Im Bundestag stehen heute mögliche Änderungen an der 2024 beschlossenen Krankenhausreform mit Auswirkungen in die Regionen zur Abstimmung. Eine Ausstellung widmet sich dem durch die Machtergreifung der Nazis zerstörten jüdischen Leben im Norden Leipzigs. Der „Tag der Archive“ freut sich auf den Punk-Zeitzeugen Bernd Stracke – und wir schauen auf das bevorstehende Fußball-Wochenende.
Aus dem Stasi-Knast freigekaufte Punklegende
Bernd Stracke (geb. 1963) gehört zur ersten Generation der Leipziger Punks. Und die von Jürgen Gutjahr gegründete Band „Wutanfall“, in der er sang, war ein Begriff selbst in Kreisen, in denen Punkmusik eher eine untergeordnete Rolle spielte. Der Name galt als Synonym für Rebellion und Unangepasstheit, als Code für den Widerstand gegen die Engstirnigkeit der SED-Betonköpfe. Nach Schulausbildung und einer Lehre als Holzmodellbauer stieg Stracke 1981 in die Szene ein, verweigerte den Waffendienst und geriet früh ins Visier von Polizei und Staatssicherheit. Musikalisch war er in zentralen Leipziger Szene-Bands aktiv: „Wutanfall“ machte ihn über die Stadtgrenzen bekannt – und bei der Stasi unbeliebt. Die „H.A.U.“ (Halbgewalkte Anarchistische Untergrundbewegung), aus der später „L’Attentat“ hervorging, verfestigten das Misstrauen der Sicherheitsorgane. Für westliche Fanzines schrieb der Leipziger über den Punk im Osten, was ihm erste Repressionen bescherte. Doch es blieb nicht bei den üblichen Gängelungen: 1983 wurde Stracke im Zusammenhang mit einer Kerzendemonstration im Umfeld der Dokumentar- und Kurzfilmwoche erstmals verhaftet und wegen „Rowdytums“ verurteilt.
1985 folgte die zweite Verhaftung. Urteil: 1 Jahr und 7 Monate Knast. 1986 wurde der Künstler aus der Haft „freigekauft“ und reiste nach West-Berlin aus – der Bruch zwischen alter und künftiger Heimat wurde zum prägenden Einschnitt. Heute arbeitet Stracke als Sozialpädagoge. Am Samstag erzählt er um 14 Uhr beim Zeitzeugengespräch im Archiv Bürgerbewegung Leipzig (Haus der Demokratie, Bernhard-Göring-Straße 152 ) über Punk-Alltag, Überwachung, Haft – und das Ankommen im Westen. „Es wird jetzt so viel weggelassen und relativiert. Über die Montagsdemos wird noch gesprochen, aber die Vorgeschichten, die ganze Bewegung, die erst dazu führte, gerät in Vergessenheit“, erklärt der einstige Musiker gegenüber LZ seinen Antrieb, heutzutage Zeugnis abzulegen.
Unser Titelfoto stammt von der bekannten Leipziger Fotografin Christiane Eisler, die an diesem Wochenende in Nordfrankreich eine umfangreiche Ausstellung mit fast 100 ihrer Werke eröffnet.

Reform der Reform heute im Bundestag
Der Bundestag berät heute über Änderungen an der Krankenhausreform. Grundlage ist ein neues Anpassungsgesetz, das einzelne Bestimmungen der 2024 verabschiedeten Reform konkretisieren und teilweise flexibler ausgestalten soll. Hintergrund ist, die geplanten Umstellungen im Kliniksystem leichter umgesetzen zu können. Ein zentraler Punkt der geplanten Änderungen betrifft die Rolle der Bundesländer. Sie sollen künftig mehr Spielraum bei der Planung der Krankenhauslandschaft erhalten und flexibler festlegen können, welche Einrichtungen bestimmte medizinische Leistungen anbieten.
Darüber hinaus sind Sonderregelungen vorgesehen, die einzelnen Kliniken Erleichterungen bei neuen Strukturvorgaben ermöglichen. Außerdem ist geplant, die Fristen für die Umsetzung der Reform zu verlängern. Vor allem kleinere Krankenhäuser und Einrichtungen in ländlichen Regionen sollen dadurch mehr Zeit bekommen, sich auf die neuen Vorgaben einzustellen. Die Krankenhausreform verfolgt aus Sicht der Regierungskoalition das Ziel, die Versorgung stärker zu bündeln und Kliniken auf bestimmte Behandlungen zu spezialisieren. Durch definierte Leistungsgruppen und Qualitätsanforderungen sollen Behandlungen sicherer werden. Gleichzeitig ist eine schrittweise Reform der Finanzierung vorgesehen. Die aktuellen Änderungen sollen dazu beitragen, die Reform im föderalen Gesundheitssystem besser umsetzen zu können.
Kritik an der Krankenhausreform kommt von den Oppositionsbänken. Dort fürchtet man u.a. ein Aufweichen bundeseinheitlicher Normen in der Behandlung. Insbesondere die Fraktionen von Grünen und Linken machten in der Beratung des Gesundheitsausschusses mit zahlreichen Nachfragen deutlich, dass die Änderungen aus ihrer Sicht in die falsche Richtung gehen und die ursprüngliche Krankenhausreform, die von der Ampel-Koalition verabschiedet worden war, mit dem Anpassungsgesetz verschlechtert werde, heißt es in einer Mitteilung des Pressedienstes des Deutschen Bundestages.
Jüdisches Leben im Norden der Stadt
Eine neue Ausstellung richtet ab heute den Blick auf ein Kapitel der Stadtgeschichte, das lange zum Alltag im Leipziger Norden gehörte, durch den Nationalsozialismus jedoch gewaltsam beendet wurde. Unter dem Titel „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“ erzählt die Präsentation von jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern in Gohlis und der äußeren Nordvorstadt.
Im Mittelpunkt stehen Lebensgeschichten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Historische Dokumente und biografische Beispiele zeigen, wie jüdische Familien das wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Leben der Stadt mitgestalteten. Viele von ihnen lebten rund um den Nordplatz und waren als Kaufleute, Unternehmer oder Wissenschaftler tätig.
Gleichzeitig macht die Ausstellung deutlich, wie abrupt diese gewachsene Nachbarschaft endete. Mit der Machtübernahme 1933 durch die Nazis setzte die systematische Verfolgung ein. Zahlreiche Familien mussten Deutschland verlassen, wurden deportiert oder ermordet. Ihre Nachkommen leben heute in verschiedenen Teilen der Welt.
Der Titel der Ausstellung greift eine bekannte Zeile von Heinrich Heine auf. Die deutsch-jüdische Dichterin Mascha Kaléko nahm sie später in ihrem Gedicht „Im Exil“ (1943) wieder auf. Der Satz steht heute sinnbildlich für den Verlust von Heimat und Zugehörigkeit, den viele jüdische Deutsche im Exil erfahren mussten.
Konzipiert wurde die Ausstellung von der Leipziger Autorin und Lokalhistorikerin Elisabeth Guhr. Ihr Eröffnungsvortrag spannt einen Bogen über 100 Jahre jüdisches Leben – erst im idyllischen Dorf mit seinen Sommergästen, später im daraus gewachsenen Stadtteil Gohlis, in dem es für kurze Zeit sogar eine Synagoge gab. Die Ausstellung verbindet Stadtteilgeschichte mit Lebenswegen von Menschen, die eng mit Leipzig verbunden waren und wird heute um 18 Uhr in der Gohliser Stadtteilbibliothek „Erich Loest“ (Georg-Schumann-Straße 105) eröffnet. Sie kann dann bis zum 26. Juni während der Geschäftszeiten der Einrichtung besichtigt werden.
Vorschau auf das Fußballwochenende
Auf Reisen begeben sich an diesem Wochenende die Herren der BSG Chemie. Ein Sieg im Erfurter Steigerwaldstadion könnte helfen, dem Tabellenkeller langsam zu entklettern. Der direkte Vergleich zwischen Rot-Weiß Erfurt und den Leipzigern ist nach 73 Begegnungen fast ausgeglichen. Erfurt liegt mit 28 Siegen knapp vorn, Chemie Leipzig folgt mit 27 Erfolgen, 18 Spiele endeten unentschieden. Zuletzt hatte allerdings Rot-Weiß Erfurt die Oberhand und gewann die beiden jüngsten Duelle. Am Mittwoch hatte die BSG Chemie zuhause den Chemnitzer FC mit 2:1 besiegt. Start dieser Partie in der Regionalliga Nordost ist am Sonntag um 14 Uhr.
Die blaugelbe Lokomotive dampft am Sonntag auf heimischem Rasen und empfängt den FC Carl Zeiss Jena, der dem Leipziger Tabellenführer an den Versen klebt. Beide Clubs trafen bislang 106-mal aufeinander. Lok Leipzig gewann davon 38 Partien, Jena kommt auf 34 Siege, weitere 34 Begegnungen endeten unentschieden. Damit liegt der FCL im direkten Vergleich knapp vorn. Die beiden jüngsten Duelle brachten jeweils unterschiedliche Sieger hervor: einmal gewann Jena, einmal Leipzig. Der Anpfiff im Bruno-Plache-Stadion erfolgt um 14 Uhr. Das Top-Spiel der Regionallia Nordost könnte mehr als 10.000 Zuschauer anziehen.
Die Leipziger Rasenballer bitten am Samstag den FC Augsburg zum Duell ins eigene Stadion. Beide Mannschaften trafen bislang 23-mal aufeinander. Leipzig gewann davon 13 Begegnungen, Augsburg lediglich 3. 7 Spiele endeten unentschieden. Die beiden jüngsten Duelle wurden jeweils einmal von Leipzig und einmal von Augsburg gewonnen. Für einen etwaigen Ausbau des Vorsprungs zum FCA käme Flügelspieler Yan Diomande eine wichtige Rolle zu. Der 19-Jährige führt mit 289 gewonnenen Zweikämpfen die Bundesliga an. Für Augsburgs Trainer Manuel Baum wird das Spiel am Samstag ein Auftritt auf vertrautem Boden. Er leitete von 2023 bis 2025 das hiesige Nachwuchsleistungszentrum. Das fördert seit 2009 in über 18 Mannschaften (inkl. Mädchenteams) junge Spielerinnen und Spieler unter Profibedingungen, um sie in den Lizenzbereich zu führen.Anstoß der Partie ist um 15:30 Uhr in Leipzig.
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