Die halbierten Ausbildungsjahrgänge, die Folge des starken Geburtenrückgangs in den 1990er Jahren waren, machen sich längst auch an den Leipziger Berufsschulen bemerkbar. Auch die Henriette-Goldschmidt-Schule schafft seit sechs Jahren nicht mehr die nötige Schülerzahl von 550, um im Bestand gesichert zu sein. Das war am 28. Januar Thema im Stadtrat. Ein Versuch der BSW-Fraktion, die Entscheidung noch einmal zu vertagen, fand keine Mehrheit.
Aber sichern kann man die traditionsreiche Henriette-Goldschmidt-Schule nur, wenn sie mit einer anderen Berufsschule zusammengelegt wird. Ein saurer Apfel, nicht nur für die BSW-Fraktion. Für diese versuchte Marco Zscherny zu begründen, warum eine Zusammenlegung der Henriette-Goldschmidt-Schule und der bisherigen Außenstelle des BSZ 1 in der Dachsstraße so überhaupt nicht ginge.
In der Vorlage der Verwaltung wurde es so begründet: „Die Henriette-Goldschmidt-Schule, Berufsschulzentrum der Stadt Leipzig erreicht die gesetzliche Mindestschülerzahl von 550 Schüler/-innen gemäß § 4a Sächsisches Schulgesetz (SächsSchulG) nicht. Im Schuljahr 2024/25 betrug die Gesamtschülerzahl an der Stammschule sowie der Außenstelle 415 Schüler/-innen.
Als Schulträger hat die Stadt Leipzig in Absprache mit dem Landesamt für Schule und Bildung eine Anpassung des Leipziger Berufsschulnetzes ab dem Schuljahr 2026/27 entwickelt, um den Schulstandort langfristig zu sichern. In diesem Zuge erfolgt eine Neuzuordnung des Schulstandortes Dachsstraße 1, 04329 in Leipzig. Die bisherige Zuordnung des Schulstandortes Dachsstraße 1 als Außenstelle des BSZ 1 wird aufgelöst und mit Schuljahresbeginn 2026/27 führt die Henriette-Goldschmidt-Schule diese Außenstelle mit den dazugehörigen Bildungsgängen.“
Alternativlos, sagt das LaSuB
Aber auch die Linksfraktion fand die vorgeschlagene Fusion nicht ideal. Stadträtin Cornelia Falken plädierte in ihrer Rede deshalb eher für eine Zusammenlegung von Henriette-Goldschmidt-Schule und Ruth-Pfau-Schule. Eine Fusion, die am Ende den Verlust eines der beiden Schulnamen ergeben hätte, worauf Anna-Lisa Möbius, Stadträtin der Grünen, hinwies.
Die auch betonte, dass eigentlich im Fachausschuss schon lang genug diskutiert worden wäre und auch das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) hatte dem Vorschlag der Stadt bereits zugestimmt. Und damit das letztlich für die Schulen zuständige Landesamt. Da sei wohl auch schon die Formel gefallen, wonach es keine Alternative gäbe.
Die Henriette-Goldschmidt-Schule hat nur Bestand, wenn sie die Mindestschülerzahl erreicht. Und irgendwie hängt auch die Ernennung einer neuen Direktorin mit diesem Fakt zusammen.
Dass man mit der Dachsstraße eine gangbare Lösung gefunden hat, erläuterte das Dezernat Jugend, Schule und Demokratie in seine rVorlage so: „Mit einer Gesamtschülerzahl von 2.146 Schüler/-innen im Schuljahr 2024/25 zählt das Berufsschulzentrum zu den größten in der Stadt Leipzig. Allein an der Außenstelle Dachsstraße wurden 641 Schüler/-innen im Schuljahr 2024/25 beschult.
Mit der Außenstelle Dachsstraße kann die Henriette-Goldschmidt-Schule bereits zum Schuljahr 2026/27 die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschülerzahl erreichen. Ebenso ist der Bestand des BSZ 1 mit dem Schulstandort Crednerstraße 1 in 04289 mit einer Schülerzahl von zuletzt 1.505 Schülerinnen und Schülern gesichert.
Für die Neuzuordnung muss neben der Aufhebung der Außenstelle Dachsstraße des BSZ 1 zeitgleich die Einrichtung der Außenstelle Dachsstraße der Henriette-Goldschmidt-Schule erfolgen. Die Ausbildungsgänge bleiben dabei unberührt. Dies ist aufgrund der klaren Trennung zwischen der Außenstelle Dachsstraße und der bisherigen Stammschule in der Crednerstraße möglich.“
Pläne für die Kohlgartenstraße
Und auch der große räumliche Abstand zwischen beiden Einrichtungen soll schrumpfen, kündigt die Vorlage an: „Langfristig beabsichtigt die Stadt Leipzig mit Auszug der Robert-Blum-Schule aus der Kohlgartenstraße 58 sowie mit abgeschlossener Sanierung des Schulgebäudes eine Verlagerung der Außenstelle Dachsstraße an den Schulstandort Kohlgartenstraße 58.
Damit würde eine räumliche Nähe zur Stammschule erreicht. Des Weiteren bietet der zentrale und in Bahnhofsnähe gelegene Schulstandort eine gute Erreichbarkeit für die Schüler/-innen und eröffnet räumliche Möglichkeiten, weitere Klassen und Bildungsgänge zentrumsnah aufzunehmen.
Laut Schulbaustrategie wird die aktuelle Außenstelle der Robert-Blum-Schule aus der Kohlgartenstraße 58 in die Rosenowstraße 56 umziehen. Ein entsprechender Planungsbeschluss für die Komplexsanierung des Schulgebäudes in der Rosenowstraße 56 wurde gefasst (VII-DS-08972). Das Gebäude Kohlgartenstraße soll im Anschluss saniert werden und steht dann vollständig der Henriette-Goldschmidt-Schule zur Verfügung. Die Außenstelle Dachsstraße wird dann an die Kohlgartenstraße umziehen.“
Und irgendwie fand nicht nur Anna-Lisa Möbius, dass über das Thema lange genug diskutiert worden ist. Eine Mehrheit der Ratsversammlung von 40:19 stimmte letztlich der Vorlage der Verwaltung zur Zusammenlegung zu. Umgesetzt werden soll die Zusammenlegung schon mit dem beginnenden Schuljahr 2026/27: „Zum Schuljahr 2026/27 führt die Henriette-Goldschmidt-Schule neben der Stammschule in der Goldschmidtstraße 20 in 04103 Leipzig, der Außenstelle in der Kohlgartenstraße 58 Leipzig eine weitere Außenstelle in der Dachsstraße 1 in 04329 Leipzig. Das BSZ 1 führt dann ausschließlich die Stammschule in der Crednerstraße 1 in 04289 Leipzig.“
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