkseröffnung im niedersächsischen Südheide offenbar erstmals gelungen, die Steuerung über eine fremde Drohne zu übernehmen und diese zur Landung zu zwingen. Erfolglos blieb hingegen der Versuch, im September erneute Überflüge in Böhlen abzuwehren. Hier gibt es also noch ,Luft nach oben‘.“

Daher wolle sich die Linksfraktion im Sächsischen Landtag den Planungen, die Drohnenabwehr bei der Novellierung des Sächsischen Polizeivollzugsdienstgesetzes zu stärken, nicht grundsätzlich verschließen, so Gebhardt.

„Allerdings kann es damit nicht getan sein: Bisher werden in Sachsen sicherheitsrelevante Taten gegen Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur nicht systematisch erfasst, wie das Innenministerium einräumt (Drucksache 8/5199). Das passiert selbst dann nicht, wenn sich eine Tat gegen Einrichtungen richtet, ,bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere schwerwiegende Folgen eintreten würden‘. Das ist eine große Sicherheitslücke, die sofort geschlossen werden muss“, sagt Gebhardt.

„Andernfalls wird es kaum möglich sein, Schwachstellen etwa im Bereich der Energieversorgung zu erkennen – oder sie gegen mögliche Angriffe abzuschirmen. Über die gezielte Erfassung hinaus muss es darum gehen, unverzichtbare Infrastruktur baulich bestmöglich gegen einen Anschlag wie zuletzt in Berlin abzusichern. Ich bin verwundert, dass das nicht längst passiert. Von einem Schutzkonzept ist Sachsen gefährlich weit entfernt.“

Und ganz billig ist die Drohnenabwehr auch nicht. Sie kostet allein für Material und Lizenzen 130.000 Euro jährlich. Zehn Bedienstete sind für das Vorhalten der Drohnenabwehr zuständig. Andererseits sind die Drohnenmannschaften auch immer wieder in anderen Bundesländern im Einsatz – etwa zu Bundeskanzlerbesuchen in Halle und Magdeburg.

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