Leipzigs bekanntester TV-Lehrer erinnert heute am bundesweiten Tag der Kinderhospizarbeit an das Schicksal von unheilbar kranken Kindern. Am Bundesverwaltungsgericht wird am Vormittag ein Urteil NICHT gesprochen, auf das viele gewartet haben. Und weil Arbeitskampf nichts ist, was gefallen soll, geht der Warnstreik von ver.di auch an diesem Tag weiter.

Vor dem Urteil ziehen „Germanen“ Verhandlungs-Joker

Eigentlich war heute mit einem bindenden Rechtsspruch zu rechnen. Ende Januar hatte das Bundesverwaltungsgericht über eine Verbotsverfügung verhandelt, die Schlagzeilen machte. Das Bundesinnenministerium unter der damaligen Ministerin Nancy Faeser (SPD) verfügte im August 2023 schriftlich das Verbot der Vereinigung „Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensmäßiger Lebensgestaltung e. V.“ und aller Teilorganisationen, genannt „Gefährtschaften“, „Gilden“ und „Freundeskreise“, sowie der Teilorganisation „Familienwerk e.V.“

Die Tätigkeit der Vereinigung richte sich nach Ansicht des Ministeriums gegen die verfassungsmäßige Ordnung und widerspreche dem Gedanken der Völkerverständigung. Das Vermögen des Vereins wurde eingezogen. Dieser hatte daraufhin vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen das Verbot geklagt, bestand auf seinem Selbstverständnis als Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft, sah gerechtfertigte Voraussetzungen für ein Verbot nicht gegeben. Die LZ hatte über das Verfahren berichtet.

Der heutige Termin zur Verkündung einer Entscheidung wurde jedoch kurzfristig aufgehoben. Die beklagte Vereinigung habe einen Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung gestellt, wie das Bundesverwaltungsgericht mitteilt. Sie habe dies mit einem neuen Sachverhalt begründet, der ihr erst nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung bekannt geworden sei.

Dieser beträfe Erkenntnisse aus einem anderen laufenden Ermittlungsverfahren gegen eine Person aus dem Umfeld des verbotenen Vereins. Ein neuer Verhandlungstermin wird von Amts wegen bestimmt und verkündet.

Der Saal bleibt heute leer. Die Entscheidung des BVerwG zur sogenannten Germanischen Glaubensgemeinschaft”wurde verschoben. Foto: Lucas Böhme

Gewerkschaft ver.di weitet Warnstreik aus

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat einen Tag vor der morgen in Potsdam beginnenden dritten Verhandlungsrunde des laufenden Tarifstreits ihren Warnstreik deutlich ausgeweitet. In mehreren Bundesländern zur Arbeitsniederlegung aufgerufen sind erneut Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Landesämtern und Universitätskliniken.

Dadurch kommt es voraussichtlich auch in Leipzig zu Einschränkungen in Betriebsabläufen, z. B. mit reduziertem Mensaangebot oder gar Schließungen von Mensen und Cafeterien des Studentenwerks. Die Gewerkschaft erwartet die Beteiligung von Beschäftigten des studentischen und öffentlichen Dienstes, was Auswirkungen auf Services und Versorgung vor Ort haben kann.

Um 8 Uhr trafen sich hunderte Streikwillige zu einer Kundgebung in der Liebigstraße, die im Anschluss über den Leuschner-Platz zum Burgplatz zogen. Erneut weist das Universitätsklinikum auf seiner Website darauf hin, dass es in den Bereichen von Ambulanzen und Diagnostik zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Die Gewerkschaft ver.di fordert in den derzeitigen Verhandlungen von der Arbeitgeberseite 7 % mehr Lohn, mindestens aber 300 Euro mehr im Monat. Von den heutigen Streik-Aktionen berichtet im Tagesverlauf unser Reporter Thomas Köhler.

Angestellte der Uniklinik heute Morgen bei ihrer Kundgebung in der Liebigstraße. Foto: Thomas Köhler

„Der Lehrer“-Star unterstützt den Tag der Kinderhospizarbeit

Heute findet der bundesweite Tag der Kinderhospizarbeit statt. Der Aktionstag wurde vor 20 Jahren vom Deutschen Kinderhospizverein e.V. ins Leben gerufen und macht auf die Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzenden Erkrankungen aufmerksam. In Deutschland sind davon rund 50.000 junge Menschen betroffen, deren Krankheiten nicht heilbar sind und häufig schon in frühen Lebensjahren zum Tod führen.

Das Kinderhospiz Bärenherz Leipzig ist die einzige stationäre Einrichtung ihrer Art in Sachsen. Hier werden die Familien mit schwerstkranken Kindern und Jugendlichen begleitet, medizinisch versorgt und bekommen psychosoziale Unterstützung. Als sichtbares Zeichen der Solidarität hat das Leipziger Kinderhospiz im Vorfeld des 10. Februar mehr als 500 grüne Schleifen verschickt (siehe heutiges Titelfoto). „Wir hoffen nun, dass sie heute an der einen oder anderen Stelle, an Fenstern, Taschen oder Fahrzeugen zu sehen sind und auf den Tag der Kinderhospizarbeit aufmerksam machen“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Herkner.

Das Leipziger Kinderhospiz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Sachsen. Foto: Bärenherz
Das Leipziger Kinderhospiz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Sachsen. Foto: Bärenherz

Prominente Unterstützung bekommt die Initiative, die ohne staatliche Bezuschussung arbeitet, von Leipzigs bekanntestem „Lehrer“ – dem Schauspieler Hendrik Duryn. Seit 2018 ist er Botschafter des Leipziger Kinderhospizes und versteht sich nach eigener Aussage als „Fahnenträger“ des Vereins. „Das ist mein grundsätzliches Berufsbild, wenn man den ‚Künstler‘ als etwas Relevantes betrachten will“, erklärt er gegenüber LZ sein Engagement.

Um die Öffentlichkeit für das Schicksal der schwerstkranken Kinder und Jugendlichen zu sensibilisieren und um Unterstützung für die Arbeit von Bärenherz zu bitten, veröffentlichte er anlässlich des Aktionstages ein Video auf seinen Social-Media-Kanälen.

Der 1967 in Leipzig geborene Schauspieler wurde u.a. durch seine Rolle in der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ bekannt. Seit 2009 steht er bei RTL als Stefan Vollmer vor der Kamera. Die beliebte Geschichte um den unkonventionellen Lehrer erhielt 2014 den Deutschen Comedy-Preis in der Kategorie „Beste Comedy-Serie“.

Hendrik Duryn bittet um Spenden für das Kinderhospiz Bärenherz. Screenshot: Instagram

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