Im Rathaus beraten heute Fachleute über den Umgang mit Schulabsentismus und den möglichen Folgen. Seit dem Morgen gehen deutschlandweit  tausende Schülerinnen und Schüler gegen das neue Wehrpflichtgesetz auf die Straße. Aufgrufen hat ein offenes Bündnis  „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Und die Sparkasse Leipzig feiert heute nach mehrjähriger Schließung die Wiedereröffnung ihrer Kunsthalle in der Otto-Schill-Straße.

Expertentag zu Gefahren des Schuleschwänzens

Schule ist Pflicht und kann dennoch Freude bereiten. Doch was, wenn diese Pflicht zur Belastung für die Seele wird, Druck aufbaut, letztlich dazu führt, dass Kinder und Jugendliche dem Unterricht fernbleiben, mit oder ohne das Wissen der Eltern? Heute befasst sich im Neuen Rathaus ein Präventionstag mit dieser Problematik und deren mitunter schwerwiegenden Folgen. Unter dem Titel „Brücken bauen gegen Schulabsentismus und Jugendkriminalität“ kommen Fachkräfte zusammen, um über Ursachen, Entwicklungen und mögliche Gegenstrategien zu beraten.

Studien zeigen, dass Jugendliche, die regelmäßig in der Schule fehlen, ein erhöhtes Risiko haben, in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu werden. Der Fachtag greift diese Problematik auf. Die Teilnehmer erhalten Einblicke in den aktuellen Forschungsstand sowie in praktische Ansätze aus der Präventionsarbeit. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen unterschiedlichen Berufszweigen, die dennoch durch das Themenfeld verbunden sind. Lehrkräfte und Schulleitungen treffen auf Vertreter der Polizei, der Jugendgerichtshilfe sowie Mitarbeitende aus Beratungs- und Unterstützungsangeboten.

Ziel ist es, gemeinsam Wege zu finden, um betroffene Kinder und Jugendliche frühzeitig zu erreichen und ihnen Perspektiven zu eröffnen. Diskutiert wird unter anderem, wie sich soziale Isolation, psychische Belastungen und gesellschaftliche Unsicherheiten auf junge Menschen auswirken. Auch Möglichkeiten der Kriminalitätsprävention werden thematisiert.

Ein hilfreicher Fokus liegt auf der konkreten Situation in Leipzig: Welche Möglichkeiten und Grenzen haben hier pädagogische und strafrechtliche Maßnahmen im Umgang mit Schulabsentismus und Jugendkriminalität? Vorgestellt werden Ansätze, wie multiprofessionelle Teams an Schulen zusammenarbeiten können, um Schulangst und Schulverweigerung entgegenzuwirken.

Veranstalter des Präventionstages ist das Leipziger Schulamt.

Schulstreik gegen Wehrpflichtgesetz

Bundesweit sind heute Schülerinnen und Schüler zu einem Streik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aufgerufen. Unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ sind mehrere Aktionen über den gesamten Tag verteilt angekündigt. Aufgerufen hat dazu ein Bündnis aus Jugend- und Schülerorganisationen. Nach Angaben der Initiatoren sind Demonstrationen in mehr als 70 Städten geplant.

Bereits am Morgen starten in Leipzig sogenannte Zubringer-Demonstrationen aus verschiedenen Stadtteilen in Richtung Innenstadt. Treffpunkte sind um 8.45 Uhr am Möbiusplatz sowie jeweils um 9 Uhr an der Tarostraße und am Felsenkeller in Lindenau. Von dort ziehen die Gruppen gemeinsam zum Augustusplatz, wo für 10 Uhr eine zentrale Kundgebung geplant ist. Anschließend soll eine Demonstration durch die Innenstadt führen, deren Ende gegen 13 Uhr erwartet wird. Am Nachmittag folgt eine weitere große Demonstration. Sie beginnt um 17 Uhr erneut am Augustusplatz und führt über Grimmaische Straße, Petersstraße und Schillerstraße auf den Innenstadtring. Von dort verläuft der Zug über Martin-Luther-Ring, Dittrichring, Goerdelerring, Tröndlinring und Willy-Brandt-Platz weiter über den Georgiring zurück zum Ausgangspunkt.

Schülerinnen und Schüler auf dem Augustusplatz. Foto: Lucas Böhme

Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Leipzig bestätigte, sind bei Zusammenzählung aller genehmigter Aufzüge und Demonstrationen bis zu 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Entlang der Route ist daher vor allem zwischen 17 und 19 Uhr mit erheblichen Verkehrsbehinderungen in der Leipziger Innenstadt zu rechnen. Hintergrund der Demonstrationen ist Kritik am neuen Wehrdienstmodell, das seit Jahresbeginn gilt.

Schülerinnen und Schüler müssen bei einer Teilnahme an den Aktionen bedenken, dass sie der Schulpflicht unterliegen (§26 Sächsisches Schulgesetz). Anders als im regulären Streikrecht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, besteht im Schulbetrieb kein Streikrecht. Darauf haben entsprechende Behörden bereits anlässlich des ersten Schulstreiks gegen das neue Wehrpflichtgesetz im Dezember hingewiesen. Wie mit diesem Umstand umgegangen wird, entscheiden am Ende die Schulen individuell. Theoretisch sind sie verpflichtet, die Anwesenheit während der Unterrichtszeit durchzusetzen und deren Nichterfüllung zu ahnden.

Vom Streiktag berichtet im Tagesverlauf unser Reporter Lucas Böhme.

Einer der angemeldeten Demonstrationszüge führte am Morgen vom Leuschner- zum Augustusplatz. Foto: Lucas Böhme

Kunsthalle wird nach Umbau neu eröffnet

Pünktlich im Jubiläumsjahr öffnet die Sparkasse nach mehrjähriger Pause wieder ihre Kunstsammlung. „Die Wiedereröffnung ist ein wunderbares Geschenk, das wir nicht nur uns, sondern auch allen Besucherinnen und Besuchern, Kunstinteressenten und Fans der Leipziger Schule machen können“, zitiert das Bankhaus Dr. Harald Langenfeld, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Leipzig in einer Medieninformation.

Die Einrichtung in der Otto-Schill-Straße 4 war etwas mehr als fünf Jahre geschlossen. Während der Corona-Pandemie wurde der Ausstellungs- und Publikumsverkehr eingestellt. Die Sparkasse Leipzig entwickelte in der Folge ein neues Nutzungskonzept für die Kunsthalle. Die erste Schau trägt den Titel „Im Angesicht der Zeiten“ und widmet sich der Darstellung der menschlichen Figur in der Leipziger Kunst seit den 1950er-Jahren. Präsentiert werden über 60 Werke aus sechs Jahrzehnten Leipziger Kunstgeschichte – Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur.

Ergänzt werden die gezeigten Werke durch „Interventionen“ junger Künstlerinnen und Künstler, die durch eine Kooperation mit der Klasse für Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) unter der Leitung von Prof. Ivana de Vivanco und Elena Kovylyaeva künstlerisches „Jetzt“ in die Ausstellung einziehen. Eröffnet wird sie heute Abend 19 Uhr und ist bis 26. Dezember 2026 immer mittwochs von 13 bis 18 Uhr, oder nach individueller Vereinbarung (0341 986-1660) zu besichtigen. Der Katalog zur aktuellen Ausstellung „Im Angesicht der Zeiten“ ist bereits online einsehbar.

Blick in die Ausstellung „Im Angesicht der Zeiten“. Foto: Sparkasse Leipzig / Frenzy Höhne

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