Der Bundestag hat ein neues Wehrdienstgesetz beschlossen. In Leipzig und anderen deutschen Städten gingen daher zahlreiche junge Menschen zu Protesten auf die Straße. Und: Die Innenminister schaffen ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum und setzen beim Thema Stadionsicherheit auf Dialog. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 5. Dezember 2025, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Neues Wehrdienstgesetz vom Bundestag beschlossen

Am heutigen Freitag hat der Bundestag mehrheitlich für die Einführung eines neuen Wehrdienstes abgestimmt. In dem namentlichen Voting waren 323 Abgebordnete dafür und 272 Abgeordnete dagegen gewesen, zudem gab es eine Enthaltung. Damit das Gesetz mit Beginn des neuen Jahres in Kraft treten kann, muss nun noch der Bundesrat sein Okay geben.

Damit soll die Grundlage für eine personelle Aufstockung der Bundeswehr gelegt werden. Zur Prüfung einer grundsätzlichen Wehrdienstfähigkeit soll es für alle ab 2008 geborenen jungen Männer künftig verpflichtende Musterungen geben. Ziel bleibt aber vor allem die Rekrutierung von mehr Freiwilligen. Falls es die Lage erfordert, behält sich das Verteidigungsministerium aber die Einführung einer Bedarfswehrpflicht vor. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung gilt dabei nach wie vor.

Bundesweit gab es heute, begleitend zur Bundestagsabstimmung, Schüler-Proteste gegen die neue Wehrpflicht. Auch in Leipzig war für den Zeitraum von 9 bis 17 Uhr eine Kundgebung auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz initiiert worden, an der sich etwa 200 junge Menschen beteiligten. Parallel dazu gab es am Mittag eine Demonstration vor der Karriereberatung der Bundeswehr in der Hainstraße.

Die Linke Sachsen unterstützte den Schulstreik auch aktiv vor Ort. „Statt eine neue Wehrpflicht einzuführen, brauchen wir eine moderne und gut ausgestattete Freiwilligenarmee, die Menschen mit guten Arbeitsbedingungen, verlässlicher sozialer Absicherung und klar demokratischen Werten überzeugt“, äußerte sich beispielsweise der Landesvorsitzende Marco Böhme. „Als Linke stehen wir daher allen jungen Menschen, die den Kriegsdienst verweigern wollen und eine Militarisierung dieser Gesellschaft ablehnen, mit Rat und Tat zur Seite. Dafür werden wir in den kommenden Wochen landesweit Beratungsangebote schaffen.“

Zur Stunde findet unter dem Motto „Wehr dich gegen die Wehrpflicht!“ eine Demonstration rund um den Innenstadtring statt. Dazu werden rund 1.500 Teilnehmende erwartet. Zwischen 17 und 19 Uhr ist daher mit Verkehrseinschränkungen ist zu rechnen.

Innenminister beschließen Drohnenabwehrzentrum

Die 224. Innenministerkonferenz (IMK) ist heute in Bremen zu Ende gegangen. Insgesamt 78 Tagesordnungspunkte standen dabei auf dem Programm, 66 Beschlüsse wurden gefasst. So verständigten sich die Teilnehmer auf die Einrichtung eines gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums von Bund und Ländern unter Federführung des Bundes. Dadurch soll der Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden verbessert, polizeiliche Kompetenzen gestärkt und ein bundesweites Lagebild zu Drohnenaktivitäten erstellt werden.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte dazu: „Das neue Drohnen-Abwehrzentrum bündelt die Kräfte von Bund und Ländern, verzahnt zivile und militärische Fähigkeiten im Einsatzfall und schafft ein bundesweites Lagebild. Angesichts einer Entwicklung, in der die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen, schaffen wir klare Strukturen und Handlungsfähigkeit.“

Außerdem wurde unter anderem über Rahmenbedingungen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Stärkung der Inneren Sicherheit und Unterstützung der Arbeit von Polizei und Sicherheitsbehörden diskutiert. Desweiteres soll künftig eine vereinfachte Beantragung von Abschiebehaft bei untergetauchten abgelehnten Asylbewerbern möglich werden.

Die Innenministerinnen und -minister sowie Innensenatoren und Innensenatorin der Länder im Bremer Rathaus. Foto: Innenressort

Ein Aufreger-Thema im Vorfeld der IMK waren die avisierten Maßnahmen zur Stadionsicherheit bei Fußballspielen gewesen. Vor allem die Sorge über die mögliche Einführung von personalisierte Tickets und einer Gesichtserkennung ließen bei den Fans Widerstand aufkommen. Doch diese drastischen Maßnahmen sind nun vorerst vom Tisch.

Stattdessen einigten sich die Innenminister auf den Kurs „Dialog statt Konfrontation“. Der IMK-Vorsitzende und Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) fasst zusammen: „Bei den Stadionverboten schaffen wir einheitliche Standards durch eine zentrale, unabhängige, bundesweite Kommission. Klare Regeln, transparente Verfahren – das bringt mehr Rechtssicherheit für alle.“

Und weiter sagt er: „Zusammen mit den Vereinen und den Fans haben wir das gemeinsame Interesse, dass sich die Menschen im Stadion sicher fühlen. Es gibt aber auch Themen, an denen wir weiter sensibel arbeiten werden – wie zum Beispiel beim Thema Pyrotechnik. Einige Wenige nutzen die Stadien als Bühne für Gewalt und schaden der friedlichen Mehrheit. Dagegen gehen wir vor – aber mit Augenmaß und im Dialog mit allen Beteiligten.“

Groß-Demonstration der Fußball-Fanszenen Deutschlands unter dem Motto: “Der Fußball ist sicher! Schluss mit Populismus – Ja zur Fankultur!” am 16.11.2025, Innenstadtring Leipzig. Foto: Jan Kaefer

Worüber die LZ heute berichtet hat:

Der Stadtrat tagte: Der Uralt-Vertrag zur Parkpflege fällt der Stadt gleich doppelt auf die Füße

Der Stadtrat tagte: Immer mehr Leipziger Bürgergeldempfänger rutschen in die Wohnkostenlücke

Der Stadtrat tagte: Das D-Ticket für Leipzig-Pass-Inhaber steigt 2026 auf 43 Euro

Preisverleihung am 22. Januar 2026: Marko Martin erhält den Werner-Schulz-Preis 2026

Bolschoi oder Berghain: Ein ganzes Poesiealbum über die Tänze unseres Lebens

Premiere am 17. Dezember in der Residenz in der Spinnerei: „Gut Gemacht!“

Was sonst noch wichtig war:

Das Leipziger Schulmuseum am Goerdelerring feierte sein 25-jähriges Jubiläum. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher zählte die Einrichtung dabei jährlich. Mit rund 25.000 historischen Schulmöbeln, Karten, Lehrmitteln, Fotografien und Dokumenten verfügt das Haus über die umfangreichste bildungsgeschichtliche Spezialsammlung in Ostdeutschland.

Wegen Verstößen gegen den europäischen Digital Services Act (DSA) hat die EU-Kommission gegen die Social Media-Plattform X eine Strafe von 120 Millionen Euro verhängt.

Der Bundestag hat dem im Vorfeld hart kritisierte Rentenpaket letztlich mit klarer Mehrheit von 316 zu 224 Stimmen (bei 53 Enthaltungen) zugestimmt.

„KI-Ära“ ist zum Wort des Jahres 2025 gekürt worden. Auf den Plätzen zwei und drei folgten „Deal“ und „Land gegen Frieden“.

Vier Tote hat es im Pazifik bei einem US-Angriff auf ein mutmaßlich mit Drogen beladenes Boot gegeben.

Empfohlen auf LZ

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Es gibt 11 Kommentare

Eine Demokratie, die keinen (General-) Streik verträgt, ist max. bedingt demokratisch. Als legitimes Mittel im Kampf stets bewährt. Die klugen Schüler wissen das. Eine Bildungsreise nach Belgien oder im Geschichtsbuch (Dreigroschenstreik) blättern, könnte helfen.

Zahnarzt A. Schuster ist auch gut: “verzahnt zivile und militärische Fähigkeiten” – die Kauleiste wird dann wohl auch so aussehen.

Doch, lieber Lutz 70, eigentlich schon.
Aber Sie antworteten ziemlich direkt und sachlich auf die Ihnen gestellte Frage (machen manche nicht hier). Offenbar habe ich den Humor übersehen bei diesem wichtigen Thema.
In den vier Zeilen war wenig bis keine Beurteilung; zuletzt sogar eher ein Lob und Respekt.

Natürlich tragen Sie wie wir alle finanziell zum Bundes- und Stadthaushalt bei. Aber: Von Steuern allein lebt keine Demokratie – das gilt ebenso für Autokratien. Demokratie entsteht erst durch Beteiligung, Verantwortung und gemeinsame Anstrengung.

Gerade beim Thema Schulstreik nahm ich jedoch bei einigen Stimmen eine Haltung wahr, bei der ich die Nachtigall deutlich trampeln hörte.
Deutschland hat lange auf Pump und von alter Technologie gelebt – von den Erfolgen früherer Jahrzehnte gezehrt. Die Substanz ist dünn geworden, sichtbar im momentanen Herumkurieren der Politik, etwa beim Rentenpaket oder diversen „Verschiebebahnhöfen“. Gleichzeitig steckt das Parteiensystem in einer selbstverschuldeten Krise, verstärkt durch den Auftrieb rechtsextremer Kräfte.

Für die junge Generation ist das bitter, keine Frage! Aber ein Teil dieser Misere hängt auch mit Anspruchshaltung und Bequemlichkeit zusammen. Jetzt braucht es Engagement von allen – Jung wie Alt. Jeder kann und sollte etwas beitragen.

Sie haben schon bereits einiges getan, weit über das Steuerzahlen hinaus. Und auch ich sehe meinen Anteil.
Das Thema Wehrdienst, in welcher Form auch immer er gestaltet wird, ist ein heißes Eisen. Aber eines ist klar: Streiks werden dieses Problem nicht lösen. Demokratie muss, so unangenehm das für viele ist, wehrhaft sein: politisch, gesellschaftlich und im Ernstfall auch praktisch.

Beste Grüße

Christian, ich merke mit Humor haben Sie es nicht so. Immerhin füllt auch mein Beitrag (Geld) unser Stadtsäckel. Und wie Sie wissen werden damit Mitarbeiter/innen sowie div.Ausgaben von unserer Stadt getätigt. Wieso tätige ich keinen Beitrag für mein Heimatland… Obendrein würde ich mir im Leben nicht eine Beurteilung erlauben von jemandem den ich nicht persönlich kenne. Sie haben keine Ahnung von meinem Leben. Genau das ist Heutzutage ein sehr großes Problem jemandem zu beurteilen den man überhaupt nicht kennt. LG

Leider stehen die Chancen dafür schlecht, daß die Reaktivierung der Wehrpflicht nicht kommen wird. Daß aber die vielen tausend Leute, die ich gestern kurz vor sechs auf dem Dittrichring sah, nicht ebenso gegen Aufrüstung und alle diesbezüglichen Folgen protestieren, scheint mir die sich eigentlich stellende Frage zu sein. Und über die o.g. Vorstellung, daß ein Land für einen kämpfen sollte, damit man für es zu kämpfen bereit werden könne, muß ich noch nachdenken.

Es waren ziemlich genau 3.000 Leipziger Schülerinnen und Schüler zur 17 Uhr-Demo um den Ring unterwegs (zweifach geprüft; Fehlerquote +/- 5%). Großartig, weiter so!

Also Lutz70, mit Ihrem “Engagement” als “treuer Lohn/Einkommensteuerzahler” und “Sponsor des Ordnungsamtes Leipzig” werden Sie bestimmt nur Lacher ernten. Damit bringen Sie Ihr Heimatland oder die Demokratie kein bisschen weiter.

Respekt aber vor dem Einsatz als Trainer – das war fürwahr ein guter und hilfreicher Beitrag.

Als ich die Parolen des Schulstreiks las, konnte ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln.
Man könnte entschuldigend sagen, diese Menschen sind noch nicht gebildet genug.
Oder ist das vielleicht bereits Ausdruck der fehlenden gesellschaftlichen und politischen Bildung?

Ich finde ein Jahr Gesellschaftsdienst – wie auch immer für jeden geartet – ganz gut und dienlich.
Des Weiteren sollte man sich in seinem weiteren Leben mindestens eine Beschäftigung oder ein Engagement suchen, was der Gesellschaft hilft und nützt. Sei es sportlich, kulturell, technisch… was auch immer.
Hier sehe ich, selbst in meiner Familie, Menschen, die sich diesbezüglich völlig abgekoppelt haben, eine “Lebensunterhaltung” der Gesellschaft erwarten, und dann über alles Unpassende für sie schimpfen. Und übrigens denken, mit dem Steuerzahlen sei es getan.

Bahnschranke,
Ich weiß ja nicht was Sie gemacht haben. Der Begriff Fahne ist vielen noch ein Begriff. Ich habe zur Wendezeit in der NVA (Schumannnkaserne gedient). Zu Ihrer Frage Leipzig habe ich zum Ende meiner Dienstzeit die Kaserne Besenrein verlassen… Zum Thema Bundesrepublik, ich bin seit dem ein treuer Lohn/Einkommensteuerzahler. Sponsor des Ordnungsamtes Leipzig und habe bei meinen Fußballverein die erste Jugendmannschaft nach der Wende geleitet. Müßte für zwei Leben reichen…

Lutz, was hast du konkret getan, um die Stadt Leipzig und die Bundesrepublik Deutschland voran zu bringen?

Bei der Fahne würde unsere Jugend mal einen Crashkurs in Ordnung und Disziplin bekommen. Hat mir auch im Leben geholfen. Sie können ja immer noch zwischen Militär-und.Zivildienst wählen. Für viele wahrscheinlich der einzige Beitrag für ihr Heimatland.

Ohne die Begriffe “Volk” und “Nationalstaat” wird sich das nicht klären lassen.
Bislang funktioniert Demokratie nur auf dem Niveau des Nationalstaats.

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