Die ohnehin gebeutelten Nutzer der Georg-Schwarz-Brücken haben ab heute ein Problem mehr, dafür die Anwohner der Waldstraße mit dem Zug einer aktuellen Maßnahme eines weniger. Im gesamten Stadtgebiet fangen heute die kommunalen Brunnen wieder an, zu sprudeln. Und an der Trinitatis-Kirche wird am Abend ein armenischer Kreuzstein enthüllt. LZ kennt die Hintergründe und die noch geheime Inschrift.

Wunder Punkt im Westen

Nach der Gleis-Havarie auf einer der beiden Georg-Schwarz-Brücken in Leipzig-Leutzsch beginnen heute umfangreiche Instandsetzungsarbeiten, die den Verkehr an dieser Stelle noch weiter beeinträchtigen werden. Während der Bauzeit kommt es zu erheblichen Einschränkungen für den motorisierten sowie für den Nahverkehr.

Autofahrer aus Richtung Innenstadt können die Brücke nicht mehr direkt überqueren. Der Verkehr wird über Rückmarsdorfer Straße, Paul-Langheinrich-Straße und Ludwig-Hupfeld-Straße umgeleitet. Auch die Leipziger Straße ist stadteinwärts ab der Straße An der Luppe gesperrt. Hier erfolgt die Umleitung über An der Luppe, Burgauenstraße, eine neu geschaffene Baustraße sowie Am Ritterschlößchen. Im Bereich der Baustelle wird der Verkehr mithilfe einer Ampel wechselseitig geführt, wodurch zusätzliche Staus entstehen werden.

Der Schienenersatzverkehr bleibt weiterhin bestehen und verbindet die Abschnitte zwischen Philipp-Reis-Straße und Burghausen über Böhlitz-Ehrenberg in beiden Richtungen. Dabei nutzt er die gleichen Umleitungsstrecken wie der Autoverkehr. Die Buslinie 80 selbst kann den Baustellenbereich ohne Einschränkungen passieren.

Für Fahrgäste wird zudem der barrierefreie Umstieg verbessert. Bereits ab dem 20. April ist an der Philipp-Reis-Straße ein Wechsel auf die gegenüberliegende Straßenseite möglich, um den Ersatzverkehr zu erreichen. Ab dem 4. Mai wird auch stadtauswärts an der Haltestelle Pfingstweide ein barrierefreier Umstieg am selben Bahnsteig eingerichtet.

Die Bauarbeiten gelten als technisch anspruchsvoll. Hintergrund ist die spezielle Konstruktion der Brücke, die besondere Anforderungen an die Instandsetzung der Gleise stellt. Ziel bleibt jedoch klar: Nach Abschluss der Arbeiten soll die Straßenbahnlinie 7 wieder regulär über die Brücke verkehren.

Eine erneute Sperrung ist im Zusammenhang mit einem geplanten Brückenneubau erst für das Jahr 2028 vorgesehen. Dann nämlich wird der gesamte Brückenbereich abgerissen und neu gebaut. Ab 2031 soll der Verkehr wieder rollen. Weitere Informationen zur Baumaßnahme sind online abrufbar. Auch die Stadt stellt ergänzende Details zum geplanten Brückenneubau bereit.

Groß, anstrengend und teuer. 100 Millionen Euro wurden für Abriss und Neubau der zweiaufeinanderfolgenden Brücken am Ende der Georg-Schwarz-Straße veranschlagt. Foto: Benjamin Weinkauf

Leipzig gedenkt des Genozids am armenischen Volk

Zwischen 1915 und 1916 wurden im Osmanischen Reich schätzungsweise 800.000 bis 1,5 Millionen Armenierinnen und Armenier deportiert und ermordet. Viele Staaten erkennen die Ereignisse als Völkermord an, darunter auch Deutschland. Leipzig begeht heute gemeinsam mit der Armenischen Kulturgemeinde Leipzig e.V. den 111. Jahrestag des Genozids an dem armenischen Volk. Geplant sind ein Friedensgebet in der Nikolaikirche sowie die Einweihung eines armenischen Kreuzsteins an der Propsteikirche St. Trinitatis.

Oberbürgermeister Burkhard Jung erklärt in einer offiziellen Mitteilung: „Wir erinnern an die Aghet, die Katastrophe, und gedenken der Opfer. Zugleich ist es unsere Verantwortung, die historischen Verbrechen klar zu benennen und das Bewusstsein dafür wachzuhalten.“  Das Gedenken beginnt um 17 Uhr mit einem Friedensgebet in der Nikolaikirche. Um 18:30 Uhr wird auf dem Gelände der Propsteikirche St. Trinitatis ein traditioneller armenischer Chatschkar eingeweiht. Das ist ein traditioneller Gedenkstein aus Armenien, in den ein Kreuz und viele feine Muster eingemeißelt sind. Er ist ein Denkmal, das an Menschen, Ereignisse oder den Glauben erinnert. Solche Steine stehen oft an wichtigen Orten und sind für viele Armenier ein Zeichen ihrer Geschichte und Kultur.

In der Nikolaikirche ist zudem die Ausstellung „Die Geschichte der Deutschen Missionen für die Armenier/-innen im Osmanischen Reich 1896–1919“ zu sehen, organisiert durch das Honorarkonsulat der Armenischen Republik in Sachsen. Der Kreuzstein wird auf Initiative der Armenischen Kulturgemeinde Leipzig e.V. errichtet. Er soll künftig als Ort des Erinnerns und der Begegnung dienen. Die armenische Gemeinde in Leipzig engagierte sich über viele Jahre für die Umsetzung des Projekts.

Enthüllt wird der Stein erst heute Abend. LZ kennt schon heute Morgen seine Inschrift:

Ein Chatschkar zum Gedenken an die etwa 1,5 Millionen Armenierinnen und Armenier sowie andere Christen, die ab 1915 dem Völkermord im Osmanischen Reich zum Opfer fielen.

Dieser Chatschkar erinnert an die Versuche der systematischen Vernichtung armenischer Kultur und Religion. Als Nachbildung eines historischen Chatschkars, der 2005 in Julfa, Nachitschewan zerstört wurde, steht er als Mahnmal für den Schutz kulturellen Erbes und gegen dessen bewusste Zerstörung. Zugleich dient der Chatschkar dem stillen Gedenken und ist ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. Er ist ein Appell an kommende Generationen, Gerechtigkeit zu wahren und ein friedliches Zusammenleben der Völker zu fördern. Die Tradition der Chatschkare gehört zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Errichtet in vertrauensvoller Partnerschaft der Städte Leipzig und Jerewan. Gestiftet durch Spenden engagierter Mitbürgerinnen und Mitbürger, initiiert von der Armenischen Kulturgemeinde Leipzig e. V.

Auf der Rückseite des Steins wird das Armenische Alphabet zu lesen sein.

Heute Abend wird an dieser Stelle ein armenischer Kreuzstein gesetzt. Foto: Benjamin Weinkauf

Auch wenn´s regnet: ab heute wird gesprudelt

Heute Vormittag startet endlich die Brunnensaison. Los geht´s mit der Fontäne auf der Fritz-von-Harck-Anlage zwischen Bundesverwaltungsgericht und Neuem Rathaus. Um 10:30 Uhr schnellt dort frisches Wasser in die Höhe.

Die Parkanlage entstand in den Jahren zwischen 1894 und 1900 als repräsentativer Schmuckplatz im Zuge der Stadterweiterung des Musikviertels. Von Anfang an gehörte ein Springbrunnen zur Gestaltung der symmetrischen Pflanzungen, Ziergitter und Wege. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit ging ein großer Teil der ursprünglichen Gestaltung verloren. Das Wasserbecken wurde nach 1945 entfernt. Damit verschwand die ursprüngliche Brunnenanlage in ihrer historischen Form vollständig.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts befand sich ein Springbrunnen zwischen dem damaligen Reichsgericht und dem Neuen Rathaus. Abbildung: Privat

Erst mit der Freilegung des Pleißemühlgrabens und einer umfassenden Neugestaltung zwischen 1999 und 2002 erhielt der Ort wieder eine Wasseranlage. Dabei orientierte man sich an der historischen Situation, ohne sie exakt zu rekonstruieren. Nach Verwaltungsangaben gibt es in Leipzig insgesamt 33 Springbrunnenanlagen und 4 Fontänen, davon seien 15 Standorte im Stadtkern konzentriert. Dazu zählen unter anderem der Mendebrunnen auf dem Augustusplatz, der Mägdebrunnen auf dem Dr.-Hinrich-Lehmann-Grube-Platz und der Märchenbrunnen am Dittrichring unweit der Thomaskirche.

Auch wenn die Brunnenanlagen bei sommerlichen Temperaturen zum Abkühlen einladen, weist die sie betreibende Stadtreinigung eindringlich darauf hin, dass sie nicht zum Baden genutzt werden dürfen. Neben der Wasserqualität, die den hygienischen Anforderungen für Badegewässer nicht entspricht, besteht Verletzungsgefahr, für die keine Haftung übernommen wird. Zudem handelt es sich in der Regel um historische und denkmalgeschützte Bauwerke mit teils sensibler Bausubstanz, die dadurch beschädigt werden könnte.

Ebenso darf Wasser nur aus dafür ausgewiesenen Trinkwasserbrunnen entnommen werden. Hierzu listen die Leipziger Wasserwerke weitere Informationen und Standorte auf: www.wasserwerke/trinkwasserbrunnen.de. Um den dauerhaften Betrieb und die Pflege der Brunnenanlagen sicherzustellen, ist die Stadt nach wie vor auf der Suche nach engagierten Patinnen und Paten. Sowohl Unternehmen als auch Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich für den Erhalt der bezaubernden Wasserspiele verschiedenster Größe einzusetzen. Weitere Informationen zur Brunnenpatenschaft finden Sie unter: www.leipzig/brunnenpatenschaften.de

Ab heute sprudeln Leipzigs Brunnen. Fritz-von-Harck-Anlage zwischen Bundesverwaltungsgericht und Neuem Rathaus. Foto: Frank Vincentz / Wikimedia Commons

Waldstraße wird schön still

Sie ist wunderschön, aber viel zu laut. Ab jetzt wird die Waldstraße von einer Problem- zur Tempo-30-Zone umgerüstet. Zur Verringerung der Lärmbelastung ordnet die Stadt auf dem gesamten Abschnitt zwischen Waldplatz und Mückenschlösschen eine Geschwindigkeitsbegrenzung  an.

In den vergangenen Wochen wurden an sämtlichen Kreuzungsbereichen bereits die nötigen Masten in die Erde gesetzt, heute folgen die markanten Schilder mit weißem Rand und der mahnenden „30“ in der Mitte. Die Kosten für die Maßnahme liegen bei rund 9.500 Euro. 136 Überschreitungen mit 50 km/h würden diese Baukosten bereits amortisieren.

Im Zuge der Arbeiten werden zudem neue Lieferzonen für das Waldstraßenviertel eingerichtet, um die Erreichbarkeit für Gewerbetreibende zu verbessern. Auf den östlichen Zufahrten der Hinrichsenstraße, Feuerbachstraße und der Wettiner Straße werden entsprechende Bereiche ausgewiesen und beschildert. Im Laufe des Jahres sollen dort zusätzlich orangefarbene Piktogramme mit einem Lieferanten und Sackkarre aufgebracht werden, um die Flächen besser sichtbar zu machen und Falschparken zu reduzieren.

Grundlage der neuen Geschwindigkeitsregelung ist die zweite Fortschreibung des Lärmaktionsplans der Stadt Leipzig. Der Abschnitt zwischen Jahnallee und Goyastraße gilt als Brennpunkt mit Werten über 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht. Neben der Lärmminderung soll das Tempolimit auch die Verkehrssicherheit erhöhen.

Schön ruhig werden! Die Waldstraße wird ab heute entspannter. Foto: Benjamin Weinkauf

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