Es ist ein ganz besonderes TV-Krimi-Projekt, das nun plötzlich ein Ende findet: Am kommenden Sonntag, dem 15. Februar, ermitteln die Kommissare Henry Koitzsch und Michael Lehmann (gespielt von Peter Kurth und Peter Schneider) letztmalig in Leipzigs charmanter Nachbarstadt. Es ist, so heißt es jedenfalls überraschend, der dritte Fall einer „Polizeiruf“-Trilogie und wäre damit eine Besonderheit, die es in der 55-jährigen Geschichte dieses Formates noch nie gegeben hat.

Tod im Badezimmer

Der Fall beginnt mit einem mysteriösen Leichenfund in einer Wanne. Schnell wird klar, dass die alte Frau Krüger (Sybille Maria Dordel) keines natürlichen Todes starb… Die Spurenlage führt die Ermittler zurück in die Vergangenheit, zum ungelösten Mord an Uwe Baude, mit dem die Trilogie 2021 begann. Der düstere Verdacht kommt auf, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben. Dabei treffen sie auf eine alte Bekannte – Katrin Sommer (Cordelia Wege). Ist sie vielleicht der Schlüssel zur Lösung?

Was weiß die schöne Katrin (Cordelia Wege)? 2021 hatte sie eine Affäre mit dem Opfer. Foto: MDR/Felix Abraham

Doch ehe die beiden Kommissare den Täter finden, gerät Koitzsch selbst in tödliche Gefahr. Und obwohl dieser Polizeiruf in Halle an der Saale spielt, steckt ziemlich viel Leipzig in dem Film. Schauspieler Peter Schneider ist Leipziger, und auch seine Figur pendelte bisher mit der S-Bahn zwischen Saale und Elster. Regisseur Thomas Stuber lebt ebenso wie Drehbuchautor Clemens Meyer in Leipzig.

Zoff beim Erfolgs-Duo

Zwischen Autor und Regisseur kam es jedoch in der Vergangenheit zum Zerwürfnis. Im April 2024 überraschte Meyer im Interview mit der Leipziger Volkszeitung mit der Feststellung: „Der Polizeiruf ist ein Auftrag zu einem seriellen Krimi, den ich gern schreibe – weil ich es kann, weil es mir Spaß macht und weil ich damit Geld verdiene. Aber menschlich passen muss es dann eben auch. Im Augenblick bin ich sehr enttäuscht.“

Autor und Regisseur verband eine langjährige, produktive Zusammenarbeit. So gelangen ihnen zum Beispiel mit „Herbert“, „In den Gängen“ und „Die stillen Trabanten“ erfolgreiche Produktionen, die Filmpreise gewannen. 2024/25 erreichten Filme des Formats „Polizeiruf 110“ durchschnittlich ca. 7,30 Mio. Zuschauer. Daran gemessen, liegen die von Stuber und Meyer entwickelten Halle-Ermittler mit „Der Dicke liebt“ (7,52 Mio.) und dem ersten Teil „An der Saale hellem Strand“ (7,82 Mio.) deutlich darüber.

Schauen trotz Traum-Quoten in keine gemeinsame Zukunft als TV-Ermittler: Peter Kurth (re., als  Kriminalhauptkommissar Henry Koitzsch) und Peter Schneider (als Kriminalkommissar Michael Lehmann). Foto: MDR/Felix Abraham
Schauen trotz Traum-Quoten in keine gemeinsame Zukunft als TV-Ermittler: Peter Kurth (re., als Henry Koitzsch) und Peter Schneider (als Michael Lehmann). Foto: MDR/Felix Abraham

Zweifelhaftes Ende

Mutmaßungen, dass Meyers öffentlich kundgetane Trennung von Stuber der Grund für das Ende des Erfolgsprojektes sein könnte, will der ausführende MDR nicht bestätigen. Offiziell heißt es: „‚Der Wanderer zieht von dannen‘ ist der dritte und zugleich letzte Teil der als Trilogie angelegten ‚Polizeiruf 110‘-Reihe aus Halle.“

Im Rahmen der Ausstrahlung der ersten beiden Folgen war davon jedoch noch keine Rede. Damals jubelte ARD-Programmdirektorin Christine Strobl: „Zu der tollen Ensemble-Leistung gratuliere ich dem gesamten Team, vor allem aber den beiden neuen Kommissaren: Peter Kurth und Peter Schneider haben ein ganz starkes, ebenso authentisches wie markantes Ermittler-Debüt gegeben. Und der unaufgeklärte Mordfall am Ende verrät schon: Es wird weitergehen in Halle und natürlich auch an allen anderen ‚Polizeiruf 110‘-Standorten in Deutschland. Auf die Zukunft!“

Das Wort Trilogie tauchte in diesem Zusammenhang erst im vergangenen Jahr auf. Gezeigt wird der Film am Sonntag um 20:15 Uhr im Programm der ARD.

ARD setzt Halle-Krimi Schachmatt. Ermittler Henry Koitzsch (Peter Kurth) besucht Roman Schuster (Thomas Lawinky) im „Roten Ochsen“. Foto: MDR/Felix Abraham
ARD setzt Halle-Krimi Schachmatt: Koitzsch (Peter Kurth) mit Roman Schuster (Thomas Lawinky) im „Roten Ochsen“. Foto: MDR/Felix Abraham

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