Es wird eng in Leipzigs Gymnasien, auch im Immanuel-Kant-Gymnasium in der Leipziger Südvorstadt. Sodass das Gymnasium zum Schuljahresstart 2026 im Grunde mehr Schüler aufnehmen muss, als das Gymnasium eigentlich fasst. Weshalb das Dezernat Jugend, Schule und Demokratie einen Vorschlag ausgearbeitet hat, dass das Kant-Gymnasium eine Außenstelle bekommt und einige der neuen Klassen im alten Gebäude der Petri-Schule am Floßplatz untergebracht werden.

Denn zum Glück kann die Petri-Schule ja ausziehen. Aber irgendwie macht gerade Linke-Stadtrat Marco Götze der bauliche Zustand der alten Petri-Schule Sorgen, die er am 28. Januar deutlich äußerte.

Teilweise auch sehr drastisch. Man merkte schon, dass er selbst Lehrer ist und ihn die baulichen Bedingungen beim Lernen nicht kaltlassen. Gerade wenn es um Schüler der 5. Klassen geht, die ab Herbst in der Paul-Gruner-Straße ihre erste Bekanntschaft mit dem Gymnasium machen werden. Jeweils zwei Klassen sollen in die Außenstelle wechseln.

Und wie das so ist: Ein Lehrer denkt auch an den Alltag. Götze jedenfalls befürchtet einen „nicht planbaren Wanderzirkus“ zwischen den beiden Standorten. Und außerdem fehlen ihm die Fachkabinette vor Ort. Das Problem der Stadt ist nur: Sie hat im Süden keine weiteren Ausweichkapazitäten, wie Schulbürgermeisterin Vicki Felthaus erklärte. Es gibt nirgendwo die freien Kapazitäten, um noch zwei zusätzliche Klassen mit unterzubringen.

Insofern ist es sogar ein Glücksfall, dass die Petri-Schule in ihr neues Gebäude in der Glockenstraße umziehen kann und das Haus an der Paul-Gruner-Straße frei wird. Und es wird nicht nur für ein Schuljahr gebraucht, sondern mindestens bis 2034. Denn, so Vicki Felthaus: Jetzt sind die geburtenstärksten Jahrgänge in Leipzigs Schulen, kommen also jetzt peu à peu von den Grundschulen an Gymnasien und Oberschulen.

Frau Vicki Felthaus (Bündnis 90/Die Grünen), Beigeordnete für Jugend, Schule und Demokratie, im Leipziger Stadtrat am 28.01.2026. Foto: Jan Kaefer
Vicki Felthaus (Bündnis 90/Die Grünen), Beigeordnete für Jugend, Schule und Demokratie, im Leipziger Stadtrat am 28.01.2026. Foto: Jan Kaefer

Oder mit den Worten aus der Vorlage des Dezernats: „Nach den aktuellen Berechnungen wird bis zum Schuljahr 2029/30 die Zahl der Eingangsklassen die der Abgangsklassen in den Leipziger Gymnasien übersteigen, sodass sich die Belegungssituation weiter verschärfen wird. Auch wenn mittelfristig rückläufige Schüler/-innenzahlen erwartet werden, wird sich die angespannte Versorgungssituation in den Gymnasien nur sehr zögerlich entspannen, da die Schüler/-innen der stark besetzten Jahrgänge über acht Schuljahre in den Gymnasien verbleiben.

Bis zum Schuljahr 2032/33 ist daher die Richtkapazität der Gymnasien ausgeschöpft. Erst ab dem Schuljahr 2033/34 werden die vorhandenen und die bis zu diesem Zeitpunkt ans Netz gegangenen Schulen für die Versorgung mit gymnasialen Schulplätzen ausreichen. Zusätzliche Kapazitäten sind bis zu diesem Zeitpunkt daher temporär zur Bedarfsdeckung erforderlich.

Mit dem Beschluss VII-DS-06985 wurde die Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes am Standort Glockenstraße 6 beschlossen. Nach Fertigstellung des Objektes zum Schuljahr 2026/27 zieht die Petrischule dauerhaft in das sanierte Gebäude. Das dann freiwerdende Gebäude in der Paul-Gruner-Straße 50 steht damit zur Deckung der temporären Mehrbedarfe an Schulplätzen im gymnasialen Bereich zur Verfügung.“

Nur kleinere Reparaturen sind möglich

Nur: Das Gebäude kann nicht grundlegend saniert werden, um zur Außenstelle des Kant-Gymnasiums zu werden. Dazu fehlen sowohl Geld als auch Zeit. Auch wenn im Stadtbezirksbeirat Süd die baulichen Mängel im alten Gebäude sehr wohl diskutiert wurden. Die Stadt hat – kleinere – Reparaturen zugesagt, damit das Haus für die einziehenden Schüler und Schülerinnen einigermaßen intakt ist. Nur für eine große Sanierung fehlt auch das Geld. Was auch Thomax Kumbernuß (Die PARTEI) feststellte, der aber auch von einem 9:0-Votum des Stadtbezirksbeirats Süd für die Bildung der Außenstelle berichtete.

Bemerkenswert war dann freilich der Einwurf von CDU-Stadtrat Karsten Albrecht, der Marco Götze Unredlichkeit vorwarf. Ein Wort, das in den Wortmeldungen der CDU öfters aufzutauchen scheint. Und im Stadtrat einfach nicht hingehört, worauf ihn auch Götze hinwies. Jede Fraktion darf ihre Bedenken zu Vorlagen vortragen, darf mit diesen einverstanden sein oder dagegen. Anderen Fraktionen Unredlichkeit zu unterstellen, wenn sie das tun, ist – wie Götze anmerkte – undemokratisch.

Auch wenn sich Götze dann von Vicki Felthaus auch sagen lassen musste, dass Leipzigs Schulkapazitäten derzeit so eng sind, dass es schlicht andernorts keine Möglichkeit gibt, zwei Klassen pro Jahr zusätzlich unterzubringen. Was auch daran liegt, dass Eltern ihre Kinder bevorzugt an Gymnasien anmelden. In diesem Jahr seien 58 Prozent der Anmeldungen für weiterführende Schulen ans Gymnasium erfolgt, so Vicki Felthaus.

Und so betonte die Vorlage: „Der Auszug der Petrischule aus dem Gebäude in der Paul-Gruner-Straße findet nach Inbetriebnahme des sanierten Oberschulgebäudes in der Glockenstraße zum Schuljahr 2026/27 statt.
Zum Schuljahr 2026/27 wird die temporäre Außenstelle der Immanuel-Kant-Schule eingerichtet. Die Kapazität der Schule erhöht sich durch die Inbetriebnahme der Außenstelle um zwei Züge. Somit ist die Aufnahme von zwei zusätzlichen Eingangsklassen pro Schuljahr an der Schule möglich. Mit dem Rückgang der Schülerzahlen im gymnasialen Bereich kann die Kapazität des Gymnasiums entsprechend schrittweise reduziert und die Außenstelle perspektivisch aufgegeben werden.“

Aber das wird ein paar Jahre dauern. Die Außenstelle wird also einige Jahre lang gebraucht. Und sie wird kommen, denn die Ratsmehrheit stimmte am 28. Januar der Verwaltungsvorlage mit 44:7 Stimmen zu, während sich 10 Stadträt/-innen enthielten.

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